Wenn schon „miserabel“ draufsteht…

Am 1. März kommt das Musical „Les Miserables“ auf seiner Tournee auch in die Nürnberger Meistersingerhalle. Genauer gesagt handelt es sich allerdings nur um ein Musical, das irgendwie an „Les Miserables“ angelehnt ist. Das brachte viele Zuschauer früherer Tourneestationen einigermaßen auf die Palme. Beispielsweise in Bochum oder Wuppertal. Dort verließen viele Besucher vorzeitig den Saal und wollten ihr Geld wieder haben. Schnell wurde ihnen nämlich klar, dass es sich nicht um das Erfolgsmusical von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil handelte (wie etwa bei der oben abgebildeten Aufführung des Theaters Hof), sondern um eine Neuinszenierung der Deutschen Musical Company Köln, die sich zwar auch an Victor Hugos Romanvorlage anlehnt, aber nicht nur die Musik änderte, sondern den Stoff auch noch entpolitisierte. Wobei das Ensemble selber unschuldig ist und die Bewerbung „mit Sorge“ betrachtete.
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Die Meisengeige: mehr als nur ein Kino

Nürnbergs erstes Programmkino wird geschlossen. Als Grund gibt der Betreiber der traditionsreichen Meisengeige am Laufer Schlagturm verschärfte Bauauflagen an.

Vor drei Jahren feierte die Meisengeige ihren 40. Geburtstag. Betreiber Wolfram Weber, der bereits das Casablanca und das Atrium dicht gemacht hatte, versprach damals: „Ich habe nicht vor, die Meisengeige in den nächsten 40 Jahren zu schließen — wenn es finanziell machbar ist.“ Nun ist es finanziell nicht mehr machbar. Die bayerische Bauordnung und der Wegfall von Sonderrechten für denkmalgeschützte Bauten hätten massive Investitionen in sechsstelliger Höhe erforderlich gemacht. Laut Weber müssen unter anderem Brandschutzdecken, eine Entrauchungsanlage und ein zweiter Fluchtweg installiert werden. Die Vermieterin — es handelt sich um die Enkelin des Bäcker-Ehepaars, von dem die Weberbrüder das Gebäude übernommen haben — habe die Investitionen auf die „ohnehin schon hohe Miete“ anrechnen und den Vertrag auf 20 Jahre festschreiben wollen. Weber: „Das wäre nicht zu erwirtschaften gewesen.“ Er bedauert das Ende der Meisengeige: „Wir hätten es gerne weiter gemacht, aber das Haus gehört uns leider nicht.“
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Wird Nürnberg das Mekka der Filmemacher?

Was tut man nicht alles, um sich nicht mit diesen neuen Medien beschäftigen zu müssen? Mit diesem ganzen digitalen Zeug, das keiner braucht und das nur vom Glanz des King of Analog (aka Ulrich Maly) ablenkt.

Das Presseamt der Stadt Nürnberg ist sich also nicht zu blöd, Nürnberg als Kulisse für Filmschaffende anzupreisen.

Nürnberg, so heißt es da, bietet nämlich alles, was der Filmproduzent braucht.

internationaler Flughafen, Hafen mit Containerterminal, Messegelände, WM-Fußballstadion, großes kommunales Klinikum, gut ausgebaute Infrastruktur., Industriebrachen und Leerstände mit viel Raum zur Entfaltung, dazu originelle Läden, Cafés und Kneipen, die über der Stadt thronende Kaiserburg, historische Häuserzeilen aus Sandstein und Fachwerk, geschlossene Bau-Ensembles aus verschiedenen Epochen, unterirdische Felsengänge.

Und was es nicht gibt, das gibt es – Obacht, jetzt kommt´s – in Fürth.

Also: „Drehen Sie Ihren TV- oder Kinofilm in Nürnberg. Die Stadtverwaltung Nürnberg hilft gerne und unterstützt Sie bei der Suche nach Produktionsräumen und Locations.“

Da haben wohl einige nicht allzuviel Vertrauen in das Versprechen des BR-Intendanten, endlich einen Franken-Tatort zu drehen. Wahrscheinlich wollen die das, wenn überhaupt noch zu unseren Lebzeiten, woanders tun. Und Nürnberg sackt weiter in den Umfragen ab.

Wie verzweifelt darf man sein? Aber vielleicht erbarmt sich ja irgend ein Vilsmaier oder Geißendörfer und hievt ein paar lebenslustige Stadtbedienstete mit Bratwurst in irgendein aus Proporzgründen gefördertes Machwerk.

Dabei gab es durchaus Filmemacher, die auch ohne solche Werbeaktionen den Weg nach Nürnberg gefunden haben und sogar den internationalen Airport, der jetzt vor lauter Internationalität neue Chefs braucht, ins Bild gerückt haben:

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Alte Fassade, neue Prioritäten

Seit zweieinhalb Jahren setze ich an dieser Baustelle jetzt mein Leben aufs Spiel. Jedesmal, wenn ich mich da in den Autoverkehr eingliedere, wärme ich mich an der Hoffnung, die machen wenigstens hinne und am Ende kommt was Gescheites raus. Aber: nix da!

