Kein Raum für den Baum


Auf der einen Seite wird Nürnberg regelmäßig von Umweltverbänden getadelt, weil es zu wenig Straßenbäume hat. Auf der anderen Seite demonstriert SÖR seit Wochen an prominenter Stelle, warum die Baumhaltung in Nürnberg zumindest problematisch ist.

An der Südseite der Lorenzkirche hat einer der beiden Bäume, die sogar mit einer eigenen Rundbank versehen wurden, im vergangenen Jahr schlapp gemacht. Lange Zeit stand die Bank einsam um den abgesägten Baumstumpf (Bild oben). Für manchen symbolisierte sie das Kreisen um unsere Werte, für andere korrespondierte sie mit den Sitzbänken, die die Gemeinde St.Lorenz zeitweise vor die Kirche gestellt hatte. Irgendwer hat dann wohl ein Machtwort gesprochen und veranlasst, dass da wieder ein Baum zur Bank muss.

Doch dazu musste erst einmal der Baumstumpf entfernt werden. Vorletzte Woche wurde mit den Arbeiten begonnen. Weil sich Baumwurzeln weit verzweigen, vor allem, wenn sie im Untergrund immer wieder auf Hindernisse stoßen, musste der Fußgängerbereich an der Lorenzkirche weiträumig gesperrt werden – mit entsprechenden Beeinträchtigungen für die Passanten.

Erst wurde die Wurzel beseitigt, dann gleich noch öffentlichkeitswirksam auf ein anderes Phänomen verwiesen, unter dem fast jeder, der in Nürnbergs Innenstadt baut, zu leiden hat: die Archäologen. Archäologin Isabella Engler vermutete im Untergrund Reste der alten Lorenzer Friedhofsmauer. An dem mittlerweile zur veritablen Großbaustelle angewachsenen Loch legte sie Steine frei und dokumentierte alles säuberlich. Inzwischen wurde das Loch wieder zugeschüttet und harrt der jungen Robinie, die als Ersatzbaum angeschafft und der Rundbank wieder Sinn verleihen soll.


Weil der Bürger diese Demonstration dennoch fehlinterpretieren könnte oder sie nicht vollumfänglich mitbekommen hat, lieferte mir SÖR auf meine Anfrage zur Baumbaustelle noch Zusatzmaterial: eine Grafik, die die Parameter zeigt, die bei Baumpflanzungen im sogenannten Instruktionsverfahren geprüft werden müssen. Hieraus, so SÖR-Sprecherin Ulrike Goeken-Haidl, könne man erkennen, warum „wir vom SÖR mit unserem Wunsch und Auftrag, das Stadtgrün zu vervielfachen, oft nicht zum Zuge kommen“.

Angesichts des unterirdischen Leitungswirrwarrs müssen wir Nürnberger also heilfroh sein, dass es in unserer Innenstadt überhaupt noch ein paar Bäume gibt.

Falls übrigens jemand einwenden will, ich würde aus einem Baum einen Elefanten machen: Ein paar Meter weiter entdeckt der innerstädtische Fußgänger bereits die nächste Baustelle. Hier wurden zwei sinnentleerte Baumscheiben eingezäunt:

1 Kommentar in “Kein Raum für den Baum

  1. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als man zwischen Lorenzkirche und Küchen-Lösch noch PARKEN konnte !!! Damals standen dort weit mehr Bäume als heute

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