Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Die Polizei und der Twitter-Alltag

Bei den sozialen Netzwerken ist es mittlerweile fast wie bei den Zeitungen: Es muss auch publiziert werden, wenn nichts passiert ist. Dabei gäbe es durchaus Beispiele, es anders zu machen, wie etwa das Alarmsystem Katwarn.

Die Polizei Mittelfranken geht dennoch den anderen Weg. Seit zwei Wochen sind dort drei Mitarbeiter für die Veröffentlichungen auf Facebook und Twitter zuständig. Anders als unsereins bekam das Polizeipräsidium für seine Social-Media-Aktivitäten auch kostenlose Starthilfe. Funk und Fernsehen berichteten groß, die beiden örtlichen Zeitungen meldeten das Ereignis sogar auf ihren „Schürzen“ (das sind die mit mehr oder weniger gelungenen, täglich wechselnden Schlagzeilen bedruckten Plakate auf den stummen Verkäufern). Mehr Werbung geht kaum.
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Freesteffen: Clubfans hadern mit ihrer Zeitung

ARCHIV - Hinter einem Gitter laufen am 21.11.2014 Gefängnisinsassen der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart (Baden-Württemberg) über einen Gefängnishof. Foto: Daniel Naupold/dpa (zu lsw: «Schitzen statt sitzen" vom 29.03.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Zwischen uns Journalisten und der FCN-Community hängt gerade der Haussegen ein bisschen schief. Letztlich geht es um die Frage: Darf ich in den sozialen Netzwerken aus der Zeitung zitieren oder nicht.

Der Twitterer 2_Steffen versorgt seine Follower öfter mal mit mehr oder weniger knackigen Sätzen, die er in den örtlichen Zeitungen über den Club gefunden hat. Der eine (ich gehöre da auch dazu) stuft sowas als Appetitanreger ein, der andere als Geschäftsschädigung. Die NN-Sportkollegen tendieren offensichtlich zu letzterem und setzten folgenden Tweet ab:

nnsport

Schon entzündete sich jene Diskussion, die schon vom Leistungsschutzrecht bekannt ist, auch unter den Clubfans. Wobei es hier freilich nicht gegen einen Großkonzern wie Google geht, sondern gegen junge Freunde des lokalen Profifußballs.

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Nicht jeder Twitterer macht Karriere

Man kann sich berechtigterweise über die im Koalitionsvertrag verankerte Vorratsdatenspeicherung echauffieren. Man kann auch Sigmar Gabriels Rechtferigung derselben als oberpeinlich ansehen. Auch, dass der neue Verkehrsminister Alexander Dobrindt jetzt fürs Internet zuständig ist, klingt ziemlich daneben…

YouTube Preview Image

Auf der anderen Seite wird bei der CDU aber mit Peter Tauber ein Politiker Generalsekretär, der fast nur Twitterern bekannt ist. Tauber hat dort über 9000 Follower und mehr als 12.000 Tweets abgesetzt.

In diesem Zusammenhang trifft es sich gut, dass die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in München gerade herausgefunden hat, welcher Politiker denn bei uns in der Region der Twitter- und Facebookkönig ist. Blöderweise zeigt dessen Karrierekurve gerade in die umgekehrte Richtung. Es handelt sich nämlich um den Bundestagskandidaten der Piraten Emanuel Kotzian. Der wurde zugunsten von Leuten, die gar nicht (Hans-Joachim Patzelt) oder wenig (wie der OB-Kandidat Michael Bengl) twittern, aus der Stadtratsliste der Piraten gekickt.

Wer zu den Digital Natives gehört, der nimmt das Netz anscheinend nicht mehr ganz so ernst.

Das Team Söder dreht auf

Das Team Söder Markus-Söder-Team ist in den letzten Tagen verstärkt in den Sozialen Netzwerken unterwegs. Langsam beginnt der Wahlkampf, deswegen ist das nichts Ungewöhnliches. Und eines muss man dem Team Söder lassen: Sie sind fitter als die Konkurrenz. Was freilich nichts darüber aussagt, ob sie recht haben. Da werden beispielsweise Journalisten gleich von mehreren Seiten eingekreist, wenn sie sich etwas differenzierter zur Surfwelle äußern:

Aber auch, wenn der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude eine Lüge in der Söderschen Argumentation zum Verkauf der GBW-Wohnungen ausgemacht haben will, sind sie ziemlich fix. weiter lesen

Der nächste Pabst wird ein Franke

Zum Rücktritt des Papstes wissen fast alle etwas. Eigentlich sollte man deshalb den Mund halten. Aber es geht hier um den Pabst mit B. Da gibt es in Nürnberg zum Beispiel einen Bäcker. Der Name Pabst ist nicht so selten. Sogar eine Biermarke mit dem Namen gibt es. Allein in Nürnberg stehen 25 Leute mit dem Namen im Telefonbuch.

Wenn dann der mit dem harten B abtritt, kann man nicht nur in Franken ins Schleudern kommen Spielt der dann doch im eigenen Leben eine geringere Rolle als besagter Weich-B-ler mit den Brötchen. Deswegen sind erstaunlich viele in ihrem Bemühen, auch etwas zum Rücktritt des Stellvertreters in Rom sagen zu wollen, beim Gewohnten gelandet. Wenn da über mehr als eine Million Meldungen zum Papst-Rücktritt im Netz gejubelt wird, sind die vielen B-Meldungen noch gar nicht enthalten. Wer mir nicht glaubt, dass das viele sind, der sollte sich mal die Pabst-Suche bei Twitter zu Gemüte führen oder die bei Google.

