Wer sendet, das bestimmen wir


Der Freiheit im Netz geht es gerade auf vielfältige Weise an den Kragen. Hier der mit rechten Hasskommentaren begründete Angriff auf die Meinungsfreiheit. Dort der Versuch, aktuelle Videoangebote mit Strukturen, die sich noch auf begrenzte Frequenzen im UKW-Netz gründen, in Einklang zu bringen.

Vor einigen Tagen machte die Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen den Vorreiter und kündigte an, den Betrieb von PietSmietTV zu untersagen. Gut, nicht auf YouTube, sondern nur auf twitch.tv, das vor allem auf solche Game-Übertragungen spezialisiert ist. Aber das ist in diesem Zusammenhang auch unerheblich. Offenbar geht es darum, den Medienanstalten wieder eine Daseinsberechtigung zu verschaffen: als Aufpasser für alles, was im weiteren Sinne unter den Rundfunk-Begriff fallen könnte und der ist halt weit, wenn man unter rundfunken jegliche Form von Liveübertragung versteht.
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Betzenstein´s Got Talent

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So wird das nichts mit dem Brexit! Jetzt laden sich die Engländer für ihre Show „Britain´s Got Talent“ sogar angebliche Nürnbergerinnen ein, um ein bisschen Glamour auf ihre Flatscreens zu zaubern. Dabei wohnt Anne Klinge noch nicht einmal in Nürnberg, sondern in der Nähe von Betzenstein. Aber so genau will das der Brite wohl nicht wissen.

Die 43-Jährige betreibt hier immerhin ihr Fußtheater und tritt auch regelmäßig auf dem Erfahrungsfeld der Sinne auf. Von der nach dem britischen Vorbild konzipierten RTL-Talentshow „Supertalent“ hatte sie auch schon eine Anfrage. Da sagte sie jedoch ab. Nun wurde das britische Original auf sie aufmerksam. Im Februar wurde ihr Auftritt aufgezeichnet und jetzt ausgestrahlt. Von der Jury bekam Klinge vier Mal „Yes!“, ist also weiter. Ob sie als Ausländerin allerdings Gewinnchancen hat, bezweifelt sie.

Hier ihr Auftritt bei Britain´s Got Talent:

Die BLM scheitert auch beim Jugendschutz

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Bevor es untergeht: Die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) wird gerade wieder vorgeführt. Der durch die Erfindung des Internets weitgehend überholte Verein, ist jetzt auch in seinem Bemühen gescheitert, die „Grundsätze der Bayerischen Verfassung“ durchzusetzen. Seit fünf Jahren versucht die BLM gegen das Ultimate Fighting Championship (UFC) vorzugehen. Der frühere bayerische Kultusminister und jetzige BLM-Chef Siegfried Schneider hat sich dazu sogar noch amtierende Minister (Aigner, Herrmann) mit ins Boot geholt, um diese „Pervertierung der sportimmanenten Werte“ abzustellen.

Geschafft hatte es die BLM aber lediglich, die UFC-Käfigkämpfe aus dem Programm von DSF/Sport1 zu verbannen. Der Video-on-Demand-Anbieter Maxdome brachte die nach BLM-Ansicht „schwer jugendgefährdenden“ Kämpfe trotzdem auf die Bildschirme. Also sollte auch das unterbunden werden. So fit sind BLM und die sie unterstützenden Minister offenbar doch, dass sie erkannt haben, wo die Leute inzwischen Bewegtbilder ansehen. weiter lesen

Ruinen des Bürgerwillens

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Gestern kam Nürnberg in der Sendung „extra3“ nicht besonders gut weg. Die „bodenlose“ Brücke über die Breslauer Straße ist ja auch für jeden Normaldenkenden als realer Irrsinn zu verstehen. Dass dann die beiden städtischen Interviewpartner auf die Frage, ob man die Brücke denn überhaupt brauche, schallend lachen, dürfte den Steuerzahler erst recht empören. Dazu kommen noch etliche Bürger zu Wort, die das Ganze als hirnverbrannt geißeln.

Hier ist der Beitrag ab Minute 12:05 zu sehen:

So weit, so schlecht. Leider waren es vor gut 25 Jahren genau diese Bürger (im Einzelfall natürlich andere), die die damals 1,3 Millionen Mark teure Brücke unbedingt haben wollten. Das damals als Mini-Golden-Gate-Brücke bezeichnete Bauwerk wurde von den Anwohnern gefordert, nachdem dort einige Jahre zuvor ein Kind tödlich verunglückt war, als es versuchte den Bus zu erreichen. Dass an der gleichen Stelle ein Ampelübergang vorhanden ist, wussten die Anwohner.

