Mai

14

2013

Wöhrl und die Pressefreiheit

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Internet, Journalisten, Print | 1 Kommentar

Bei der CSU geht es derzeit rund und – wie öfter bei solchen Gelegenheiten – sind mal wieder die Medien schuld. Manchmal machen sie auch wirklich Fehler, wie etwa das ZDF, stehen dann aber dazu und gut ist es.

Manchmal fragt man sich aber, wo denn eigentlich der Fehler liegt und ob da nicht einfach ein in den eigenen Kreisen gerade gut ankomendes Medienbashing betrieben wird, um von eigenem Verhalten abzulehnen.

Womit wir bei der Süddeutschen Zeitung und Dagmar Wöhrl wären.

“Die Süddeutsche Zeitung versucht mit Hilfe dieser entwendeten Unterlagen seit letzter Woche eine Negativkampagne gegen mich zu fahren. Ohne meine Erklärungen zu berücksichtigen, wurden erste Dokumente im Artikel „Elefantencamp statt Bundestag“ am 7. Mai verarbeitet…”

So jammert Wöhrl in ihrem Blog. Doch, wo ist da eigentlich der Aufreger? (weiterlesen…)

Sep

30

2011

Bei der AZ geht es weiter rund

Veröffentlicht von vip in der Kategorie AZ, NĂĽrnberg, Print | 14 Kommentare

In Nürnbergs Pressewesen geht es eher beschaulich zu. Dass da mal ein Redakteur gefeuert wird, passiert eigentlich nie. Umso größer ist dann freilich die Aufregung, wenn es sogar einen Chefredakteur “erwischt”.

Wegen “unterschiedlicher Auffassungen über die Zukunft des Blattes” hat sich nun der Eigentümer der Nürnberger Abendzeitung Gunther Oschmann von seinem Chefredakteur Andreas Hock getrennt. Das verwundert Außenstehende schon deshalb, weil Oschmann politisch eher als rechts eingestuft wird und Hock eigentlich derjenige war, der ihm da aus der alten Mannschaft noch am nächsten stand. Andererseits, so wird gemunkelt, habe Hock zum Missfallen Oschmanns dann moderneren Events wie dem Trash Wrestling in der Berichterstattung den Vorzug vor abgestandenen Veranstaltungen wie dem Nürnberger Opernball gegeben.

Nach dem Relaunch des Blattes hatte Hock noch in einem Interview für das Magazin “Journalist” erklärt:
“Wir sehen uns als kleines Motorboot, das wendig zwischen den großen Tankern hindurchnavigiert.” (weiterlesen…)

Nov

2

2010

Der Tod und die Zeitung

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Internetauftritt, Journalisten, Print, Tod | 2 Kommentare

urn:newsml:dpa.com:20090101:101029-10-11421Im Augenblick wird viel über den Tod der Zeitungen geredet und geschrieben. Der eine sagt ihn in Deutschland für das Jahr 2030 voraus, der andere für irgendwann demnächst. Viele meiner Printkollegen wiederum glauben jedoch felsenfest, dass ihr Produkt das ewige Leben haben wird.

Wie auch immer! Das Thema Zeitung und Tod ist nicht ganz neu. Es ist sogar schon so alt, dass man den Propagandisten des ewigen Lebens Recht geben möchte. Fast möchte man sagen: Ohne Tod keine Zeitung! Der “alte Schnitter” ist wahrscheinlich sogar einer der wesentlichen Garanten für die Existenz der Zeitung.
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Aug

31

2010

Das Buch, die heilige Kuh

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Journalisten, Print | 1 Kommentar

30__PoetIch war in Urlaub, deswegen habe ich dieses Blog auch etwas weniger beschickt als sonst und deswegen kommt mein Beitrag zum Erlanger Poetenfest auch erst jetzt.

