Grüner Pranger will Journalisten helfen

Leute wegen ihrer Gesinnung aufzulisten und namentlich an den Pranger zu stellen, das kannten wir bisher eher von Nazi-Gruppen. Jetzt praktiziert die den Grünen nahe stehende Heinrich-Böll-Stiftung Ähnliches. Auf agentin.org ist ein Wiki mit Personen und Organisationen zu finden, die nicht feministisch sind. Dabei wendet sich die Plattform ausdrücklich auch an uns Journalisten, die gemutmaßt Entscheidungshilfen brauchen, wen sie interviewen sollten und wen lieber nicht:

Die Agent*In erleichtert u.a. Aktivist_innen, Multiplikator*innen und Journalist*innen sowie Bildungseinrichtungen die Recherche zu anti-feministischen Akteur*innen und bietet die Möglichkeit, sich anhand der Informationen selber ein Bild über deren ideologische Ausrichtung und Vernetzung zu machen.

weiter lesen

Wer sendet, das bestimmen wir


Der Freiheit im Netz geht es gerade auf vielfältige Weise an den Kragen. Hier der mit rechten Hasskommentaren begründete Angriff auf die Meinungsfreiheit. Dort der Versuch, aktuelle Videoangebote mit Strukturen, die sich noch auf begrenzte Frequenzen im UKW-Netz gründen, in Einklang zu bringen.

Vor einigen Tagen machte die Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen den Vorreiter und kündigte an, den Betrieb von PietSmietTV zu untersagen. Gut, nicht auf YouTube, sondern nur auf twitch.tv, das vor allem auf solche Game-Übertragungen spezialisiert ist. Aber das ist in diesem Zusammenhang auch unerheblich. Offenbar geht es darum, den Medienanstalten wieder eine Daseinsberechtigung zu verschaffen: als Aufpasser für alles, was im weiteren Sinne unter den Rundfunk-Begriff fallen könnte und der ist halt weit, wenn man unter rundfunken jegliche Form von Liveübertragung versteht.
weiter lesen

Kulturhauptstadt: Nürnberg entdeckt neue Technik

LOKALES                                 Foto: Eduard Weigert     Datum:  8.4.16 Meistersingerhalle  Luitpoldhain PG zum weiteren Vorgehen in Sachen Konzertsaal mit Söder Maly Lehner
Dass man sich nicht einfach als Kulturhauptstadt bewerben und gleichzeitig wie bisher weiterwursteln kann, habe ich letzte Woche schon bei der Wiedereinführung der Bibliotheksgebühr thematisiert. Ein weiteres Beispiel liefert ein bislang in der Öffentlichkeit untergegangener Bericht (die Printkollegen sind mit ihrer Distanz zum Digitalen halt mit im Boot) über die technische Ausstattungen der städtischen Kultureinrichtungen. Vor wenigen Tagen ist der Bericht zumindest den Stadträten zugegangen. Die SPD-Fraktion hatte ihn angefordert und dabei besonders auf die Ausstattung mit WLAN abgezielt. weiter lesen

Freesteffen: Clubfans hadern mit ihrer Zeitung

ARCHIV - Hinter einem Gitter laufen am 21.11.2014 Gefängnisinsassen der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart (Baden-Württemberg) über einen Gefängnishof. Foto: Daniel Naupold/dpa (zu lsw: «Schitzen statt sitzen" vom 29.03.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Zwischen uns Journalisten und der FCN-Community hängt gerade der Haussegen ein bisschen schief. Letztlich geht es um die Frage: Darf ich in den sozialen Netzwerken aus der Zeitung zitieren oder nicht.

Der Twitterer 2_Steffen versorgt seine Follower öfter mal mit mehr oder weniger knackigen Sätzen, die er in den örtlichen Zeitungen über den Club gefunden hat. Der eine (ich gehöre da auch dazu) stuft sowas als Appetitanreger ein, der andere als Geschäftsschädigung. Die NN-Sportkollegen tendieren offensichtlich zu letzterem und setzten folgenden Tweet ab:

nnsport

Schon entzündete sich jene Diskussion, die schon vom Leistungsschutzrecht bekannt ist, auch unter den Clubfans. Wobei es hier freilich nicht gegen einen Großkonzern wie Google geht, sondern gegen junge Freunde des lokalen Profifußballs.

weiter lesen

eBay, der Wohltäter!

