Wenn Schüler in Uralttechnik investieren

Sollte man Schülern die Sütterlinschrift beibringen? Den Umgang mit Faxgeräten? Das Kleben von Tonbändern? Keine Frage: Das bringt nichts. Das braucht niemand. Jetzt nicht und in Zukunft schon gleich gar nicht.

Allerdings, auch Taschenrechner sind mittlerweile überflüssig. Entsprechende Apps sind auf den Handys teilweise schon vorinstalliert, teilweise kann man sie sich kostenlos herunterladen. Trotzdem müssen sich die Schüler (zahlen dürften aber wohl meistens die Eltern) die technisch überalterten Kleingeräte kaufen. Inzwischen sind die Schüler wohl auch der einzige Grund, warum die mehr als 100 Euro teuren Dinger von den beiden verbliebenen Anbietern Texas Instruments und Casio überhaupt noch vertrieben werden.
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Religionskrieg in Fürth?

Ihr wusstet es wahrscheinlich noch nicht, aber die aggressive Fratze des Islam erkennt man auch und vor allem in Fürth. Meint zumindest Michael Stürzenberger und präsentiert dieses (inzwischen massenhaft verbreitete) Video als Beleg:

Nun könnte mancher meinen, Moment, die kommen gerade aus der im Hintergrund sichtbaren Kampfsportschule und sind halt teilweise aggressiv drauf. Aber da muss er sich von Stürzenberger eines Besseren belehren lassen. Im Blog „Politically Incorrect“ stellt er den Vorfall unter der Überschrift „Junger Migrant schlägt einen sich nicht wehrenden deutschen Schüler“ als Exempel dafür dar, was auf deutschen Straßen und Schulhöfen abgeht. Der Vorfall belege, wie „ganze Generationen von jungen Moslems diese menschenverachtende und integrationsfeindliche Ideologie in ihre Köpfe gepresst bekommen“. Die Beweise zimmert sich Stürzenberger dabei zurecht, wie er sie braucht. So soll der Aggressive bei Minute 2:15 „Ich schwör bei Allah“ gesagt haben. Ich höre da nichts. Aber was interessieren den Islamhasser Fakten? Trotzdem scheint ihm München inzwischen so wenig Material zu liefern, dass er seine Fühler jetzt auch nach Fürth ausstrecken muss, selbst wenn der Anlass noch so dürftig ist.

Was ich mich bei dem Video eigentlich eher frage, ist: Wer hat es aufgenommen und warum stellt er es ins Netz? Bzw.: Wie kommt jemand zu der Auffassung, solch armesliges Herdenverhalten könnte irgendjemand cool finden?

Obacht, Dürerschüler!

Wer ans Nürnberger Dürer-Gymnasium geht, der ist Kummer gewöhnt. Da flüchten schon einmal Häftlinge während der Pause über den Schulhof, da muss man sogar einen nicht wiedergewählten Oberbürgermeister als Rektor ertragen… Deshalb, so dachte sich wohl ein Nürnberger Autofahrer, braucht es vor dem Dürer-Gymnasium auch keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Der Mann klagte dagegen und fühlte sich dabei auch durch die Regierung von Mittelfranken bestätigt, die schon seit Jahren gegen eine verkehrspolitische Verzärtelung der Schulkinder anregiert. Sie hatte die Stadt Nürnberg im Sommer in ihre Schranken verwiesen, als sie meinte, generell vor Schulen Tempo 30 einführen zu können.

Jetzt hat das Verwaltungsgericht in Ansbach der ebendort angesiedelten Regierung aber vors Schienbein getreten. Es hat der Stadt bescheinigt, odrnungsgemäß gehandelt zu haben. Und nicht nur das: Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt auch in der Ferien.

Hier die Erklärung des Verwaltungsgerichts:
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Herrmanns Verständnis von Datenschutz

Dass unser bayerischer Innenminister Schwierigkeiten damit hat, Privatleben und Politkarriere unter einen Hut zu bekommen, ist den Lesern dieses Blogs bereits bekannt. Dass er sich damit auch noch bei Neuntklässlern ohne Not zum Affen macht, das zeigt dann doch, dass man Ministern immer noch zu viel Respekt entgegen bringt.

Das Thema Respekt scheint daher auch den Sohn von Minister Joachim Herrmann umzutreiben. Deswegen versucht er sich auf einem ganz anderen Terrain als sein Vater: als Rapper. Als solcher ist er durchaus nicht talentfrei und wird von manchen sogar in einem Atemzug mit Bushido genannt (wobei ich mich frage, ob das ein Lob ist). In seinem in Erlangen aufgenommenen Video zeigt er auch gleich: Die Bronx liegt vor unserer und auch des Innenministers Haustüre. Eigentlich sollte er da eingreifen.

