Einmal, wenn in Nürnberg was los ist…

In der Woche vor Pfingsten fand die Hauptversammlung des deutschen Städtetages in Nürnberg statt. Eine gute Gelegenheit für eine Stadt zu zeigen, was in ihren Mauern so abgeht, vor allem wenn ihr der Ruch der Langeweile anhaftet. Da wird dann „fränkische Diätküche“ kredenzt, das Rathaus zur Eventlocation umfunktioniert und vor dem Büro des Oberbürgermeisters sogar eine Zapfanlage aufgebaut (Zapfen, wir wissen es, ist die wichtigste Tätigkeit der Stadtoberhäupter).

Blöderweise wurde all dem medial nicht die gewünschte Aufmerksamkeit zuteil. Genauso wie den Forderungen, die die Städtetagsmitglieder nach draußen senden und damit ihr opulentes Treffen rechtfertigen wollten. Nicht einmal der Auftritt der Bundeskanzlerin wurde angemessen goutiert. Zeitgleich gab es in Nürnberg nämlich einen, völlig überzogenen Polizeieinsatz am Berufsschulzentrum. Einmal, wenn Nürnberg punkten will, verhindert das irgendein Münchner….

Immerhin hat das Abendprogramm des Städtetags anderswo nachträglich Wellen geschlagen.

Zum Beispiel in Essen. Thomas Kufen, der dortige OB, wollte seinen Leuten die obskure „Diätküche“ lieber nicht zukommen lassen und suchte daher nach einer anderen Gastwirtschaft. Wahrscheinlich klangen ihm dabei die Klagen unseres „Analog-Uli“ noch im Ohr, so dass ihm gar nicht in den Sinn gekommen ist, in Nürnberg könne es ein Zwei-Sterne-Restaurant geben. Seine Delegierten lud er daher nichtsahnend (auf der Karte standen zudem keine Preise) ins Essigbrätlein und landete prompt in der Bildzeitung, die sich angesichts der prekären Finanzlage der Stadt Essen wunderte, dass deren Vertreter in einem Luxusrestaurant dinierten.

Doch auch im Rathaus schien es hoch her gegangen zu sein. Jedenfalls gibt es mittlerweile Sexismusvorwürfe gegen den Tübinger Bürgermeister Boris Palmer. Immerhin ist der ein Grüner. Da wäre es durchaus eine Meldung, wenn dessen Partei nun auch noch ihre letzte Bastion geräumt hätte. Andererseits ist die Kronzeugin für den Vorfall eine Vertreterin der Satireorganisation „die Partei“, was aus irgendwelchen Gründen glaubwürdigkeitsmindernd sein soll.

In Nürnberg war also endlich mal was los: Promis, Skandälchen, Ausschweifungen… All das, was man sich seit Jahrzehnten wünscht und weshalb man mittlerweile solche zweifelhaften Events wie den Opernball durchfüttert, zu dem diesmal eine Sopranistin aus Hannover als Stargast erwartet wird und zwar leibhaftig.

Nur, wenn es dann soweit ist, dann bekommt man es nicht mit. Und das Presseamt der Stadt, die dieses Kommunalhalligalli veranstaltet hat, meldet auf Nachfrage auch noch: „Keine besonderen Vorkommnisse“.

Nürnberg, so wird das nichts!