Consors-Arena statt Morlock-Stadion?

Hach, waren das noch Zeiten als der Club Meisterfeiern veranstalten durfte und einen Weltmeister in seinen Reihen hatte. Der hielt zudem auch noch seinem Verein die Treue und versorgte nach seiner Karriere Nürnberg mit Tabakwaren und Lottozetteln. Damals war nicht nur unser Club noch wer, sondern auch Geld nicht alles.

Das hat sich mittlerweile geändert. Selbst Versuche, alte Fußballromantik wenigstens im Stadionnamen aufblitzen zu lassen, werden von der Finanzwelt gesteuert. In dem Fall von der Consorsbank. Dabei war es ebenfalls eine Bank, die bei den Fans den Wunsch reifen ließ, das Stadion nach Max Morlock und nicht nach deren Produkt (easyCredit) benennen zu wollen.

In der Folge liefen die Nürnberger Ultras (damals noch Badergepampert und nicht durch seltsame Boykottaktionen – siehe hier oder hier – ins akustische und generelle Abseits geraten) durch die Straßen und skandierten: „Unser Stadion ist keine Nutte“ (via Netz10):

Doch so wie es aussieht, ist das Stadion eben doch eine. Nur hat, um im Bild zu bleiben, der Loddel gewechselt. Der Crowdfunding-Deal, der das für drei Jahre kaschiert hätte, scheint nämlich nicht zu klappen. Von den benötigten 800.000 Euro sind nach vier Wochen gerade einmal 188.000 Euro zusammengekommen. Rund 2800 Unterstützer haben sich zwar eingetragen (vom Lokaltredakteur bis zum Junge-Freiheit-Autor, von der Niemöller-Gemeinde bis zum IHK-Präsidenten, vom Dorffanclub bis zum…nein, der FCN unterstützt die Aktion nicht, was wohl ein zusätzliches Handicap ist), aber die großen Spender fehlen. Wer von Crowdfunding etwas Ahnung hat, weiß, dass da 12 Tage vor Schluss nicht mehr der ganz große Run einsetzt. Über Erfolg oder Misserfolg entscheiden meist die ersten Tage. Auch bei den Unterstützern macht sich mittlerweile Ernüchterung und Wortkargheit breit.

Es ist also davon auszugehen, dass der schöne Plan, die Fans für ihren Stadionnamen zahlen zu lassen, nicht aufgeht und damit die größte Crowdfundingaktion Nürnbergs scheitert.

Doch was passiert dann? Die Consorsbank hat immer behauptet, keinen Plan B zu besitzen. Trotzdem hat sie auf ihrer Seite auch für diesen – wohl nur aus eigener Sicht unwahrscheinlichen – Fall Vorsorge getroffen:

Wenn die Fans nicht zahlen, entscheidet also die Bank. Das propagiert inzwischen auch Bürgermeister Christian Vogel, der sich persönlich für das Crowdfundingprojekt stark gemacht hat und dessen ehemaliger Arbeitgeber, die Stadtreklame, dieses auch massiv durch öffentliche Plakatierung unterstützt. Vogel verweist jetzt auf den entsprechenden Vertrag mit der Stadion-Betriebsgesellschaft:

„Sollte das Stadion am Schluss nicht Max-Morlock Stadion heißen, hat die Consorsbank das Recht in Absprache mit dem Stadion einen anderen Namen zu wählen. Der muss einige Vorgaben erfüllen, aber sonst ist er frei.“

Consors-Stadion sei aber, so versichert Vogel, dabei kein Thema.
Die Bank, die zumindest öffentlich noch von einem Erfolg der Aktion ausgehen muss, kann ansonsten aber selber entscheiden, wie der Name lautet und inwieweit die Eigenwerbung zugunsten von Max Morlock zurückgefahrten wird. So richtig romantisch wäre das freilich nicht mehr.

Ungünstigenfalls könnte also lediglich die eine Bank durch eine andere ersetzt werden. Die Teambank (easyCredit) hat sich mittlerweile aufs Basketballsponsoring verlegt. Noch einmal eine Bank vergraulen, das könnten sich selbst die Ultras nicht leisten. Daher hängt es jetzt am Goodwill und den Marketingüberlegungen der Consorsbank, ob der Max da noch einen Treffer landet.

Nachtrag: In einer ersten Fassung stand hier, Bürgermeister Vogel schließe eine Stadion-Benennung nach der Consorsbank nicht aus. Das stimmt nicht. Er sagte, das sei „kein Thema“.

4 Kommentare in “Consors-Arena statt Morlock-Stadion?

  1. Vielleicht können Sie die Namensrechte ja an den FC Bayern München weiterverkaufen, der dann einen passenden Namen aussuchen kann. Die FCN Fans scheinen ja kein wirkliches Interesse an dem Namen zu haben.

  2. Der Vogel schließt also ein Consorsbank-Stadion aus. Wie beruhigend! Dann wird die Bank vielleicht auf die „Mutter“ ausweichen und ein „BNP Paribas-Stadion“ draus machen.

    Wie gut, dass der Max dieses Trauerspiel nicht mehr erleben muss.

  3. @Stefan – richtig! Ich geh seit jeher „zum Glubb“, nicht ins Grundig-Stadion, nicht ins Easy-Credit-Stadion usw.

    Natürlich und ganz sicher hat Max Morlock Respekt verdient, aber der Name des Stadions ist mir so dermaßen egal. Was zählt ist das, was auf dem Rasen und auf den Rängen passiert. Und da hat, bei aller Liebe, kein Stadionname einen Einfluss drauf. Ich unterstütze meinen Verein und dass kann ich an anderer Stelle wohl viel besser.

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