Privatradio: Einnahmen statt Talente


„Die Jugend nutzt Hörfunk gerade nicht im Internet, sondern hört Radio überwiegend über UKW“, das sagte der BR-Hörfunkdirektor als Begründung dafür, warum der BR-Klassik-Sender auf DAB+ verfrachtet wurde, um für den Jugendsender Puls Platz zu machen. So ganz hat sich die Einschätzung über technische Affinitäten von jungen und älteren Hörern offenbar nicht durchgesetzt. Auf den Privatradio-Frequenzen geht die BLM nämlich jetzt genau den umgekehrten Weg. Da wurde gerade beschlossen, neben dem Münchner Kanal des Ausbildungssenders AfK, auch dessen Erlanger Ableger ins irgendwie nicht richtig in die Gänge kommende Digitalradio abzuschieben. In Erlangen wird die UKW-Frequenz 106,2 MHz ab 1. September von egoFM bestritten.

„Neue Einnahmen statt neuer Talente“, so lautet das Fazit der afk-Leute. Im Privatradio regiert der Kommerz. Die letzten Feigenblätter scheinen auch noch zu fallen.

Das Schweigen der Sirenen

Die neuen Alarmsirenen / Alarm / Sirene werden im Fürther Stadtgebiet aufgestellt Foto: Günter B. Kögler
Stell dir vor, es ist Katastrophe und keiner geht hin. Letzte Woche heulten wieder einmal bayernweit die Sirenen. Probealarm! In den Radionachrichten wurde schon Tage vorher darauf hingewiesen. Bloß: Die meisten hörten dann nichts. In Nürnberg heulten am vergangenen Mittwoch nur die Sirenen am Kanal, die nach dem Dammbruch von Katzwang installiert wurden, und zwei Werkssirenen in der Höfener und der Matthiasstraße. Im restlichen Stadtgebiet war nichts zu vernehmen. Nach dem Ende des kalten Krieges wurden nämlich deutschlandweit die Sirenen abgebaut.

Die Lücke soll in Nürnberg die vom Fraunhofer Institut entwickelte Katwarn-App schließen. Allerdings gibt es in Nürnberg, das vor zwei Jahren als erste bayerische Stadt Katwarn einführte, bislang erst 12.750 Nutzer. 10.500 verwenden die App, 2450 haben sich per SMS angemeldet. Während Feuerwehrsprecher Thomas Schertel die Zahlen nicht kleinreden will, hält der Bayerische Rundfunk die Resonanz für ziemlich dürftig. Der BR hat allerdings ein Eigeninteresse. Der Ton des letzten Probealarms bedeutet nämlich: Radio einschalten! weiter lesen

Obacht, Sie verlassen den Mainstream!

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Wie sehr meine Pressekollegen ihre eigenen Interessen hintanstellen, das erkennt man sehr schön beim Thema Öffentlicher Rundfunk. Anstatt zum Beispiel über den Anti-GEZ-Aktionstag vorletzte Woche zu berichten und die Infostände in der Fußgängerzone abzulichten, brachten sie: Nichts! Gut, der Andrang war (siehe Bild) eher mau. Andererseits, wenn nicht darauf hingewiesen wird, kommt eben auch keiner.

Dabei ist für die lokalen und regionalen Zeitungen – zumindest online – der Hauptgegner mittlerweile längst die jeweilige Rundfunkanstalt. Mit dem schönen Wort „trimedial“ verschleiern die Öffentlich-Rechtlichen, dass sie sich das Geschäft mit den regionalen Nachrichten im Netz einfach so gekrallt haben, obwohl es dafür kaum eine Rechtfertigung durch den Rundfunkvertrag gibt. Wer für ein Zeitungsportal arbeitet, muss sich inzwischen nicht nur mit dieser – oft wesentlich besser ausgestatteten – Konkurrenz auseinandersetzen, er finanziert diese auch noch unfreiwillig mit. Refinanzierungsmodelle werden freilich ad absurdum geführt. Es gäbe für uns also gute Gründe, diesem Finanzierungsmodell, aber auch den öffentlich-rechtlichen Sendern generell etwas reservierter gegenüberzustehen. Da braucht es gar nicht die eigene, meist negativ ausfallende Kosten-Nutzen-Rechnung (wenn ich die 7,99 Euro für Netflix als Grundlage nehmen würde, wären für mich etwa 2 Euro für die Öffentlichen adäquat).

Doch was machen wir? weiter lesen

Zu viel Einsatz unerwünscht

Wer sich über den Öffentlichen Dienst aufregt, wenn beispielsweise ab Freitagmittag niemand mehr zu erreichen ist, wenn Mittagspausen oft etwas länger dauern und Freundlichkeit und Motivation mitunter Fremdworte sind, der sollte umdenken und wenigstens nicht den einzelnen Mitarbeiter verantwortlich machen.

An einem aktuellen Beispiel in Fürth wird jetzt nämlich sehr schön deutlich, wozu Liebe zur Arbeit, Begeisterung und großer persönlicher Einsatz führen können. Zur Strafversetzung und zu einem Hausverbot. Getroffen hat das den langjährigen Leiter des Museums Gerd Walther, der ohnehin in vier Monaten in den Ruhestand gehen sollte. Walther hatte nämlich die „Frechheit“ besessen, auf eine schleichende Zerschlagung seines Museums durch die Stadt Fürth hinzuweisen. Wie gesagt, der Mann setzt sich halt für seine Sache ein.

Nachdem der Vater des Rundfunkmuseums jetzt weg ist, dürfte es mit diesem wohl bald bergab gehen. Man sollte es sich also schnell noch ansehen. Besonders gut hat mir übrigens jene alte DDR-Musikbox gefallen, bei der man für seine Münzen nur ein Stromkontingent bekommt und sich die Platten selbst auflegen muss. Aber auch die Einblicke in die fränkische Rockgeschichte zeigen: Da war ein Fan zugange und kein abgehobener Museumswissenschaftler. Allerdings muss der Besucher des Rundfunkmuseums künftig damit rechnen, dass das Personal gerade Pause macht oder im Sinne des Arbeitgebers alle Fünfe gerade sein lässt.

Ypsilanti will die Linken nageln

YouTube Preview Image

Eigentlich wollte es Andrea Ypsilanti verhindern, jetzt ist ihr Gespräch mit Franz Müntefering doch (in der SPD gibt es eben viele „aufrichtige“ Parteifreunde) im Netz aufgetaucht. Genauer gesagt war es nicht der echte Münte, sondern Stimmenimitator Jochen Krause von ffn-Radio. Dem war Ypsilanti, die lieber in Hessen bleiben, als den angeblich wackeligen Hubertus Heil als Generalsekretär beerben und die Linken „ziemlich genau nageln“ will, auf den Leim gegangen.

Auch wenn es vielleicht gemein ist, eine in ihrem Lügengestrüpp verfangene Möchtegern-Ministerpräsidentin so zu behandeln: Ein schöner Einblick in das profane Führungsverhalten unserer Politiker ist das allemal.

Nachtrag: Das ursprüngliche Video ist nach kurzer Zeit bei Youtube wieder verschwunden. Wer auch immer da gedreht hat, es hat ihm nichts genutzt. Inzwischen „wachsen“ die Ypsilanti-Verarsche-Videos nämlich wie von Zauberhand nach. Nur schade, dass auf allen das Gespräch nicht vollständig wiedergegeben wird.  (mehr)