Warum Fotografen keine Doppelnamen haben sollten

Der Journalistenverband fährt schon seit Jahren eine Kampagne für korrekte Fotovermerke. „Fotografen haben Namen“ heißt sie. Inzwischen scheint die Aktion Erfolge zu zeitigen, wie Verbandskollegen freudig feststellen.

Das hat allerdings weniger mit erfolgreicher Interessenvertretung zu tun, als mit der Rechtslage. Demnach kann nämlich ein Fotograf das doppelte Honorar einfordern, wenn er auf unsaubere Bildquellennachweise stößt. Ob das in allen Fällen zulässig ist, ist zwar strittig. Die Redaktionen bleiben jedoch lieber auf der sicheren Seite (selbst wenn das wie im Bild links zu absurden Ergebnissen führt) vor allem in Zeiten, in denen Kostensenkung groß geschrieben wird.

Oft ist es jedoch gar nicht böser Wille, wenn ein Fotograf nicht genannt wird. Es geht – zumindest in Print – um Platz und etwas, das eigentlich auch Fotografen verstehen müssten: Optik. Unter einem Kopfbild (meistens 2,5 Zentimeter breit und 3 Zentimeter hoch) sieht ein Text, der aufgrund des Fotovermerks mehr Fläche als das Bild einnimmt, einfach ungut aus. Nun könnte man da den Schriftgrad verkleinern. Bloß: Dann ist der Fotografenname vielleicht unlesbar und irgendwer beklagt sich, dass das eine Abwertung und mangelnder Respekt sein könnte.

Erschwert wird das noch, wenn die Agentur und der Name des Fotografen eher platzgreifend sind. Ein Fotograf mit Doppelnamen hat beispielsweise ganz schlechte Karten.

Die Platzfrage ist freilich nur das eine. Auf der anderen Seite nimmt es auch im Textbereich nicht jeder so genau mit der Nennung von Urhebern und der Würdigung von Kreativleistungen. Da wird beispielsweise schamlos von anderen abgeschrieben oder eine kleine Zusatzinfo verwendet um den Beitrag als exklusive Eigenproduktion zu verkaufen. Nur ist das ein Bereich, in dem es ungleich komplizierter ist, Kampagnen zu starten.

Das Foto oben ist übrigens von Hans von Draminski.

Aus dem Reich der „Volkspädagogen“

In den Jahresrückblick hat das nicht mehr reingepasst. Deswegen erinnere ich aus aktuellem Anlass extra noch einmal an einen Blogbeitrag, den ich hier vor genau zwei Jahren verfasst habe. Es drehte sich damals um den Lügenpresse-Vorwurf anlässlich eines Werbeplakats des Kopp-Verlags für das Buch „Gekaufte Journalisten“ (Bild). Der gleiche Verlag bewirbt gerade ein Buch des gleichen Autors auf die gleiche Art: auf Plakatwänden dort, wo Land- und Speckgürtelbewohner billig einkaufen. Und da geht es wieder vor allem gegen uns Journalisten, wenn da groß drüber steht: „Lassen Sie sich von den Mainstream-Medien nicht vorschreiben, was Sie zu denken haben.“ Lidl hat allerdings explizit wegen des Buchtitels „Volkspädagogen“ reagiert und das Plakat nach einer Beschwerde umgehend entfernen lassen.

Reaktionen gab es in den vergangenen zwei Jahren allerdings auch bei uns, den angeblichen „Volkspädagogen“. Vielleicht nicht so stark, wie manche sich das gewünscht hätten. Vielleicht auch individuell unterschiedlich. Die Kritik von Rechts spielte dabei allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es so etwas wie eine Zeitungskrise, die hat jedoch weniger damit zu tun, dass falsch oder einseitig berichtet würde. Hauptgründe sind Digitalisierung und geändertes Mediennutzungsverhalten. Im Vergleich zur Lautstärke der „Lügenpresse“-Sprechchöre waren die daraus resultierenden Abbestellungen auch eher gering. Vielmehr ist das Feedback, das der Journalist inzwischen durchs Netz direkter und massiver erhält, natürlich auch Anlass, sich und seine Arbeit in Frage zu stellen (wobei da ein freundlicher oder zumindest sachlicher Ton auf jeden Fall zielführender ist).
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Wenn Journalisten zu selbstlos sind

gema
Verdi sammelt schon wieder Stimmen für die VG-Wort-Mitgliederversammlung, die am 26. November in München stattfindet. Es geht erneut um die Anteile aus der Privatkopievergütung die bislang an die Verleger ausgeschüttet wurden. Nachdem der Bundesgerichtshof entschieden hatte, die VG Wort sei nicht berechtigt, einen Teil der Tantiemen an die Verlage auszuschütten, geht es jetzt platt gesagt darum, irgendwie das System zu retten, zu dem natürlich auch Verdi und der Journalistenverband, der nicht von ungefähr dem Kläger Martin Vogel seinerzeit die Unterstützung verweigerte, gehören.

