Die AfD setzt auf ein neues Thema


Die Bundestagswahl ist zwar erst am 24. September. Trotzdem hängen in Nürnberg bereits die ersten Plakate. Von der AfD. Und natürlich kommt gleich der Reflex: Dürfen die das?

Ja, sie dürfen. Die zahlen nämlich dafür und dann ist das „normale“ Werbung und eine willkommene Einnahme für die jetzt nicht gerade finanzstarke Stadt Nürnberg.

Willkommen ist der AfD dann umgekehrt auch jener oben genannte Reflex. Mit dem geht sie gerade massiv hausieren. Nicht nur, dass sie sich damit als armes Opfer stilisieren kann, sie hat auch wieder was zu posten und kann Aufmerksamkeit generieren. Zum gerade aktuellen Thema Trump ist ihr nämlich bislang wenig eingefallen. weiter lesen

Höcke steht nicht allein

Gerade poppt die Meldung auf, dass die AfD Bernd/Björn Höcke aus der Partei ausschließen will. Ob es soweit kommt, sei dahingestellt. Ähnliche Probleme mit dem ganz rechten Rand gibt es jedenfalls auch in Nürnberg. Hier befeuert die AfD-Direktkandidation Elena Roon gerade den ohnehin schwelenden Nord-Süd-Konflikt.

Gegenwärtig kursieren im Netz Hitlerbilder, die Roon in einem WhatsApp-Chat verbreitet hat. Die Überschrift lautet: „Vermisst seit 1945.“ Darunter steht: „Adolf, bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich! Das Deutsche Volk!“ Außerdem ist ein weiteres Bild zu sehen, wo Hitler sich die Haare rauft und erklärt: „Islamisten…, die habe ich vergessen!“
weiter lesen

Nord-Süd-Konflikt in der Nürnberger AfD

Im rechten Lager scheint es kein Limit für Abstrusitäten zu geben. „Sophie Scholl würde AfD wählen“, hieß es da am vergangenen Wochenende. Der Beitrag mit dem Scholl-Zitat (siehe nebenstehendes Bild) und der genannten Folgerung wurde freilich nicht von einem durchgeknallten Hasskommentator gepostet, sondern von der AfD-Nürnberg-Süd/Schwabach.

Der AfD-Account (mittlerweile ist die nach eigenem Impressum „offizielle Seite des AfD-Kreisverbandes Nürnberg Süd/Schwabach“ offline wieder online) hatte zwar nur ca. 300 Likes. Das Bild verbreitete sich dennoch rasend schnell. Mehr als 1000 Mal wurde es bei Facebook geteilt. Die Zahl der Kommentare ist mittlerweile drei Mal so hoch. Unter diesen sind allerdings viele, die den Beitrag als „bodenlos“ und als „Frechheit“ bezeichnen. Manche, wie etwa der Comedian Kurt Krömer, gaben sich sogar etwas mehr Mühe, der AfD zu erklären, warum der Beitrag unmöglich ist:
weiter lesen

Aus dem Reich der „Volkspädagogen“

In den Jahresrückblick hat das nicht mehr reingepasst. Deswegen erinnere ich aus aktuellem Anlass extra noch einmal an einen Blogbeitrag, den ich hier vor genau zwei Jahren verfasst habe. Es drehte sich damals um den Lügenpresse-Vorwurf anlässlich eines Werbeplakats des Kopp-Verlags für das Buch „Gekaufte Journalisten“ (Bild). Der gleiche Verlag bewirbt gerade ein Buch des gleichen Autors auf die gleiche Art: auf Plakatwänden dort, wo Land- und Speckgürtelbewohner billig einkaufen. Und da geht es wieder vor allem gegen uns Journalisten, wenn da groß drüber steht: „Lassen Sie sich von den Mainstream-Medien nicht vorschreiben, was Sie zu denken haben.“ Lidl hat allerdings explizit wegen des Buchtitels „Volkspädagogen“ reagiert und das Plakat nach einer Beschwerde umgehend entfernen lassen.

