Sprachhilfe für die Bassd schos

Ist es schon ein Indiz für den Bayxit? In Bayern bemüht sich der Integrationsbeauftragte des Freistaats jedenfalls verstärkt darum, den Spracherwerb in die richtige Richtung zu lenken und versucht, Menschen mit Migrationshintergrund Bayrisch beizubringen. Da existieren einschlägige Vorbilder. An die will der Integrationsbeauftragte der bayerischen
Staatsregierung, Martin Neumeyer (Bild), mit seiner bairischen Sprachtafel offensichtlich anknüpfen:
weiter lesen

Willste nen Tritt?

Die Mauer ist bekanntlich weg, aber unsereiner scheint sie offenbar zu brauchen. Kafka hat das in seiner kleinen Fabel schön beschrieben. Deswegen fangen jetzt wohl manche an, Sprachbarrieren aufzubauen. Es stellt sich nicht mehr die Frage, „Deutsch lernen?“, sondern „welches Deutsch?“

Der Franke zum Beispiel weiß: Das, was ich da zusammenwaffel, ist kein Hochdeutsch. Er lernt das also zu seinem Dialekt noch dazu. Damit beherrscht er schon einmal eine Fremdsprache mehr als der Norddeutsche. Nur wird das nicht anerkannt.

Der Norddeutsche wiederum glaubt steif und fest, das, was er seinerseits zusammenwaffelt, sei Hochdeutsch. Das ist natürlich mitnichten so.

Nun fangen die Norddeutschen auch noch an, ihren Dialekt zum neuen deutschen Sprachgebrauch hochjubeln zu wollen. Als Franke kann man da nicht nur nicht mitjubeln, sondern muss mahnend den Zeigefinger heben:
Mid uns ned!

Bislang haben wir noch tatenlos zugesehen, wenn Fernsehmoderatoren oder Rundfunksprecher die Endungsvokale preußisch-knackig weglassen (z.B. Reinhold Beckmann). Wenn jetzt aber der unbestimmte Artikel zu einem „nen“ verkürzt werden soll, dann muss man langsam Einspruch erheben. So spricht nämlich kein Mensch. Zumindest bei uns nicht.

Statt am Hochdeutschen rumzuzimmern, werte Nordlichter, lernt halt auch Fremdsprachen! Zum Beispiel hiermit.

Der Nürnberger als unfreiwilliger Kunstförderer

Das Internet vergisst nichts. Das kann man gut oder schlecht finden. Man kann daraus auch den Schluss ziehen, da möglichst wenig zu machen, sich nicht bei Facebook, Twitter oder sonstwo anzumelden, sein Wohnanwesen verpixeln zu lassen und in den alten Medien vor der digitalen Welt zu warnen. Es wird euch aber nichts helfen. Ihr bleibt trotzdem die Deppen!

Ein schönes Beispiel hat heute bei Twitter die Runde gemacht. Dort wurde ein Link verbreitet, der sich auf einen Blogbeitrag des Kunstrmagazins Art vom Februar 2010 bezieht. Der Vorgang selber ist allerdings schon mehr als vier Jahre her. Also schon fast gar nicht mehr wahr.

metzelEs geht um die Aufregung um jene Stuhlskulptur, die der Künstler Olaf Metzel anlässlich der Fußball-WM 2006 um den Schönen Brunnen in Nürnberg herumdrapiert hat. Wenn das Ding nicht noch bei Google-Earth jedesmal auftauchen würde, wenn man den Nürnberger Hauptmarkt von Oben betrachten will (Bild), hätten wir es wohl schon komplett vergessen. Gestrige Kunst, die ihre Daseinsberechtigung nur daher bezieht, dass es noch gestrigere Menschen gibt, die sich darüber aufregen und so unfreiwillig Werbung für die jeweiligen Künstler machen.
weiter lesen

Der Bodagg ist ein Erdapfel

Hier hatte ich ja schon mal einen Sprachatlas vorgestellt. Langsam bekommt das Konjunktur. Globalisierung fördert die Regionalisierung, oder so. Beim Bremer Sprachblog habe ich jedenfalls diese Karte zum Begriff Kartoffel gefunden.

Dass aber in Franken Arpfel, Potakn oder Bumser gängig sein sollen, ist für unsereins vielleicht exotikfaktorfördernd. So ganz stimmt es leider nicht.

Bumser und Arpfel habe ich noch nie gehört – zumindest nicht in diesem Zusammenhang. Gegen Potakn möchte ich einwenden, dass der Franke P und T weich spricht. Er will sich nicht so sehr in der Vordergrund drängen, will auch vermeiden, dass er beim Aussprechen harter Konsonanten Speichel in Richtung des Gesprächspartners absondert. Deswegen spricht er weich. Höchstens beim R, das aber, weil im Gaumen gerollt, speicheltechnisch unbedenklich ist, macht er eine Ausnahme. Aus diesem Grund heißt es auch Bodaggn, und nicht Potakn.

Als Beweis möchte ich hierzu altes fränkisches Liedgut heranziehen:

Die Bodaggn schleif i her,
schäls ner glei, des is ned schwer,
kochs und dus dann fesd ausbressn,
in zwei Schdundn kömmers essen.
Kniedlä essi gern fürs Lehm,
heud muss´ rohe Kniedlä gehm.