Das Poetenfest ist ein Treffpunkt literaturbeflissener Journalisten – und davon gibt es viele. Ich war früher auch öfter da. Diesmal wollte ich mir stattdessen Gedanken machen, warum so viele Zeitungskollegen eigentlich lieber Bücher schreiben würden bzw. Leute, die das tun, derart bewundern. Wobei das nicht der Hauptgrund meines Fernbleibens war. Zum einen passte das Wetter nicht. Im Saal ist das Ganze nämlich nur schwer erträglich, weil man nicht ablästern kann ohne gleich verärgerte Psst-Reaktionen zu erhalten. Zum anderen geht mir der Sponsor massiv auf den Zeiger. Es ist der gleiche, der auch den 1.FC Nürnberg sponsert, weshalb ich dazu einfach auf meinen Beitrag im Clubfreuinde-Blog verlinke und mal die Frage stelle, was das eigentlich für Poeten sind, wenn sie vor solchen Dingen die Augen verschließen können.
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Jul

28

2010

Twinisterin Schröder war da

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Journalisten, NĂĽrnberg, Print, Twitter | 11 Kommentare

FotoDas sind Paradigmenwechsel, die muss man erst einmal verdauen. Während ihre Vorgängerin als Familienministerin, Ursula von der Leyen, einfach nur kaum Ahnung vom Internet hatte, twittert ihre Nachfolgerin Kristina Schröder (allerdings noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) schon seit Januar 2009 . Am heutigen Mittwoch war sie erstmals in Nürnberg und nutzte gleich die Gelegenheit, die hiesigen Twitterer zum Twabendessen ins Strandhaus am Dutzendteich zu laden. Dort ließ sie sich auch bereitwillig ausfragen. Nett und freundlich war sie aber nur zu Twitterern und Bloggern, nicht aber zu Printjournalisten. “Bevor Sie da was abdrucken, lassen Sie das bitte von meinem Büro autorisieren”, ließ sie mich wissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich mitunter – man will ja richtig zitieren – mitgeschrieben hatte.
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Jun

9

2010

iPad: Zum Angeben zu verschmiert

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Apple, iPad, iPhone, Journalisten, Print, Selbstreflexion, YouTube | 4 Kommentare

Eigentlich wird um das Gerät zu viel Gedöns gemacht. Wahrscheinlich ist das eine Art Nachklapp-Gedöns, weil Apple-Produkten in der Vergangenheit oft nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die sie verdient haben. Sei´s drum! Nachdem ich seit ein paar Tagen ein iPad besitze und dies auch im Redaktionsalltag nutze, will ich hier mal meine Erlebnisse schildern, was dran ist an dem Gerät, wofür man es brauchen kann und wofür nicht.
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Nov

23

2009

Was ist ein Bratwurstjournalist?

Nrnberge2“Besser online”, so lautete eine Veranstaltung des Deutschen Journalistenverbandes am vergangenen Wochenende in Mainz. Ich selber war zwar – aus verschiedenen Gründen – nicht dabei. Weil sich die Teilnehmer jedoch bemühten (beispielsweise über Twitter), das Geschehen auch den Daheimgebliebenen nahezubringen, erfuhr ich von einer neuen Begrifflichkeit: dem Bratwurstjournalisten.
Als Nürnberger wurde ich da natürlich sofort hellhörig. Meinten die etwa uns? Nein! Trotzdem gab es natürlich Erklärungsbedarf.

Ich bat also Hardy Prothmann, der den Begriff kreiert hatte, zum Interview. Prothmann schrieb früher für die Frankfurter Rundschau, den Focus und die Zeit und betreibt jetzt das Heddesheimblog, ein Lokalblog für das badische Städtchen Heddesheim. Derartige Blogs bezeichnet Prothmann übrigens als “die Zukunft des Lokaljournalismus“.

Du bist der Erfinder des Begriffs Bratwurstjournalist, wie bist Du darauf gekommen?

Hardy Prothmann: Ganz einfach. Ich habe mich über einen Artikel im Mannheimer Morgen geärgert, weil ich mich als Leser verarscht fühle, wenn ich einen dieser Sätze serviert bekomme: „Für das leibliche Wohl war gesorgt.“ Im Gespräch mit meiner Frau habe ich über diese Form von „Journalismus“ geschimpft und suchte nach einem griffigen Wort, um diese Form von lokaljournalistischem Autismus bildhaft zu packen. Um das „leibliche Wohl“ zu konkretisieren, habe ich eine Metapher gesucht. Da es auf fast jedem Fest Bratwürste gibt, fiel mir dann Bratwurstjournalismus ein.

Was zeichnet einen Bratwurstjournalisten aus?

Hardy Prothmann: Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.
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Jul

8

2009

Regionale Online-Magazine, das neue Ding?