Reaktionen gab es in den vergangenen zwei Jahren allerdings auch bei uns, den angeblichen „Volkspädagogen“. Vielleicht nicht so stark, wie manche sich das gewünscht hätten. Vielleicht auch individuell unterschiedlich. Die Kritik von Rechts spielte dabei allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es so etwas wie eine Zeitungskrise, die hat jedoch weniger damit zu tun, dass falsch oder einseitig berichtet würde. Hauptgründe sind Digitalisierung und geändertes Mediennutzungsverhalten. Im Vergleich zur Lautstärke der „Lügenpresse“-Sprechchöre waren die daraus resultierenden Abbestellungen auch eher gering. Vielmehr ist das Feedback, das der Journalist inzwischen durchs Netz direkter und massiver erhält, natürlich auch Anlass, sich und seine Arbeit in Frage zu stellen (wobei da ein freundlicher oder zumindest sachlicher Ton auf jeden Fall zielführender ist).
weiter lesen

Self fulfilling Lückenpresse

MOTIV: St. Lorenz Nürnberg; Nachtaufnahme. "Dieses Foto der Lorenzkirche bei Sonnenuntergang löste auf dem Facebook-Account der Nürnberger Zeitung eine riesige Diskussion um angebliche Chemtrails aus." Foto: Tobias Lang; 2015 gesp. Chemtrails  = Kofferwort aus "Chemie/Chemikalien"  - Chemiestreifen / Chemikalienstreifen, gelegentlich auch Giftwolken; sie sind gemäß einer Verschwörungstheorie Kondensstreifen, die neben kondensierten Flugzeugabgasen noch weitere Chemikalien enthalten sollen, die den Abgasen zugesetzt oder zusätzlich versprüht würden. Chemtrails sollen sich von normalen Kondensstreifen durch ihre Langlebigkeit und flächige Ausbreitung unterscheiden.  Die Ausbringung der Chemikalien soll unter anderem dem Geoengineering, der Bevölkerungsreduktion oder militärischen Zwecken dienen.
Eigentlich sollte ich erstmal nichts mehr über die AfD schreiben. Man macht sie damit nur interessant und perpetuiert die große Koalition. Vor allem aber machen die einem journalistische Arbeit fast unmöglich. Es fehlt einfach eine gemeinsame rationale Grundlage (genauso wohl wie bei der Interpretation dieses schönen Bildes von Tobias Lang).

Gerade liefert die Nürnberger AfD wieder ein Beispiel dafür. Zunächst kündigte sie einen Aufruf via Facebook an, ihr doch die Nürnberger Standorte von Flüchtlingsunterkünften zu melden. Grund war ein Brief von OB Ulrich Maly, der sich weigerte den AfDlern eine Überblick darüber zu geben, wo in Nürnberg überall Unterkünfte stehen. Maly fühlte sich dabei – nicht zu Unrecht – an die Karten des rechtsextremistischen „III.Weg“ erinnert. weiter lesen

Fränkischer Troll wird Satiriker

Zum Themendienst-Bericht von Tobias Hanraths vom 8. Januar 2015: Genug getrollt: Mit der Blockieren-Funktion kann man nervige Menschen bei Facebook loswerden. Kontaktaufnahme ist dann nicht mehr möglich.  (Archivbild vom 18.12.2014/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)  Foto: Andrea WarneckeWas treibt eigentlich Uwe Ostertag? Lange Zeit hatte sich der Ochsenfurter auch auf den Onlineseiten meines Arbeitgebers ausführlichst verbreitet. Dann ging er dazu über, überregionale Zeitungsportale mit seinen Kommentaren zuzuschütten. Bis er dann durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung als „der Troll“ deutschlandweite Berühmtheit erlangte.

Inzwischen hat „der Troll“ Probleme mit Leuten, die noch ein bisschen trolliger sind als er. Ostertag hat nämlich die Seiten gewechselt. Für das Contra-Magazin schreibt er alles Mögliche, unter anderem auch „Satiren“. Jetzt verfasste er eine über eine angebliche Stadtratssitzung in Nürnberg, in der beschlossen wurde, im Westbad eine Burkinipflicht einzuführen. Die Nürnberger AfD griff diese „Satire“ auf, angeblich auch deshalb, weil sie dort erwähnt wurde. Prompt lief die Empörungsmaschinerie an. Unter anderem hieß es da:
weiter lesen

AfD-Flyer geklaut: Waren es Journalisten?

journ
Zum Tschernobyl-Jahrestag habe ich auch an den Verein „Bürger fragen Journalisten“ erinnert. Auf diese Weise versuchte die Atomlobby damals, ein „linksversifftes“ (ok, seinerzeit war die Wortwahl noch gepflegter) Medienkartell anzuprangern, das „uns“ die Kernkraft madig machen wollte. Inzwischen gibt es wieder solche Journalistenkontrolleure, die die „Meinungsdiktatur“ gerade an Vorgängen an einem Nürnberger AfD-Stand festzumachen versuchen.

