„Hurenhauptstadt“: Belege fehlen!

Als Lokaljournalist ist man oft auch ein Getriebener. Gerade lenken die beiden Prostituiertenmorde die Aufmerksamkeit auf das Rotlichtmilieu. Mit dem haben wir uns das letzte Mal vor vier Jahren beschäftigt. Ich auch.

Doch während es jetzt um Mord und Totschlag geht, ging es damals um Prüderie und Wirtschaftsfaktoren. Seinerzeit hielt allerdings auch der Datenjournalismus im Pressewesen Einzug. Die Welt hatte die „Prostituiertendichte“ in den deutschen Städten evaluiert. Danach lagen Augsburg, Trier und Nürnberg ganz vorne. Die im gleichen Verlag erscheinende Bildzeitung machte Nürnberg danach sogar zur „Hurenhauptstadt“.

In Nürnberg hat sich die Dichte laut Polizei inzwischen von 225 auf 260 Huren pro 100.000 Einwohner erhöht. Brauchbare Vergleichszahlen gibt es freilich nicht mehr. Schon damals wurde Kritik laut, denn jede Kommune zählt anders und die Dunkelziffern sind hoch.

Beim städtischen Amt für Statistik beschäftigt man sich erst gar nicht mit dem Thema. Nicht aus Prüderie, sondern wegen der zweifelhaften Datenlage. Ob Nürnberg nun „Hurenhauptstadt“ ist oder nicht, lässt sich höchstens vermuten, aber nicht verifizieren. Dem notorisch angeknacksten Selbstbewusstsein Nürnbergs dürfte dieser Titel ohnehin nicht weiterhelfen. Unter den aktuellen Umständen erst recht nicht.

Bei der Polizei nimmt man die Morde inzwischen sehr ernst. Eine Plakataktion soll gestartet werden, um die örtlichen Prostituierten zu warnen. Auch ein bekannter Profiler wurde eingesetzt, der sich mit der Persönlichkeitstruktur solcher Täter auskennt.