Das auf den heimeligen Namen „Haus D“ hörende Sparkassengebäude am Marientorgraben sollte eigentlich „Anfang 2012“ fertig sein. Aber wahrscheinlich denken die: Was der Flughafen in Berlin kann, das können wir auch. In Nürnberg ahmt man Großstädte ja immer gerne nach, auch im Negativen.

Was aber noch mehr nervt: Das inzwischen sichtbare neue Gebäude strahlt die gleiche Sparkassen-Tristesse aus wie das vorherige. weiter lesen

Erlangen setzt auf Atomkraft

Geld stinkt nicht. In Erlangen schon gleich drei Mal nicht. Deswegen ist es den dortigen Stadträten nicht nur egal, woher die Sponsorengelder für das Poetenfest kommen. Man nimmt sogar lieber das anrüchige Geld von Areva anstatt das Geld der Initiative „Poesie gegen Uranstaub„. Während man bei letzterer nämlich Zweifel hat, ob es sie längerfristig noch gibt, scheint man bei dem Atomkonzern völlig sicher zu sein, dass der auch in ein paar Jahrzehnten noch die Poeten sponsern kann.

Die Poeten? Was das für Poeten sein müssen, die sich erst auf Anfrage völlig überrascht zeigen, wer da ihre Gage bezahlt und die in diesem Wissen jetzt trotzdem kommen. Anyway! Hauptsache der Poet verkauft Bücher. Hauptsache Kultur, Hauptsache Erlangen! Dass sich der 1.FC Nürnberg übrigens von diesem Sponsor trennt, was sagt das dem „Kulturmenschen“? Wahrscheinlich: „Zu viele Kopfbälle mindern die Hirnleistung.“

Hier gehts zum Bericht über den Beschluss der Stadträte im Kulturausschuss.

Soll Nürnberg seine Oper schließen?

Armut wird mittlerweile an vielen Orten sichtbar. Aus der Kultur soll sie mit aller Gewalt ferngehalten werden (zwar auch nicht überall, aber diese Diskussion verschiebe ich auf ein anderes Mal).

Bei der Debatte um die Sanierung des Nürnberger Opernhauses und den Bau einer Ersatzspielstätte geht es im Augenblick eher darum, ob Franken (mal wieder!) gegenüber München benachteiligt wird, aber nicht darum, ob solche Ausgaben überhaupt noch in die Landschaft passen. Klar, wenn das Opernhaus nicht saniert würde, dann stellt sich auch die Frage, was mit dem Gebäude und den Mitarbeitern passieren soll. Dicht machen bedeutet schließlich nicht, dass dann die Millionenbeträge (die scheinen allerdings so hoch zu sein, dass OB Ulrich Maly gegenwärtig nicht einmal eine Hausnummer nennen will) und die laufenden Zuschüsse (gegenwärtig werden für das Staatstheater jährlich über 30 Millionen von Stadt und Freistaat aufgewendet) einfach auf die Habenseite übertragen werden könnten. Da erinnert die Stadtspitze dann lieber daran, dass der Freistaat doch einen Teil mitträgt und agiert mit der alten Verblödungsnummer als sei das geschenktes Geld, das die Stadt nicht zurückweisen könne. weiter lesen

Weihnachten: Die GEMA kassiert mit

Zu irgendetwas sollte doch auch die GEMA gut sein, dachte ich mir. Also rief ich letzte Woche bei deren Pressestelle in München an, um mir einen Überblick über das vorweihnachtliche Musikgeschehen zu verschaffen. Man müsste doch anhand der Einnahmen feststellen können, welche Weihnachtslieder am häufigsten gespielt werden.

Doch leider: Nicht einmal dazu taugt die GEMA. Man könne dazu nichts sagen, weil es nicht im Sinne der Rechteinhaber sei, wenn ihre Einnahmen offen gelegt werden, sagte mir die Pressesprecherin. Ich solle mich an MediaControl wenden, die könnten vielleicht über die meist gespielten Weihnachtslieder Auskunft geben. Im übrigen sei es ohnehin technisch schwierig, aus dem gesammelten GEMA-pflichtigen Liedgut die Weihnachtstitel herauszufiltern.

Für MediaControl-Daten muss man allerdings zahlen. Soweit geht mein Interesse auch wieder nicht, weiter lesen

IMAX: Die Schamfrist ist vorbei

imaxDas Nürnberger IMAX-Kino ist, wie man jetzt auch der Zeitung entnehmen konnte, sanft entschlafen. Der Brüller war es nie. Wer da mal unten war, durfte weder klaustrophobisch veranlagt sein, noch durfte er vom Leben und vom Film allzuviel erwarten. Was dort gezeigt wurde, war inhaltlich meist dürftig, spannungsmäßíg gleich null, frei von Dialogen und Humor kam sowieso nie vor. Dafür waren die Bilder halt schön und es war 3D. Inzwischen kann man 3D sogar schon in seinem Wohnzimmer haben und 3D gibt es auch in den anderen Kinosälen.

