Das Grid und die Zukunft der Zeitung

hersbruWenn es ein Wort des Jahres für Redakteure gäbe, dann wäre das wohl Grid. Als ich „Grid“ das erste Mal hörte, – ich gebe es zu – musste ich auch erst hier nachschauen. Unwissen íst in diesem Fall keine Bildungslücke.

Dass nun auch eher mit den Inhalten befasste Journalisten über Gestaltungsraster (Grid) sprechen, hat mit der Zeitungskrise zu tun. Die Printleser werden einerseits im Durchschnitt älter, weshalb ihnen das Lesen von Kleingedrucktem schwerer fällt. Andererseits haben mittlerweile oft auch junge Leser mit der geringen Schriftgröße Probleme, wofür auch die Smartphones verantwortlich sein sollen. Auf iPads, Kindles oder Monitoren fällt das nicht weiter ins Gewicht, da kann man die Größe einstellen. Bei Print geht das nicht.
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Schickt mir ein Fax, ich bin Journalist!

Telefax.JPG    Zum Themendienst-Bericht"Telekommunikation/Verbraucher/Ratgeber/KORR" von Karlhorst Klotz vom 14. Mai: Wenn das Faxgerät zur Nervensäge wird - viele Verbraucher ärgern sich über Werbefaxe, die ihnen unaufgefordert zugeschickt werden. (Honorarfreie Veröffentlichung nur für dpa/gms-Themendienst-Bezieher mit dem Quellenhinweis "Elke Wentker/dpa/gms")Von Rechten und Pegidioten werden wir der Lüge bezichtigt. Doch auch Leute, die auf der Seite des Fortschritt stehen, trampeln auf uns Journalisten herum. Als Beleg für die Verschnarchtheit unseres Berufstandes dient ihnen in letzter Zeit gerne der Deutsche Journalistenverband.

Dessen Musikgeschmack habe ich hier bereits gegeißelt. Inzwischen fiel unser Verband zunächst durch brüderleartiges Machogehabe unangenehm auf. Und jetzt kommt er auch noch daher und beklagt sich, den Medien würden von der Bundesregierung Informationen verwehrt, indem sie nur auf Facebook veröffentlicht werden.
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Warum lieben meine Kollegen nur abgetakelte Altstars?

Simply Red, kennt die noch jemand? Dass nach dieser belanglosen, reichlich unsympathischen Mainstream-Combo kaum ein Hahn mehr kräht, scheint mir mehr als gerechtfertigt. Jetzt schleicht sie sich doch wieder in mein Blickfeld. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) regt sich nämlich über die „Knebelbedingungen“ auf, die diese Gruppe für Pressefotografen ausgegeben hat. Weiter rät der DJV den Kollegen, diese Bedingungen zu ignorieren. Wie bitte? Nicht die Bedingungen, Simply Red solltet ihr ignorieren! Was, verdammt noch mal, bringt euch dazu, über solch abgetakelte Altrocker zu berichten? Steht ihr etwa auf die? Dann wechselt doch bitte ins Politik- oder Wirtschaftsressort!

Warum schreibt denn keiner über junge, hoffnungsvolle Gruppen, die noch Support durch die Presse nötig haben? Warum lese ich etwa über das hervorragende Debütalbum der Gruppe „A Tale of Golden Keys“ zwar viel in den von mir bevorzugten Musikblogs, aber nichts in den regionalen Feuilletons? Die Gruppe kommt aus Nürnberg, Leute! Wann hatten wir hier schon mal Bands, die auch außerhalb der Stadtmauern Fans haben? Das war noch zu Zeiten von Ihre Kinder oder Throw That Beat! „Wunderbarer Indiepop“, „eine Band mit einem treffsicheren Gespür für große Pop-Melodien“ schreibt der von mir geschätzte Nico in seinem Nicorola-Blog.

Und wenn jemand die drei fränkischen Melancholiker fotografieren will, dann lassen die ihn sicher sogar in ihren Proberaum in Eckersmühlen und stellen mitnichten irgendwelche Knebelbedingungen. So, und jetzt hört sie euch wenigstens mal an, auch wenn sie nur fast so traurig sind, wie der journalistische Alltag:

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Burkert und die inszenierte Report-Sendung

LOKALES                                                         FOTO: Eduard Weigert     DATUM: 6.3.13  Gabriela Heinrich Martin Burkert   SPD Karl Bröger Haus
Der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Burkert hat es zurzeit nicht leicht. Unlängst musste er seinen Führerschein für zwei Monate abgeben. Das Vorstandsmitglied der Eisenbahngewerkschaft EVG hatte mit seinem Audi bei Ansbach ein Auto gerammt und ist dann erst einmal weiter gefahren. Jetzt gibt es Untreuevorwürfe gegen den Abgeordneten. Er soll seine Bundestagsmitarbeiterinnen für den Wahlkampf zweckentfremdet haben.