Nur ein paar Meter weiter an der U-Bahn-Haltestelle Messezentrum ist übrigens eine weitere Ruine des Bürgerwillens zu besichtigen. Dort sollte unbedingt eine WC-Anlage gebaut werden. Inzwischen wurde sie mangels „Beschiffung“ still gelegt.

Obacht, Sie verlassen den Mainstream!

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Wie sehr meine Pressekollegen ihre eigenen Interessen hintanstellen, das erkennt man sehr schön beim Thema Öffentlicher Rundfunk. Anstatt zum Beispiel über den Anti-GEZ-Aktionstag vorletzte Woche zu berichten und die Infostände in der Fußgängerzone abzulichten, brachten sie: Nichts! Gut, der Andrang war (siehe Bild) eher mau. Andererseits, wenn nicht darauf hingewiesen wird, kommt eben auch keiner.

Dabei ist für die lokalen und regionalen Zeitungen – zumindest online – der Hauptgegner mittlerweile längst die jeweilige Rundfunkanstalt. Mit dem schönen Wort „trimedial“ verschleiern die Öffentlich-Rechtlichen, dass sie sich das Geschäft mit den regionalen Nachrichten im Netz einfach so gekrallt haben, obwohl es dafür kaum eine Rechtfertigung durch den Rundfunkvertrag gibt. Wer für ein Zeitungsportal arbeitet, muss sich inzwischen nicht nur mit dieser – oft wesentlich besser ausgestatteten – Konkurrenz auseinandersetzen, er finanziert diese auch noch unfreiwillig mit. Refinanzierungsmodelle werden freilich ad absurdum geführt. Es gäbe für uns also gute Gründe, diesem Finanzierungsmodell, aber auch den öffentlich-rechtlichen Sendern generell etwas reservierter gegenüberzustehen. Da braucht es gar nicht die eigene, meist negativ ausfallende Kosten-Nutzen-Rechnung (wenn ich die 7,99 Euro für Netflix als Grundlage nehmen würde, wären für mich etwa 2 Euro für die Öffentlichen adäquat).

Doch was machen wir? weiter lesen

In der RTL-Abstinenz sind wir führend

Es kommt selten vor, dass der Großraum Nürnberg den Vorreiter macht. Doch jetzt können wir anderen unseren Erfahrungsschatz vermitteln. Schon seit über zwei Jahren sind wir imstande, ohne RTL zu leben. zumindest jene mittelfränkischen Fernsehzuschauer, die noch via Antenne gucken. RTL hat hier nämlich bereits im November 2010 die terrestrische Ausstrahlung eingestellt.

Für uns Antennengucker heißt das: Wir wissen weder, wer bei Günther Jauch an der 16.000-Euro-Frage gescheitert ist, noch welcher B-Promi gerade ein Ameisenbad genommen hat. Neben den RTL-Programmen entgehen uns auch die dazu gehörigen Programme von Vox. Aber: Wir haben es überlebt. Man vermisst kaum was. Höchstens wird der Ärger auf jene größer, die so tun als müsse sich jeder Zeitgenosse fürs Dschungelcamp interessieren.
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TV ohne GEZ

ARD und ZDF wollen den Kabelnetzbetreibern nichts mehr bezahlen. Ganz offensichtlich glauben die Senderverantwortlichen, in einer vorteilhaften Verhandlungsposition zu sein. Das stimmt allerdings nur zum Teil. Wenn beispielsweise Kabel Deutschland sicher stellen würde, dass seine Kunden keine öffentlich rechtlichen Sender mehr empfangen können, dann müssten auch keine Rundfunkgebühren mehr bezahlt werden. Und „TV ohne GEZ“ wäre dann wirklich etwas, was man der Kundschaft schmackhaft machen könnte.

Dass ein solches Angebot auch bei Kabel Deutschland in Erwägung gezogen wird, macht die Antwort auf meine Anfrage deutlich, in der ich wissen wollte, ob „TV ohne GEZ“ eine Alternative wäre. Darauf hieß es: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in der Öffentlichkeit keine Szenarien diskutieren wollen.“

Hier die gesamte Antwort im Wortlaut: weiter lesen

Ich weiß, was du guckst

Es ist immer wieder lustig, wenn Leute meinen, sie könnten weiter im Dunkeln munkeln, wenn sie sich nicht bei Facebook anmelden oder beim Surfen ihre IP-Adresse verbergen. Gleichzeitig haben sie aber eine Payback-Karte, dauernd ihr Handy dabei und vielleicht noch einen dieser modernen Stromzähler, der das Energiesparen erleichtert.