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Bloggen, Journalisten, Metropolregion, NĂĽrnberg, Print | 2 Kommentare

Im Internet werden laufend neue, große Dinge angekündigt und dann drehen viele an der Hypeschraube. Ganz dick sollen jetzt, laut einem Beitrag im sehr empfehlenswerten Carta-Blog, regionale Online-Magazine herauskommen. Der Autor Wolfgang Michal bezieht sich da auf die vielen Stadtblogs, aber auch auf das “Buzzriders”-Projekt, an dem Robert Basic zur Zeit gerade werkelt.

Der Unmut über unzureichende lokale Informationsangebote habe “einen Punkt erreicht, der die Freisetzung kreativer Kräfte geradezu herausfordert”, schreibt Michal. Freie Journalisten könnten durch Online-Magazine “durch eigene Recherchen die ursprüngliche Aufgabe einer Lokalzeitung wieder beleben, und das heißt, nicht bloß über Pressekonferenzen, sondern auch über Interessenkonflikte berichten.” Dann wäre Schluss mit den Berichten über “Schützenfeste, Hochsitz-Einweihungen und Ehrungen stellvertretender Ortsbrandmeister”. Die Menschen in der Provinz seien nämlich “klüger und differenzierter, offener und neugieriger als es die altbackenen Anzeigenblätter und lokalen Monopolzeitungen wahrhaben wollen.” Sie wollten auch nicht länger mit den 50er-Jahre-Phrasen „…wurde kräftig das Tanzbein geschwungen“ und „der Wettergott hatte ein Einsehen“ veräppelt werden.

Das mag teilweise stimmen – vor allem was die Phrasen angeht, kommt mir da so einiges in den Sinn. Trotzdem will ich fürs erste einmal etwas Luft rausnehmen. Wer sich nur einmal das bei Hugo Martin angegebene Stadtblog für Nürnberg ansieht, wird feststellen: So arg weit weg von der Hochsitz-Einweihung ist das auch nicht.

Dass wir uns nicht falsch verstehen, ich will hier nicht überheblich über lokale Blogger herziehen. Es ist nur einfach so, dass selbst ein größeres Provinz-Nest wie Nürnberg nicht in dem Maße Aufreger produziert, dass man damit – selbst als fitter und von Verlagszwängen freier Blogger, genügend Traffic auf einem Blog erzeugen kann. Vor allem dann nicht, wenn die hiesigen Lokalzeitungen viele dieser Aufreger durchaus thematisieren. Über Hochsitz-Einweihungen schreibt da jedenfalls keiner.

Insofern stimmen schon einmal die Prämissen für die o.g. These nicht. Dass regionale Online-Magazine deswegen keine Zukunft haben, will ich allerdings auch nicht behaupten.

Jun

11

2009

Allianzen, die hinterm Mond geschlossen werden

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Gloser, Journalisten, Lokal, Maly, Markus Söder, NĂĽrnberg, Print, Stadt NĂĽrnberg, Twitter | Die Kommentarfunktion ist hier deaktiviert

Langsam wird es einmal Zeit, anstatt auf Journalisten in Holzmedien einzuhacken, einmal das Umfeld anzuschauen, in dem diese arbeiten. Mag sein, dass sie selber schuld sind, dass sich dieses Umfeld so entwickelt hat. Aber es gibt für jede Entwicklung auch Gründe – bzw. so genannte Sachzwänge.

Ein solcher Sachzwang ist beispielsweise die Konkurrenzsituation. Ein Journalist kann es sich nur schwer leisten, von den Informationsquellen aus dem politischen Bereich abgeschnitten zu werden. Wenn er es mit jemanden verdirbt, erfährt er von ihm nichts mehr. Diese Verquickungen von Politik und Medien sind mittlerweile so eingefahren, dass beide Seiten davon profitieren und daher keine Veranlassung verspüren, daran zu rühren.

Ein Markus Söder hat beispielsweise seine Kanäle zu einer bestimmten Boulevardzeitung und zu etlichen Privatsendern so optimiert, dass es ihm sehr ungelegen käme, wenn da weitere Medien entstünden, die er nicht kontrolliert. Auch bei einem Oberbürgermeister Ulrich Maly und seinem Öffentlichkeitsapparat besteht  keinerlei Interesse, dass nun Leute in Blogs oder diversen Webplattformen irgendetwas schreiben, was nicht steuerbar ist (siehe unser Print- und unser Video-Interview). Deswegen und nur deswegen geriert Maly sich als Freund des Papiers; nicht etwa – wie manche vielleicht mutmaßen mögen – weil er Teilhaber an einem Sägewerk ist.