Das Interesse an dem Thema ist bei meinen Kollegen erstaunlich gering und wahrscheinlich sind viele schon im ersten Absatz ausgestiegen. weiter lesen

Können Journalisten von der GEZ befreit werden?

RESSORT: HA Politik FOTO: HvD MOTIV: Im Zuge der stockenden Tarifverhandlungen sind Journalistinnen und Journalisten mehrerer süddeutscher Verlagshäuser nach Aufruf der beiden Gewerkschaften DJV und DJU/ver.di in den Warnstreik getreten. In Ulm wurde eine große Streikkundgebung veranstaltet, bei der unter anderem Redaktionsmitglieder der Süddeutschen Zeitung, der Nürnberger Nachrichten und ihrer Außenredaktionen und Heimatzeitungen vertreten waren, 28. Juni 2016 Es ist ein bisschen untergegangen, das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. Wahrscheinlich wollte keiner Öl ins Feuer gießen. Den Öffentlich-Rechtlichen bläst eh schon der Wind ins Gesicht (gerade erst hier). Wenn nun auch noch jeder, dem sie in irgendeiner Form Konkurrenz machen, auf die Idee käme, die Zahlung der Rundfunkgebühr einzustellen, dann würde es richtig eng.

Moment? Wenn ich in Konkurrenz zum Bayerischen Rundfunk stehe, dann muss ich nicht zahlen? Ja! So heißt es zumindest in der Urteilsbegründung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. In dem vorliegenden Fall wurde ein Zeitungsverlag (Münchner Merkur) von der Zahlung befreit, der Anteile an einem Privatradio (Charivari) besitzt.

In Konkurrenz zum Bayerischen Rundfunk stehen die Zeitungsverlage übrigens auch was die Verbreitung von News im Netz angeht. Und nicht nur die Verlage: Auch deren jeweiligen Mitarbeiter konkurrieren. Wer holt sich die Klicks und die damit verbundenen Einnahmen? Da wird mit nicht unharten Bandagen gekämpft und allem, was dazu gehört, schließlich schert sich das „Klickvieh“ herzlich wenig darum, wer eine Meldung aufgetan hat.
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Selbstjustiz gegen die „Lügenpresse“

Liverpool and AC Milan supporters fight between them in central Athens Syntagma square during the UEFA Champions League final Liverpool vs AC Milan at the Olympic stadium in Athens, Greece, 23 May 2007. EPA/ALEXANDROS BELTES +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bei uns wird die Pressefreiheit offiziell noch hoch gehalten. Dafür häufen sich inzwischen die Fälle von Selbstjustiz. In der letzten Woche wurde in Franken gleich über zwei Übergriffe auf Journalisten berichtet. Bei „Rock im Park“ ging ein Bauarbeiter auf eine Fotografin los:

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Der zweite Fall ereignete sich in Würzburg, wo ein Angeklagter den Gerichtsreporter bracchial attackierte.

Rumheulen muss man deswegen nicht. Schließlich wurde niemand ernsthaft verletzt. Dennoch: Diejenigen, die derzeit noch erfolglos neue Tarife für die Zeitungsjournalisten aushandeln, sollten vielleicht mal über Gefahrenzulagen und die Finanzierung von Selbstverteidigungskursen nachdenken. So richtig beschaulich ist das Journalistenleben offenbar nur noch in den Köpfen von ein paar Verlegern.

Die Lizzy und der böse Bernd

Motiv:    Frühlingsfest  Umzug  und  Bierzelt   Bühnenprogramm                Datum:       30.03.2013                   Foto Roland Fengler
Ins Netz gedrängt haben sich meine Feuilleton-Kollegen weiß Gott nicht. Langsam dämmert uns auch warum. Im Internet haben es viele nämlich nicht so mit Kulturkritik. Kritik, des sammer mir, das machen wir selber. Das könnte ich jetzt auch an der Resonanz auf die Vorbesprechung eines eher drögen Krimis festmachen, den gestern auch das gemeine Volk zu Gesicht bekommen hat. Aber der hat eh schon viel zu viel Publicity.

Da wende ich mich lieber Lizzy Aumeier zu. Genau, das ist die fröhliche Füllige aus der Oberpfalz. Die hatte mit ihrem neuen Programm vor wenigen Tagen Premiere in Fürth. Mindestens zwei Kollegen durften/mussten der Vorstellung beiwohnen, um diese einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Lobhudeln und Klappentexte umschreiben, manche werden es nicht mehr wissen, ist nämlich etwas für Veranstaltungsblättchen, aber nichts für Feuilletons.

