Mrz

26

2012

Warum Frauen nicht Chef werden

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Franken, Journalismus, Kristina Schröder | 1 Kommentar

Familienministerin Kristina Schröder kämpft zurzeit gegen die Frauenquote. Frauen bräuchten eine “faire Chance und kein Mitleid”. Wie dem auch sei. Ich denke vor allem: Frauenpolitikerinnen brauchen mehr Durchblick.

Es ist ja oft nicht mangelnde Qualifikation, fehlender Ehrgeiz oder latenter Chauvinismus, der Frauen von Führungspositionen fern hält. Es sind die Doppelnamen! Nehmen wir nur die Überschrift in der heutigen Nachbarzeitung zur OB-Wahl in Bayreuth:

Wenn da auch in Zukunft immer “Frau” statt der Familienname in den Überschriften steht, dann wird es mit der Bekanntheit der Brigitte Merk-Erbe nie was. Da muss die Opposition nur einen aufstellen, der einen kurzen Nachnamen hat, irgendeinen Hinz oder Kunz. (weiterlesen…)

Aug

5

2010

Bei Münster ist ein Blumenkübel umgekippt

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Bratwurstjournalismus, Journalismus, Lokal, Medien | 6 Kommentare

Wenn man nur nach der Devise agiert “Hauptsache lokal, Hauptsache Klicks!” und dann auch noch aus jedem Kaff Meldungen ins Internet hieven will (“da ist ja unendlich Platz”) und schließlich das Ganze noch von schlecht bezahlten, schlecht ausgebildeten Hilfskräften machen lässt, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn so etwas dabei herauskommt:

blumenkuebel

Wobei, und das erlebe ich auch bei diesem Blog, mir durchaus klar ist, dass das Lokale halt nur begrenzt Hammermeldungen bereit hält. Aber da muss man halt mit leben können und es auch aushalten, dass trotz des endlosen Platzes mal eine Zeit lang keine aktuelle Meldung veröffentlicht wird.

Inzwischen ist übrigens auch Twitter völlig verblumenkübelt.

Nachtrag: Die MZ hat inzwischen – relativ souverän – auf das Blumenkübel-Feedback reagiert.

Jan

26

2010

Das Lokale, der neue Trend im Netz

Als Lokalredakteur fühlt man sich derzeit gerne zerrieben, zum Beispiel zwischen WWW-Ansprüchen und Bratwurstjournalismus. Bratwurstjournalist sein will man nicht, zerrieben werden natürlich auch nicht. Von einem weltweiten Interesse ist man dennoch meilenweit entfernt. Die lokale Nachrichtenlage gibt das halt selten her. Insofern kann man verstehen, dass mancher Lokalschreiber dem Netz nicht unbedingt mit Hoffnung und Zuversicht begegnet, dass er sogar glaubt, hier werde an seiner eigenen Zukunft gesägt.

Solche Ängste könnten sich aber als unbegründet erweisen. Das Lokale entwickelt sich zu einem neuen Trend im Web.
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Nov

23

2009

Was ist ein Bratwurstjournalist?

Nrnberge2“Besser online”, so lautete eine Veranstaltung des Deutschen Journalistenverbandes am vergangenen Wochenende in Mainz. Ich selber war zwar – aus verschiedenen Gründen – nicht dabei. Weil sich die Teilnehmer jedoch bemühten (beispielsweise über Twitter), das Geschehen auch den Daheimgebliebenen nahezubringen, erfuhr ich von einer neuen Begrifflichkeit: dem Bratwurstjournalisten.
Als Nürnberger wurde ich da natürlich sofort hellhörig. Meinten die etwa uns? Nein! Trotzdem gab es natürlich Erklärungsbedarf.

Ich bat also Hardy Prothmann, der den Begriff kreiert hatte, zum Interview. Prothmann schrieb früher für die Frankfurter Rundschau, den Focus und die Zeit und betreibt jetzt das Heddesheimblog, ein Lokalblog für das badische Städtchen Heddesheim. Derartige Blogs bezeichnet Prothmann übrigens als “die Zukunft des Lokaljournalismus“.

Du bist der Erfinder des Begriffs Bratwurstjournalist, wie bist Du darauf gekommen?

