Warum Fotografen keine Doppelnamen haben sollten

Der Journalistenverband fährt schon seit Jahren eine Kampagne für korrekte Fotovermerke. „Fotografen haben Namen“ heißt sie. Inzwischen scheint die Aktion Erfolge zu zeitigen, wie Verbandskollegen freudig feststellen.

Das hat allerdings weniger mit erfolgreicher Interessenvertretung zu tun, als mit der Rechtslage. Demnach kann nämlich ein Fotograf das doppelte Honorar einfordern, wenn er auf unsaubere Bildquellennachweise stößt. Ob das in allen Fällen zulässig ist, ist zwar strittig. Die Redaktionen bleiben jedoch lieber auf der sicheren Seite (selbst wenn das wie im Bild links zu absurden Ergebnissen führt) vor allem in Zeiten, in denen Kostensenkung groß geschrieben wird.

Oft ist es jedoch gar nicht böser Wille, wenn ein Fotograf nicht genannt wird. Es geht – zumindest in Print – um Platz und etwas, das eigentlich auch Fotografen verstehen müssten: Optik. Unter einem Kopfbild (meistens 2,5 Zentimeter breit und 3 Zentimeter hoch) sieht ein Text, der aufgrund des Fotovermerks mehr Fläche als das Bild einnimmt, einfach ungut aus. Nun könnte man da den Schriftgrad verkleinern. Bloß: Dann ist der Fotografenname vielleicht unlesbar und irgendwer beklagt sich, dass das eine Abwertung und mangelnder Respekt sein könnte.

Erschwert wird das noch, wenn die Agentur und der Name des Fotografen eher platzgreifend sind. Ein Fotograf mit Doppelnamen hat beispielsweise ganz schlechte Karten.

Die Platzfrage ist freilich nur das eine. Auf der anderen Seite nimmt es auch im Textbereich nicht jeder so genau mit der Nennung von Urhebern und der Würdigung von Kreativleistungen. Da wird beispielsweise schamlos von anderen abgeschrieben oder eine kleine Zusatzinfo verwendet um den Beitrag als exklusive Eigenproduktion zu verkaufen. Nur ist das ein Bereich, in dem es ungleich komplizierter ist, Kampagnen zu starten.

Das Foto oben ist übrigens von Hans von Draminski.

LSR: Wie der Staat den Lokalmedien schadet

Nein, das Leistungsschutzrecht (LSR) ist noch nicht weg vom Fenster. Gerade erst trat die EU dem Vorhaben näher. Jetzt hat unter anderem der Nürnberger Abgeordnete Michael Frieser (CSU) im Bundestag klar gestellt, dass die Mehrheit weiter hinter dem LSR stehe, zunächst müsse aber eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamt abgewartet werden. VG Media und Politik arbeiten sich weiter an Google ab. Um Sinn oder Unsinn geht es (wie Frieser explizit erläutert) längst nicht mehr. Trotzdem wäre es dienlich, wenn sich die Abgeordneten im Allgemeinen und Frieser im Speziellen mal in ihrem Wahlkreis umsehen würden, wo es die „alten“ Medien, denen sie angeblich einen Gefallen tun wollen, wirklich drückt.

Da zwickt nämlich mitnichten der ferne US-Konzern. Kollegen und Verlagsmitarbeiter (ich selber würde zwar eher sagen: Wettbewerb belebt das Geschäft) fühlen sich zunehmend von Leuten bedroht, mit denen sie jahrzehntelang gut und anstandslos zusammen gearbeitet haben. Die rütteln nun an den Grundfesten der Lokalzeitung, des Lokalradios oder der lokalen Fernsehsender. Und auch hier geht es um die Frage: Wem gehört eigentlich die Leistung und wer darf dafür den Lohn kassieren?

Da ist zum einen die Polizei. Seit Jahrzehnten war sie ein weitgehend exklusiver Nachrichtenlieferant für die Lokalmedien. Diese schlachteten den Polizeibericht aus, reicherten ihn mit der einen oder anderen Zusatzinformation an und brachten ihn unter die Leute.

Doch plötzlich fängt die Polizei an, das selber übernehmen zu wollen. weiter lesen

Wöhrl und die Pressefreiheit

Bei der CSU geht es derzeit rund und – wie öfter bei solchen Gelegenheiten – sind mal wieder die Medien schuld. Manchmal machen sie auch wirklich Fehler, wie etwa das ZDF, stehen dann aber dazu und gut ist es.

Manchmal fragt man sich aber, wo denn eigentlich der Fehler liegt und ob da nicht einfach ein in den eigenen Kreisen gerade gut ankomendes Medienbashing betrieben wird, um von eigenem Verhalten abzulehnen.

Womit wir bei der Süddeutschen Zeitung und Dagmar Wöhrl wären.

