Wenn Bundestagskandidaten das Geld fehlt

Es ist Wahlkampf. Da rechnen die Protagonisten offenbar nicht mehr damit, dass man ihre Behauptungen nachprüft. Zum Auftakt des hiesigen Wählerwerbens klagte unser dienstältester SPD-MdB Martin Burkert darüber, die in Spenden schwimmende AfD hätte fast alle Plakatflächen im Stadtgebiet bereits belegt und so die Sozialdemokratie ausgebremst.
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Aus dem Reich der „Volkspädagogen“

In den Jahresrückblick hat das nicht mehr reingepasst. Deswegen erinnere ich aus aktuellem Anlass extra noch einmal an einen Blogbeitrag, den ich hier vor genau zwei Jahren verfasst habe. Es drehte sich damals um den Lügenpresse-Vorwurf anlässlich eines Werbeplakats des Kopp-Verlags für das Buch „Gekaufte Journalisten“ (Bild). Der gleiche Verlag bewirbt gerade ein Buch des gleichen Autors auf die gleiche Art: auf Plakatwänden dort, wo Land- und Speckgürtelbewohner billig einkaufen. Und da geht es wieder vor allem gegen uns Journalisten, wenn da groß drüber steht: „Lassen Sie sich von den Mainstream-Medien nicht vorschreiben, was Sie zu denken haben.“ Lidl hat allerdings explizit wegen des Buchtitels „Volkspädagogen“ reagiert und das Plakat nach einer Beschwerde umgehend entfernen lassen.

Reaktionen gab es in den vergangenen zwei Jahren allerdings auch bei uns, den angeblichen „Volkspädagogen“. Vielleicht nicht so stark, wie manche sich das gewünscht hätten. Vielleicht auch individuell unterschiedlich. Die Kritik von Rechts spielte dabei allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es so etwas wie eine Zeitungskrise, die hat jedoch weniger damit zu tun, dass falsch oder einseitig berichtet würde. Hauptgründe sind Digitalisierung und geändertes Mediennutzungsverhalten. Im Vergleich zur Lautstärke der „Lügenpresse“-Sprechchöre waren die daraus resultierenden Abbestellungen auch eher gering. Vielmehr ist das Feedback, das der Journalist inzwischen durchs Netz direkter und massiver erhält, natürlich auch Anlass, sich und seine Arbeit in Frage zu stellen (wobei da ein freundlicher oder zumindest sachlicher Ton auf jeden Fall zielführender ist).
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Werbung: Neutral, das war einmal

Auch wir Journalisten blenden gerne aus, wo unser Geld für Gehalt und Honorare herkommt. Die Werbung in den Druckerzeugnissen (rückläufig) und auf den Webseiten (antsteigend) nehmen wir selten bewusst wahr. Werbung ist neutral. Die machen damit Geld und wir machen Aufklärung.

Die Wirklichkeit ist eine andere. Gerade wurde das an der Aktion „Kein Geld für Rechts“ deutlich. Wobei die Aktion eher durch die Reaktion bekannt wurde. Durch die Breitseiten, mit denen Henryk M. Broder, Roland Tichy und ihnen nahe stehende, etwas weniger bekannte Autoren seit Tagen dagegen anschrieben. Sie befürchten nämlich, dass ihnen eventuell der Geldhahn abgedreht wird. Und mit ihnen betroffen ist angeblich „die Hälfte der Gesellschaft“. Nun ja!
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Ein Etikettenschwindel aus Nürnberg?

werbestHin und wieder nöle ich über fehlende Innovationsbereitschaft in Nürnberg. So pauschal lässt sich das freilich nicht sagen. Mitunter wird auch durchaus wacker Neuland betreten. Hurra schreien muss man deswegen, wie der folgende Fall zeigt, trotzdem nicht.

Neben dem Schuhhaus Salamander ist der Eingang ein bisschen versteckt. Im 4. Stock des Hauses in der Karolinenstraße befindet sich die Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucher-Interessen GmbH (GDVI). Die GDVI, das entnehmen wir dem Klingelschild, gehört mit der GKI Flugrecht und der GGI-Kreditgebühr zur CAG-Vermögensverwaltung. Außerdem sind noch zwei Anwaltskanzleien auf dem gleichen Stockwerk. Die GDVI steckt hinter dem Projekt Werbestopper, für das der ehemalige Nationaltorhüter Oliver Kahn seit Wochen massiv Werbung betreibt. Mit im Boot ist auch die Umweltorganisation WWF, die mit Hilfe von Werbestopper Aufforstungsprojekte in Bolivien und in der Republik Kongo unterstützen will. Man könne also „vom Sofa aus“ (Oliver Kahn) etwas für die Umwelt tun, und gleichzeitig, wie er früher, „seinen Kasten sauber halten“.
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PETA und die tote Kuh

milch_plakat-560x397Heute ist Tag der Milch. Die Tierrechtsorganisation PETA wollte deshalb in Nürnberg an der Ecke Breslauer Straße/Dr.Linnert-Ring ein Plakat mit einer sterbenden Kuh und der Aufschrift „Milch tötet!“ (Bild) aufhängen lassen. Dazu kamn es aber nicht.