Inzwischen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Burkert und weitere drei Abgeordnete (zwei gehören dem Bundestag nicht mehr an). Sie sollen ihre laut Abgeordnetengesetz nur für die Bundestagsarbeit zuständigen Mitarbeiter fürs Plakatekleben und Flyerverteilen eingesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich dabei auf zwei Berichte von „Report Mainz“ aus den Jahren 2011 und 2013. Heute hat sich die Bildzeitung drangehängt, ein Bild Burkerts mit der Schlagzeile „Untreueverdacht“ und dem Hinweis abgedruckt, der SPD-Politiker habe sich zu einer Bild-Anfrage nicht äußern wollen.
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Freut sich denn keiner über den Mindestlohn?

ARCHIV dpa - Bildfunk
Der Streit um den Mindestlohn geht weiter. Am 1.Mai wird er auch das Hauptthema auf den verschiedenen DGB-Veranstaltungen sein.

Blöderweise krankt es jedoch an der journalistischen Begleitung dieses SPD-Herzensanliegens. Seit Wochen versuchen Kollegen händeringend jemanden zu finden, der sich über den mittlerweile geltenden Mindestlohn freut. Auch die Gewerkschaften müssen passen. Niemand will sich von der Presse dazu interviewen lassen. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Bei den Spargelhelfern dürften es mangelnde Deutschkenntnisse sein. Bei anderen ist es vielleicht drohender Ärger mit dem Arbeitgeber. Andere wiederum freuen sich vielleicht gar nicht, weil bei ihnen beispielsweise zwar der Lohn höher, dafür aber die Stunde länger geworden ist.

Für die SPD und die Gewerkschaften ist das Ganze natürlich ärgerlich. Da hat man endlich einmal das Gefühl, Zukunft zu gestalten und seiner Klientel etwas Gutes zu tun, doch keiner zeigt sich dankbar und bricht in Jubel aus.

Aber, wie gesagt, es geht nicht nur um die SPD. Wer also jemand kennt, der ein gutes Wort über seinen Mindestlohn verlieren möchte, oder wer vielleicht selber dankbarer Nutznießer dieser Reform ist: Bitte bei mir melden (peter.viebigATpressenetz.de)!

Dresden ist gleich nebenan

kik
Da geht man arglos seinen Wochenendeinkäufen nach, denkt Dresden ist weit weg und dann das: Journalistenbashing auf dem Parkplatz, Lügenpresse-Vorwürfe per Großplakat, tiefe Risse im eigenen Berufsbild.

Um den Verkauf eines schlechten und an neuen Erkenntnissen kaum leidenden Buches geht es da offensichtlich gar nicht so sehr. Da schwappt mittlerweile ein amorphes Missbehagen aus dem Netz in die reale Welt. weiter lesen

Trommler in Existenznöten

Trommelwirbel   Waschsalon  Neueröffnung  mit  Nele Gilch & Petra SchinzUnter den 111 Orten, die man in Nürnberg gesehen haben muss, findet sich auch der Waschsalon Trommelwirbel. Der wäre jetzt beinahe verstummt, nachdem ihn die Stadt mit Dauerbaustellen und der Einstellung der Straßenbahn von der Kundschaft abgekoppelt hat. Inzwischen hat der Waschsalon wieder eine Zukunft, nachdem vor allem die Lokalpresse vehement für ihn getrommelt hat. Das sehen auch die beiden Inhaberinnen so und bedankten sich mit den Worten:

Eure Artikel in der NZ und Online waren einfach großartig und haben sehr geholfen – wir werden heute noch oft darauf angesprochen – von ganzem Herzen sagen wir DANKE!

So weit, so gut. Eigentlich hätte das auch ein Exempel für die Notwendigkeit von Lokaljournalismus und die Existenzberechtigung von Tageszeitungen sein können.