Trotzdem ist die Meldung vom IMAX-Hinscheiden einen Blogbeitrag wert. Vor gut zehn Jahren sollte Nürnberg nämlich sogar zwei IMAX-Kinos haben. Da war das der letzte Schrei, bzw. wurde als solcher verkauft. Neben Wolfram Weber, der das an sein Multiplexkino CineCitta andocken und gleichzeitig noch ein paar Kinosäle dazu gewinnen wollte, war auch der Unternmehmer Alfons Doblinger (Dibag) fest entschlossen, ein IMAX zu bauen und zwar am Willy-Brandt-Platz. Er wollte damit den Busbahnhof attraktiver machen und dort mehr Kundschaft hinziehen. Den Beteiligten und der Stadtverwaltung war aber schnell klar, dass man keine zwei IMAXe, vor allem keine mit 500 Plätzen, rentabel in Nürnberg betreiben kann. Also galt: entweder Weber oder Doblinger. Hinter Weber stand damals der frühere Baureferent Walter Anderle (SPD), hinter Doblinger Wirtschaftsreferent Roland Fleck (CSU) – Lobbypolitik ist nämlich schon länger bekannt.
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GoHo – wo Kreativität zu Hause ist

Wahnsinn und Verstand, das wusste schon Daniel Düsentrieb, trennt nur eine dünne Wand. Selbst in einer überschaubaren Stadt wie Nürnberg liegen sie nahe beieinander. Da tapert mancher durch die Südstadt und wundert sich noch, dass der Schocken plötzlich anders heißt, während in einem anderen Stadtteil ein geradezu rasanter Aufbruch vonstatten geht, den man eigentlich kaum beschreiben kann. Man muss ihn (wie el mago masin in seiner Hymne) wohl besingen .

Es handelt sich um Gostenhof. Ein Kreativ- und Künstlerviertel, das sich laut dem neuen Gostenhof-Guide inGoHo nicht hinter ähnlichen Vierteln in Berlin, München, Köln und Hamburg verstecken muss. Oder um Twitterer Klaus Wolfrum zu zitieren: Was dem Londoner sein Soho ist dem Nürnberger sein GoHo.

Wer nicht dort wohnt, sollte es mal besuchen – auch wenn die Behauptung, dort scheine immer die Sonne, durch nichts belegt werden kann (zur Zeit schon gleich drei Mal nicht).

Erbsen zählen im Rechnungsprüfungshof

NZ_Halte.JPGDer bayerische Rechnungsprüfungshof hat seinen jährlichen Bericht vorgelegt. Nürnberg kommt dabei ziemlich schlecht weg. Über die Straßenbahnhaltestelle am Dokuzentrum heißt es: „Diese Haltestelle hätte es nicht gebraucht.“ 6,1 Millionen Euro sind dafür an Staatsgelder ausgegeben worden, obwohl es nicht weit weg bereits eine Haltestelle gibt. Kritik wird auch an den neu gebauten Museen, namentlich dem Neuen Museum Nürnberg, geübt, wo die Besucherzahlen von 140.000 im Eröffnungsjahr auf 46.000 zurückgegangen sind.

Letztlich moniert der Rechnungsprüfungshof, dass vor zehn Jahren zu viel für Museen ausgegeben wurde. Er diagnostiziert im Nachhinein eine krankhafte Museumsmanie, die im Freistaat, aber auch in der Stadt Nürnberg, grassierte. Gleiches gilt wohl auch für die Straßenbahnhaltestelle, die ja dem Dokuzentrum, jan auch ein Museum, optimale Rahmenbedingungen schaffen sollte. Doch was soll das jetzt noch bringen? So blöd ist keiner mehr, jetzt neue Museumsprojekte anzugehen (nicht mal in Nürnberg). Dagegen liefert man beim Dokuzentrum, und da wird es dann richtig ärgerlich, nur den Neonazis Munition.

Was jedoch fast noch mehr nervt. ist: Der Rechnunsgprüfungshof lenkt hier nur mit Peanuts von den eigentlichen Skandalen ab. Die Bayern LB kommt beispielsweise überhaupt nicht vor. Dabei ist das dafür geschnürte 30 Milliarden-Rettungspaket das 5000-fache dessen, was der Freistaat für die wenigstens politisch, wenn auch nicht verkehrlich korrekte Straßenbahnhaltestelle in Nürnberg ausgegeben hat. Zudem tritt bei der Bayern LB genau jene altbayerische Großmannssucht zu Tage, die der eigentliche Anlass für die Arbeit der Rechnungsprüfer ist, die  diese also eigentlich bekämpfen sollten, anstatt sich mit ein paar Metern zu wenig Fußweg zwischen zwei Haltestellen oder irgendwelchen Holzschnitzelheizungen aufzuhalten.

So schwemmt die Finanzkrise anscheinend auch die bayerischen Rechnungsprüfer mit hinweg. Erbsenzähler hat man solche Leute in guten Zeiten genannt. In schlechten kann man das ruhig wieder aufgreifen.