Wenn Bundestagskandidaten das Geld fehlt

Es ist Wahlkampf. Da rechnen die Protagonisten offenbar nicht mehr damit, dass man ihre Behauptungen nachprüft. Zum Auftakt des hiesigen Wählerwerbens klagte unser dienstältester SPD-MdB Martin Burkert darüber, die in Spenden schwimmende AfD hätte fast alle Plakatflächen im Stadtgebiet bereits belegt und so die Sozialdemokratie ausgebremst.

Dabei genügt eine einfache Nachfrage bei der Nürnberger Stadtreklame, um festzustellen, dass dies nicht stimmt. Burkert hätte sogar nur seine Parteigenossin Katja Strohhacker fragen müssen, die für die SPD in der Geschäftsleitung der Stadtreklame sitzt. Den CSU-Sitz nimmt dort übrigens Georg Sorger ein. Er teilte mit, von den 1100 Großflächen, die die Stadtreklame im Stadtgebiet zur Verfügung habe, seien gerade einmal 50 für einen begrenzten Zeitraum von der AfD gebucht worden. Genauer gesagt nicht von ihr selber, sondern von ihrer Agentur. Es könne also keine Rede davon sein, dass es für andere Parteien keine Werbemöglichkeiten mehr vorhanden sind. Bisher sei ihm auch nicht zu Ohren gekommen, dass irgendwelchen Werbewünschen der Parteien nicht entsprochen werden konnte, betont Sorger.

Auch die Konkurrenz von Wirtschaftsunternehmen sei im Augenblick nicht allzugroß. Hier ziehe das Geschäft erst im September wieder an.

Im Augenblick verlangt die Stadtreklame zwischen 6,10 und 51,40 Euro pro Großfläche und Tag, je nach Standort. Wobei allerdings mindestens zehn Tage gebucht werden müssen.

Mag sein, dass unsere beiden Nürnberger SPD-Bundestagskandidaten Gabriela Heinrich und Martin Burkert als aufrechte Kämpfer gegen die AfD Profil gewinnen wollen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie mit dem Verweis auf den Beelzebub AfD von finanziellen Defiziten abzulenken versuchen, weil ihnen und ihrer Partei das Geld für eine Materialschlacht im Wahlkampf fehlt. Dabei könnte man unter der Überschrift „Gerechtigkeit für alle“ auch mal die Chancengleichheit für weniger betuchte Kandidaten thematisieren. Aber wahrscheinlich fällt das einigen Genossen anderswo auf die Füße.

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