Stattdessen sorgt sich Herrmann um den Datenschutz in Sozialen Netzwerken und rennt in die 9c des Neuen Gymnasiums in Nürnberg um dort warnend den Zeigefinger zu heben. Leider wollten das weder die Schüler, noch die – bereits vor der Rapvideo-Geschichte zu Multiplikationszwecken eingeladenen – Journalisten sehen und hören. Interessant für die war vielmehr, was der Vater zu der musikalischen Karriere seines Sohnes meint und wie er es geschafft hat, dessen Video zumindest kurzfristig bei YouTube entfernen zu lassen. Doch solche Fragen wurden gleich gar nicht zugelassen. Datenschutz!

Für Vater Herrmann ist das ganz offensichtlich ein Synonym für Maulkorb.
YouTube Preview Image

Unbedingt lesenswert sind übrigens auch die Koemmentare zu dem Video von Jakob „Jackpot“ Herrmann auf YouTube (manche allerdings leider schon gelöscht).

Tag des Bieres und des Papieres

Heute ist Welttag des Buches. Der wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen organisiert. Eigentlich hasse ich solche Thementage, sie dienen allerhöchstens dazu, phantasielosen Journalisten ihre Zeitungsseiten oder Sendeplätze zuzuschustern (die können heute übrigens zwischen Tag des Buches und Tag des Bieres wählen). Der Welttag des Buches hat da sogar etwas doppelt journalistenfreundliches, denn sind wir Zeitungsleute nicht mit den Buchverlegern in einem Boot, wenn es darum geht, unsere Papierfähnchen gemeinsam – trotzig und mit anklagendem Kulturpessimismus – zu hissen.

Aber es geht doch ums Lesen, werden jetzt manche sagen. Zum Beispiel die Kommentatoren Elekrisch und Berry in einem Nachbarblog, in dessen Diskussion ich mich auf diesem Weg einklinken will. Die Jugend, sie liest nicht mehr, klagen sie und wissen sich damit in Jammereinklang mit der Nationalen Initiative Printmedien. Doch damit wird das auch nicht richtiger. Schon die für die „Dummheit der Jugend“ gerne herangezogene PISA-Studie belegt, dass die Lesekompetenz bei den Schülern von 2000 bis 2006 gestiegen ist. Es wird auch nicht weniger gelesen, sondern mehr (wobei allerdings, diejenigen Schichten, die eh schon mehr gelesen haben, noch mehr lesen, während die Bildungsschwachen statt wenig oft gar nicht mehr lesen). Allerdings wird, und das ist richtig, weniger auf Papier gelesen und mehr auf dem Bildschirm.

Also geht es hier nur vordergründig um Bildung, um Literatur, um irgendwo gespeicherten Weltgeist oder ums Lesen. Es geht um Papier!

Doch was ist am Papier so toll? Dass Anzeigen drauf passen? Dass man es nach der Lektüre auch für andere Zwecke (Lebensmittel einwickeln, Ofen anzünden, Hintern abwischen…) verwenden kann? Dass Anzeigen drauf passen? Dass es ohne Akku funktioniert?

Auf jeden Fall fördert es nicht den Erhalt des Regenwaldes. Außerdem muss es mit Lastwagen oder anderen Benzin oder Lebensmittel verbrennenden Fahrzeugen zum Abnehmer transportiert werden.

Warum also ist Papier so wichtig, dass sich jetzt massenhaft Bildungsbürger dafür ins Zeug legen? Ich weiß es nicht. Vielleicht kann mir ja jemand helfen.

Noten für die Schule

Noch liefert die Suche für Nürnberger, Erlanger oder Fürther Postleitzahlen keine Ergebnisse. Aber das könnte sich schnell ändern, und dann werden sie wieder aufheulen, die Lehrer, Direktoren und Kultusbeamten. Genau wie bei Spickmich.

Die Betreiber von Spickmich, Tino Keller, Manuel Weisbrod und Philipp Weidenhiller aus Köln, haben jetzt nämlich ein neues Projekt gestartet: schulradar.de. Dort sollen nicht nur die Lehrer, sondern die Schulen insgesamt Noten erhalten. Kriterien sind: Individuelle Förderung, Gebäude/Ausstattung, Lehrkräfte, Schulleitung, Unterrichtsbegleitende Aktivitäten und Schulklima. Eltern sollen so besser entscheiden können, welche Schule die Richtige für ihr Kind ist.