Ein gewisser Marc Toller, der für den in Jena beheimateten Verein Journalistenwatch arbeitet, scheint da am Sonntag in „Nürnberg (Bundesland Bayern)“ zu Besuch gewesen zu sein. Dass der AfD-Stand in der „gut besuchten Einkaufsmeile“ nicht störungsfrei aufgebaut werden konnte und AfD-Mitglieder daran gehindert wurden, „die Bürger mit Informationsmaterial zu versorgen“, war ihm Anlass für eine Tirade über die grassierende „Meinungsdiktatur“. Am AfD-Stand wurden nämlich Flyer geklaut, bespuckt und in den Abfalleimer geworfen. Das Klima, so schloß Toller daraus, sei inzwischen so vergiftet, dass sich AfDler nicht mehr trauten öffentlich, die Kanzlerin zu kritisieren. Frauen gingen nur noch mit Pfefferspray außer Haus. Und die Polizei sieht sich der linken Gewalt wehrlos ausgeliefert.

Ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, dürften „gestörte“ Störer zudem die AfD mit linken Parolen zutexten und als „Arschlochpartei“ bezeichnen. Die AfD-Mitglieder würden als Nazis beschimpft und sogar als „Resultat von Inzest“.

Nun ja. Ähnliches darf man auch ungestraft dem bayerischen Innenminister zurufen. Heult der deswegen? Nein! Aber wahrscheinlich beweist das auch nur wieder die Wehrlosigkeit unserer Polizei und ihres obersten Dienstherrn.

Was das alles mit Journalisten zu tun hat? Man weiß es nicht so genau. Aber eins ist klar: Es wird böse enden.

GEZ-Gegner geben immer noch keine Ruhe

ILLUSTRATION - Auf einem Tisch in einem Büro in Dresden (Sachsen) liegt am 14.01.2013 ein Überweisungsschein für ein Jahr Rundfunkgebühr ARD, ZDF und Dradio in der Höhe von 219,66 Euro inklusive. 3,90 Euro Mahngebühr. Seit dem 01.01.2013 gilt der Rundfunkbeitragsstaatsvertrag. Der Rundfunkbeitrag ersetzt die Rundfunkgebühr. Foto: Arno Burgi/dpa  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Das Bundesverwaltungsgericht hat letzte Woche das bedingungslose Grundeinkommen für die Öffentlich-Rechtlichen bestätigt. Ich bin ja für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Aber wenn, dann bitte für alle. Wenn das nämlich nicht alle bekommen, dann ist der Rest sauer und wählt Protest.

Bei der Rundfunkgebühr ist ohnehin schon eine Mehrheit zutiefst angefressen. Und diese Leute treibt man nun in Wutbürgersammelbecken, wo sie dann als erstes ihre gute Kinderstube vergessen. Bislang haben es die Grundeinkommenbezieher allerdings immer geschafft, die Chefs dieser Sammelbecken in den eigenen Laden zu locken. Deswegen prophezeie ich mal (auch ohne am Kaffeesatzlesekurs in der Tchibo-Akademie teilgenommen zu haben): Die nächste Protestpartei wird das System von außen aufhebeln, die Öffis boykottieren und trotzdem die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.

Aber ich schweife ab. Für den Augenblick möchte ich erstmal festhalten, dass das Thema GEZ exemplarisch die Unfähigkeit der Altparteien aufzeigt, die AfD zu bekämpfen. Sonst hätte da nämlich schon längst einer mal sowas wie einen Reformvorschlag auf den Tisch gelegt. Das wird dann lieber irgendwelchen FDP-Randfiguren überlassen – oder eben der AfD.

Höchste Zeit also, hier ein bisschen Gegenöffentlichkeit zu betreiben. Deswegen bekommt ihr hier die aktuelle Stellungnahme der Nürnberger Anti-GEZ-Initiative, die natürlich weiter macht.
weiter lesen

Braucht der Rundfunk Fotografen?

afddemo
Das Lob für den aufrechten Widerstand gegen Rechts hätte man beim Bayerischen Rundfunk gerne mitgenommen. Bis heute Mittag war da noch überall unwidersprochen von einem tätlichen Angriff eines Nürnberger AfD-Demonstranten auf einen „BR-Fotografen“ die Rede. Als solcher wurde er unseren Berichterstattern auch vom dreiköpfigen BR-Team vorgestellt.

Sogar der Bayerische Journalistenverband griff – wie viele andere auch – die Meldung auf, um den Vorgang zu verurteilen. Bei Twitter sah das so aus:

brteam
weiter lesen