Niemand hat die Absicht, die Mauer abzureißen

Manchmal versteht der Nürnberger keinen Spaß. Zum Beispiel wenn es um seine Stadtmauer geht. Bei der handelt es sich immerhin um ein von Historikern hochgelobtes Exemplar mittelalterlicher Befestigungstechnik. Nun hat eine Gruppe von Kulturschaffenden in Nürnberg, die sich zwar regelmäßig, von der Öffentlichkeit aber relativ unbemerkt, unter den Namen „Salon der unerfüllten Wünsche“ bzw. „Freunde der Feinde der Altstadtfreunde“ treffen, ein Bündnis „Noris ohne Mauer“ gegründet und zum Abriss der Mauer aufgerufen.

Zu dem Projekt wird Tobias Lindemann, der unter anderem auch beim Casablanca mitarbeitet, am morgigen Donnerstag im Heizhaus, Wandererstraße 89, 20 Uhr, einen Vortrag halten. Begleitend dazu gibt es mittlerweile eine Webseite. Die wiederum wurde heute in einem Zeitungsartikel (online hier) vorgestellt, was jede Menge empörter Reaktionen hervorrief. Sogar Bürgermeister Christian Vogel sah sich bemüßigt, den verunsicherten Nürnbergern zu versichern, dass seine Stadtverwaltung alles zum Erhalt der Mauer unternehmen werde und zwar für die nächsten 900 Jahre:

Nun hätte allerdings auch eine einfache Nachfrage beim Andreas Fink gereicht, um die Sache ein bisschen tiefer zu hängen. Andreas Fink steht im Impressum der Webseite. Er ist Mitglied des „Salons der unerfüllten Wünsche“ und zudem ein freundlicher und zuvorkommender Mensch, dem man sofort abnimmt, dass er nicht zu Sachbeschädigungen neigt, schon gar nicht an historischen Gebäuden. „Um Gotteswillen!“, antwortet er auf derartige Nachfragen. „Wir spinnen halt ein bisschen rum“, erklärt er die Aktion. Er verweist dazu auf einen Vortrag, den Lindemann schon vor Monaten gehalten hat und in dem er darauf eingegangen ist, dass die Nürnberger keineswegs immer wie eine Eins hinter ihrer historischen Mauer gestanden sind. So gab es durchaus Pläne, diese nach dem Krieg, als die Städte autogerecht gestaltet werden sollten, abzureißen. Auch das Kunsthaus belege, dass die Mauer keineswegs vollständig erhalten sei.

Von der Resonanz zeigt sich Fink durchaus überrascht. Andererseits freut er sich, wenn künftig zu den Vorträgen seines Salons vielleicht etwas mehr als die 30 bis 40 Mitglieder kommen.