Kein Raum für den Baum


Auf der einen Seite wird Nürnberg regelmäßig von Umweltverbänden getadelt, weil es zu wenig Straßenbäume hat. Auf der anderen Seite demonstriert SÖR seit Wochen an prominenter Stelle, warum die Baumhaltung in Nürnberg zumindest problematisch ist.

An der Südseite der Lorenzkirche hat einer der beiden Bäume, die sogar mit einer eigenen Rundbank versehen wurden, im vergangenen Jahr schlapp gemacht. Lange Zeit stand die Bank einsam um den abgesägten Baumstumpf (Bild oben). Für manchen symbolisierte sie das Kreisen um unsere Werte, für andere korrespondierte sie mit den Sitzbänken, die die Gemeinde St.Lorenz zeitweise vor die Kirche gestellt hatte. Irgendwer hat dann wohl ein Machtwort gesprochen und veranlasst, dass da wieder ein Baum zur Bank muss.
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Wird die VAG musikalisch?

Nach Johann Gottfried Seume ist am Dutzendteich eine Straße benannt. Jetzt gelangt möglicherweise auch ein, auf ihn zurückzuführendes Sicherheitskonzept in Nürnberg zu späten Ehren: in der U-Bahn.

In Seumes 1804 veröffentlichten Gedicht „Die Gesänge“ heißt es:

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Später wurde im Volksmund daraus:

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“
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Neue Partei startet in Nürnberg

Der spektakulärer Austritt von Claudia Stamm bei den Grünen fand zwar in München statt. Die neue Partei, die Stamm und ihre bereits bekannten Mitstreiter gründen wollen, soll ihre ersten Schritte allerdings in Nürnberg unternehmen. Am 7. Mai findet hier die erste Regionalkonferenz statt. Danach sollen weitere Regionalkonferenzen und die Parteigründung folgen. Das wird, so der frühere Nürnberger Grünen-Chef Ralph Hoffmann, alles noch vor der Sommerpause stattfinden.

Vor drei Jahren hat Hoffmann das vollzogen, was ihm Stamm jetzt nachgemacht hat: Er ist bei den Grünen ausgetreten. Seit über einem Jahr waren er und Stamm sowie andere unzufriedene Grüne in München in Kontakt. Deswegen hält Hoffmann die Interpretation in manchen Medien, Stamm sei nur deswegen ausgetreten, weil sie nicht als Fraktionsvorsitzende zum Zug gekommen ist, auch für perfide. „Damals war von der Vorsitzendenwahl noch gar nicht die Rede.“ Dafür seien in der Zwischenzeit mehrere Arbeitskreise und ein Verein gegründet worden, berichtet Hoffmann. „Das waren alles Leute, die gesagt haben: Wir halten es nicht mehr aus bei den Grünen.“
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Die AfD setzt auf ein neues Thema


Die Bundestagswahl ist zwar erst am 24. September. Trotzdem hängen in Nürnberg bereits die ersten Plakate. Von der AfD. Und natürlich kommt gleich der Reflex: Dürfen die das?

Ja, sie dürfen. Die zahlen nämlich dafür und dann ist das „normale“ Werbung und eine willkommene Einnahme für die jetzt nicht gerade finanzstarke Stadt Nürnberg.

Willkommen ist der AfD dann umgekehrt auch jener oben genannte Reflex. Mit dem geht sie gerade massiv hausieren. Nicht nur, dass sie sich damit als armes Opfer stilisieren kann, sie hat auch wieder was zu posten und kann Aufmerksamkeit generieren. Zum gerade aktuellen Thema Trump ist ihr nämlich bislang wenig eingefallen. weiter lesen

Frankenröhre: Time to Say Goodbye


Nachdem sich jetzt alles wieder etwas beruhigt hat und „Bund Naturschutz“ langsam wieder aus dem hiesigen Schimpfwortschatz verschwindet, sollten die Besonnereren unter uns vielleicht doch noch einmal über unser Großprojekt Frankenschnellweg-Ausbau nachdenken. Immerhin hielten die sich auch einmal für so besonnen und verkündeten, ein Schicksal wie „Stuttgart 21“ oder der Flughafen Berlin werde der Ausbau des Frankenschnellwegs nicht erleiden. Das war allerdings im Jahr 2010 und nach den damaligen Prognosen wollte unser Oberbürgermeisters im Jahr 2017, also jetzt, die Frankenröhre eröffnen. Die Kosten wurden damals auf 299 Millionen geschätzt und bis 2017 wegen zu erwartender Preissteigerungen auf 390 Millionen hochgerechnet. Inzwischen liegt die Prognose bei 500 Millionen und angesichts der Streitigkeiten mit dem Bund Naturschutz, aber eben auch eigener Fehler, ist noch kein Termin für den Baubeginn in Sicht. Will heißen: Unser Großprojekt würde frühestens 2023 fertig, wahrscheinlich eher später. Sein Sinn dürfte sich dann den meisten Verkehrsteilnehmern kaum noch erschließen. Dabei geht es aber nicht um die auch vom BN befürchtete Zunahme des Verkehrs, eher im Gegenteil.
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Mein Feind, der Baum


Hier ist es die Nachverdichtung, dort die Sicherheit für die Autofahrer und woanders die ab einem bestimmten Stammumfang zuschlagende (in Nürnberg 80 cm) Baumschutzverordnung. Die Gründe, warum derzeit besonders exzessiv gefällt wird, sind vielfältig.

Dass im Winter manches Gehölz zufrückgeschnitten oder entfernt wird, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Im Augenblick wird allerdings in Nürnberg und Umgebung in einer Weise abgeholzt, die nicht nur mir unangenehm auffällt.
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Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Höcke steht nicht allein

Gerade poppt die Meldung auf, dass die AfD Bernd/Björn Höcke aus der Partei ausschließen will. Ob es soweit kommt, sei dahingestellt. Ähnliche Probleme mit dem ganz rechten Rand gibt es jedenfalls auch in Nürnberg. Hier befeuert die AfD-Direktkandidation Elena Roon gerade den ohnehin schwelenden Nord-Süd-Konflikt.

Gegenwärtig kursieren im Netz Hitlerbilder, die Roon in einem WhatsApp-Chat verbreitet hat. Die Überschrift lautet: „Vermisst seit 1945.“ Darunter steht: „Adolf, bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich! Das Deutsche Volk!“ Außerdem ist ein weiteres Bild zu sehen, wo Hitler sich die Haare rauft und erklärt: „Islamisten…, die habe ich vergessen!“
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Die Polizei und der Twitter-Alltag

Bei den sozialen Netzwerken ist es mittlerweile fast wie bei den Zeitungen: Es muss auch publiziert werden, wenn nichts passiert ist. Dabei gäbe es durchaus Beispiele, es anders zu machen, wie etwa das Alarmsystem Katwarn.

Die Polizei Mittelfranken geht dennoch den anderen Weg. Seit zwei Wochen sind dort drei Mitarbeiter für die Veröffentlichungen auf Facebook und Twitter zuständig. Anders als unsereins bekam das Polizeipräsidium für seine Social-Media-Aktivitäten auch kostenlose Starthilfe. Funk und Fernsehen berichteten groß, die beiden örtlichen Zeitungen meldeten das Ereignis sogar auf ihren „Schürzen“ (das sind die mit mehr oder weniger gelungenen, täglich wechselnden Schlagzeilen bedruckten Plakate auf den stummen Verkäufern). Mehr Werbung geht kaum.
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