Können Journalisten von der GEZ befreit werden?

RESSORT: HA Politik FOTO: HvD MOTIV: Im Zuge der stockenden Tarifverhandlungen sind Journalistinnen und Journalisten mehrerer süddeutscher Verlagshäuser nach Aufruf der beiden Gewerkschaften DJV und DJU/ver.di in den Warnstreik getreten. In Ulm wurde eine große Streikkundgebung veranstaltet, bei der unter anderem Redaktionsmitglieder der Süddeutschen Zeitung, der Nürnberger Nachrichten und ihrer Außenredaktionen und Heimatzeitungen vertreten waren, 28. Juni 2016 Es ist ein bisschen untergegangen, das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. Wahrscheinlich wollte keiner Öl ins Feuer gießen. Den Öffentlich-Rechtlichen bläst eh schon der Wind ins Gesicht (gerade erst hier). Wenn nun auch noch jeder, dem sie in irgendeiner Form Konkurrenz machen, auf die Idee käme, die Zahlung der Rundfunkgebühr einzustellen, dann würde es richtig eng.

Moment? Wenn ich in Konkurrenz zum Bayerischen Rundfunk stehe, dann muss ich nicht zahlen? Ja! So heißt es zumindest in der Urteilsbegründung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. In dem vorliegenden Fall wurde ein Zeitungsverlag (Münchner Merkur) von der Zahlung befreit, der Anteile an einem Privatradio (Charivari) besitzt.

In Konkurrenz zum Bayerischen Rundfunk stehen die Zeitungsverlage übrigens auch was die Verbreitung von News im Netz angeht. Und nicht nur die Verlage: Auch deren jeweiligen Mitarbeiter konkurrieren. Wer holt sich die Klicks und die damit verbundenen Einnahmen? Da wird mit nicht unharten Bandagen gekämpft und allem, was dazu gehört, schließlich schert sich das „Klickvieh“ herzlich wenig darum, wer eine Meldung aufgetan hat.
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Selbstjustiz gegen die „Lügenpresse“

Liverpool and AC Milan supporters fight between them in central Athens Syntagma square during the UEFA Champions League final Liverpool vs AC Milan at the Olympic stadium in Athens, Greece, 23 May 2007. EPA/ALEXANDROS BELTES +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bei uns wird die Pressefreiheit offiziell noch hoch gehalten. Dafür häufen sich inzwischen die Fälle von Selbstjustiz. In der letzten Woche wurde in Franken gleich über zwei Übergriffe auf Journalisten berichtet. Bei „Rock im Park“ ging ein Bauarbeiter auf eine Fotografin los:

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Der zweite Fall ereignete sich in Würzburg, wo ein Angeklagter den Gerichtsreporter bracchial attackierte.

Rumheulen muss man deswegen nicht. Schließlich wurde niemand ernsthaft verletzt. Dennoch: Diejenigen, die derzeit noch erfolglos neue Tarife für die Zeitungsjournalisten aushandeln, sollten vielleicht mal über Gefahrenzulagen und die Finanzierung von Selbstverteidigungskursen nachdenken. So richtig beschaulich ist das Journalistenleben offenbar nur noch in den Köpfen von ein paar Verlegern.

Die Lizzy und der böse Bernd

Motiv:    Frühlingsfest  Umzug  und  Bierzelt   Bühnenprogramm                Datum:       30.03.2013                   Foto Roland Fengler
Ins Netz gedrängt haben sich meine Feuilleton-Kollegen weiß Gott nicht. Langsam dämmert uns auch warum. Im Internet haben es viele nämlich nicht so mit Kulturkritik. Kritik, des sammer mir, das machen wir selber. Das könnte ich jetzt auch an der Resonanz auf die Vorbesprechung eines eher drögen Krimis festmachen, den gestern auch das gemeine Volk zu Gesicht bekommen hat. Aber der hat eh schon viel zu viel Publicity.

Da wende ich mich lieber Lizzy Aumeier zu. Genau, das ist die fröhliche Füllige aus der Oberpfalz. Die hatte mit ihrem neuen Programm vor wenigen Tagen Premiere in Fürth. Mindestens zwei Kollegen durften/mussten der Vorstellung beiwohnen, um diese einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Lobhudeln und Klappentexte umschreiben, manche werden es nicht mehr wissen, ist nämlich etwas für Veranstaltungsblättchen, aber nichts für Feuilletons.

Der eine Kritiker feierte Lizzy Aumeier dennoch als „Meisterin der Improvisation“ (ihr war nämlich auf der Bühne unvorhergesehenerweise das Kleid geplatzt), Der andere würdigte diesen Vorfall zwar auch, beschäftigte sich aber mehr mit dem Davor. Das fand er nicht so besonders: „Ungeniert tappt sie in jede Zoten-Falle und motzt altbekannte Gassen-Witzchen mit dem Charme einer lebensklugen Puffmutter auf.“ weiter lesen

AfD-Flyer geklaut: Waren es Journalisten?