Und nein, es sind nicht nur unbekannte Wichtigtuer, die da nicht wissen, wie sich das Oberhaupt der katholischen Kirche schreibt. Auch eine Social-Media-Koryphäe wie Hans Sarpei ist mit im B-Boot:

…oder der gerne im Fernsehen mit seiner Bildung kokettierende Eckart von Hirschhausen:

Aber, wie gesagt: Man muss nicht jeden kennen.

Wenn der BR mal selber recherchiert

Mag sein, dass auch der Bayerische Rundfunk sparen muss. Im Vergleich zu vielen anderen Medien geht es ihm finanziell aber nachgerade glänzend. Da kann er auf „die Herausfordeungen des Internets“ schnell mal mit einem Neubau reagieren. Und wenn es trotzdem noch irgendwo zwackt, wird halt die Geheimwaffe Kurt Beck aktiviert und an der Gebührenschraube gedreht.

Neid liegt mir dennoch fern. Ich freue mich immer, wenn es Kollegen gut geht. Nur sollte vielleicht auch die Kundschaft etwas davon haben. Beim BR-Studio Franken habe ich da meine Zweifel. Dort begreift man sich als Nachrichtendienst für Franken und haut beispielsweise über Twitter täglich locker mal 20 Meldungen mit Links auf die eigene Webseite raus. Für die Follower ist das sicher nicht verkehrt, haben sie doch so immer einen guten Überblick, was in ihrer Heimat los ist. Dass sich der BR die Meldungen bei den Lokalzeitungen oder bei anderen privaten Anbietern zusammenschnorrtsucht, weiter lesen

Twinisterin Schröder war da

FotoDas sind Paradigmenwechsel, die muss man erst einmal verdauen. Während ihre Vorgängerin als Familienministerin, Ursula von der Leyen, einfach nur kaum Ahnung vom Internet hatte, twittert ihre Nachfolgerin Kristina Schröder (allerdings noch unter ihrem Mädchennamen Köhler) schon seit Januar 2009 . Am heutigen Mittwoch war sie erstmals in Nürnberg und nutzte gleich die Gelegenheit, die hiesigen Twitterer zum Twabendessen ins Strandhaus am Dutzendteich zu laden. Dort ließ sie sich auch bereitwillig ausfragen. Nett und freundlich war sie aber nur zu Twitterern und Bloggern, nicht aber zu Printjournalisten. „Bevor Sie da was abdrucken, lassen Sie das bitte von meinem Büro autorisieren“, ließ sie mich wissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich mitunter – man will ja richtig zitieren – mitgeschrieben hatte.
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Die VAG braucht unsere Hilfe

Heute wende ich mich mal an die VAG (respektive den VGN) mit einem Vorschlag zur Güte. Die Nürnberger Verkehrsbetriebe haben bekanntlich zur Zeit massiv Probleme, der an innovativen Nahverkehrssystemen interessierten Welt zu beweisen, was für tolles Teil doch der antifaschistische Rubin ist. Die führerlose U-Bahn zickt nämlich. Wenn eine Taube sich in einen Tunnel verirrt, macht sie die Grätsche, wenn Leute sich nicht an die Lautsprecherdurchsagen halten und einfach aussteigen, gibt sie den Geist auf und brennen tut sie neuerdings auch noch. Werbewirksam ist das alles nicht. Ohnehin hatte das Projekt erst mit zwei Jahren Verspätung starten können und jetzt stellt sich heraus, man hätte die Testphase vielleicht noch ein bisschen verlängern sollen.

Aber ich will, wie gesagt, nicht die VAG – und schon gleich gar nicht den angeschlagenen Siemens-Konzern – in die Pfanne hauen. Ich will denen vielmehr helfen. Und dabei greife ich auf mein (selbstverständlich weitgehend nur angelesenes) profundes Wissen über die Zeitungskrise zurück. Die Lösung heißt nämlich:
User generated content.

Es ist ja so: Wir Journalisten können nicht überall sein. Schon gar nicht, wenn wir aufgrund von rückgängigem Anzeigengeschäft wenige mit immer mehr Aufgaben sind. Deshalb bekommen viele von uns leuchtende Augen, wenn sie user gererated content hören. Der Leser rennt selber rum, liefert die Nachrichten und wir gatekeepen sie ins gedruckte Produkt. weiter lesen

Das Lokale, der neue Trend im Netz

Als Lokalredakteur fühlt man sich derzeit gerne zerrieben, zum Beispiel zwischen WWW-Ansprüchen und Bratwurstjournalismus. Bratwurstjournalist sein will man nicht, zerrieben werden natürlich auch nicht. Von einem weltweiten Interesse ist man dennoch meilenweit entfernt. Die lokale Nachrichtenlage gibt das halt selten her. Insofern kann man verstehen, dass mancher Lokalschreiber dem Netz nicht unbedingt mit Hoffnung und Zuversicht begegnet, dass er sogar glaubt, hier werde an seiner eigenen Zukunft gesägt.

Solche Ängste könnten sich aber als unbegründet erweisen. Das Lokale entwickelt sich zu einem neuen Trend im Web.
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