Naidoo und das Concertbüro


Für seine Fans kann man manchmal nichts. Das gilt auch für Xavier Naidoo. Dass er jetzt erneut von Reichsbürgern und AfD-Leuten gefeiert wird, hat er sich freilich selbst zuzuschreiben. Da steckt dann wohl doch Absicht dahinter, wenn er in seinem neuen Stück „Marionetten“ deren Begrifflichkeiten aufgreift und somit auch offenbart, wie er denkt und wo er hingehört.
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Wird die VAG musikalisch?

Nach Johann Gottfried Seume ist am Dutzendteich eine Straße benannt. Jetzt gelangt möglicherweise auch ein, auf ihn zurückzuführendes Sicherheitskonzept in Nürnberg zu späten Ehren: in der U-Bahn.

In Seumes 1804 veröffentlichten Gedicht „Die Gesänge“ heißt es:

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Später wurde im Volksmund daraus:

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“
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Warum lieben meine Kollegen nur abgetakelte Altstars?

Simply Red, kennt die noch jemand? Dass nach dieser belanglosen, reichlich unsympathischen Mainstream-Combo kaum ein Hahn mehr kräht, scheint mir mehr als gerechtfertigt. Jetzt schleicht sie sich doch wieder in mein Blickfeld. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) regt sich nämlich über die „Knebelbedingungen“ auf, die diese Gruppe für Pressefotografen ausgegeben hat. Weiter rät der DJV den Kollegen, diese Bedingungen zu ignorieren. Wie bitte? Nicht die Bedingungen, Simply Red solltet ihr ignorieren! Was, verdammt noch mal, bringt euch dazu, über solch abgetakelte Altrocker zu berichten? Steht ihr etwa auf die? Dann wechselt doch bitte ins Politik- oder Wirtschaftsressort!

Warum schreibt denn keiner über junge, hoffnungsvolle Gruppen, die noch Support durch die Presse nötig haben? Warum lese ich etwa über das hervorragende Debütalbum der Gruppe „A Tale of Golden Keys“ zwar viel in den von mir bevorzugten Musikblogs, aber nichts in den regionalen Feuilletons? Die Gruppe kommt aus Nürnberg, Leute! Wann hatten wir hier schon mal Bands, die auch außerhalb der Stadtmauern Fans haben? Das war noch zu Zeiten von Ihre Kinder oder Throw That Beat! „Wunderbarer Indiepop“, „eine Band mit einem treffsicheren Gespür für große Pop-Melodien“ schreibt der von mir geschätzte Nico in seinem Nicorola-Blog.

Und wenn jemand die drei fränkischen Melancholiker fotografieren will, dann lassen die ihn sicher sogar in ihren Proberaum in Eckersmühlen und stellen mitnichten irgendwelche Knebelbedingungen. So, und jetzt hört sie euch wenigstens mal an, auch wenn sie nur fast so traurig sind, wie der journalistische Alltag:

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Weihnachten: Die GEMA kassiert mit

Zu irgendetwas sollte doch auch die GEMA gut sein, dachte ich mir. Also rief ich letzte Woche bei deren Pressestelle in München an, um mir einen Überblick über das vorweihnachtliche Musikgeschehen zu verschaffen. Man müsste doch anhand der Einnahmen feststellen können, welche Weihnachtslieder am häufigsten gespielt werden.

Doch leider: Nicht einmal dazu taugt die GEMA. Man könne dazu nichts sagen, weil es nicht im Sinne der Rechteinhaber sei, wenn ihre Einnahmen offen gelegt werden, sagte mir die Pressesprecherin. Ich solle mich an MediaControl wenden, die könnten vielleicht über die meist gespielten Weihnachtslieder Auskunft geben. Im übrigen sei es ohnehin technisch schwierig, aus dem gesammelten GEMA-pflichtigen Liedgut die Weihnachtstitel herauszufiltern.