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Zum Tschernobyl-Jahrestag habe ich auch an den Verein „Bürger fragen Journalisten“ erinnert. Auf diese Weise versuchte die Atomlobby damals, ein „linksversifftes“ (ok, seinerzeit war die Wortwahl noch gepflegter) Medienkartell anzuprangern, das „uns“ die Kernkraft madig machen wollte. Inzwischen gibt es wieder solche Journalistenkontrolleure, die die „Meinungsdiktatur“ gerade an Vorgängen an einem Nürnberger AfD-Stand festzumachen versuchen.

Ein gewisser Marc Toller, der für den in Jena beheimateten Verein Journalistenwatch arbeitet, scheint da am Sonntag in „Nürnberg (Bundesland Bayern)“ zu Besuch gewesen zu sein. Dass der AfD-Stand in der „gut besuchten Einkaufsmeile“ nicht störungsfrei aufgebaut werden konnte und AfD-Mitglieder daran gehindert wurden, „die Bürger mit Informationsmaterial zu versorgen“, war ihm Anlass für eine Tirade über die grassierende „Meinungsdiktatur“. Am AfD-Stand wurden nämlich Flyer geklaut, bespuckt und in den Abfalleimer geworfen. Das Klima, so schloß Toller daraus, sei inzwischen so vergiftet, dass sich AfDler nicht mehr trauten öffentlich, die Kanzlerin zu kritisieren. Frauen gingen nur noch mit Pfefferspray außer Haus. Und die Polizei sieht sich der linken Gewalt wehrlos ausgeliefert.

Ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, dürften „gestörte“ Störer zudem die AfD mit linken Parolen zutexten und als „Arschlochpartei“ bezeichnen. Die AfD-Mitglieder würden als Nazis beschimpft und sogar als „Resultat von Inzest“.

Nun ja. Ähnliches darf man auch ungestraft dem bayerischen Innenminister zurufen. Heult der deswegen? Nein! Aber wahrscheinlich beweist das auch nur wieder die Wehrlosigkeit unserer Polizei und ihres obersten Dienstherrn.

Was das alles mit Journalisten zu tun hat? Man weiß es nicht so genau. Aber eins ist klar: Es wird böse enden.

Tschernobyl: Erstmal beschwichtigen!

nztschernoAn diesen Schlagzeilen (die in anderen Blättern unterschieden sich davon aber kaum – insofern dient der oben abgebildete Ausschnitt nur als Exempel) war damals fast alles falsch. Übertreibung dort und Beschwichtigung hier waren auch vor 30 Jahren schon oberstes Gebot. Der Bundesregierung haben aber schon damals nur wenige vertraut. Insofern lohnt sich zum Tschernobyl-Jahrestag ein Rückblick.

Die Aufregung in Nürnberg war riesig. Kann ich noch vor die Türe? Was kann ich essen? Wie oft muss ich meine Kleidung wechseln? Mit solchen Fragen beschäftigten sich keineswegs nur die Eltern kleiner Kinder. Ein Beleg war beispielsweise, dass in den Nürnberger Apotheken binnen Kurzem die Jodpillen ausverkauft waren.
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Das Grid und die Zukunft der Zeitung

hersbruWenn es ein Wort des Jahres für Redakteure gäbe, dann wäre das wohl Grid. Als ich „Grid“ das erste Mal hörte, – ich gebe es zu – musste ich auch erst hier nachschauen. Unwissen íst in diesem Fall keine Bildungslücke.

Dass nun auch eher mit den Inhalten befasste Journalisten über Gestaltungsraster (Grid) sprechen, hat mit der Zeitungskrise zu tun. Die Printleser werden einerseits im Durchschnitt älter, weshalb ihnen das Lesen von Kleingedrucktem schwerer fällt. Andererseits haben mittlerweile oft auch junge Leser mit der geringen Schriftgröße Probleme, wofür auch die Smartphones verantwortlich sein sollen. Auf iPads, Kindles oder Monitoren fällt das nicht weiter ins Gewicht, da kann man die Größe einstellen. Bei Print geht das nicht.
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Schickt mir ein Fax, ich bin Journalist!

Telefax.JPG    Zum Themendienst-Bericht"Telekommunikation/Verbraucher/Ratgeber/KORR" von Karlhorst Klotz vom 14. Mai: Wenn das Faxgerät zur Nervensäge wird - viele Verbraucher ärgern sich über Werbefaxe, die ihnen unaufgefordert zugeschickt werden. (Honorarfreie Veröffentlichung nur für dpa/gms-Themendienst-Bezieher mit dem Quellenhinweis "Elke Wentker/dpa/gms")Von Rechten und Pegidioten werden wir der Lüge bezichtigt. Doch auch Leute, die auf der Seite des Fortschritt stehen, trampeln auf uns Journalisten herum. Als Beleg für die Verschnarchtheit unseres Berufstandes dient ihnen in letzter Zeit gerne der Deutsche Journalistenverband.

