Grüner Pranger will Journalisten helfen

Leute wegen ihrer Gesinnung aufzulisten und namentlich an den Pranger zu stellen, das kannten wir bisher eher von Nazi-Gruppen. Jetzt praktiziert die den Grünen nahe stehende Heinrich-Böll-Stiftung Ähnliches. Auf agentin.org ist ein Wiki mit Personen und Organisationen zu finden, die nicht feministisch sind. Dabei wendet sich die Plattform ausdrücklich auch an uns Journalisten, die gemutmaßt Entscheidungshilfen brauchen, wen sie interviewen sollten und wen lieber nicht:

Die Agent*In erleichtert u.a. Aktivist_innen, Multiplikator*innen und Journalist*innen sowie Bildungseinrichtungen die Recherche zu anti-feministischen Akteur*innen und bietet die Möglichkeit, sich anhand der Informationen selber ein Bild über deren ideologische Ausrichtung und Vernetzung zu machen.

…oder um es mit der Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski zu sagen: „Hier steht, wer alles doof ist“.

In der Antifeministen-Liste findet sich der eine oder andere bekannte Name: Frauke Petry, Akif Pirinçci, Matthias Matussek, Harald Martenstein, Gloria von Thurn und Taxis oder Beatrix von Storch. Leute also, die selbst die Begriffstutzigeren in meiner Branche einigermaßen einordnen können. Offensichtlich geht es also um die zahlreichen anderen, die von uns noch keiner kennt.

Nehmen wir beispielsweise Sabine Rupp. Die ist aus Nürnberg und wird aufgeführt weil sie sich im ebenfalls in Nürnberg beheimateten Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) für Kinderrechte einsetzt. Zusammen mit einem gleichfalls namentlich genannten Vertreter des Vereins Väter-Netzwerk hat Rupp im Februar 2014 im Kulturladen Nürnberg-Ziegelstein die „Ziegelsteiner Erklärung“ gegen die Diskriminierung von Vätern durch Jugendämter und Sozialdienste unterzeichnet. Außerdem hat sie am Gender-Kongress teilgenommen, der vor zwei Jahren in Nürnberg stattfand. Das alles macht sie zur Maskulistin und zu jemanden, vor dem die Böll-Stiftung uns Journalisten warnen muss.

Auf der Blacklist steht natürlich auch der Interessenverband ISUV. Der ist schon seit 40 Jahren aktiv. Medial größere Welle geschlagen hat er – trotz bislang fehlender Warnungen durch agentin.org – allerdings nicht. Nicht so recht überzeugen will die Begründung, die zum Anprangern dieses Verbandes führte. „Vaterrechtlich“ orientiert sei ISUV. Das muss reichen. Dafür werden alle namentlich greifbaren ISUV-Aktivisten gleich mal zur Bearbeitung ins Wiki überführt. Zu ihnen gehört auch Josef Linsler. Der reagiert auf die „Ehre“ nach dem Motto „versöhnen statt spalten“ und erweist sich damit gegenüber der Grünen-Stiftung als charakterlich doch etwas weiter:

Ehrlich gesagt, das interessiert mich nicht die Bohne. Ich bin gegen jede Genderpolitik, Genderforschung, etc. Egal, ob sie nun von Frauen oder Männern kommt. Ich denke integrativ und harmonisch. Das ist mein Credo. Grüße Josef Linsler


Nachtrag 4.August 2017:
Auch Sabine Rupp hat jetzt eine Stellungnahme abgegeben. Sie freut sich, auf der Liste aufzutauchen und schreibt: „Ja, ich bin bekennende Antifeministin. Ich bin der Meinung, dass alle Menschen gleichwertig und gleichberechtigt sind, unabhängig auch ihres Geschlechtes. Ich brauche weder Frauenquote noch Genderismus.“ Mittlerweile ist agentin.org allerdings offline. In der Erklärung dazu heißt es: „Bedauerlicherweise hat die gewählte Form die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu Antifeminismus überlagert.“ Da hat wohl irgendein Wahlstratege noch die Reißleine gezogen.

2 Kommentare in “Grüner Pranger will Journalisten helfen

  1. Ein solcher Gesinnungs-Pranger ist das Hinterletzte!
    Die Grünen waren einmal meine Partei – aber nun sind sie auf dem besten Weg in die Meinungsdiktatur. Wählen werde ich sie gewiss nicht mehr.

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