Der Querschnitt der Bevölkerung: So sieht er aus!

Gestern hat sich der BR-Rundfunkrat neu kostituiert. Offenbar sollte das eher geräuschlos über die Bühne gehen. Sonst, so die Befürchtung, würde nur wieder eine Diskussion über allzugroße Staatsnähe (im Freistaat ist das dann auch CSU-Nähe) vom Zaun gebrochen. Schließlich hat zumindest das ZDF auf diese Vorwürfe zumindest ein bisschen reagiert. Da gilt es also, vorsichtig zu sein. Gerade in Bayern! Wo es auch darum geht, dass die Rundfunkräte auch künftig den Einsatz von BR-Mitarbeitern bei Unionsveranstaltungen – etwa dem Nürnberger CSU-Ball – brav abnicken.

Beim BR wurde der Rundfunkrat ein bisschen aufgestockt. Inzwischen ist mit Hamado Dipama auch ein Ausländer- und Migrantenvertreter dabei. Der hat immerhin dazu beigetragen, dass Cola-Weizen in Bayern jetzt Cola-Weizen heißt. Trotzdem hat es auf der BR-Seite für Dipama nur zu einer Art Phantombild gereicht (siehe oben). Ist auch egal, denn an den Mehrheitsverhälnissen hat sich ohnehin kaum etwas geändert.

Interessant am Rundfunkrat ist auch für Nicht-BR-Konsumenten immer, dass dieser den Querschnitt der Bevölkerung abbilden soll. Nach der aktuellen Besetzung wären demnach nur 28 Prozent der Bayern weiblich.

Hier die Zusammensetzung des neuen BR-Rundfunkrates:
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Werbung: Neutral, das war einmal

Auch wir Journalisten blenden gerne aus, wo unser Geld für Gehalt und Honorare herkommt. Die Werbung in den Druckerzeugnissen (rückläufig) und auf den Webseiten (antsteigend) nehmen wir selten bewusst wahr. Werbung ist neutral. Die machen damit Geld und wir machen Aufklärung.

Die Wirklichkeit ist eine andere. Gerade wurde das an der Aktion „Kein Geld für Rechts“ deutlich. Wobei die Aktion eher durch die Reaktion bekannt wurde. Durch die Breitseiten, mit denen Henryk M. Broder, Roland Tichy und ihnen nahe stehende, etwas weniger bekannte Autoren seit Tagen dagegen anschrieben. Sie befürchten nämlich, dass ihnen eventuell der Geldhahn abgedreht wird. Und mit ihnen betroffen ist angeblich „die Hälfte der Gesellschaft“. Nun ja!
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Das Grid und die Zukunft der Zeitung

hersbruWenn es ein Wort des Jahres für Redakteure gäbe, dann wäre das wohl Grid. Als ich „Grid“ das erste Mal hörte, – ich gebe es zu – musste ich auch erst hier nachschauen. Unwissen íst in diesem Fall keine Bildungslücke.

Dass nun auch eher mit den Inhalten befasste Journalisten über Gestaltungsraster (Grid) sprechen, hat mit der Zeitungskrise zu tun. Die Printleser werden einerseits im Durchschnitt älter, weshalb ihnen das Lesen von Kleingedrucktem schwerer fällt. Andererseits haben mittlerweile oft auch junge Leser mit der geringen Schriftgröße Probleme, wofür auch die Smartphones verantwortlich sein sollen. Auf iPads, Kindles oder Monitoren fällt das nicht weiter ins Gewicht, da kann man die Größe einstellen. Bei Print geht das nicht.
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Nürnberg geht „off air“

Inzwischen wird es nicht einmal mehr gemeldet, wenn sich im Großraum Nürnberg Sender verabschieden. Noch nicht einmal dann, wenn es sich dabei un das Franken Fernsehen handelt.

Dabei ist es doch um einiges bemerkenswerter, dass das fränkische Fernsehen nicht mehr im fränkischen Äther empfangbar ist, als wenn – ebenfalls zum 31.5. – Bibel TV, Channel 21/Euronews und QVC ebenfalls ihren Nürnberger Terrestrik-Laden dicht machen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich bei Franken Fernsehen um einen Müller-Medien-Sender handelt, also um ein Projekt von Gunther Oschmann, der in letzter Zeit schon andere Läden dicht machen musste: die AZ-Nürnberg oder den Frankenreport. weiter lesen

Wer verprellt die Klassikfreunde? Die CSU!