„Die Süddeutsche Zeitung versucht mit Hilfe dieser entwendeten Unterlagen seit letzter Woche eine Negativkampagne gegen mich zu fahren. Ohne meine Erklärungen zu berücksichtigen, wurden erste Dokumente im Artikel „Elefantencamp statt Bundestag“ am 7. Mai verarbeitet…“

So jammert Wöhrl in ihrem Blog. Doch, wo ist da eigentlich der Aufreger? weiter lesen

Bei der AZ geht es weiter rund

In Nürnbergs Pressewesen geht es eher beschaulich zu. Dass da mal ein Redakteur gefeuert wird, passiert eigentlich nie. Umso größer ist dann freilich die Aufregung, wenn es sogar einen Chefredakteur „erwischt“.

Wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Zukunft des Blattes“ hat sich nun der Eigentümer der Nürnberger Abendzeitung Gunther Oschmann von seinem Chefredakteur Andreas Hock getrennt. Das verwundert Außenstehende schon deshalb, weil Oschmann politisch eher als rechts eingestuft wird und Hock eigentlich derjenige war, der ihm da aus der alten Mannschaft noch am nächsten stand. Andererseits, so wird gemunkelt, habe Hock zum Missfallen Oschmanns dann moderneren Events wie dem Trash Wrestling in der Berichterstattung den Vorzug vor abgestandenen Veranstaltungen wie dem Nürnberger Opernball gegeben.

Nach dem Relaunch des Blattes hatte Hock noch in einem Interview für das Magazin „Journalist“ erklärt:
„Wir sehen uns als kleines Motorboot, das wendig zwischen den großen Tankern hindurchnavigiert.“ weiter lesen

Der Tod und die Zeitung

urn:newsml:dpa.com:20090101:101029-10-11421Im Augenblick wird viel über den Tod der Zeitungen geredet und geschrieben. Der eine sagt ihn in Deutschland für das Jahr 2030 voraus, der andere für irgendwann demnächst. Viele meiner Printkollegen wiederum glauben jedoch felsenfest, dass ihr Produkt das ewige Leben haben wird.

Wie auch immer! Das Thema Zeitung und Tod ist nicht ganz neu. Es ist sogar schon so alt, dass man den Propagandisten des ewigen Lebens Recht geben möchte. Fast möchte man sagen: Ohne Tod keine Zeitung! Der „alte Schnitter“ ist wahrscheinlich sogar einer der wesentlichen Garanten für die Existenz der Zeitung.
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Das Buch, die heilige Kuh

30__PoetIch war in Urlaub, deswegen habe ich dieses Blog auch etwas weniger beschickt als sonst und deswegen kommt mein Beitrag zum Erlanger Poetenfest auch erst jetzt.

Das Poetenfest ist ein Treffpunkt literaturbeflissener Journalisten – und davon gibt es viele. Ich war früher auch öfter da. Diesmal wollte ich mir stattdessen Gedanken machen, warum so viele Zeitungskollegen eigentlich lieber Bücher schreiben würden bzw. Leute, die das tun, derart bewundern. Wobei das nicht der Hauptgrund meines Fernbleibens war. Zum einen passte das Wetter nicht. Im Saal ist das Ganze nämlich nur schwer erträglich, weil man nicht ablästern kann ohne gleich verärgerte Psst-Reaktionen zu erhalten. Zum anderen geht mir der Sponsor massiv auf den Zeiger. Es ist der gleiche, der auch den 1.FC Nürnberg sponsert, weshalb ich dazu einfach auf meinen Beitrag im Clubfreuinde-Blog verlinke und mal die Frage stelle, was das eigentlich für Poeten sind, wenn sie vor solchen Dingen die Augen verschließen können.
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Twinisterin Schröder war da

FotoDas sind Paradigmenwechsel, die muss man erst einmal verdauen. Während ihre Vorgängerin als Familienministerin, Ursula von der Leyen, einfach nur kaum Ahnung vom Internet hatte, twittert ihre Nachfolgerin Kristina Schröder (allerdings noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) schon seit Januar 2009 . Am heutigen Mittwoch war sie erstmals in Nürnberg und nutzte gleich die Gelegenheit, die hiesigen Twitterer zum Twabendessen ins Strandhaus am Dutzendteich zu laden. Dort ließ sie sich auch bereitwillig ausfragen. Nett und freundlich war sie aber nur zu Twitterern und Bloggern, nicht aber zu Printjournalisten. „Bevor Sie da was abdrucken, lassen Sie das bitte von meinem Büro autorisieren“, ließ sie mich wissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich mitunter – man will ja richtig zitieren – mitgeschrieben hatte.
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iPad: Zum Angeben zu verschmiert

Eigentlich wird um das Gerät zu viel Gedöns gemacht. Wahrscheinlich ist das eine Art Nachklapp-Gedöns, weil Apple-Produkten in der Vergangenheit oft nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die sie verdient haben. Sei´s drum! Nachdem ich seit ein paar Tagen ein iPad besitze und dies auch im Redaktionsalltag nutze, will ich hier mal meine Erlebnisse schildern, was dran ist an dem Gerät, wofür man es brauchen kann und wofür nicht.
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Was ist ein Bratwurstjournalist?

