Wenn Schüler in Uralttechnik investieren

Sollte man Schülern die Sütterlinschrift beibringen? Den Umgang mit Faxgeräten? Das Kleben von Tonbändern? Keine Frage: Das bringt nichts. Das braucht niemand. Jetzt nicht und in Zukunft schon gleich gar nicht.

Allerdings, auch Taschenrechner sind mittlerweile überflüssig. Entsprechende Apps sind auf den Handys teilweise schon vorinstalliert, teilweise kann man sie sich kostenlos herunterladen. Trotzdem müssen sich die Schüler (zahlen dürften aber wohl meistens die Eltern) die technisch überalterten Kleingeräte kaufen. Inzwischen sind die Schüler wohl auch der einzige Grund, warum die mehr als 100 Euro teuren Dinger von den beiden verbliebenen Anbietern Texas Instruments und Casio überhaupt noch vertrieben werden.
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Das Grid und die Zukunft der Zeitung

hersbruWenn es ein Wort des Jahres für Redakteure gäbe, dann wäre das wohl Grid. Als ich „Grid“ das erste Mal hörte, – ich gebe es zu – musste ich auch erst hier nachschauen. Unwissen íst in diesem Fall keine Bildungslücke.

Dass nun auch eher mit den Inhalten befasste Journalisten über Gestaltungsraster (Grid) sprechen, hat mit der Zeitungskrise zu tun. Die Printleser werden einerseits im Durchschnitt älter, weshalb ihnen das Lesen von Kleingedrucktem schwerer fällt. Andererseits haben mittlerweile oft auch junge Leser mit der geringen Schriftgröße Probleme, wofür auch die Smartphones verantwortlich sein sollen. Auf iPads, Kindles oder Monitoren fällt das nicht weiter ins Gewicht, da kann man die Größe einstellen. Bei Print geht das nicht.
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Datenträger für die Ewigkeit

xManchmal schwappt auch bestens verkaufte Euphorie nicht richtig über. Zum Beispiel die, die Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege jetzt per Pressemitteilung zu verbreiteten versuchten. „Das visuelle Gedächtnis Bayerns ist gesichert“, jubelten die Genannten da. Das Amt habe „eine Vorreiterrolle“ übernommen bei der Aufbewahrung „wichtiger Bildinformationen“ für „kommende Generationen“. 100.000 Fotos wurden auf GlassMasterDiscs festgehalten. Diese sollen gegen Hitze, Licht, Feuchtigkeit oder Staub unempfindlich sein und so die Jahrhunderte überdauern. Auf dass die vom Landesamt seit 1863 fotografierten bedeutsamen Bauten Bayerns auch noch in ferner Zukunft die Leute beeindrucken.

Nur: Werden sie dann noch die notwendigen DVD-Player besitzen, um die Discs lesen zu können? weiter lesen

So wird das nichts mit den E-Autos

Stromtankstelle für ElektroautoE-Autos kann man durchaus kritisch sehen. Keine Frage! Die Bundesregierung hat sich dennoch dazu entschlossen, deren Verkauf jetzt doch ein bisschen vehementer anzukurbeln. Unternehmensberater sehen im neuen Elektromobilitätsgesetz sogar schon den Durchbruch. Vorausgesetzt die Kommunen ziehen mit und setzen die Privilegien für Elektroautos (Fahren auf Busspuren, eigene Parkplätze, Sondernummernschilder…) um.

In Nürnberg kam die Ablehnung prompt. Als „unsinnig und kontraproduk­tiv“ bezeichnete Frank Jülich, Lei­ter des städtischen Verkehrsplanungs­amts, das neue Gesetz. Der Vorrang auf Busspuren müsse den öffentlichen Bussen vorbehalten bleiben, um die Pünkt­lichkeit des Nahverkehrs zu sichern. Elektroautos seien zudem immer noch zu wenig marktfähig, um Autos mit Verbrennungsmotor zu ersetzen. Jülich: „E-Autos sind eher Zweit- und Dritt­autos. Im Moment bringen sie zusätzli­che Kfz in die Stadt, statt den Flächen­verbrauch zu stoppen.“
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Nürnberg, hier können Sie faxen!

