Wird die VAG musikalisch?

Nach Johann Gottfried Seume ist am Dutzendteich eine Straße benannt. Jetzt gelangt möglicherweise auch ein, auf ihn zurückzuführendes Sicherheitskonzept in Nürnberg zu späten Ehren: in der U-Bahn.

In Seumes 1804 veröffentlichten Gedicht „Die Gesänge“ heißt es:

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Später wurde im Volksmund daraus:

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“
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Ticketsharing bei der VAG

ticketWen die VAG mit ihren automatisierten Preiserhöhungen nervt, der kann sich jetzt ein bisschen Linderung verschaffen. Paul Blotzki aus Fürth hat eine kleine Bastelvorlage ins Netz gestellt, mit der Fahrscheine geteilt werden können.

Bekanntlich gilt ein Fahrschein 90 Minuten. So lange dauert aber keine Fahrt, weshalb üblicherweise noch eine Menge Restzeit zum Verfahren bleibt. Man steckt also seinen Fahrschein in die jeweilige Tasche und jemand, der in die entsprechende Richtung fahren will, nimmt ihn sich und fährt dann kostenlos.

Bei der VAG ist man darüber natürlich wenig amused. Eine VAG-Sprecherin verweist darauf, dass jeder Einzelfahrschein nur für eine Person und eine Fahrt gelte. Freilich muss sie einräumen, dass der Kontrolleur nicht feststellen könne, wer den Fahrschein gekauft hat und ob er schon einmal benutzt wurde. Auf jeden Fall sei es aber nicht zulässig, im VAG-Bereich Plakate oder Zettel ohne Genehmigung aufzuhängen. Selbst wenn diese angeblich einem guten Zweck dienen. Sobald VAG-Mitarbeiter solche Aushänge entdecken, würden sie unverzüglich entfernt.

(via reddit)

Die VAG und der fehlende Humor

Man muss das Logo links von der Tür schon etwas genauer betrachten, um den Witz zu verstehen. Dann merkt man aber: Der ist gut.

Leider kursiert der Witz nur auf der StreetArt-Seite im Netz und nicht in der Realität. Eine U-Bahn, die mit einem durchgestrichenen Hitlerkopf durch Nürnberg fährt, gibt es nicht. Will heißen: Hier hat keiner todesmutig Fahrzeuge beklebt, sondern einfach nur an seinem PC mit Photoshop gearbeitet.

Woher ich das weiß? Von der VAG. Die hat jetzt eigens im Fuhrpark nachprüfen lassen, ob es bei der Fahrzeugreinigung in den letzten Wochen und Monaten Besonderheiten gegeben hat. Aber außer den üblichen Graffitis, die die VAG aus Vergrämungsgründen schnell und aufwändig entfernen lässt, gab es keine Vorkommnisse. Ein Aufkleber „Führerlose U-Bahn“ sei jedenfalls niemandem aufgefallen, erklärte VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger.

Ob die VAG nicht selber den Vorschlag übernehmen und so gleichzeiting Nürnbergs offensiven Umgang mit seiner Vergangenheit dokumentieren könnte? „Mit dem Begriff führerlos arbeiten wird nicht.“ Nicht einmal „fahrerlos“ werde mehr verwendet. Die VAG will für diese Fahrzeuge vielmehr den Begriff „automatisch“ etablieren.

Schade eigentlich. Aber Humor im Nahverkehr wäre auch etwas viel verlangt.

Die Anbetung der Röhre

Gerade hat im Nürnberger Rathaus die Anhörung zum Frankenschnellweg begonnen. Immerhin werden die Einwände jetzt doch öffentlich behandelt. Bevor jetzt aber alle jubeln und meinen, nun werde jetzt alles gut, will ich da mal ein bisschen auf die Bremse treten.

Auch beim Frankenschnellweg wird nur ein einzelner Missstand behoben. Da rückt man der – zugebenermaßen absurden – Situation zuleibe, dass auf einer Quasi-Autobahn zwei Ampelanlagen stehen. Wer da im Stau steckt, flucht und denkt: „Haben die sie noch alle?“ Kann man verstehen. Trotzdem wird auch mit einem Ausbau des Frankenschnellwegs nur der verkehrspolitische Flickenteppich in Nürnberg um ein teures Brokatstückchen erweitert. Am Grundsätzlichen ändert sich nichts: In Nürnberg sagt keiner, wo es verkehrspolitisch hingehen soll.

Im Augenblick gibt es nämlich keinen Plan, sondern Glaubensgrundsätze. Wo die her kommen, belegt sehr gut dieses Bild aus dem Jahr 1978.

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Die VAG und das Streifenkarten-Chaos

Dass die VAG alle Jahre ihre Preise erhöht, diesmal sogar um bis zu 15 Prozent (eine Erhöhung um 30 Prozent ist aber bereits angekündigt), ist das eine. Dass sie aber dabei mit ihrer Unfähigkeit, sich mit den anderen am Verkehrsverbund beteiligten Kommunen zu einigen, beim Kunden jede Menge Konfusion erzeugt, ist eigentlich fast noch schlimmer. Damit schreckt sie Fahrgäste ab und verursacht somit bereits die nächste Preiserhöhung.

