Sogar Google hält das Derby für relevant

Wer heute die Lokalblätter aufschlägt, erkennt recht schnell: Am Derby zwischen dem Club und diesem anderen Verein aus der Nachbarschaft besteht ein öffentliches Interesse. Das weiß sogar der wohl mächtigste Konzern der Welt: Google. Doch nicht nur das. Er erachtet es für die Welt sogar als relevant, ob jemand zu den einen oder zu den anderen hält.

Vor zwei Monaten reagierte Google auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes. Um das “Recht auf Vergessen” umzusetzen, durften Löschanträge gestellt werden. Da ich damals mit meinem Verein mal wieder extrem haderte und sogar drauf und dran war, meine Fußballfankarriere an den Nagel zu hängen, betrieb ich Frustabbau per Löschantrag.

Körper- und Geisteshaltung in diesem Beitrag schienen mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz angebracht, weshalb ich diesen nicht bei meiner Namenssuche erwähnt wissen wollte.

Jetzt teilte mir Google rechtzeitig zum heute Abend stattfindenden Derby seine – von wem, nach welchen Kriterien? – getroffene Entscheidung mit. Obwohl der Mehrzahl der Anträge bislang stattgegeben wurde, wurde meiner abgelehnt. Mit folgender Begründung:

“Sehr geehrter Herr Viebig,

vielen Dank für Ihre Anfrage…

Nach einer Abwägung der uns bekannten Umstände sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Anzeige des/der von Ihnen beanstandeten Nachrichtenartikel(s) in den Suchergebnissen von Google derzeit relevant ist und daran nach wie vor ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht…

Ich nehme mal zu Googles Gunsten an, dass Journalisten-Verbindungen, die eine unabhängige Berichterstattung beeinträchtigen, eine Relevanz für die Öffentlichkeit besitzen. Insofern beuge ich mich dem Urteil und werde – anders als zwei Kollegen von der “Zeit” - mich nicht noch mehr zum Affen machen.

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Zeitungssterben geht weiter

Als Gunther Oschmann ins Zeitungsverlegergeschäft einsteigen wollte, hat er neben der AZ-Nürnberg auch den Frankenreport übernommen. Die AZ musste im September 2012 ihr Erscheinen einstellen. Jetzt ist der Frankenreport dran.

Am heutigen Dienstag erhielten die Frankenreport-Mitarbeiter ihre Kündigung. Darunter drei Redakteure, fünf Verwaltungsmitarbeiter und mehrere Mediaberater. Die meisten wurden von der AZ übernommen und stehen jetzt ohne Job da.

Als Begründung für die Einstellung wurde genannt, die Kosten seien nicht gedeckt. Allerdings stimmten wohl nicht nur die Anzeigenerlöse nicht. Der seit 1985 in einer Auflage von ca. 375.000 Exemplaren erscheinende Frankenreport hatte praktisch das gleiche Konzept wie der Marktspiegel und wurde sogar am selben Tag in die hiesigen Briefkästen gesteckt. Neue Konzepte griffen nicht. Auch die Parole “Online first” ließ sich letztlich nicht umsetzen. Am Ende blieb offenbar nichts anderes übrig, als “die feste Größe in der fränkischen Medienlandschaft” einzustellen.

Die Familie Oschmann will zum Ende des Frankenreports erst nächste Woche Stellung nehmen.

Update 15.10.2014:
Wie die Mediengruppe Nordbayern Verlag mitteilt, wird der Frankenreport von ihr weiterbetrieben. Oschmann habe ihr den Frankenreport nach der Insolvenz verkauft.

Wöhrl und die Pressefreiheit

Bei der CSU geht es derzeit rund und – wie öfter bei solchen Gelegenheiten – sind mal wieder die Medien schuld. Manchmal machen sie auch wirklich Fehler, wie etwa das ZDF, stehen dann aber dazu und gut ist es.

Manchmal fragt man sich aber, wo denn eigentlich der Fehler liegt und ob da nicht einfach ein in den eigenen Kreisen gerade gut ankomendes Medienbashing betrieben wird, um von eigenem Verhalten abzulehnen.

Womit wir bei der Süddeutschen Zeitung und Dagmar Wöhrl wären.