Der Gedanke ist gut, jetzt müsste halt nur der entsprechender Inhalt her. Nach Münsterschwarzach oder Eichstätt dürfte kein Nürnberger sein Kind schicken.

via

Schwätzen mit der Banknachbarin

Bekanntlich haben die Nürnberger Rathausfraktionen schon vor knapp sechs Jahren festgelegt, wie die Wahl am 2. März 2008 auszugehen hat. Daraus haben sie dann ihre Anteile an der Referentenbank berechnet. Demnach steht zum Beispiel der CSU die Besetzung der Schulreferenten-Stelle zu.

Auf diesen Posten spechtet nun die CSU-Stadträtin Barbara Regitz. Sie hat sich schon mal „als Frau“ profiliert, als sich die Fürther Landrätin Gabriele Pauli für ein Hochglanzmagazin in roter Perücke und mit Latex-Handschuhen ablichten ließ. „Eine Frau mit Hirn und Stil würde so etwas als Politikerin nicht machen!“, ließ Regitz damals verlauten.

Nun hat das aber noch nicht gereicht, um sich als Bildungspolitikerin zu profilieren. Daher hat Regitz ein Interview an die örtliche Presse verschickt, in dem sie nicht bloß die Antworten gibt, sondern auch die Fragen gleich vorformuliert hat.

Die Fragen stellen immer noch wir, war die Reaktion der meisten Journalisten. Woraufhin sich Regitz jetzt nachträglich damit herausredete, eine „Bekannte“ habe sie interviewt.

Irgendwie scheint sie sich da jedoch selber ganz offensichtlich zwischen Hirn und Stil verfranst zu haben. Auf jeden Fall kann man sich schon einmal darauf freuen, wie Begriffe wie „Interview“, „Dialog“, „Gespräch“ künftig Nürnberger Schülern beigebracht werden sollen. Höchstwahrscheinlich gar nicht.

Unter einer Schulreferentin Regitz redet jeder am besten nur noch mit sich selber, oder mit der Banknachbarin.

Datenschutz in der Rostbratwürstel-Republik

Gegenwärtig kommen wir Mittelfranken im Internet ziemlich schlecht weg. Als „Rostbratwürstel-Republik“ werden wir verhöhnt, und das ist – wie die Autoren versichern – noch schlimmer als „Bananenrepublik“ und „Thüringen“.

Der Grund. warum wir mit unseren wohlschmeckenden Bratwürsten so in den Dreck gezogen werden, ist eine von den Bayerischen Datenschützern in Nürnberg veröffentlichte Presseerklärung zur Internetseite „Spick mich“. Darin sorgen sich die Datenschützer um das Ansehen unserer Lehrer in der Öffentlichkeit. Auf „Spick Mich“ können Schüler nämlich den Spieß umkehren, und ihren Lehrern Noten geben. Dass denen das nicht passt ist natürlich nachvollziehbar.

Ungeachtet dessen versuchen die bayerischen Datenschützer nicht bei der Fürsorge für eine gebeutelte Berufsgruppe stehen zu bleiben, sondern sich gleich als Web-Obermuftis aufzuspielen. Dabei gehen sie mit ihrer Argumentanton bedenklich in Richtung Zensur von Internetaktivitäten. Hier als Beispiel das Fazit ihrer Presseerklärung:

„Das Internet darf keine Spielwiese sein, auf der alle möglichen Informationen über andere Menschen verbreitet werden! Es darf nicht mit einem Stammtisch oder einem Schulhof verwechselt werden, wo Äußerungen in einem abgegrenzten Bereich abgegeben werden. Wir müssen vielmehr lernen, mit dem Internet verantwortungsvoll umzugehen. Das gelingt nur, wenn wir bei allen Veröffentlichungen personenbezogener Daten auch die hier aufgezeigten datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen ernst nehmen.“

Anstatt sich bei der Vorratsdatenspeicherung und staatlichem Kontrollwahn zu engagieren, legen sich die Datenschützer jetzt auf einem eher falschen Terrain ins Zeug. Wobei ihnen das nicht einmal die Lehrerschaft danken dürfte, denn auch bei der ist man geteilter Meinung, was das Feedback durch Schüler angeht.

Dennoch, solche zweischneidigen Versuche zur Webdisziplinierung uns Mittelfranken anzulasten und dabei auch noch unsere Bratwürste madig zu machen, das geht ebenfalls zu weit.