Der eine Kritiker feierte Lizzy Aumeier dennoch als „Meisterin der Improvisation“ (ihr war nämlich auf der Bühne unvorhergesehenerweise das Kleid geplatzt), Der andere würdigte diesen Vorfall zwar auch, beschäftigte sich aber mehr mit dem Davor. Das fand er nicht so besonders: „Ungeniert tappt sie in jede Zoten-Falle und motzt altbekannte Gassen-Witzchen mit dem Charme einer lebensklugen Puffmutter auf.“ weiter lesen

AfD-Flyer geklaut: Waren es Journalisten?

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Zum Tschernobyl-Jahrestag habe ich auch an den Verein „Bürger fragen Journalisten“ erinnert. Auf diese Weise versuchte die Atomlobby damals, ein „linksversifftes“ (ok, seinerzeit war die Wortwahl noch gepflegter) Medienkartell anzuprangern, das „uns“ die Kernkraft madig machen wollte. Inzwischen gibt es wieder solche Journalistenkontrolleure, die die „Meinungsdiktatur“ gerade an Vorgängen an einem Nürnberger AfD-Stand festzumachen versuchen.

Ein gewisser Marc Toller, der für den in Jena beheimateten Verein Journalistenwatch arbeitet, scheint da am Sonntag in „Nürnberg (Bundesland Bayern)“ zu Besuch gewesen zu sein. Dass der AfD-Stand in der „gut besuchten Einkaufsmeile“ nicht störungsfrei aufgebaut werden konnte und AfD-Mitglieder daran gehindert wurden, „die Bürger mit Informationsmaterial zu versorgen“, war ihm Anlass für eine Tirade über die grassierende „Meinungsdiktatur“. Am AfD-Stand wurden nämlich Flyer geklaut, bespuckt und in den Abfalleimer geworfen. Das Klima, so schloß Toller daraus, sei inzwischen so vergiftet, dass sich AfDler nicht mehr trauten öffentlich, die Kanzlerin zu kritisieren. Frauen gingen nur noch mit Pfefferspray außer Haus. Und die Polizei sieht sich der linken Gewalt wehrlos ausgeliefert.

Ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, dürften „gestörte“ Störer zudem die AfD mit linken Parolen zutexten und als „Arschlochpartei“ bezeichnen. Die AfD-Mitglieder würden als Nazis beschimpft und sogar als „Resultat von Inzest“.

Nun ja. Ähnliches darf man auch ungestraft dem bayerischen Innenminister zurufen. Heult der deswegen? Nein! Aber wahrscheinlich beweist das auch nur wieder die Wehrlosigkeit unserer Polizei und ihres obersten Dienstherrn.

Was das alles mit Journalisten zu tun hat? Man weiß es nicht so genau. Aber eins ist klar: Es wird böse enden.

Tschernobyl: Erstmal beschwichtigen!

nztschernoAn diesen Schlagzeilen (die in anderen Blättern unterschieden sich davon aber kaum – insofern dient der oben abgebildete Ausschnitt nur als Exempel) war damals fast alles falsch. Übertreibung dort und Beschwichtigung hier waren auch vor 30 Jahren schon oberstes Gebot. Der Bundesregierung haben aber schon damals nur wenige vertraut. Insofern lohnt sich zum Tschernobyl-Jahrestag ein Rückblick.

Die Aufregung in Nürnberg war riesig. Kann ich noch vor die Türe? Was kann ich essen? Wie oft muss ich meine Kleidung wechseln? Mit solchen Fragen beschäftigten sich keineswegs nur die Eltern kleiner Kinder. Ein Beleg war beispielsweise, dass in den Nürnberger Apotheken binnen Kurzem die Jodpillen ausverkauft waren.
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Das Grid und die Zukunft der Zeitung

hersbruWenn es ein Wort des Jahres für Redakteure gäbe, dann wäre das wohl Grid. Als ich „Grid“ das erste Mal hörte, – ich gebe es zu – musste ich auch erst hier nachschauen. Unwissen íst in diesem Fall keine Bildungslücke.

Dass nun auch eher mit den Inhalten befasste Journalisten über Gestaltungsraster (Grid) sprechen, hat mit der Zeitungskrise zu tun. Die Printleser werden einerseits im Durchschnitt älter, weshalb ihnen das Lesen von Kleingedrucktem schwerer fällt. Andererseits haben mittlerweile oft auch junge Leser mit der geringen Schriftgröße Probleme, wofür auch die Smartphones verantwortlich sein sollen. Auf iPads, Kindles oder Monitoren fällt das nicht weiter ins Gewicht, da kann man die Größe einstellen. Bei Print geht das nicht.
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