Da hat der Bayerische Rundfunk schon einmal einen erfolgreichen Nischensender und dann will er den aus dem frei empfangbaren UKW-Kanal ins digitale Abseits befördern. Bei den – zugegebenermaßen zahlenmäßig überschaubaren – Hörern von BR-Klassik gibt es deshalb einen Aufschrei. Online-Petitionen werden gestartet, die Freunde in den Feuilletons geweckt, sogar der Blogger für das Reiche und Schöne nimmt sich des Themas an.

Im Mai wird der Rundfunkrat über die Zukunft von BR Klassik und das stattdessen geplante Jugendprogramm „Puls“ (war nicht schon Bayern 2 und Bayern 3 als Jugendprogramm gestartet und was wird dann in 15 Jahren verschwinden, wenn die Puls-Macher in die Jahre gekommen sind?) befinden. Es gäbe auch noch einen anderen Grund sich mit dem Rundfunkrat zu beschäftigen: das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ZDF-Staatsvertrag. 40 Prozent staatliche oder staatsnahe Vertreter in dem Gremium seien zu viel. Das dürfte nicht nur fürs ZDF gelten.

Aber zurück zu unseren Klassikfreunden, meist älteren, gesetzteren Leuten, die gar nicht wissen, wo sie ein Digitalradio herbekommen sollen, die aber vielleicht auch nicht wissen, wer ihnen jetzt diese Gemeinheit einbrockt.

Um dies aufzuklären, sollten wir uns die Bestzung im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks näher ansehen. weiter lesen

Leider fehlt die Nürnberger Presse!

Acht der zehn NSU-Mordopfer waren türkischstämmig, weshalb sich die türkischen Medien mit Recht beklagt hatten, dass sie bei der Vergabe der begrenzten Presseplätze leer ausgingen. Daraufhin wurden die Plätze im Losverfahren vergeben. Bei den Tageszeitungen erhialten jetzt Bild, Allgäuer Zeitung, Passauer Neue Presse, Pforzheimer Zeitung. Sächsische Zeitung., Oberhessische Presse Marburg, Stuttgarter Zeitung und Lübecker Nachrichten den Zuschlag. Berichten werden auch Radio Lora und Radio Lotte, die Brigitte, Hallo München oder RTL2. Die gesamte Liste ist hier zu finden.

Ungeachtet dessen, ob jetzt die Brigitte für die Prozessberichterstattung gegen Neonazis prädestinierter ist als etwa die TAZ oder die FAZ, will ich aber auf Folgendes hinweisen: Drei der neun Morde fanden in Nürnberg statt. Wenn es also um Betroffenheit geht, dann sollte zumindest eine Nürnberger Zeitung oder ein anderes lokales Medium beim Prozess in München vertreten sein.

Klar, im Nachhinein muss man angesichts der Doppelbewerbungen mancher Medien vielleicht selbstkritisch anmerken, dass sich unser Verlag sicherheitshalber noch mit Unterwasser oder dem Kicker hätte bewerben sollen, um seine Chancen zu verbessern. Aber soll man Unfug mit Unfug beantworten?

Nachtrag, 3.5.2013 Dank der Stuttgarter Nachrichten bekommt die NZ jetzt im Rahmen einer Poollösung doch noch Zugang zum NSU-Prozess. Mit bei der Kooperation dabei ist auch die Heilbronner Stimme und die AZ München. Es soll auch ein Blog zum NSU-Prozess eingerichtet werden (inzwischen gibts das hier).

AZ: Das ist Kunst, das kann weg!

Seit Mai kommt die Nürnberger Abendzeitung in neuem Gewand daher. Fränkisch rot, noch reichhaltiger bebildert und thematisch deutlicher vom allgemeinen Newsmainstream abgesetzt. Medienunternehmer Gunther Oschmann, der sich bisher auf Privatradios und Telefonbücher spezialisiert hatte und der gerne als „der kleine Kirch“ (nach dem am Donnerstag verstorbenen Unternehmer Leo Kirch) bezeichnet wird , übernahm die Nürnberger AZ im vergangenen Jahr und gestaltete sie nach seinen Vorstellungen um. So etwas geht nicht ohne Opfer ab. Eines dieser Opfer war der Kulturteil. Dabei hatte die AZ, als ihr noch Dieter Stoll und Andreas Radlmaier angehörten, nach Ansicht vieler den besten Kulturteil der Region. Die alte Komödianten-Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ hat der neue AZ-Chef aber mit „kann weg“ beantwortet. weiter lesen

Die Privatisierungssünden von gestern

LUX_Im Gegensatz zum Internet vergisst der Mensch relativ schnell. Das ist mitunter gut so, mitunter aber auch bedauernswert, beispielsweise wenn es darum geht, Leuten ihren leider nicht nur Geschwätz gebliebenen, sondern Realität gewordenen Unsinn um die Ohren zu hauen.