“Die Süddeutsche Zeitung versucht mit Hilfe dieser entwendeten Unterlagen seit letzter Woche eine Negativkampagne gegen mich zu fahren. Ohne meine Erklärungen zu berücksichtigen, wurden erste Dokumente im Artikel „Elefantencamp statt Bundestag“ am 7. Mai verarbeitet…”

So jammert Wöhrl in ihrem Blog. Doch, wo ist da eigentlich der Aufreger? weiter lesen

Leider fehlt die Nürnberger Presse!

Acht der zehn NSU-Mordopfer waren türkischstämmig, weshalb sich die türkischen Medien mit Recht beklagt hatten, dass sie bei der Vergabe der begrenzten Presseplätze leer ausgingen. Daraufhin wurden die Plätze im Losverfahren vergeben. Bei den Tageszeitungen erhialten jetzt Bild, Allgäuer Zeitung, Passauer Neue Presse, Pforzheimer Zeitung. Sächsische Zeitung., Oberhessische Presse Marburg, Stuttgarter Zeitung und Lübecker Nachrichten den Zuschlag. Berichten werden auch Radio Lora und Radio Lotte, die Brigitte, Hallo München oder RTL2. Die gesamte Liste ist hier zu finden.

Ungeachtet dessen, ob jetzt die Brigitte für die Prozessberichterstattung gegen Neonazis prädestinierter ist als etwa die TAZ oder die FAZ, will ich aber auf Folgendes hinweisen: Drei der neun Morde fanden in Nürnberg statt. Wenn es also um Betroffenheit geht, dann sollte zumindest eine Nürnberger Zeitung oder ein anderes lokales Medium beim Prozess in München vertreten sein.

Klar, im Nachhinein muss man angesichts der Doppelbewerbungen mancher Medien vielleicht selbstkritisch anmerken, dass sich unser Verlag sicherheitshalber noch mit Unterwasser oder dem Kicker hätte bewerben sollen, um seine Chancen zu verbessern. Aber soll man Unfug mit Unfug beantworten?

Nachtrag, 3.5.2013 Dank der Stuttgarter Nachrichten bekommt die NZ jetzt im Rahmen einer Poollösung doch noch Zugang zum NSU-Prozess. Mit bei der Kooperation dabei ist auch die Heilbronner Stimme und die AZ München. Es soll auch ein Blog zum NSU-Prozess eingerichtet werden (inzwischen gibts das hier).

So viel Öffentlichkeit war nie

Je weniger Journalisten es gibt, desto größer wird offenbar die Zahl derer, die sie … bedienen. Das lässt sich jetzt auch am Beispiel Nürnberg darlegen.

Ihr braucht da nur aktuell auf die Stellenangebote der Stadt Nürnberg zu schauen. Abgesehen vom Friedhofschaffnern und einem Datenschutzbeauftragten, sind da zurzeit vorwiegend Öffentlichkeitsarbeiter gefragt. Beim Bildungscampus sind gleich drei Stellen zu besetzen. Bei SÖR sucht man jemand, der den kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs begleitet. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit waren etliche Öffentlichkeitsarbeiterstellen im Angebot. Die wurden inzwischen aber bereits besetzt. Wenn man bedenkt, dass es auch noch ein personell nicht gerade schlecht ausgestattetes Presseamt bei der Stadt gibt, kann einem fast schon bange werden, ob der Informationsflut, die da bald auf Journalisten und Bürger zurollt.

Denn, um zum Frankenschnellweg zurückzukehren: Es sind natürlich nur Informationen, die da verbreitet werden sollen. “Über dieses mehrere Jahre laufende Bauprojekt mit Zielen und Effekten muss die Bürgerschaft in Nürnberg laufend intensiv informiert werden”, heißt es in der Ausschreibung.
Hinter dem Begriff “intensive Information” versteckt sich freilich für den Auftraggeber möglicherweise auch Überzeugungsarbeit und nicht die unabhängige Weitergabe von Fakten. Mit Journalismus, geschweige denn mit dem viel beschworenen Qualitätsjournalismus, hat das nichts zu tun. Das sollte einem zumindest klar sein, wenn sich das Verhältnis von Journalisten und Öffentlichkeitsarbeitern so signifikant verschiebt.

Nichtsdestotrotz müssen wir, menschlich gesehen, froh sein, wenn etwa bei der Nürnberger Abendzeitung nicht mehr benötigte Kollegen auf diese Weise einen neuen Job bekommen.

Das Ende des Presserabatts

Man kippt nicht ungestraft einen Bundespräsidenten. Nun geht es an die Journalisten-Privilegien. Eine Journalistenvergünstigung nach der anderen wird abgeschafft. Möglicherweise wird der Presserabatt bald generell kein Thema mehr sein.