Seit 1. Januar 2012 gelten die neuen Tarife. Die Erhöhungen für Nürnberg wurden mit dem „verbesserten“ (sagen wir lieber: veränderten) Angebot begründet. Und weil in Nürnberg so viele „Verbesserungen“, zum Beispiel der Wegfall der Linie 9 und eine dafür ständig überfüllte und oft verspätete Linie 4, durchgeführt wurden, wurde die Tarifstufe A zusätzlich eingeführt. Da diese Tarifstufe nur in NÜrnberg gilt, musste eine weitere Streifenkarte eingeführt werden. Es gibt jetzt die alte Zehnerkarte, bei der jetzt manchmal zwei, manchmal drei Felder abgestempelt werden müssen, und zwei Fünferkarten, die nur in Nürnberg/Fürth und Stein gelten, und auf denen jeweils ein Feld entwertet werden muss. weiter lesen

Die VAG braucht unsere Hilfe

Heute wende ich mich mal an die VAG (respektive den VGN) mit einem Vorschlag zur Güte. Die Nürnberger Verkehrsbetriebe haben bekanntlich zur Zeit massiv Probleme, der an innovativen Nahverkehrssystemen interessierten Welt zu beweisen, was für tolles Teil doch der antifaschistische Rubin ist. Die führerlose U-Bahn zickt nämlich. Wenn eine Taube sich in einen Tunnel verirrt, macht sie die Grätsche, wenn Leute sich nicht an die Lautsprecherdurchsagen halten und einfach aussteigen, gibt sie den Geist auf und brennen tut sie neuerdings auch noch. Werbewirksam ist das alles nicht. Ohnehin hatte das Projekt erst mit zwei Jahren Verspätung starten können und jetzt stellt sich heraus, man hätte die Testphase vielleicht noch ein bisschen verlängern sollen.

Aber ich will, wie gesagt, nicht die VAG – und schon gleich gar nicht den angeschlagenen Siemens-Konzern – in die Pfanne hauen. Ich will denen vielmehr helfen. Und dabei greife ich auf mein (selbstverständlich weitgehend nur angelesenes) profundes Wissen über die Zeitungskrise zurück. Die Lösung heißt nämlich:
User generated content.

Es ist ja so: Wir Journalisten können nicht überall sein. Schon gar nicht, wenn wir aufgrund von rückgängigem Anzeigengeschäft wenige mit immer mehr Aufgaben sind. Deshalb bekommen viele von uns leuchtende Augen, wenn sie user gererated content hören. Der Leser rennt selber rum, liefert die Nachrichten und wir gatekeepen sie ins gedruckte Produkt. weiter lesen

Das Lokale, der neue Trend im Netz

Als Lokalredakteur fühlt man sich derzeit gerne zerrieben, zum Beispiel zwischen WWW-Ansprüchen und Bratwurstjournalismus. Bratwurstjournalist sein will man nicht, zerrieben werden natürlich auch nicht. Von einem weltweiten Interesse ist man dennoch meilenweit entfernt. Die lokale Nachrichtenlage gibt das halt selten her. Insofern kann man verstehen, dass mancher Lokalschreiber dem Netz nicht unbedingt mit Hoffnung und Zuversicht begegnet, dass er sogar glaubt, hier werde an seiner eigenen Zukunft gesägt.

Solche Ängste könnten sich aber als unbegründet erweisen. Das Lokale entwickelt sich zu einem neuen Trend im Web.
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Nürnberg profiliert sich mit Führerlosigkeit

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Städte versuchen, sich als gutes Pflaster für zukunftsträchige Unternehmenssparten zu profilieren. Fürth bemüht sich etwa mit dem Slogan „Denkmalstadt“ als Mekka für Altbausanierer hervorzutun. Erlangen ist bekanntlich bei der Medizintechnik gelandet.

Nürnberg hatte sich, immerhin ist Suse hier beheimatet, als Open-Source-Kommune versucht. Doch leider hatte man es nicht einmal im Rathaus geschafft, das städtische Datenwesen von Windows auf Linux umzustellen. Möglicherweise war da nicht allein die Unkenntnis der Stadträte und Verwaltungsleute in Computerfragen der Grund, sondern ein ziemlich peinlicher Vertrag, den die Stadt vor ein paar Jahren mit Microsoft abgeschlossen hatte, um kostenlos an ein paar Softwarepakete zu kommen.

Wie dem auch sei, jetzt darf man dieses Kapitel getrost schließen, denn Nürnberg kann sich auf einem anderen Terrain Meriten erwerben: der „Führerlosigkeit“. Die fahrer- bzw. führerlose U-Bahn fährt ja inzwischen und nun wurde in Nürnberg ein Fraunhofer-Institut eingeweiht, das an Autos arbeitet, die selbsttätig Parkplätze suchen, aber vielleicht auch Kinder ins Ballett bringen oder alleine nach Hause fahren, wenn man zu viel getrunken hat.