Ressort : Lokales / Anzeiger Motiv: Fußgängerzone Nürnberg Innenstadt / Karolinenstr. ,Königstr.,  Lorenzkirche Foto: Mark Johnston
Werbung treiben und dabei auch noch den Wohltäter spielen können, das wird dem Online-Marktplatz eBay gerade ziemlich leicht gemacht. Nachdem Deutschland das Thema öffentliches WLAN jahrelang verschlafen hat, springt eBay jetzt in die Bresche. In 80 Einkaufszonen in 22 deutschen Städten will das Unternehmen unter dem Namen eBayPLUS kostenloses Surfen ermöglichen. Ganz vorne dabei ist Nürnberg (hier mehr zu den vorhandenen und geplanten Hotspots).

Das kommt nicht von ungefähr. In Nürnberg sitzt nämlich der Dienstleister, mit dem eBay in diesem Fall zusammenarbeitet. weiter lesen

Nichts wars mit der City-App

apps
Regelmäßige Vipraum-Leser dürften sich vielleicht noch erinnern. Letztes Jahr wollte die Stadt Nürnberg vom Schläfer zum „Leuchtturm“ aufsteigen. Gemeinsam mit SAP sollte eine City-App als weltweites Pilotprojekt entwickelt werden. Was daraus geworden ist?
Nichts!

Apps haben andere Städte schon längst. An Nürnberg ging die Anfangseuphorie ziemlich spurlos vorbei. Dafür wollte die Stadt dann gleich was Richtiges präsentieren. Über „Terminvereinbarungen, Stadtführungen, Bezahlung, Routing, Stadtführungen bis zu individuell abgestimmten Angeboten des Einzelhandels“ sollte auf die persönlichen Interessen des Users eingegangen werden, hieß es damals.
weiter lesen

Das verschlossene Ohr des Herrn Hasler

Nürnberg: Josef Hasler ist der Vorstandsvorsitzende der N-Ergie.  11.1.2013. Foto: Harald Sippel
Josef Hasler, der Chef der Städtischen Werke Nürnberg, hat bislang vor allem wegen seines üppigen Gehalts Schlagzeilen gemacht. Neider lassen sich aber ignorieren, wenn man die richtige Leute auf seiner Seite hat. Den, obgleich etwas weniger verdienenden, sozialdemokratischen Oberbürgermeister Ulrich Maly zum Beispiel. Der stößt sich nicht daran, dass Hasler Topverdiener in Bayern ist: Der Mann arbeite schließlich für drei.

Unabhängig davon, ob er das Geld verdient, scheint Hasler jedoch die Bodenhaftung verloren zu haben. Ob es an seinem sozialen Status liegt, oder daran, dass er für drei arbeitet, man weiß es nicht. In der letzten Stadtratssitzung, als es um eine neuerliche Erhöhung der Nahverkehrstarife ging, bekundete Hasler jedenfalls: „Ich sehe nicht, dass der Unmut der Fahrgäste steigt.“ Beschwerden über zu hohe Fahrpreise gebe es nur wenige.
weiter lesen

Kopieren verboten: Nürnbergs Mietenspiegel

mietensp
Wohnen in Nürnberg wird teurer. Das belegt der letzte Woche präsentierte neue Mietenspiegel. Dieser Mietenspiegel soll, so das städtische Amt für Wohnen, die Mietpreissituation „möglichst transparent machen“. Von Transparenz ist da in Nürnberg aber nicht viel zu sehen. Während andere Städte (hier zum Beispiel Berlin oder Hamburg) die ortsüblichen Vergleichsmieten für jeden zugänglich ins Netz stellen, gibt es den Nürnberger Mietenspiegel nur gegen eine Schutzgebühr von 2,50 Euro zuzüglich Versandkosten in gedruckter Form. Dafür bekommt man dann sechs DIN A4-Seiten. Und damit niemand auf die Idee kommt, die sechs Seiten mal schnell zu scannen und seinerseits ins Netz zu stellen, steht auf dem Deckblatt fett gedruckt die Warnung: Kopieren nicht gestattet!

