Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Wenn schon „miserabel“ draufsteht…

Am 1. März kommt das Musical „Les Miserables“ auf seiner Tournee auch in die Nürnberger Meistersingerhalle. Genauer gesagt handelt es sich allerdings nur um ein Musical, das irgendwie an „Les Miserables“ angelehnt ist. Das brachte viele Zuschauer früherer Tourneestationen einigermaßen auf die Palme. Beispielsweise in Bochum oder Wuppertal. Dort verließen viele Besucher vorzeitig den Saal und wollten ihr Geld wieder haben. Schnell wurde ihnen nämlich klar, dass es sich nicht um das Erfolgsmusical von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil handelte (wie etwa bei der oben abgebildeten Aufführung des Theaters Hof), sondern um eine Neuinszenierung der Deutschen Musical Company Köln, die sich zwar auch an Victor Hugos Romanvorlage anlehnt, aber nicht nur die Musik änderte, sondern den Stoff auch noch entpolitisierte. Wobei das Ensemble selber unschuldig ist und die Bewerbung „mit Sorge“ betrachtete.
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Die Polizei und der Twitter-Alltag

Bei den sozialen Netzwerken ist es mittlerweile fast wie bei den Zeitungen: Es muss auch publiziert werden, wenn nichts passiert ist. Dabei gäbe es durchaus Beispiele, es anders zu machen, wie etwa das Alarmsystem Katwarn.

Die Polizei Mittelfranken geht dennoch den anderen Weg. Seit zwei Wochen sind dort drei Mitarbeiter für die Veröffentlichungen auf Facebook und Twitter zuständig. Anders als unsereins bekam das Polizeipräsidium für seine Social-Media-Aktivitäten auch kostenlose Starthilfe. Funk und Fernsehen berichteten groß, die beiden örtlichen Zeitungen meldeten das Ereignis sogar auf ihren „Schürzen“ (das sind die mit mehr oder weniger gelungenen, täglich wechselnden Schlagzeilen bedruckten Plakate auf den stummen Verkäufern). Mehr Werbung geht kaum.
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So tarnen sich rechte „Nachrichtenseiten“

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Die „Lügenpresse“ bekommt Konkurrenz. Rechte Aktivisten versuchen mittlerweile in die Lücke zu stoßen, die die – nicht nur von ihnen betriebene Propaganda – gegen die „Systempresse“ gerissen hat. Inzwischen auch auf lokaler Ebene. Zum Beispiel bei der Neonazidemo am Samstag in Zirndorf. Die auf Facebook als „Nachrichtenseite“ agierende „Franken-Presse“ rief nicht bloß seit Tagen zur Teilnahme an der Rechten-Demo unter dem Motto „Zirndorf sagt Nein zum Heim“ auf, sie versorgte ihre Leserschaft auch mit „objektiven“ Meldungen vom Demogeschehen. So wurde da zum Beispiel eine – von der „Lügenpresse“ natürlich verschwiegene – politisch unkorrekte Äußerung gebrandmarkt. Nein, nicht durch irgendwelche Redner, sondern durch eine Angestellte der Beck-Filiale.

Genauso wie sich die rechten Demoteilnmehmer als harmlose „Spaziergänger“ tarnen, versuchen es auch die rechten „Nachrichtenseiten“-Macher mit Camouflage. Da wird hier ein Filmchen zur Gärtla-Schließung geteilt, da zur Erbauung ein Bikinimädchen abgebildet… Auch ein paar überregionale Nachrichten werden gepostet, gerne von ostdeutschen AfD-Verbänden. Und natürlich gibt es ein Impressum mit Geschäftsführer, Chefredakteur, Redakteur und einer Postadresse für den (na, was klingt noch seriöser als „Franken“?) „Nordbayern-Verlag“.
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Mausrutschen gibt´s auch beim DFB

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (M) erklärt am 09.11.2015 im Anschluss an die Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main (Hessen) neben den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch (l) und Reinhard Rauball seinen Rücktritt. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Am Sonntag ist die DFB-Mannschaft im Augsburger Gewitterregen ausgerutscht. Doch auch DFB-Funktionären können Ausrutscher passieren. Mit einem solchen hat der DFB-Vizepräsident Rainer Koch (links im Bild) jetzt seine liebe Not.

Auf Kochs Facebookseite erschien plötzlich folgender Post:

koch

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Die Lizzy und der böse Bernd

Motiv:    Frühlingsfest  Umzug  und  Bierzelt   Bühnenprogramm                Datum:       30.03.2013                   Foto Roland Fengler
Ins Netz gedrängt haben sich meine Feuilleton-Kollegen weiß Gott nicht. Langsam dämmert uns auch warum. Im Internet haben es viele nämlich nicht so mit Kulturkritik. Kritik, des sammer mir, das machen wir selber. Das könnte ich jetzt auch an der Resonanz auf die Vorbesprechung eines eher drögen Krimis festmachen, den gestern auch das gemeine Volk zu Gesicht bekommen hat. Aber der hat eh schon viel zu viel Publicity.