Dieser städtische Wirtschaftsschwerpunkt hat nicht nur den Vorteil, dass jeder, der irgendwo Fahrpersonal wegrationalisieren will, in Nürnberg die erste Adresse erblickt, er hat auch eine enorm imagefördernde Wirkung für die Stadt, die – vor allem im Ausland – immer noch mit den Reichsparteitagen in Zusammenhang gebracht wird.

Für den Führer ist Nürnberg nicht mehr zuständig, diese Botschaft werden die Fraunhofer-Leute und die von Geisterhand gesteuerten Autos künftig gleich mit in die Welt transportieren.

Nürnberg: Finanzkrise, welche Finanzkrise?

Nächste Woche stehen in Nürnberg die Haushaltsberatungen an. Die Tendenz dabei: So tun, als wäre nichts! Der Kämmerer legt die alte Platte auf, die man schon seit den 70er-Jahren auf dem Teller hat: Der Freistaat soll Nürnberg nicht länger benachteiligen. Da wird dann u.a. mit Staatstheatern argumentiert, als ob es um die noch ginge. Von Finanzkrise, von Risiken, von wahrscheinlich drastisch sinkenden Gewerbesteuereinnahmen: Kein Ton. Man macht halt ein bisschen mehr Schulden und kurbelt die Wirtschaft an, indem man die üblichen Verdächtigen mit Baufträgen versorgt.

Wenn ich das mit Wohlwollen betrachten möchte, dann würde ich annehmen, dass dies Verhalten psycholgische Gründe hat. Dass man einfach keine Panik erzeugen und Ruhe ausstrahlen will. Dass man auch die Haushaltsberatungen nicht unnötig in die Länge ziehen und nicht zielführende Endlosdebatten der 70 Nürnberger Stadträte provozieren will.

Ich befürchte aber, dass auch in der Praxis business as usual betrieben werden soll. Dass die Stadt wirklich Delfinlagune, Frankenschnellweg etc. zu bauen anfangen will, um Fakten zu schaffen, um dann bei  den mit Sicherheit anstehenden Kürzungen durch Bund und Land (die müssen schließlich irgendwie ihre Rettungspakete stemmen) nicht betroffen zu sein. Wie die CSU im Freistaat mit Franken umgegangen ist, kann ich das sogar teilweise nachvollziehen – vor allem, weil ja in der Nürnberger Finanzpolitik die SPD (Kämmerer Harald Riedel und Ex-Kämmerer Ulrich Maly) das Sagen hat. Bloß sind das alles nicht nur Fremdmittel (für den Steuerzahler sowieso nicht), die bei diesen Millionenprojekten verbraten werden. Wenn man nur allein betrachtet, wer alles am Tropf der Geldinstitute hängt, welche sozialen und kulturellen Einrichtungen beispielsweise über die Sparkassenstiftung jene Zuschüsse erhalten, die ihnen die Stadt schon in den letzten Jahren nicht mehr zahlen konnte. Da werden einige, die dann ihren Laden dicht machen oder ihre Aktivitäten gegen Null fahren müssen, der Stadt ihre Schnellweg- und Lagunenpläne um die Ohren hauen.

In anderen Städten werden solche Probleme mittlerweile intensiver thematisiert .  In Nürnberg tut man hingegen noch so, als hätte man alles im Griff und wiegelt ab. Dabei ist längst bekannt, dass die Stadt was die Finanzkrise angeht (sonst auch nicht) keine Insel der Seeligen ist. Hier ein Zitat aus anwalt.de, das genau dies – anhand der Cross-Border-Leasing-Geschäfte (Nürnberg hat Klärwerk, U-Bahn-Röhren und U-Bahn-Fuhrpark verleast) – belegt:

Weil als Leasinggeber häufig US-amerikanische Banken und Versicherungen fungierten, kann die Finanzkrise nun auch die deutschen Kommunen hart treffen: Die CBL-Geschäfte der Städte Berlin und Nürnberg beispielsweise werden über die AIG (American International Group), einen amerikanischen Versicherungskonzern abgewickelt, der kürzlich vom amerikanischen Staat nur mit Hilfe eines Kredits von 85 Milliarden US-Dollar vor der Pleite gerettet werden konnte.

Die Folge war, dass die AIG nun von den Rating-Agenturen schlechter bewertet wird. Das kann für die Kommunen erhebliche finanzielle Belastungen zur Folge haben. Denn in vielen Verträgen haben die Kommunen die Haftung für die Liquidität des Leasinggebers übernommen und sich vertraglich dazu verpflichtet, wenn die Bonität schlechter als die Ratingklasse AAA ist, einen neuen Vertrag mit einem anderen Versicherer abzuschließen. Diese neuen Verträge sind jedoch mit erheblichen Mehrkosten verbunden, so dass letztlich auf einen einzelnen kommunalen Haushalt Mehrbelastungen in Millionenhöhe zukommen können.

Im Fall des Crashs der Leasing gebenden Bank oder Versicherung kann es sogar sein, dass die Kommunen den Rückkaufwert nochmals bezahlen müssen. Die Kommune müsste also für den Rückkauf des Leasingobjekts zweimal bezahlen. Zudem denken viele Finanzinvestoren angesichts ihrer Milliardenverluste an den Ausstieg aus den laufenden CBL-Verträgen.