Bei seinen Mitarbeitern hat das Ganze zudem einen Arbeitsvermeidungsaspekt. Wenn sie neben der Lektüre der Zeitungen noch das Internet durchforsten müssten, dann hätten sie echt zu tun. Also macht man lieber madig, was einem Stress machen würde, und ignoriert es soweit es geht.

Hier kommen dann die Journalisten wieder ins Spiel. Ihnen geht es nämlich ähnlich. Sie haben schon gut zu tun, das Printprodukt zu bestücken. Dass sie nun zusätzlich fürs Web arbeiten müssen (dass man davon auch profitieren kann, erkennt man wohl erst, wenn man sich damit eine Weile beschäftigt hat), löst bei der Mehrzahl wenig Begeisterung aus. Hinzu kommt auch, dass sie von ihren o.g. Ansprechpartnern weitaus mehr hofiert werden, als irgendwelche Onliner. Insofern haben können sie auch ständig schrumpfende Auflagenzahlen einigermaßen kompensieren.

Nicht vergessen darf man den lokalen Aspekt. In der Kommunalpolitik ist die Chance, sein Wahlvolk analog kennenzulernen um einiges größer. Andersrum, und das merke ich auch in diesem Blog häufig, bringen Webbeiträge, die nur eine geografisch beschränkte Zielgruppe haben, kaum nennenswerte Zugriffe. Insofern findet man auf beiden Seitenn auch da Gründe, das Netz auf lokaler Ebene vernachlässigen zu können. Ein Oberbürgermeister muss also nicht twittern, er kann sich immer auf seine Bürgerversammlungen zurückziehen – zumal dann wenn ohnehin fünf Jahre lang keine Wahlen anstehen. Insofern wundert es nicht, dass da lokale Politiker, die im Bund engagiert sind und im September zur Wahl stehen, anders denken: etwa die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl oder der SPD-Politiker Günter Gloser.

Früher wurde manches auf der lokalen Ebene im Hinterzimmer ausgekungelt, heute passiert dies – wie Twitterer anouphagos angesichts des NZ-Maly-Interviews formuliert hat – eben hinter dem Mond. Die Frage ist nur, ob die vor dem Mond etwas von diesem Gekungel erfahren würden, ohne jene Journalisten, die sich hinter dem Mond bewegen.

Mrz

1

2009

Das Wadersche Gesetz

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Finanzkrise, Internet, Journalisten, Medien, Print, Vorhersagen | 1 Kommentar

Wolfgang Riepl war Anfang des vorigen Jahrhunderts Chefredakteur der Nürnberger Zeitung. Auf ihn geht das Rieplsche Gesetz zurück, wonach kein Informationsinstrument, das sich bewährt hat, durch neuere erstetzt oder verdrängt wird.

Mit diesem Gesetz verbanden und verbinden immer noch zahlreiche Kollegen die Hoffnung, es werde auch weiterhin die gedruckte Zeitung geben. Schließlich hat sich die Zeitung bewährt.

Erst neulich musste ich übrigens, trotz der mittlerweile immer größeren Zweifel an dem Gesetz, an den alten Riepl denken, als eine Bank, deren Ruf in den vergangenen Monaten ziemlich gelitten hatte, einen Stand in der Fußgängerzone aufbaute und dort Flugblätter verteilte. Selbst das Flugblatt ist anscheinend noch nicht ganz tot und wird in der Krise wieder recycelt, und zwar von Leuten, die man damit nie in Zusammenhang gebracht hätte.

Allerdings musste ich jetzt lesen, das Rieplsche Gesetz werde durch das Rennersche Gesetz ersetzt. Dies besagt, dass beim Wechsel vom analogen zum digitalen Medienträger auch das Geschäftsmodell wechsle. So ganz überzeugt mich das auch nicht. Zum einen hat Riepl gar nicht von Geschäftsmodellen geredet, zum anderen suggeriert dies, dass es brauchbare Geschäftsmodelle bei dem Wechsel gibt.

Wer trotzdem meint, dem Ganzen mit Gesetzen begegnen zu müssen, dem präsentiere ich hier als Alternative das durchaus nicht mehr neue, gleichwohl nach wie vor gültige Wadersche Gesetz. Es besagt, dass heute meist etwas anderes gilt als morgen, sowohl im privaten als auch im medialen Bereich.

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