Bevor mich hier wieder Leute einmachen, ich sei ein willfähriger Vertreter irgendwelcher Provider oder Telefongesellschaften und wolle alle nur ins Netz holen, damit diese noch mehr Reibach machen, schicke ich mal folgende Botschaft vorneweg:
Werdet glücklich im Analogen, meinen Segen habt ihr!

nbg.deSo, nun aber zum Nürnberger Wirtschaftsreferat, das sich bekanntlich das Reibach-Machen als General-Zielvorgabe auf die Fahnen geschrieben hat. Das war ja anscheinend schon einmal weit vorne, als es den braunen Sehenswürdigkeitenschildern auf den Autobahnen ein, damals für viele Autofahrer noch gänzlich unverständliches, „Nuernberg.de“ hinzufügte. Gelockt von diesen Schildern sollen hin und wieder auch gutgläubige Touristen in der Altstadt gesichtet worden sein, die Einheimische gefragt haben, wo es denn dieses berühmte „nuernberg.de“ zu sehen gebe und ob man da Eintritt zahlen müsse (nein, muss man nicht, das gibt es nur im Internet und dort sind solche Sachen – bislang noch – umsonst zu haben).

Dieser Tage ist besagtes Wirtschaftsreferat wieder einmal aktiv geworden und überprüft nun seine „Datensätze“. Dazu schreibt es Journalisten und Multiplikatoren an, ihm doch Änderungen bei Adresse, Rufnummer, Mail etc. mitzuteilen. Schließlich (das ist jetzt aber meine Schlussfolgerung) könnte es sein, dass nach all den Jahren, wieder ein solcher Burner wie das „Nuernberg.de“ aus der Pipeline des Wirtschaftsreferates entfleucht und mit medialer Begleitmusik in die Öffentlichkeit getrommelt werden muss.

Ich habe vom Wirtschaftsreferat auch meinen Datensatz zur Überprüfung geschickt bekommen. Das meiste stimmt, diie dort aufgeführte Mailadresse ist allerdings völlig falsch, und war auch noch nie richtig. Aber korrigieren will ich das eigentlich trrotzdem nicht. Denn die Rücksendung kann nur per Fax erfolgen. Eine eigene Mailadresse gibt das Referat vorsorglich gar nicht an. Muss die nächste Kampagne halt ohne mich ablaufen.

Auf diesem Weg möchte ich aber gerne noch einen Vorschlag machen für eine etwaige Neugestaltung der Nuernberg-Schilder. Schreibt doch drauf: Nürnberg – hier können Sie faxen!
Das macht sicher Eindruck und lockt junge, aufstrebende Unternehmer.

Gutti hat noch eine Chance verdient

Ich muss jetzt hier einmal eine Lanze für den armen Freiherrn brechen. Nicht weil er Franke und immer perfekt frisiert ist. Nein, sondern weil ich erlebt habe, dass viele Leute in meinem Umfeld ähnlich reagieren bzw. reagiert haben.

Hier zunächst noch einmal der Grund, warum sich der gute von und zu Guttenberg so in die Schusslinie gebracht hat:
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Natürlich hat der Mann keine Ahnung von dem Gestzesvorhaben und den Beweggründen, die – inzwischen erfolgreiche – ePetition gegen die Internetsperren zu unterzeichnen. Vielleicht wollte er sich auch nur bei der von der Leyen anwanzen. Ist auch egal. Jedenfalls ist er nicht allein. Ich würde sogar sagen, 90 Prozent der Bevölkerung wissen ebenfalls nicht, worum es da geht, und würden im Zweifelsfall ähnlich reagieren. Denn gegen Kinderschänder zu sein, das ist Gemeingut. Denen hat man ebenso „eine klare Absage“ zu erteilen, wie Neonazis, Drogenhändlern oder Islamisten. Für Gut, gegen Böse!

Aus solchem Holzschnittdenken kommt man nicht ohne Weiteres heraus. Da sind längere, argumentative Prozesse notwendig. Da bedarf es gleichzeitig auch eines gewissen technischen Grundverständnisses, das viele nicht haben, obwohl sie vielleicht genügend Zeit und Muße gehabt hätten, sich dieses anzueignen (beispielsweise besagter Freiherr, der ja bekanntlich zu den wenigen gehört, die ohne innerparteiliche Ochsentour zu Ministerehren gekommen sind).

Ich glaube aber, dass diese informell Abgehängten eine Chance zum Update verdient haben. Hier also noch einmal für Gutti und all die anderen die Argumente gegen die geplanten Internetsperren zum Nachlesen. Wer bisher nicht unterzeichnet hat, kann es über diese Adresse übrigens noch nachholen.

Warum Journalisten meist schlecht gelaunt sind

Regelmäßige Leser wissen es: Ich ziehe hier gerne mal über die Franken her. Schreibe darüber, dass sie mumpflig sind, erst einmal pampen und eigentlich lieber leidend als zufrieden sind.