Dessen Musikgeschmack habe ich hier bereits gegeißelt. Inzwischen fiel unser Verband zunächst durch brüderleartiges Machogehabe unangenehm auf. Und jetzt kommt er auch noch daher und beklagt sich, den Medien würden von der Bundesregierung Informationen verwehrt, indem sie nur auf Facebook veröffentlicht werden.
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Warum lieben meine Kollegen nur abgetakelte Altstars?

Simply Red, kennt die noch jemand? Dass nach dieser belanglosen, reichlich unsympathischen Mainstream-Combo kaum ein Hahn mehr kräht, scheint mir mehr als gerechtfertigt. Jetzt schleicht sie sich doch wieder in mein Blickfeld. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) regt sich nämlich über die „Knebelbedingungen“ auf, die diese Gruppe für Pressefotografen ausgegeben hat. Weiter rät der DJV den Kollegen, diese Bedingungen zu ignorieren. Wie bitte? Nicht die Bedingungen, Simply Red solltet ihr ignorieren! Was, verdammt noch mal, bringt euch dazu, über solch abgetakelte Altrocker zu berichten? Steht ihr etwa auf die? Dann wechselt doch bitte ins Politik- oder Wirtschaftsressort!

Warum schreibt denn keiner über junge, hoffnungsvolle Gruppen, die noch Support durch die Presse nötig haben? Warum lese ich etwa über das hervorragende Debütalbum der Gruppe „A Tale of Golden Keys“ zwar viel in den von mir bevorzugten Musikblogs, aber nichts in den regionalen Feuilletons? Die Gruppe kommt aus Nürnberg, Leute! Wann hatten wir hier schon mal Bands, die auch außerhalb der Stadtmauern Fans haben? Das war noch zu Zeiten von Ihre Kinder oder Throw That Beat! „Wunderbarer Indiepop“, „eine Band mit einem treffsicheren Gespür für große Pop-Melodien“ schreibt der von mir geschätzte Nico in seinem Nicorola-Blog.

Und wenn jemand die drei fränkischen Melancholiker fotografieren will, dann lassen die ihn sicher sogar in ihren Proberaum in Eckersmühlen und stellen mitnichten irgendwelche Knebelbedingungen. So, und jetzt hört sie euch wenigstens mal an, auch wenn sie nur fast so traurig sind, wie der journalistische Alltag:

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Burkert und die inszenierte Report-Sendung

LOKALES                                                         FOTO: Eduard Weigert     DATUM: 6.3.13  Gabriela Heinrich Martin Burkert   SPD Karl Bröger Haus
Der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Burkert hat es zurzeit nicht leicht. Unlängst musste er seinen Führerschein für zwei Monate abgeben. Das Vorstandsmitglied der Eisenbahngewerkschaft EVG hatte mit seinem Audi bei Ansbach ein Auto gerammt und ist dann erst einmal weiter gefahren. Jetzt gibt es Untreuevorwürfe gegen den Abgeordneten. Er soll seine Bundestagsmitarbeiterinnen für den Wahlkampf zweckentfremdet haben.

Inzwischen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Burkert und weitere drei Abgeordnete (zwei gehören dem Bundestag nicht mehr an). Sie sollen ihre laut Abgeordnetengesetz nur für die Bundestagsarbeit zuständigen Mitarbeiter fürs Plakatekleben und Flyerverteilen eingesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich dabei auf zwei Berichte von „Report Mainz“ aus den Jahren 2011 und 2013. Heute hat sich die Bildzeitung drangehängt, ein Bild Burkerts mit der Schlagzeile „Untreueverdacht“ und dem Hinweis abgedruckt, der SPD-Politiker habe sich zu einer Bild-Anfrage nicht äußern wollen.
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Freut sich denn keiner über den Mindestlohn?

ARCHIV dpa - Bildfunk
Der Streit um den Mindestlohn geht weiter. Am 1.Mai wird er auch das Hauptthema auf den verschiedenen DGB-Veranstaltungen sein.

Blöderweise krankt es jedoch an der journalistischen Begleitung dieses SPD-Herzensanliegens. Seit Wochen versuchen Kollegen händeringend jemanden zu finden, der sich über den mittlerweile geltenden Mindestlohn freut. Auch die Gewerkschaften müssen passen. Niemand will sich von der Presse dazu interviewen lassen. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Bei den Spargelhelfern dürften es mangelnde Deutschkenntnisse sein. Bei anderen ist es vielleicht drohender Ärger mit dem Arbeitgeber. Andere wiederum freuen sich vielleicht gar nicht, weil bei ihnen beispielsweise zwar der Lohn höher, dafür aber die Stunde länger geworden ist.

Für die SPD und die Gewerkschaften ist das Ganze natürlich ärgerlich. Da hat man endlich einmal das Gefühl, Zukunft zu gestalten und seiner Klientel etwas Gutes zu tun, doch keiner zeigt sich dankbar und bricht in Jubel aus.

Aber, wie gesagt, es geht nicht nur um die SPD. Wer also jemand kennt, der ein gutes Wort über seinen Mindestlohn verlieren möchte, oder wer vielleicht selber dankbarer Nutznießer dieser Reform ist: Bitte bei mir melden (peter.viebigATpressenetz.de)!