„Das war eine politische Entscheidung“, begründet Werner Reißer vom Amt für Wohnen die Schutzgebühr und das umständliche Verfahren. Grund für den Stadtratsbeschluss sei damals (wann das war, weiß keiner mehr so genau) gewesen, dass die Hausbesitzer- und Mieterverbände durch Versand oder persönliche Abholung des Mietenspiegels Kundenbindung betreiben wollten.

Immerhin räumte Reißer aber ein, dass man inzwischen vielleicht doch einmal darüber nachdenken könnte, den Mietenspiegel im Internet zu veröffentlichen. Schon um jene Transparenz zu schaffen, die gegenwärtig eher noch eine hohle Floskel ist.


Nachtrag 28.Juni 2016:
Nach dem Motto: Was interessiert uns eure politische Entscheidung und unser Kopierverbot, stellt die Stadtverwaltung den Mietenspiegel hier kostenlos zum Download zur Verfügung. Dank an Titus Schüller und Bernhard Münzer (siehe Kommentar)!

Gratis-WLAN: Jetzt wird Nürnberg ausgeleuchtet

hauptmarktLange hat es gedauert, jetzt tut sich endlich was mit offenem WLAN in Nürnberg. Zurzeit läuft dazu eine Ausschreibung der Stadt. Das Vergabeverfahren soll laut Matthias Latus vom Referat für allgemeine Verwaltung Mitte Juli abgeschlossen sein. Mehr darf er nicht sagen: „laufendes Verfahren!“

Erfahren habe ich davon auch nur über Umwege. In Berlin wurde nämlich am 1. Juni, rechtzeitig zur Fußball-EM, Gratis-WLAN eingerichtet. Anbieter ist die Firma ABL Social Federation – und die sitzt in Nürnberg. Für das Land Baden-Württemberg wird ABL Ähnliches realisieren. Da fragt man sich als Nürnberger, warum das am Firmenstandort bisher noch nicht geklappt hat, zumal die Berliner Verwaltung nicht gerade den Ruf genießt besonders schnell und entscheidungsfreudig zu sein (was sie übrigens auch beim WLAN wieder demonstrierte).
weiter lesen

Freistaat kassiert für Freifunk-Spende

quelle
Über die Freifunker habe ich hier schon mehrfach berichtet. In letzter Zeit haben sie sich vor allem darum bemüht, den Flüchtlingen zu kostenlosem WLAN zu verhelfen. Das wird nun von der bayerischen Staatsregierung torpediert. Die beiden Freifunkanlagen in den Fürther Flüchtlingsunterkünften im alten Möbel-Höffner und in der Europaallee mussten bereits deaktiviert werden. Jetzt befürchtet Freifunk-Sprecher Peter Mühlenbrock, dass das Gleiche auch für Nürnberg droht. Dabei wurde am vergangenen Freitag gerade erst eine neue Anlage in der Unterkunft auf dem alten Quelleparkplatz in Betrieb genommen.

Völlig absurd dabei: diese Anlagen wurden gespendet und Freifunk richtet sie kostenlos ein. Deswegen werden auch keine Gebühren erhoben. Im Stadtgebiet kann an mehreren Standorten von jedem kostenlos via Freifunkknoten gesurft werden. Den Flüchtlingen sollen für dieses Angebot jedoch 36 Euro vom monatlichen Taschengeld von 145 Euro abgezogen werden. Letztlich kassiert der Freistaat also für eine Leistung, die Ehrenamtliche erbringen, deren Arbeit er sogar noch durch überholte gesetzliche Rahmenbedingungen behindert.

Mühlenbrock dazu:
weiter lesen