Für MediaControl-Daten muss man allerdings zahlen. Soweit geht mein Interesse auch wieder nicht, weiter lesen

Nürnbergs Highlight ist ein Loch

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Nun habe ich doch noch die Gelegenheit, eine Nürnberger Gruppe, die ich bei meinem Adventskalender sträflicherweise vergessen habe, als Video einzubauen: the Robocop Kraus. Die Gelegenheit bietet mir der im Rockbuch-Verlag erschienene „Indie Travel Guide„. Darin stellen Indiebands für reiselustige Rockfans ihre Heimatstädte vor. Robocop Kraus übernimmt das für Nürnberg.
Unter der Überschrift „Stadt mit Loch“ empfehlen die Bandmitglieder eher gängige Sehenswürdigkeiten, wie die Kaiserburg mit dem Hufabdruck Eppeleins, das Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich oder das Neue Museum. Ungewöhnlich ist allerdings das Highlight, das Hans Christian Fuss den Touristen ans Herz legt. Es handelt sich um „das Loch in der Austraße“. Dort befindet sich unter einem Gitter (gegenüber dem Sportplatz) ein durch die nahe Fernwärmeleitung immer angenehm temperierter Raum, in dem man ungestört nächtigen kann. Ich würde allerdings eher sagen: konnte. Wenn sich der Führer nämlich einigermaßen verkauft, werden sich dort jede Menge Indierockfans drängen und aus ist es mit dem Geheimschlaftipp.
Trotzdem: „Stadt mit Loch“ ist schon mal gut. Ich kenne übrigens noch etliche andere Löcher. Dass ich die geheim halte, hat aber nichts mit warmen Übernachtungsplätzen, sondern mit sonst drohenden Beleidigungsklagen zu tun.
Und noch eines: Ich finde es gut, dass im Reiseführerwesen endlich einmal zielgruppenorientiert vorgegangen wird. Dieses Bedienen eines nicht vorhandenen Mainstreams, der offenbar nur Sehenswürdigkeiten abhaken und billig shoppen will, ging mir schon lange auf den Zeiger.

Wie sieht ein Radler aus?

Schönes Wetter, Pfingsten: Da gibt es nichts anderes als die Bergkirchweih. Abgesehen von einigen Einzelpersonen ist das der einzige Grund, ab und zu noch mal nach Erlangen zu fahren. Auf der Begrkirchweih trifft man nicht bloß manchen Bekannten, kann sich einen Überblick über gängiges Kulturgut (nein, nicht das, das die öffentliche Hand finanziert) verschaffen, und den Niedergang der Braukultur mit gleichzeitigem Schwinden des kritischen Bewusstseins beobachten. Nein man kann auch manchen coolen Spruch aufschnappen.

Nachdem einer der Kellner mit einer Hand voll Maßkrügen ankam und „Radler“ (wobei das mittlerweile zur besseren Unterscheidung mit einem Plastikhalm serviert wird) rief und dann nochmal „Radler“, genau ins Ohr eines trotz seiner Jugend schon relativ erfahrenen Bergtrinkers, sagte dieser unwirsch: „Schau ich aus wie ein Radler?“

Merkel lädt Computer runter

Nach dem Tag des Bieres und des Buches folgte der Tag des geistigen Eigentums. Und prompt gibt es Aufregung. Künstler wie Grönemeyer oder Tokio Hotel schalteten eine ganzseitige Anzeige in überregionalen Tageszeitungen (so schlecht scheint es denen offensichtlich noch nicht zu gehen) und jammern dort darüber, dass jene paar Cent, die ihnen vom Verkauf einer CD von ihren Plattenfirmen übrig gelassen werden, ausbleiben, weil sich immer mehr Leute die Musikstücke einfach so herunterladen.

Musik ist das eine, aber darüber haben andere schon profunde Stellungnahmen abgegeben. Es geht jedoch generell um geistiges Eigentum. Auch Wortkünstler, wie wir Journalisten, sollen ja sowas haben. Doch das, und da muss man die Tageszeitungen mal loben, wird klaglos einfach so zur Verfügung gestellt. Gewürdigt wird das bislang (noch) nicht. Immerhin rangieren die Tageszeitungsverlage in der Unbeliebtheitsskala wenigstens hinter Musikindustrie oder Filmindustrie.