Eigentlich! weiter lesen

Sogar Google hält das Derby für relevant

Wer heute die Lokalblätter aufschlägt, erkennt recht schnell: Am Derby zwischen dem Club und diesem anderen Verein aus der Nachbarschaft besteht ein öffentliches Interesse. Das weiß sogar der wohl mächtigste Konzern der Welt: Google. Doch nicht nur das. Er erachtet es für die Welt sogar als relevant, ob jemand zu den einen oder zu den anderen hält.

Vor zwei Monaten reagierte Google auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes. Um das „Recht auf Vergessen“ umzusetzen, durften Löschanträge gestellt werden. Da ich damals mit meinem Verein mal wieder extrem haderte und sogar drauf und dran war, meine Fußballfankarriere an den Nagel zu hängen, betrieb ich Frustabbau per Löschantrag.

Körper- und Geisteshaltung in diesem Beitrag schienen mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz angebracht, weshalb ich diesen nicht bei meiner Namenssuche erwähnt wissen wollte.

Jetzt teilte mir Google rechtzeitig zum heute Abend stattfindenden Derby seine – von wem, nach welchen Kriterien? – getroffene Entscheidung mit. Obwohl der Mehrzahl der Anträge bislang stattgegeben wurde, wurde meiner abgelehnt. Mit folgender Begründung:

„Sehr geehrter Herr Viebig,

vielen Dank für Ihre Anfrage…

Nach einer Abwägung der uns bekannten Umstände sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Anzeige des/der von Ihnen beanstandeten Nachrichtenartikel(s) in den Suchergebnissen von Google derzeit relevant ist und daran nach wie vor ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht…

Ich nehme mal zu Googles Gunsten an, dass Journalisten-Verbindungen, die eine unabhängige Berichterstattung beeinträchtigen, eine Relevanz für die Öffentlichkeit besitzen. Insofern beuge ich mich dem Urteil und werde – anders als zwei Kollegen von der „Zeit“ – mich nicht noch mehr zum Affen machen.

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Zeitungssterben geht weiter

Als Gunther Oschmann ins Zeitungsverlegergeschäft einsteigen wollte, hat er neben der AZ-Nürnberg auch den Frankenreport übernommen. Die AZ musste im September 2012 ihr Erscheinen einstellen. Jetzt ist der Frankenreport dran.

Am heutigen Dienstag erhielten die Frankenreport-Mitarbeiter ihre Kündigung. Darunter drei Redakteure, fünf Verwaltungsmitarbeiter und mehrere Mediaberater. Die meisten wurden von der AZ übernommen und stehen jetzt ohne Job da.

Als Begründung für die Einstellung wurde genannt, die Kosten seien nicht gedeckt. Allerdings stimmten wohl nicht nur die Anzeigenerlöse nicht. Der seit 1985 in einer Auflage von ca. 375.000 Exemplaren erscheinende Frankenreport hatte praktisch das gleiche Konzept wie der Marktspiegel und wurde sogar am selben Tag in die hiesigen Briefkästen gesteckt. Neue Konzepte griffen nicht. Auch die Parole „Online first“ ließ sich letztlich nicht umsetzen. Am Ende blieb offenbar nichts anderes übrig, als „die feste Größe in der fränkischen Medienlandschaft“ einzustellen.

Die Familie Oschmann will zum Ende des Frankenreports erst nächste Woche Stellung nehmen.

Update 15.10.2014:
Wie die Mediengruppe Nordbayern Verlag mitteilt, wird der Frankenreport von ihr weiterbetrieben. Oschmann habe ihr den Frankenreport nach der Insolvenz verkauft.

Wöhrl und die Pressefreiheit

Bei der CSU geht es derzeit rund und – wie öfter bei solchen Gelegenheiten – sind mal wieder die Medien schuld. Manchmal machen sie auch wirklich Fehler, wie etwa das ZDF, stehen dann aber dazu und gut ist es.

Manchmal fragt man sich aber, wo denn eigentlich der Fehler liegt und ob da nicht einfach ein in den eigenen Kreisen gerade gut ankomendes Medienbashing betrieben wird, um von eigenem Verhalten abzulehnen.

Womit wir bei der Süddeutschen Zeitung und Dagmar Wöhrl wären.

„Die Süddeutsche Zeitung versucht mit Hilfe dieser entwendeten Unterlagen seit letzter Woche eine Negativkampagne gegen mich zu fahren. Ohne meine Erklärungen zu berücksichtigen, wurden erste Dokumente im Artikel „Elefantencamp statt Bundestag“ am 7. Mai verarbeitet…“

So jammert Wöhrl in ihrem Blog. Doch, wo ist da eigentlich der Aufreger? weiter lesen