Wenn Bundestagskandidaten das Geld fehlt

Es ist Wahlkampf. Da rechnen die Protagonisten offenbar nicht mehr damit, dass man ihre Behauptungen nachprüft. Zum Auftakt des hiesigen Wählerwerbens klagte unser dienstältester SPD-MdB Martin Burkert darüber, die in Spenden schwimmende AfD hätte fast alle Plakatflächen im Stadtgebiet bereits belegt und so die Sozialdemokratie ausgebremst.
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AfD bemüht sich um seriösen Anstrich


Zwei Wochen vor der Bundestagswahl soll der Wahlkampfhöhepunkt der AfD steigen. Und zwar in Nürnberg. Am 9. September sprechen in der Meistersingerhalle nicht bloß Alexander Gauland oder Jörg Meuthen, sondern als „Stargast“ auch der ehemalige tschechische Staatspräsident Václav Klaus.

Hat der sich verirrt? Checkt er nicht, was die AfD für eine Partei ist? Nichts dergleichen! Klaus weiß das sehr genau. Am 30. April sprach er bereits beim Bundesparteitag der AfD und sagte damals: „Ich bin echter Fan und Anhänger ihrer Partei.“
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Die AfD setzt auf ein neues Thema


Die Bundestagswahl ist zwar erst am 24. September. Trotzdem hängen in Nürnberg bereits die ersten Plakate. Von der AfD. Und natürlich kommt gleich der Reflex: Dürfen die das?

Ja, sie dürfen. Die zahlen nämlich dafür und dann ist das „normale“ Werbung und eine willkommene Einnahme für die jetzt nicht gerade finanzstarke Stadt Nürnberg.

Willkommen ist der AfD dann umgekehrt auch jener oben genannte Reflex. Mit dem geht sie gerade massiv hausieren. Nicht nur, dass sie sich damit als armes Opfer stilisieren kann, sie hat auch wieder was zu posten und kann Aufmerksamkeit generieren. Zum gerade aktuellen Thema Trump ist ihr nämlich bislang wenig eingefallen. weiter lesen

Höcke steht nicht allein

Gerade poppt die Meldung auf, dass die AfD Bernd/Björn Höcke aus der Partei ausschließen will. Ob es soweit kommt, sei dahingestellt. Ähnliche Probleme mit dem ganz rechten Rand gibt es jedenfalls auch in Nürnberg. Hier befeuert die AfD-Direktkandidation Elena Roon gerade den ohnehin schwelenden Nord-Süd-Konflikt.

Gegenwärtig kursieren im Netz Hitlerbilder, die Roon in einem WhatsApp-Chat verbreitet hat. Die Überschrift lautet: „Vermisst seit 1945.“ Darunter steht: „Adolf, bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich! Das Deutsche Volk!“ Außerdem ist ein weiteres Bild zu sehen, wo Hitler sich die Haare rauft und erklärt: „Islamisten…, die habe ich vergessen!“
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Nord-Süd-Konflikt in der Nürnberger AfD

Im rechten Lager scheint es kein Limit für Abstrusitäten zu geben. „Sophie Scholl würde AfD wählen“, hieß es da am vergangenen Wochenende. Der Beitrag mit dem Scholl-Zitat (siehe nebenstehendes Bild) und der genannten Folgerung wurde freilich nicht von einem durchgeknallten Hasskommentator gepostet, sondern von der AfD-Nürnberg-Süd/Schwabach.

Der AfD-Account (mittlerweile ist die nach eigenem Impressum „offizielle Seite des AfD-Kreisverbandes Nürnberg Süd/Schwabach“ offline wieder online) hatte zwar nur ca. 300 Likes. Das Bild verbreitete sich dennoch rasend schnell. Mehr als 1000 Mal wurde es bei Facebook geteilt. Die Zahl der Kommentare ist mittlerweile drei Mal so hoch. Unter diesen sind allerdings viele, die den Beitrag als „bodenlos“ und als „Frechheit“ bezeichnen. Manche, wie etwa der Comedian Kurt Krömer, gaben sich sogar etwas mehr Mühe, der AfD zu erklären, warum der Beitrag unmöglich ist:
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Aus dem Reich der „Volkspädagogen“

In den Jahresrückblick hat das nicht mehr reingepasst. Deswegen erinnere ich aus aktuellem Anlass extra noch einmal an einen Blogbeitrag, den ich hier vor genau zwei Jahren verfasst habe. Es drehte sich damals um den Lügenpresse-Vorwurf anlässlich eines Werbeplakats des Kopp-Verlags für das Buch „Gekaufte Journalisten“ (Bild). Der gleiche Verlag bewirbt gerade ein Buch des gleichen Autors auf die gleiche Art: auf Plakatwänden dort, wo Land- und Speckgürtelbewohner billig einkaufen. Und da geht es wieder vor allem gegen uns Journalisten, wenn da groß drüber steht: „Lassen Sie sich von den Mainstream-Medien nicht vorschreiben, was Sie zu denken haben.“ Lidl hat allerdings explizit wegen des Buchtitels „Volkspädagogen“ reagiert und das Plakat nach einer Beschwerde umgehend entfernen lassen.