Zu denen, die die aktuelle Wortkunst nicht würdigen, sich aber für die jammernde Musikbranche ins Zeug legen, gehört auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob die sich jedoch im Dschungel des Digitalen noch zurecht findet, mag man bezweifeln. In ihrer Videobotschaft zum Tag des geistigen Eigentums (nach ca. 2 Minuten und 30 Sekunden) sagt sie doch glatt:

Das Herunterladen von Computern ist eine Sache, die nationale Grenzen nicht schützen können.YouTube Preview Image

Es gibt zwar in unserer Region auch einen Chefredakteur, der unlängst von seinen Onlineredakteuren verlangt hat, sie sollten dafür sorgen, dass „ich mir einen iPod herunterladen kann“. Das ist natürlich genauso wenig ein Kavaliersdelikt, wie das Herunterladen von Computern.

Trotzdem bleibe ich dabei: Wenn schon geistiges Eigentum schützen, dann überall und generell, und nicht nur einseitig für irgendwelche Lobbyisten.

Sollte also irgendwann aufrechter Journalismus mit Steuermitteln sicher gestellt werden, dann gehe ich auch wieder in den Plattenladen und kaufe mir eine CD. Wenns sein muss sogar eine vom Grönemeyer.

Die 100 besten Musikvideos

YouTube Preview ImageSeit 40 Jahren gibt es Musikvideos. Für unsere Feuilletonisten ist das zwar immer noch nichts, worüber man Worte verschwendet. Wurscht, die lass ich in ihrem Glauben, die Speerspitze der Bewegung zu sein (obwohl sie sich längst im Nachhutsabseits befinden). Daher hier ein Hinweis auf den MTV-Moderator Markus Kavka, der bekanntlich aus Nürnberg stammt und sich in Erlangen auch universell (oder heißt es universitär) betätigt hat. Kavka hat jetzt seine Top 100 der Musikvideos zusammengestellt. Manches hätte ich etwas anders gesehen. Zum Beispiel hätte ich das erste wirkliche Musikvideo (schon aus dem Jahr 1967), Bob Dylans Subterranean Homesick Blues, natürlich auf 1 gesetzt, wobei Hurt von Johnny Cash auch dahin gehört hätte. Auch die Gorillaz (bei Kavka nur Platz 38) hätte ich weiter nach vorne gehievt. Dafür kommt Björk, die ich allerdings eh nicht leiden kann, viel zu gut weg. Michael Jackson geht okay. Obwohl ich das Video eigentlich nicht mehr sehen will.

Apropos sehen. Fast alle Videos sind bei Youtube verfügbar. Wenn also das Fernsehprogramm wieder mal eher bescheiden ist, dann kann man sich hier schon mal eine abendfüllendes Programm zusammenklicken.

Wahlkampf im Netz: Maly

maly kommtNur auf Deutsch gibt es dagegen den Lebenslauf des Titelverteidigers. Auch Videopodcasts wie CSU-Herausforderer Gsell kennt man bei der SPD noch nicht. Dafür kann man sich eine Audiodatei (Audio beherrscht die SPD immerhin schon) herunterladen, die Ulrich Maly im Gespräch „von Mensch zu Mensch“ portraitiert.

Auch so schöne Bilder, wie das links abgebildete können auf der Maly-Homepage downgeloaded werden.Wie man sich bei der SPD Web 2.0 vorstellt, wird unter dem Menüpunkt „Mitmachen“ deutlich. Da hat man die Auswahl zwischen „Mitglied werden“ oder „Spenden“. Kommentarfunktionen, Foren, Chats mit dem OB o.ä.: Fehlanzeige!Maly gibt seinen möglichen Wählern aber Einblick in seinen Terminkalender (der übrigens überschaubarer ist, als mancher vielleicht gedacht hat). Da kann man wenigstens zu dem einen oder anderen Termin hinkommen und seine Anliegen analog loswerden.

Immerhin erfährt man auf der Seite etwas über Malys Lieblingsmusik (und kann sogar reinhören). Maly ist ein großer Freund von Bob Dylan und Gianna Nannini. Auch die etwas ruhigeren Stücke der Rolling Stones mag er. Patti Smith schreibt er hingegen falsch. Wenn er noch Bob Maly erwähnt hätte, wäre es wenigstens ein Witz gewesen. Zumindest ein besserer als das ziemlich blöde „Manamana“, das einem beim Aufrufen der Maly-Seite entgegen dröhnt, und das ein SPD-Komiker in „Malymaly“ umgetextet hat. Falls die SPD den CSU-Konkurrenten Gsell bei dessen angeblicher Humorfreiheit packen will, dann muss sie sich schon etwas mehr einfallen lassen.