Dies ist mir nach der Lektüre des Interviews mit Richard David Precht zur Überflüssigkeit des Privatfernsehens aufgefallen. Wobei da noch nicht einmal berücksichtigt wurde, wie die Privaten auch noch das letzte soziale Mäntelchen wegwerfen, wenn sie nur irgendwie die Gelegenheit dazu haben, wie jetzt mit dem Rückzug von RTL, RTL2, SuperRTL und VOX aus der Antennenübertragung im Großraum Nürnberg. Der Ausstieg dürfte übrigens kein regionales Unikum bleiben, sondern auch den anderen DVB-T-Nutzern in Deutschland dräuen. Offenbar sollen die Terrestriker nach und nach vergrämt werden, weil es dafür keine brauchbaren Bezahlmodelle gibt.

Diese Entwicklung war absehbar. Allen Bedenken zum Trotz gehörte seinerzeit übrigens auch Markus Söder zu den eifrigsten Verfechtern des Priivatfernsehens. Vielleicht ist das der Grund, warum er jetzt im Büßergewands herumläuft 😉

Wenn Schweigen nicht mehr hilft

Wenn man keine andere Sorge hat, als in Langeweile zu ersticken, dann kauft man sich neue Klamotten oder räumt sein Wohnzimmer um. Nürnbergs Wohnzimmer ist der Hauptmarkt und die Gelangweilten sitzen nebenan im Rathaus.

Nun ist der Hauptmarkt was die Gestaltung angeht nicht gerade der Hit. Im Sommer brennt einem mangels Schatten die Sonne auf die Platte, im Winter pfeift der Wind ungehindert durch. Allerdings dient der weitgehend freie Platz dem Handel in vielfältiger Weise dazu, Umsatz zu machen. Dies ist auf jeden Fall eine der besseren Nutzungen, die auf dem Hauptmarkt stattfanden. Erinnert sei hier nur an das Pogrom von 1349 als Kaiser Karl IV dort mehr als 500 Juden töten ließ oder an die Aufmärsche der NSDAP. Den Nazis war dabei der Neptunbrunnen im Weg, weshalb sie den „Judenbrunnen“ entfernen ließen.

Im vergangenen April machte nun ein Nürnberger CSU-Stadtrat den Vorschlag, den mittlerweile im Stadtpark gelandeten Brunnen wieder auf den Hauptmarkt zurückzustellen. Die Leser der NZ-Blogs kennen den Vorgang längst. Andere Medien und Kommunalpolitiker dachten hingegen, diesem „Schwachsinn“ mit Stillschweigen begegnen zu können.

Das Problem war nur, dass es mittlerweile nicht mehr reicht, wenn sich SPD und Stadtobere mit dem ihrer Meinung nach einzig bedeutenden Medium auf eine solche Taktik verständigen. Zum einen rennen die Unions-Politiker mittlerweile zu den, ihnen recht freundlich gesonnenen Boulevardblättern, zum anderen gibt es auch noch das Internet, wo solche Themen Beine bekommen. Jetzt hat sogar der Bayerische Rundfunk eine Sendung über den Neptunbrunnen gemacht.

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Mal schauen, wie Rote und Grüne diesen politsch-korrekten Umzug nun verhindern wollen. Die in der Capricco-Sendung vorgebrachten Argumente sind jedenfalls ziemlich dünn.

Mein – völlig kostenfreier – Rat lautet daher: Bürgerentscheid.

Bei Münster ist ein Blumenkübel umgekippt

Wenn man nur nach der Devise agiert „Hauptsache lokal, Hauptsache Klicks!“ und dann auch noch aus jedem Kaff Meldungen ins Internet hieven will („da ist ja unendlich Platz“) und schließlich das Ganze noch von schlecht bezahlten, schlecht ausgebildeten Hilfskräften machen lässt, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn so etwas dabei herauskommt:

blumenkuebel

Wobei, und das erlebe ich auch bei diesem Blog, mir durchaus klar ist, dass das Lokale halt nur begrenzt Hammermeldungen bereit hält. Aber da muss man halt mit leben können und es auch aushalten, dass trotz des endlosen Platzes mal eine Zeit lang keine aktuelle Meldung veröffentlicht wird.

Inzwischen ist übrigens auch Twitter völlig verblumenkübelt.

Nachtrag: Die MZ hat inzwischen – relativ souverän – auf das Blumenkübel-Feedback reagiert.