Mit diesen so genannten Smartmetern, die seit letztem Jahr standardmäßig in Neubauten oder renovierten Gebäuden eingesetzt werden, kann man nicht bloß feststellen, wann ihr euer Licht ausgemacht habt, wann ihr euer Handy an die Dose steckt oder wie oft ihr warm duscht. Damit kann man auch genau eruieren, welche Fernsehsendungen ihr guckt.

Klar, das geht im Augenblick nur theoretisch, weil sich die Datenschützer noch gegen die Erhebung solch detaillierter Daten wehren. Aber es geht. weiter lesen

Die ARD und ihre "Experten"

Der Nächste bitte! Diesmal bleibt es sozusagen in der freidemokratischen Europa-Riege: Die VroniPlag-Leute haben jetzt Georgios Chatzimarkakis, Kollege von Silvana Koch-Mehrin, bereits auf mehr als 20 Prozent der Seiten seiner Doktorarbeit Plagiate nachgewiesen. Chatzimarkakis hat im Jahr 2000 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn promoviert. Thema: „Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs“. Gutachter waren die Professoren Dr. Detlev Karsten und Dr. Uwe Holtz.

Nett an der Geschichte: Chatzimarkakis hat gerade erst die Griechen als „dumm und korrupt“ bezeichnet. Man weiß nicht, ob er damit auch den Griechen in sich meint oder ob er damit unfreiwillig an das Paradoxon des Epimenides erinenrt. Nett auch: Am heutigen Sonntag soll Chatzimarkakis als „Experte“ bei Anne Will in der ARD (21.45 Uhr) auftreten und sachdienliches zu der Frage „Immer mehr Milliarden für arme Euro-Schlucker – riskiert die Regierung unser Geld?“ absondern. Chatzimarkakis ist einer jener immer gleichen 50 Leute, die die Öffentlich Rechtlichen gerne für ihre Talkrunden auswählen. Es scheint offenbar nicht viele Leute zu geben, die einerseits telegen sind und andererseits dem Publikum als fachkundig verkauft werden können.

Nun, Zweifel an dieser Fachkundigkeit sind spätestens jetzt erlaubt. Chatzimarkakis, der ohnehin eher durch seine TV-Auftritte und weniger durch politisches Engagement aufgefallen ist, trifft bei Anne Will immerhin einen Mitbetroffenen. Dort talkt nämlich auch Edmund Stoiber mit. Seiner Tochter Veronica – Namensgeberin von Vroniplag – wurde letzte Woche von der Universität Konstanz der Doktortitel aberkannt.

Reichlich skurril mutet übrigens der Entschuldigungsversuch an, den Chatzimarkakis auf seiner Webseite unternimmt. Dort schreibt er:

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Die Privatisierungssünden von gestern

LUX_Im Gegensatz zum Internet vergisst der Mensch relativ schnell. Das ist mitunter gut so, mitunter aber auch bedauernswert, beispielsweise wenn es darum geht, Leuten ihren leider nicht nur Geschwätz gebliebenen, sondern Realität gewordenen Unsinn um die Ohren zu hauen.

Dies ist mir nach der Lektüre des Interviews mit Richard David Precht zur Überflüssigkeit des Privatfernsehens aufgefallen. Wobei da noch nicht einmal berücksichtigt wurde, wie die Privaten auch noch das letzte soziale Mäntelchen wegwerfen, wenn sie nur irgendwie die Gelegenheit dazu haben, wie jetzt mit dem Rückzug von RTL, RTL2, SuperRTL und VOX aus der Antennenübertragung im Großraum Nürnberg. Der Ausstieg dürfte übrigens kein regionales Unikum bleiben, sondern auch den anderen DVB-T-Nutzern in Deutschland dräuen. Offenbar sollen die Terrestriker nach und nach vergrämt werden, weil es dafür keine brauchbaren Bezahlmodelle gibt.

Diese Entwicklung war absehbar. Allen Bedenken zum Trotz gehörte seinerzeit übrigens auch Markus Söder zu den eifrigsten Verfechtern des Priivatfernsehens. Vielleicht ist das der Grund, warum er jetzt im Büßergewands herumläuft 😉