Hardy Prothmann: Ganz einfach. Ich habe mich über einen Artikel im Mannheimer Morgen geärgert, weil ich mich als Leser verarscht fühle, wenn ich einen dieser Sätze serviert bekomme: „Für das leibliche Wohl war gesorgt.“ Im Gespräch mit meiner Frau habe ich über diese Form von „Journalismus“ geschimpft und suchte nach einem griffigen Wort, um diese Form von lokaljournalistischem Autismus bildhaft zu packen. Um das „leibliche Wohl“ zu konkretisieren, habe ich eine Metapher gesucht. Da es auf fast jedem Fest Bratwürste gibt, fiel mir dann Bratwurstjournalismus ein.

Was zeichnet einen Bratwurstjournalisten aus?

Hardy Prothmann: Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.
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Nov

19

2009

Obdachlose und der bürgerliche Mainstream

Obdach_1Ob Blogs (oder das Internet generell) das richtige Medium sind für Sozialreportagen, da bin ich im Zweifel. Gerade habe ich für die NZ-Printausgabe auf die unsäglichen Zustände in manchen Nürnberger Obdachlosen-Pensionen hingewiesen. Für Print schreibt man so etwas mit der bekannten Routine. Man geht von einem bürgerlichen Mainstream aus, der das mit einer Mischung aus Neugier und Entsetzen liest und der dann Druck auf die Verantwortlichen ausübt, doch möglichst schnell etwas dagegen zu tun, damit man wieder beruhigt schlafen kann.

Obdach_2Das mag in dem einen oder anderen Fall funktionieren. Aber schon bei der Recherche fiel mir auf, dass dies Mechanismen nicht mehr greifen. In den Ämtern hat man längst eine Hornhaut gegenüber medialen Sozialanklagen entwickelt. “Sie haben Ihre Geschichte doch eh schon im Kopf”, solche Sätze hört man da. Und man kann sie sogar ein bisschen verstehen, denn wenn man das Relativieren anfangen würde, wenn man sagen würde, lass die doch leben wie sie wollen, wenn es sie nicht stört, schließlich zwingt sie ja keiner dazu, dann wäre das eben keine Geschichte mehr. Zumindest keine mehr für ein klassisches Printprodukt. Denn dort würde das die Leserschaft als Überheblichkeit, als mangelnder Einsatz für die Schwachen oder als fehlende Bereitschaft, gesellschaftliche Missstände anzuprangern, interpretieren. Da lässt man solche Themen lieber gleich.

Obdach_3Andererseits war ich aber persönlich entsetzt, als ich gesehen und vor allem gerochen habe (das kann man allerdings weder in Print noch online wiedergeben), wie Leute in unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben. Insofern wollte ich das irgendwo loswerden. Ganz ohne Hintergedanken, dass da jetzt irgendein Lokalpolitiker losrennt, einen Antrag formuliert und am Schluss irgendwo eine halbe Stelle eingerichtet wird, die dann dafür sorgt, dass die Sanitäreinrichtungen in den Obdachlosenpensionen drei statt zwei Mal im Jahr inspiziert werden. Das ändert meines Erachtens nichts, schafft den von uns gewählten Volksbeglückern höchstens das wohlige Gefühl, wieder einmal ihrem Auftrag gerecht geworden zu sein. Bis zur nächstens Sozialreportage, die man wahrscheinlich schon am Tag darauf schreiben könnte, wenn das den Leser nicht langweilen würde.

In Blogs habe ich Sozialreportagen bislang eher selten gefunden. Das dürfte genau den Grund darin haben, dass hier der bürgerliche Mainstream, der eh immer dünner und trockener wird, nicht bedient wird. Ganz darauf verzichten so etwas wenigstens an die Öffentlichkeit zu bringen, will ich aber, wie gesagt, trotzdem nicht, und deswegen steht jetzt dieser Beitrag hier.

Feb

14

2009

Der Bodagg ist ein Erdapfel

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Dialekt, Franken, Sprache | 1 Kommentar

Hier hatte ich ja schon mal einen Sprachatlas vorgestellt. Langsam bekommt das Konjunktur. Globalisierung fördert die Regionalisierung, oder so. Beim Bremer Sprachblog habe ich jedenfalls diese Karte zum Begriff Kartoffel gefunden.

Dass aber in Franken Arpfel, Potakn oder Bumser gängig sein sollen, ist für unsereins vielleicht exotikfaktorfördernd. So ganz stimmt es leider nicht.