Die Bahn kündigte bereits kurz nach dem Wulff-Rücktritt an, ihre Bahncard nicht mehr zu vergünstigten Bedingungen an die Presse abzugeben. Jetzt zieht Air Berlin nach. Auf den Rabattportalen (hier oder hier) wird es bald ziemlich mau aussehen. Viele der dort angebotenen Presserabatte sind ohnehin nur Mogelpackungen. Die 15 Prozent beispielsweise, die die Autofirmen gegen Vorlage des Presseausweises gewähren, dürfte auch ein Privatmann erhalten, wenn er ein bisschen verhandelt.

Andererseits taucht auf diesen Portalen vieles gar nicht auf, was (manche!) Journalisten an Vergünstigungen erhalten. weiter lesen

Der Tod und die Zeitung

urn:newsml:dpa.com:20090101:101029-10-11421Im Augenblick wird viel über den Tod der Zeitungen geredet und geschrieben. Der eine sagt ihn in Deutschland für das Jahr 2030 voraus, der andere für irgendwann demnächst. Viele meiner Printkollegen wiederum glauben jedoch felsenfest, dass ihr Produkt das ewige Leben haben wird.

Wie auch immer! Das Thema Zeitung und Tod ist nicht ganz neu. Es ist sogar schon so alt, dass man den Propagandisten des ewigen Lebens Recht geben möchte. Fast möchte man sagen: Ohne Tod keine Zeitung! Der “alte Schnitter” ist wahrscheinlich sogar einer der wesentlichen Garanten für die Existenz der Zeitung.
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Das Buch, die heilige Kuh

30__PoetIch war in Urlaub, deswegen habe ich dieses Blog auch etwas weniger beschickt als sonst und deswegen kommt mein Beitrag zum Erlanger Poetenfest auch erst jetzt.

Das Poetenfest ist ein Treffpunkt literaturbeflissener Journalisten – und davon gibt es viele. Ich war früher auch öfter da. Diesmal wollte ich mir stattdessen Gedanken machen, warum so viele Zeitungskollegen eigentlich lieber Bücher schreiben würden bzw. Leute, die das tun, derart bewundern. Wobei das nicht der Hauptgrund meines Fernbleibens war. Zum einen passte das Wetter nicht. Im Saal ist das Ganze nämlich nur schwer erträglich, weil man nicht ablästern kann ohne gleich verärgerte Psst-Reaktionen zu erhalten. Zum anderen geht mir der Sponsor massiv auf den Zeiger. Es ist der gleiche, der auch den 1.FC Nürnberg sponsert, weshalb ich dazu einfach auf meinen Beitrag im Clubfreuinde-Blog verlinke und mal die Frage stelle, was das eigentlich für Poeten sind, wenn sie vor solchen Dingen die Augen verschließen können.
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Twinisterin Schröder war da

FotoDas sind Paradigmenwechsel, die muss man erst einmal verdauen. Während ihre Vorgängerin als Familienministerin, Ursula von der Leyen, einfach nur kaum Ahnung vom Internet hatte, twittert ihre Nachfolgerin Kristina Schröder (allerdings noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) schon seit Januar 2009 . Am heutigen Mittwoch war sie erstmals in Nürnberg und nutzte gleich die Gelegenheit, die hiesigen Twitterer zum Twabendessen ins Strandhaus am Dutzendteich zu laden. Dort ließ sie sich auch bereitwillig ausfragen. Nett und freundlich war sie aber nur zu Twitterern und Bloggern, nicht aber zu Printjournalisten. “Bevor Sie da was abdrucken, lassen Sie das bitte von meinem Büro autorisieren”, ließ sie mich wissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich mitunter – man will ja richtig zitieren – mitgeschrieben hatte.
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iPad: Zum Angeben zu verschmiert

Eigentlich wird um das Gerät zu viel Gedöns gemacht. Wahrscheinlich ist das eine Art Nachklapp-Gedöns, weil Apple-Produkten in der Vergangenheit oft nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die sie verdient haben. Sei´s drum! Nachdem ich seit ein paar Tagen ein iPad besitze und dies auch im Redaktionsalltag nutze, will ich hier mal meine Erlebnisse schildern, was dran ist an dem Gerät, wofür man es brauchen kann und wofür nicht.
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