Nrnberge2„Besser online“, so lautete eine Veranstaltung des Deutschen Journalistenverbandes am vergangenen Wochenende in Mainz. Ich selber war zwar – aus verschiedenen Gründen – nicht dabei. Weil sich die Teilnehmer jedoch bemühten (beispielsweise über Twitter), das Geschehen auch den Daheimgebliebenen nahezubringen, erfuhr ich von einer neuen Begrifflichkeit: dem Bratwurstjournalisten.
Als Nürnberger wurde ich da natürlich sofort hellhörig. Meinten die etwa uns? Nein! Trotzdem gab es natürlich Erklärungsbedarf.

Ich bat also Hardy Prothmann, der den Begriff kreiert hatte, zum Interview. Prothmann schrieb früher für die Frankfurter Rundschau, den Focus und die Zeit und betreibt jetzt das Heddesheimblog, ein Lokalblog für das badische Städtchen Heddesheim. Derartige Blogs bezeichnet Prothmann übrigens als „die Zukunft des Lokaljournalismus„.

Du bist der Erfinder des Begriffs Bratwurstjournalist, wie bist Du darauf gekommen?

Hardy Prothmann: Ganz einfach. Ich habe mich über einen Artikel im Mannheimer Morgen geärgert, weil ich mich als Leser verarscht fühle, wenn ich einen dieser Sätze serviert bekomme: „Für das leibliche Wohl war gesorgt.“ Im Gespräch mit meiner Frau habe ich über diese Form von „Journalismus“ geschimpft und suchte nach einem griffigen Wort, um diese Form von lokaljournalistischem Autismus bildhaft zu packen. Um das „leibliche Wohl“ zu konkretisieren, habe ich eine Metapher gesucht. Da es auf fast jedem Fest Bratwürste gibt, fiel mir dann Bratwurstjournalismus ein.

Was zeichnet einen Bratwurstjournalisten aus?

Hardy Prothmann: Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.
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Regionale Online-Magazine, das neue Ding?

Im Internet werden laufend neue, große Dinge angekündigt und dann drehen viele an der Hypeschraube. Ganz dick sollen jetzt, laut einem Beitrag im sehr empfehlenswerten Carta-Blog, regionale Online-Magazine herauskommen. Der Autor Wolfgang Michal bezieht sich da auf die vielen Stadtblogs, aber auch auf das „Buzzriders“-Projekt, an dem Robert Basic zur Zeit gerade werkelt.

Der Unmut über unzureichende lokale Informationsangebote habe „einen Punkt erreicht, der die Freisetzung kreativer Kräfte geradezu herausfordert“, schreibt Michal. Freie Journalisten könnten durch Online-Magazine „durch eigene Recherchen die ursprüngliche Aufgabe einer Lokalzeitung wieder beleben, und das heißt, nicht bloß über Pressekonferenzen, sondern auch über Interessenkonflikte berichten.“ Dann wäre Schluss mit den Berichten über „Schützenfeste, Hochsitz-Einweihungen und Ehrungen stellvertretender Ortsbrandmeister“. Die Menschen in der Provinz seien nämlich „klüger und differenzierter, offener und neugieriger als es die altbackenen Anzeigenblätter und lokalen Monopolzeitungen wahrhaben wollen.“ Sie wollten auch nicht länger mit den 50er-Jahre-Phrasen „…wurde kräftig das Tanzbein geschwungen“ und „der Wettergott hatte ein Einsehen“ veräppelt werden.

Das mag teilweise stimmen – vor allem was die Phrasen angeht, kommt mir da so einiges in den Sinn. Trotzdem will ich fürs erste einmal etwas Luft rausnehmen. Wer sich nur einmal das bei Hugo Martin angegebene Stadtblog für Nürnberg ansieht, wird feststellen: So arg weit weg von der Hochsitz-Einweihung ist das auch nicht.

Dass wir uns nicht falsch verstehen, ich will hier nicht überheblich über lokale Blogger herziehen. Es ist nur einfach so, dass selbst ein größeres Provinz-Nest wie Nürnberg nicht in dem Maße Aufreger produziert, dass man damit – selbst als fitter und von Verlagszwängen freier Blogger, genügend Traffic auf einem Blog erzeugen kann. Vor allem dann nicht, wenn die hiesigen Lokalzeitungen viele dieser Aufreger durchaus thematisieren. Über Hochsitz-Einweihungen schreibt da jedenfalls keiner.

Insofern stimmen schon einmal die Prämissen für die o.g. These nicht. Dass regionale Online-Magazine deswegen keine Zukunft haben, will ich allerdings auch nicht behaupten.