Nun möchte ich aber einen Berufsstand vorstellen, der den Franken ziemlich ähnlich ist: die Journalisten. Dabei möchte ich gleich auch noch die Formel aufstellen:

Franken + Journalist = Mumpfligkeit im Quadrat.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin fränkischer Journalist.

Doch ich bin noch die Beweisführung für These 2 schuldig geblieben. Warum sind Journalisten derzeit überlaunig und schlechter drauf als Angehörige anderer Berufsgruppen.?

Da ist zum einigen der kritische Verstand, der den Journalisten schon immer nieder drückt. Ein gut gelaunter Journalist wird gerne als Schwachkopf angesehen, der bestechlich ist und nur Rabatte abzocken will.

Da sind aber auch die aktuellen Entwicklungen, gerade im technischen Bereich, die runter ziehen. So wurde man gerade erst mit einem Redaktionssystem belästigt, das zwar nach einem Götterboten benannt ist, aber derart unintuitiv, freudlos und buggy ist, dass man verzweifeln möchte. Gleichzeitig muss man seine Texte jetzt auch noch selber korrigieren, was verärgerte Leser auf den Plan ruft, die sich über zunehmende Rechtschreibfehler beschweren. Und dann muss man zu denen auch noch nett sein, sonst bestellen die ebenfalls ab und besorgen sich ihre Infos  nur noch aus dem Internet.

W obei wir gleich beim Thema wären, dem Internet. Gerade haben wir den Götterboten so weit im Griff, dass wir wieder an griffige Formulierungen denken können, schon kommt diese Digitalkatastrophe. Jetzt sollen wir uns damit auch noch beschäftigen. Und wofür? Damit wir uns damit unseren Sarg selber basteln. Das ist doch das Ende des Journalismus! Nur noch Ex-und-Hopp-Nachrichten, alles schnell-schnell, keine Recherche, kein kritischer Geist. Und was das Allerschlimmste ist: Kein Geld. Wie soll ein Journalist da guter Laune sein, wenn das die Zukunft seines Berufsstandes ist?

Weil das nicht bloß in Franken so ist, sondern überall auf der Welt, gibt es seit einiger Zeit schon die Webseite AngryJournalist.com, auf der man seinen Frust ablassen kann. Auch passende T-Shirts werden dort verkauft, denn: I´m proud to be an angry journalist.

Doch, wie das so ist: Kaum setzt sich eine Bewegung in Gang, schon bildet sich eine Gegenbewegung. Nach dem Motto, nirgendwo ist es so lustig, wie auf dem Friedhof, gibt es jetzt die Seite JollyJournalist.com. Dort kann man kund tun, warum der Beruf vielleicht doch toll ist, denn die Zeiten sind für Journalisten gegenwärtig eigentlich auch ziemlich spannend. Es tut sich nämlich etwas in der Branche.

Insofern könnte ein gut gelaunter Journalist durchaus darauf hinweisen, dass dieser verstanden hat, was abgeht, im Gegensatz zu den anderen.

In zehn Jahren dürfen Sie nur noch so was lesen

Der Chef von Microsoft Steve Ballmer gibt den Zeitungen und Magazinen nur noch geringe Zukunftschancen. In zehn Jahren werde es sie nicht mehr geben. Wobei es auch acht oder 14 sein können. Informationen aus dem Netz seien den gedruckten Informationen einfach überlegen. Beispielsweise hat auch Kindle, das Lesegerät vom Amazon, erste Erfolge zu verzeichnen.

Nun haben gerade die großen Verlage an Microsoft einen großen Narren gefressen. Und jetzt sowas! Jahrelang diesem Unternehmen den Aufschwung garantiert und nun fallen sie einem in den Rücken! Andererseits dürfte der Niedergang der Zeitung, wie Medienmensch Christian Jakubetz richtig feststellt, nichts mit Papier vs. Bildschirm zu tun haben. Die Zeitung wird untergehen „nicht, weil sie gedruckt wird, sondern weil sie in sehr vielen Fällen das Falsche druckt.“

Den Freunden des gedruckten Zeitungspapiers lege ich hingegen diese Szene aus einem Ballmer-Vortrag vor Studenten in Ungarn ans Herz, das baut wieder auf:

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…waren übrigens Eier.

Bloggertreffen im Karnutenwald

Auch der lokalste Lokaljournalist sollte ab und zu mal eine Auszeit nehmen und Abstand gewinnen. Selbiges hat mir ja inzwischen schon eine Mitbloggerin empfohlen. Aber da hatte ich schon längst meine Karte für die re:publica in Berlin geordert. Gottseidank. Kurz danach waren die nämlich ausverkauft und ich hätte in die Röhre geguckt.