Bumser und Arpfel habe ich noch nie gehört – zumindest nicht in diesem Zusammenhang. Gegen Potakn möchte ich einwenden, dass der Franke P und T weich spricht. Er will sich nicht so sehr in der Vordergrund drängen, will auch vermeiden, dass er beim Aussprechen harter Konsonanten Speichel in Richtung des Gesprächspartners absondert. Deswegen spricht er weich. Höchstens beim R, das aber, weil im Gaumen gerollt, speicheltechnisch unbedenklich ist, macht er eine Ausnahme. Aus diesem Grund heißt es auch Bodaggn, und nicht Potakn.

Als Beweis möchte ich hierzu altes fränkisches Liedgut heranziehen:

Die Bodaggn schleif i her,
schäls ner glei, des is ned schwer,
kochs und dus dann fesd ausbressn,
in zwei Schdundn kömmers essen.
Kniedlä essi gern fürs Lehm,
heud muss´ rohe Kniedlä gehm.

Dez

6

2008

70 allerschönste Dialekte

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Bayern, Sprache | 3 Kommentare

Bild 8_1.pngIch habe extra bis zum Nikolaustag gewartet, um den bayerischen Sprachatlas vorzustellen, der jetzt im Netz demonstriert: Bayern ist derartig polyglott, das glaubt man nicht. Allein 70 Varianten für “Nikolaus” kann man sich von der Bayernkarte vorsprechen lassen. Die Bayerische Landesbibliothek hat den Sprachatlas ins Netz gestellt. Nicht bloß den Nikolaus kann man sich dort in den verschiedenen bayerischen Dialekte aufsagen lassen, auch die Wochentage, die verschiedenen Bezeichnungen für Friedhof, Gänsehaut oder Gesäß, aber auch völlig unterschiedliche Begriffe für das Gleiten auf einer Eisfläche.

Wenn man das alles bitte auch ins Grundgesetz aufnehmen könnte. Wäre nett!

Dez

3

2008

Bayern – ein grundgesetzwidriges Gebilde

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Bayern, CSU, Sprache | 1 Kommentar

Die CSU ist dagegen, dass die Forderung der Schwesterpartei CDU, die Kenntnis der deutschen Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen, umgesetzt wird. Der stellvertretende CSU-Chef Peter Ramsauer eiert dabei argumentativ zwar um den Brei herum. Jedoch ist sonnenklar, die Angela Merkel will Bayern und die ohnehin schwächelnde CSU  abservieren. Beide stünden dann nämlich nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes:

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Nov

10

2008

Beschimpfen können wir uns selber

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Journalisten, Print, Selbstreflexion, Sprache | 1 Kommentar

Hin und wieder belebe ich gerne die deutsche Sprache. Diesmal nach dem Motto: Beleidigen können wir uns selber! Daher führe ich jetzt den Begriff Holzwürmer für uns Printjournalisten ein. Diese rühmen sich bekanntlich gerne für ihre “Qualitätskontrolle” und “Filterfunktion”, reiten dabei ihre holzbasierten Organe jedoch erst richtig in die Bredouille. Für diese Organe wurde bereits die Bezeichnung Holzmedien kreiert. Doch für die dort angestellten Akteure gab es noch nichts.

Der Begriff “Holzwurm” deckt gleichzeitig noch eine weitere Facette des Printjournalisten ab: seine Unauffälligkeit. Gerne nimmt er bei Veranstaltungen im hintersten Eck Platz, versucht dort eins zu werden mit der Tapete oder der Wandfarbe.  Gewiefte Exemplare recherchieren daher im Vorfeld das Ambiente, um die Kleidung entsprechend abstimmen zu können. Andere nutzen dies auch dazu, irgendwann gar nicht mehr zu solchen Veranstaltungen gehen zu müssen, ohne damit aufzufallen, wie auch dieses Zitat aus der Holzwurmbeschreibung bei Stupipedia belegt:

Sollte der Wurm optisch nicht wahrgenommen werden, liegt es vielleicht daran dass er gar nicht da ist oder in einem anderen Zustand vielleicht hätte anwesend sein können, oder er macht gerade Urlaub.

Also, um das noch einmal klar zu stellen: Wir kontrollieren, was Qualität ist und was dem Leser nützt. Das gilt auch da, wo es darum geht, uns zu beschimpfen.

Nov

6

2008

Mein Hund kann Obama

Veröffentlicht von vip in der Kategorie Hunde, Obama, Sprache | 1 Kommentar

Ich dachte immer, man könnte nur bestimmten Vogelarten das Sprechen beibringen. Aber man kann sich irren:

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