Laut PETA wurde an den Vermarkter Crossvertise der Auftrag vergeben, das Plakat in sechs Städten in der Nähe von Milch produzierenden Betrieben zu publizieren. Crossvertise habe laut PETA jedoch mitgeteilt, „dass alle Werbeflächenanbieter – inkl. Nürnberg – das Motiv abgelehnt haben und eine Plakatierung nicht möglich ist“.

Die besagte Plakatfläche gehört – wie die meisten Werbeflächen in der Stadt – der Stadtreklame Nürnberg. Dort weiß man von einer solchen Anfrage nichts. Stadtreklame-Sprecherin Denise Knorr verweisat darauf, das Motiv gar nicht zu Gesicht bekommen zu haben. Allerdings prüfe auch die Stadtreklame, ob Motive für die Allgemeinheit zu abstoßend oder Kindern zuzumuten seien.

Insofern hätte es zwar sein können, dass die Stadtreklame das Plakat ebenfalls abgeleht hätte. Dennoch ist sie unschuldig, wenn nun Privatsender oder Lokalpolitiker und natürlich PETA selber über Zensur und Bevormundung wettern.

Nachtrag 2.Juni 2015: Crossvertise hat jetzt zur Ablehnung noch einmal Stellung genommen.

Die Grünen wollen mal wieder was verbieten

SPD BundesparteitagDie Nürnberger Grünen scheinen die Ausbootung durch die SPD überwunden zu haben und wenden sich wieder ihrer Kernkompetenz zu: dem Verbieten lassen. Diesmal wollen sie, dass die Stadt ein Werbeverbot für Tabakwaren erlässt. In Berlin, Heidelberg, Bergisch-Gladbach, Karlsruhe, Biberach oder Vaterstetten sowie in anderen EU-Ländern gebe es das auch schon.

Grünen-Fraktionschef Achim Mletzko zur Begründung:

Durch das Werbeverbot von Tabakwaren entsteht die Möglichkeit, die gesundheitlichen Folgen des Rauchens zu reduzieren. Neben den schädlichen Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Atemwegen stellt der Tabakkonsum auch das größte bekannte Krebsrisiko dar. 25-30% der Krebsfälle stehen mit dem Rauchen in Verbindung.

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Nürnberger, jammert nicht, tut was!

Nun ist es wieder mal so weit: Nürnberg darf statistisch belegt schlecht geredet werden. Und die Statistik lieferte ausgerechnet ein Unternehmen, das manche gern nennen, um Nürnberg schön zu reden: die GfK.

Immerhin muss man der GfK dankbar sein, dass sie in der Studie ihren Standort überhaupt erwähnt. Nürnberg und Duisburg auf dem letzten Platz. Das hört sich zwar zunächst einmal blöd an. Aber was ist mit Wolfsburg, Mühlheim oder Bielefeld? Die nimmt überhaupt keiner zur Kenntnis.

Dankbar sein dürften auch die Kommunalwahlkämpfer in Nürnberg. Endlich haben sie mal ein Thema. Prompt hat der CSU-OB-Kandidat Sebastian Brehm auch schon am Montag mitgeteilt:
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Diese Familie klaut keiner

Wenn man auf die intakte, radelnde deutsche Familie setzt, kann es eventuell eng werden. Da befindet man sich schnell in der rechten Ecke. Unsere fränkische SPD-Familie klaut uns hingegen keiner. Am besten finde ich ja die von Stefan Schu(s)ter dezent platzierte Schleichwerbung für Grundig (bei 0.46). Das macht man nämlich bei der ARD so.

Printwerbung wirkt

Da soll noch mal einer sagen, Zeitungsanzeigen bewirken nichts. Ein Ehemann, der zwei Anzeigen in den Samstagsausgaben der beiden Nürnberger Tageszeitungen platziert hat, genießt derzeit eine Aufmerksamkeit, die jeden Werbetreibenden vor Neid erblassen lassen lässt. Man muss bloß mit wenigen Worten eine Geschichte erzählen und die ein bisschen verrätseln und schon stellt sich der PR-Erfolg ein.

Der Mann hatte in der letzten Woche eine halbseitige Anzeige für seine Ehefrau

und darunter eine kleine Anzeige für seine offensichtliche Ex-Geliebte aufgegeben.
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