Reaktionen gab es in den vergangenen zwei Jahren allerdings auch bei uns, den angeblichen „Volkspädagogen“. Vielleicht nicht so stark, wie manche sich das gewünscht hätten. Vielleicht auch individuell unterschiedlich. Die Kritik von Rechts spielte dabei allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es so etwas wie eine Zeitungskrise, die hat jedoch weniger damit zu tun, dass falsch oder einseitig berichtet würde. Hauptgründe sind Digitalisierung und geändertes Mediennutzungsverhalten. Im Vergleich zur Lautstärke der „Lügenpresse“-Sprechchöre waren die daraus resultierenden Abbestellungen auch eher gering. Vielmehr ist das Feedback, das der Journalist inzwischen durchs Netz direkter und massiver erhält, natürlich auch Anlass, sich und seine Arbeit in Frage zu stellen (wobei da ein freundlicher oder zumindest sachlicher Ton auf jeden Fall zielführender ist).
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Self fulfilling Lückenpresse

MOTIV: St. Lorenz Nürnberg; Nachtaufnahme. "Dieses Foto der Lorenzkirche bei Sonnenuntergang löste auf dem Facebook-Account der Nürnberger Zeitung eine riesige Diskussion um angebliche Chemtrails aus." Foto: Tobias Lang; 2015 gesp. Chemtrails  = Kofferwort aus "Chemie/Chemikalien"  - Chemiestreifen / Chemikalienstreifen, gelegentlich auch Giftwolken; sie sind gemäß einer Verschwörungstheorie Kondensstreifen, die neben kondensierten Flugzeugabgasen noch weitere Chemikalien enthalten sollen, die den Abgasen zugesetzt oder zusätzlich versprüht würden. Chemtrails sollen sich von normalen Kondensstreifen durch ihre Langlebigkeit und flächige Ausbreitung unterscheiden.  Die Ausbringung der Chemikalien soll unter anderem dem Geoengineering, der Bevölkerungsreduktion oder militärischen Zwecken dienen.
Eigentlich sollte ich erstmal nichts mehr über die AfD schreiben. Man macht sie damit nur interessant und perpetuiert die große Koalition. Vor allem aber machen die einem journalistische Arbeit fast unmöglich. Es fehlt einfach eine gemeinsame rationale Grundlage (genauso wohl wie bei der Interpretation dieses schönen Bildes von Tobias Lang).

Gerade liefert die Nürnberger AfD wieder ein Beispiel dafür. Zunächst kündigte sie einen Aufruf via Facebook an, ihr doch die Nürnberger Standorte von Flüchtlingsunterkünften zu melden. Grund war ein Brief von OB Ulrich Maly, der sich weigerte den AfDlern eine Überblick darüber zu geben, wo in Nürnberg überall Unterkünfte stehen. Maly fühlte sich dabei – nicht zu Unrecht – an die Karten des rechtsextremistischen „III.Weg“ erinnert. weiter lesen

Fränkischer Troll wird Satiriker

Zum Themendienst-Bericht von Tobias Hanraths vom 8. Januar 2015: Genug getrollt: Mit der Blockieren-Funktion kann man nervige Menschen bei Facebook loswerden. Kontaktaufnahme ist dann nicht mehr möglich.  (Archivbild vom 18.12.2014/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)  Foto: Andrea WarneckeWas treibt eigentlich Uwe Ostertag? Lange Zeit hatte sich der Ochsenfurter auch auf den Onlineseiten meines Arbeitgebers ausführlichst verbreitet. Dann ging er dazu über, überregionale Zeitungsportale mit seinen Kommentaren zuzuschütten. Bis er dann durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung als „der Troll“ deutschlandweite Berühmtheit erlangte.

Inzwischen hat „der Troll“ Probleme mit Leuten, die noch ein bisschen trolliger sind als er. Ostertag hat nämlich die Seiten gewechselt. Für das Contra-Magazin schreibt er alles Mögliche, unter anderem auch „Satiren“. Jetzt verfasste er eine über eine angebliche Stadtratssitzung in Nürnberg, in der beschlossen wurde, im Westbad eine Burkinipflicht einzuführen. Die Nürnberger AfD griff diese „Satire“ auf, angeblich auch deshalb, weil sie dort erwähnt wurde. Prompt lief die Empörungsmaschinerie an. Unter anderem hieß es da:
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