Da wende ich mich lieber Lizzy Aumeier zu. Genau, das ist die fröhliche Füllige aus der Oberpfalz. Die hatte mit ihrem neuen Programm vor wenigen Tagen Premiere in Fürth. Mindestens zwei Kollegen durften/mussten der Vorstellung beiwohnen, um diese einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Lobhudeln und Klappentexte umschreiben, manche werden es nicht mehr wissen, ist nämlich etwas für Veranstaltungsblättchen, aber nichts für Feuilletons.

Der eine Kritiker feierte Lizzy Aumeier dennoch als „Meisterin der Improvisation“ (ihr war nämlich auf der Bühne unvorhergesehenerweise das Kleid geplatzt), Der andere würdigte diesen Vorfall zwar auch, beschäftigte sich aber mehr mit dem Davor. Das fand er nicht so besonders: „Ungeniert tappt sie in jede Zoten-Falle und motzt altbekannte Gassen-Witzchen mit dem Charme einer lebensklugen Puffmutter auf.“ weiter lesen

Facebook: Löschen für Angela?

HANDOUT Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am 26.09.2015 zu Beginn des Arbeitsmittagessen des UN Private Sector Forums 2015 "Implementing the Sustainable Development Goals". Staats- und Regierungschefs treffen sich beim Gipfel der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

ralphMittlerweile empfiehlt es sich, seine Facebookbeiträge öfter mal per Screenshot zu dokumentieren. Seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Facebook-Chef intervenierte und der daraufhin zu einer Charmeoffensive nach Berlin gekommen ist, wird nämlich verstärkt gelöscht. Aber nicht nur die einschlägigen Hasskommentare aus dem rechten Spektrum.
Gerade war beispielsweise der frühere Kreisvorsitzende der Nürnberger Grünen Ralph Hoffmann unter den Opfern. Drei Tage wurde er von Facebook gesperrt, nachdem er „In der CDU gibt es eine Nazi-Frau“ gepostet hatte. Da im Netz gerade die Aufregung um Erika Steinbach (wieder mal) hochkochte, konnte sich jeder unschwer zusammenreimen, wer da gemeint war (es ging um das getwitterte Bild rechts unten).

Natürlich könnte man anmerken, das sei trotzdem eine Beleidigung und verstoße damit gegen die Facebook-Regeln. Demgegenüber verweist Hoffmann allerdings darauf, dass es in der CDU zuvor schon Nazis gegeben habe, etwa Martin Hohmann oder Hans Filbinger. Nach dem Facebook-Terms hätte man solche Fälle letztlich nicht aufklären oder benennen dürfen.
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Gurkenverkostung: Lidl versteht keinen Spaß

In Eschenau befinden sch die Baeckeria vom Wiehgaertner und der Discounter Lidl mit einer Backstation darin Tuer an Tuer. Zehn Prozent Einbuvüen muessen die Baecker durch die Billigkonkurrenz hinnehmen. Foto: Klaus-Dieter SchreiterLidl mag zwar billig sein, Spaß verstehen sie dort aber nicht. Kaum hatte die Facebook-Seite „Lidl Nürnberger Hauptbahnhof“ ein bisschen Aufmerksamkeit und Reichweite generiert, schon war sie wieder weg.

Möglicherweise bin sogar ich mitschuldig. Denn als ich die Anfrage an Lidl stellte, war die Seite noch online. Nicht einmal eine Stunde später kam die Antwort: weiter lesen

Der Co-Pilot und die Lügenpresse

dschihaEigentlich wollte ich ja meinen Mund halten. Aber eine kleine Anmerkung zu dem laufenden Journalisten-Bashing (millionenfach auf Twitter oder Facebook, zusammengefasst beispielsweise hier) muss ich jetzt doch loswerden.

Von wem wollt ihr denn Infos, wenn ihr „die Medien“ und „die Journalisten“ samt und sonders in die Tonne tretet? Vielleicht von Michael Mannheimer, einem der ganz vorne dabei ist, wenn es gegen die Lügenpresse geht?

Mannheimer, der unter anderem von der Wügida als Redner engagiert wurde, hat jetzt „die Wahrheit“ über den Co-Piloten der verunglückten Germanwings-Maschine ans Licht gebracht. Der 27-Jährige, so schreibt Mannheimer auf Facebook, sei Dschihadist und kurz vor dem Unglücksflug zum Islam konvertiert. Beweise? Muss man nicht haben. Blöderweise hat der Lügenpresse-Kritiker seine Behauptung aber mit dem Bild eines völlig Unbeteiligten untermauert und behauptet, das sei der Co-Pilot Wahrscheinlich hat er deswegen seinen Beitrag inzwischen gelöscht. Aber es gibt einen Screenshot davon. Im Netz geht schließlich nichts verloren.

Dass auch angeblich seriöse Medien das falsche Bild veröffentlicht haben (das ZDF hat sich danach wenigstens entschuldigt) unterstützt vielleicht das negative Bild, das manche Medien derzeit bieten, macht Mannheimers Gegenöffentlichkeit aber nur unwesentlich besser.

…aber wahrscheinlich kommt jetzt irgendjemand daher und behauptet, dass es sich bei ihm um einen V-Mann des Verlegerverbandes handelt.