Wenn Nürnberg mal ein Vorzeigeprojekt plant

In den meistens von Jammertönen durchfluteten Filterblasen bekommt man sowas nicht so mit: Die Konjunktur brummt – zumindest was den Bausektor angeht. Baufirmen haben es nicht mehr nötig, jeden Auftrag anzunehmen, schon gar nicht, wenn die Gewinne nicht stimmen. Im Augenblick geht in Nürnberg deswegen ein umweltpädagogisches Vorzeigeprojekt langsam die Pegnitz runter: die Energie- und Umweltstation am Wöhrder See. Noch in diesem Jahr sollte mit dem Bau des 3,4-Millionen-Euro-Projektes begonnen werden. Die Station sollte auf Stelzen im Wasser stehen und nicht nur der Umweltbildsung der Schüler dienen, sondern auch als Garage für das Mähboot. Zudem sollte dort die immer wieder beklagte Toilettensituation am Wöhrder See behoben werden.

Das Projekt wird nicht allein von der Stadt Nürnberg finanziert, sondern auch vom bayerischen Wirtschaftsministerium bezuschusst. Außerdem wäre das Wasserwirtschaftsamt für die Unterbringung des Mähboots aufgekommen. Laut Baureferent Daniel Ulrich war alles sauber durchkalkuliert. Allerdings auf Basis der Preise des vergangenen Jahres. Da boomte die Baubranche noch nicht. Nun kommen die konjunkturbedingten Aufpreise hinzu, sowie die umfangreichen Ausbauarbeiten an den Autobahnen rings um Nürnberg. Dadurch werden schwere Baumaschinen gebunden, die eben auch für die Stelzen der Umweltstation benötigt werden. Laut Ulrich hätte das zu einer Verteuerung um mindestens 500.000 Euro geführt. „Das können wir nicht auffangen“, sagt er. Die Kosten seien seitens der Stadt gedeckelt. Auch vom Freistaat sei nicht mehr zu erwarten. In diesem Fall könne auch nicht auf den, dem Wöhrder See besonders verbundenen Finanzminister rekurriert werden. „Das ist ein Aigner-Kind“, nennt Ulrich den möglicherweise wichtigsten Hinderungsgrund.

Für den Baureferenten bleibt daher nur eine Lösung übrig: abspecken. Deswegen müsse nun alles, was nicht unbedingt notwendig ist, auf den Prüfstand. Wahrscheinlich sei auch, dass die Station nicht mehr im Wasser, sondern auf dem Land errichtet wird, weil sich da jene Baukosten, die am meisten zu Buche schlagen, einsparen lassen. Auch auf die begehbare Dachterrasse, auf der die Schüler Näheres über Photovoltaik und Windenergie erfahren sollten, wird wohl verzichtet werden müssen.

Dass sich Sponsoren für dieses einmalige Umweltprojekt gewinnen lassen, glaubt der Baureferent aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen nicht. Die zahlen halt lieber für einen Stadionnamen als für ein ökologisches Bildungsvorhaben.

Aber dass der Autobahnausbau auf diese Art und Weise Umweltprojekte gefährdet, ist zumindest ein neues Phänomen.