Naidoo und das Concertbüro


Für seine Fans kann man manchmal nichts. Das gilt auch für Xavier Naidoo. Dass er jetzt erneut von Reichsbürgern und AfD-Leuten gefeiert wird, hat er sich freilich selbst zuzuschreiben. Da steckt dann wohl doch Absicht dahinter, wenn er in seinem neuen Stück „Marionetten“ deren Begrifflichkeiten aufgreift und somit auch offenbart, wie er denkt und wo er hingehört.

Nun hat sich auch Jan Böhmermann mit dem „Troubadur der Aluhutträger“ auseinandergesetzt. Mehr Publicity für ein neues Lied und eine gerade anlaufende Tournee geht praktisch gar nicht.

Diese somit hervorragend beworbene Tournee führt Naidoo und die (Huren-)Söhne Mannheims auch in unsere Region. Am 29. Juni gastieren sie auf der Burg Abenberg, wo dann sicher auch der eine oder andere zahlende Reichsbürger hinpilgern wird. Veranstalter ist das Concertbüro Franken. Das verwundert ein bisschen, denn dem Concertbüro, insbesondere dessen Mitchef Peter Harasim, liegt der Rechtspopolismus eher fern. Harasim hat auf meine Nachfrage jetzt folgende persönliche Stellungnahme zu dem Konzert abgegeben:

„Grundsätzlich bin ich – nur weil mein Betrieb Söhne Mannheims veranstaltet – nicht automatisch der Presse-Sprecher Naidoos. Ich finde den Songtext diskussionswürdig, aber ich kann darin keine rechtsextreme Interpretation ableiten.

Staatskritik dieser Art könnte genauso gut linkem Duktus entsprechen. Da aber Rechtsradikale wie die sogenannte AfD und die Pegida momentan lauter schreien wie die linken Bewegungen, zu denen ich mich privat hingezogen fühle wird diese Kritik automatisch den Rechten zugeschlagen. Böhmermann´s Beitrag finde ich auch irgendwie amüsant; schließlich muss er ja als Provokateur turnusmäßig einmal wöchentlich liefern. Was an den Söhnen antisemitisch ist, habe ich noch nicht wahrnehmen können – schließlich verwenden sie ja Metaphern, die jüdichen Ursprungs sind und sowohl Naidoo als auch die Söhne lassen sich durch Marek Lieberberg und seine Kollegen vertreten. Das wäre ja fast ein Widerspruch zu dem, was bestimmte Leute ihm unterstellen.

Ach ja, hat Naidoo nicht auch antirassistische Song mitverfasst und ist bei Veranstaltungen gegen Rechts mitgemacht? Im Zweifel gegen den Angeklagten; die Sau muss einfach durchs Dorf getrieben werden. Die Söhne Mannheims haben ein Presse-Gespräch dieser Tage angekündigt; ich würde mal abwarten, was dabei rauskommt.“

Nachtrag, 10. Mai 2017: Während die Grüne Jugend in Würzburg eine Absage des dortigen Söhne-Mannheims-Konzerts gefordert hat, halten die jungen Grünen in Nürnberg und Fürth nichts von einer derartigen Absage. Für Johannes Altmann, den Sprecher der Grünen Jugend Nürnberg/Fürth, ist ein Auftrittsverbot „ein mögliches Mittel, allerdings nicht die beste Methode rechtspopulistisches Gedankengut zu bekämpfen“. Vielmehr müsse der Druck durch „einen Boykott der Hörer*innen ausgehen, der Naidoo abstraft und ihm die Beachtung entzieht“. Gleichwohl stellen sich auch die hiesigen Junggrünen „gegen die antisemitischen und verschwörungstheoretischen Aussagen und Liedtexte von Xavier Naidoo“.

1 Kommentar in “Naidoo und das Concertbüro

  1. Nun wird einem zu der abgestandenen Mucke des Herrn Naidoo also auch noch ein Eiertanz serviert. Ich hätte den Herrn Harasim gerne reden gehört, hätte da ein anderer die Eintrittsgelder abgegriffen. Da wäre sicher die volle Breitseite gegen die ewig Gestrigen und politisch Unkorrekten abgefeuert worden.

    Aber, wenn man gemeinsam verdienen kann, dann ist das was anderes. Da ist dann rechts auf einmal links und alles gar nicht so schlimm.

    Wie sagte schon Brecht: Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

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