Berlin, re:publica….was faselt der da? Wird jetzt vielleicht manch einer fragen. Er befindet sich damit in guter Gesellschaft, denn obwohl die Veranstaltung bereits zum zweiten Mal stattfindet und im letzten Jahr sogar mit Filmbeiträgen in der Tagesschau oder in den Heute-Nachrichten gewürdigt wurde, stößt man mit der Erwähnung in Journalisten- und anderen Kreisen fast überall auf fragende Gesichter.

Ich möchte das Ganze mal mit meinen Worten umschreiben: Die re:publica ist sowas wie das Druiden-Treffen im Karnutenwald auf Web2.0-Ebene. da treffen sich die Digital-Gurus aus aller Welt und machen drei Tage lang einen auf echtes Leben…

Na gut, das war jetzt vielleicht doch nicht so erhellend. Also lasse ich – bevor ich auf diesem Blog in den nächsten Tagen ausführlich auf die re:publica eingehe – erst einmal die Kollegen von der dpa zu Wort kommen, bei denen klingt das eh wichtiger und vip-mäßiger:

Blogger und andere Internet-Nutzer tauschen sich ab diesem Mittwoch auf der Konferenz re:publica in Berlin über die neuesten Entwicklungen im Netz aus. Mit mehr als 800 Teilnehmern war die dreitägige Veranstaltung bereits eine Woche vor Beginn ausgebucht.

Das teilten die Organisatoren, die Internet- Agentur newthinking communications und der Blog Spreeblick, mit. Das Forum ist den Angaben zufolge das größte seiner Art in Deutschland und steht nach der Premiere 2007 in diesem Jahr unter dem Motto «Die kritische Masse». Damit ist einerseits gemeint, dass Blogs, soziale Netzwerke und andere Kommunikationsformen des Web 2.0 im Alltag der Bürger eine immer größere Rolle spielen. Andererseits spielt der Leitspruch darauf an, dass Internet-Nutzer auf einfache Weise Kritik an etablierten Medien und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen äußern können.

Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger spricht am Mittwochvormittag über den Umgang mit persönlichen Daten im Web 2.0. Anschließend diskutieren Internet-Journalisten und Blogger über das Verhältnis zwischen neuen und traditionellen Medien. Außerdem stehen Vorträge und Workshops über Themen wie die umstrittene Massenspeicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten oder auch «Beten per Mausklick? Religion(en) und Rituale im Internetzeitalter» auf dem Programm der re:publica.

Parallel treffen sich am Donnerstag und Freitag die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder zu ihrer Frühjahrskonferenz in Berlin.

Die Zukunft der Zeitung: Zoomer oder Gelber Sack?

AbfallcontainerWie sieht die Zukunft der Zeitung aus? Darüber zerbrechen sich so manche gut bezahlte Menschen die Köpfe. Die einen, vorwiegend handelt es sich dabei um Feuilletonisten, an denen sowieso alles Neue erst einmal spurlos vorüber geht („die Stones, die hippe Band aus England“) , rufen plötzlich zum „Werte bewahren“ auf. Sie propagieren die These: Was man liest, damit muss man sich auch abputzen können. Die anderen rennen jedem Online-Popanz hinterher, Hauptsache „zweinullig“. Da wird dann aus lauter Freude darüber, dass der User klickend seine Meinung kund tun kann, eine Webzeitung kreiert, bei der die Nutzer bestimmen, was gemeldet wird. Wenn man das Ganze, wie bei dem Holtzbrinck-Projekt „Zoomer“, auch noch mit dem Tagesthemen-Rentner Ulrich Wickert garniert, dann kann es schon sein, dass die Leser den simplen Sachverhalt außer Acht lassen, dass sie doch erst einmal wissen müssten, was so los ist auf der Welt, bevor sie daraus ein Nachrichtenangebot zimmern können. Nur logisch, dass auf dem Nachrichtenportal „Zoomer“ dann „Schlechte Stimmung auf Schalke“ zur Topmeldung wird und nicht der von allen politischen Ämtern zurückgetretene Fidel Castro.

Die Zukunft der Zeitung liegt wohl irgendwo dazwischen. Hier im Druckhaus Nürnberg scheinen einige Mitarbeiter bei der Verortung schon etwas weiter gekommen zu sein. Seit einigen Tagen stehen diese (Bild) neuen Abfallcontainer in unserem Kaffeeraum. Die Zeitung rangiert demnach also zwischen „Gelber Sack“ und „Biomüll“.