Eher unlustig: der öffentlich-rechtliche Fasching

ARCHIV - Die Bildkombo aus Archivbildern und einem aktuellen Foto zeigt den bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU) in Veitshöchheim (Unterfranken) bei Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverband der «Fastnacht in Franken» - als Punk am 10.02.2012, als Musiker der Band Kiss am 25.02.2011, als Zauberer Gandalf aus «Herr der Ringe» am 05.02.2010 (oben, l-r) sowie als «Shrek der tollkühne Held» am 21.02.2014 und als Marilyn Monroe am 01.02.2013 (unten, l-r). Foto: David Ebener/Karl-Josef Hildenbrand/Daniel Karmann dpa (zu dpa "Söder wird Ritter wider den tierischen Ernst" vom 06.07.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Hin und wieder sollten wir auch mal ein Auge auf die Parallelwelten haben. Ja, auch auf die russlanddeutsche. Aber vielleicht auch auf eine, die uns Netflix-, Watchever- oder Dschungelcamp-Guckern zunehmend aus dem Blick gerät: den öffentlich-rechtlichen Fasching.

Warum sollte ich mir den Scheiß antun? Das wird sich mancher fragen. Ähnliches fragte sich weiland auch ein Nürnberger SPD-Oberbürgermeister: Prompt wurde Nürnberg sechs Jahre von einem CSUler regiert. Seitdem damals lokale Wahlanalysten den Konnex zwischen Faschingspräsenz und Wahlerfolg ausgemacht haben, ist die hiesige Parteipolitik helaumäßig gut vertreten. Natürlich funktioniert das nur richtig, wenn die Regierungssender das auch unters Wahlvolk bringen. Der Bayerische Rundfunk stellt uns deshalb bei jeder Fastnacht in Franken Politiker vor, die wir sonst nie kennen würden (am Freitag ist es wieder soweit). Manche nutzen das als Sprungbrett ins deutsche Ausland. So hat sich jetzt sogar der Aachener Karneval herausragende Faschingsprofis von uns ausgeliehen. Die machen für ein paar Lacher auf Exoten. weiter lesen

TV ohne GEZ

ARD und ZDF wollen den Kabelnetzbetreibern nichts mehr bezahlen. Ganz offensichtlich glauben die Senderverantwortlichen, in einer vorteilhaften Verhandlungsposition zu sein. Das stimmt allerdings nur zum Teil. Wenn beispielsweise Kabel Deutschland sicher stellen würde, dass seine Kunden keine öffentlich rechtlichen Sender mehr empfangen können, dann müssten auch keine Rundfunkgebühren mehr bezahlt werden. Und „TV ohne GEZ“ wäre dann wirklich etwas, was man der Kundschaft schmackhaft machen könnte.

Dass ein solches Angebot auch bei Kabel Deutschland in Erwägung gezogen wird, macht die Antwort auf meine Anfrage deutlich, in der ich wissen wollte, ob „TV ohne GEZ“ eine Alternative wäre. Darauf hieß es: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in der Öffentlichkeit keine Szenarien diskutieren wollen.“

Hier die gesamte Antwort im Wortlaut: weiter lesen

Die ARD und ihre "Experten"

Der Nächste bitte! Diesmal bleibt es sozusagen in der freidemokratischen Europa-Riege: Die VroniPlag-Leute haben jetzt Georgios Chatzimarkakis, Kollege von Silvana Koch-Mehrin, bereits auf mehr als 20 Prozent der Seiten seiner Doktorarbeit Plagiate nachgewiesen. Chatzimarkakis hat im Jahr 2000 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn promoviert. Thema: „Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs“. Gutachter waren die Professoren Dr. Detlev Karsten und Dr. Uwe Holtz.

Nett an der Geschichte: Chatzimarkakis hat gerade erst die Griechen als „dumm und korrupt“ bezeichnet. Man weiß nicht, ob er damit auch den Griechen in sich meint oder ob er damit unfreiwillig an das Paradoxon des Epimenides erinenrt. Nett auch: Am heutigen Sonntag soll Chatzimarkakis als „Experte“ bei Anne Will in der ARD (21.45 Uhr) auftreten und sachdienliches zu der Frage „Immer mehr Milliarden für arme Euro-Schlucker – riskiert die Regierung unser Geld?“ absondern. Chatzimarkakis ist einer jener immer gleichen 50 Leute, die die Öffentlich Rechtlichen gerne für ihre Talkrunden auswählen. Es scheint offenbar nicht viele Leute zu geben, die einerseits telegen sind und andererseits dem Publikum als fachkundig verkauft werden können.

Nun, Zweifel an dieser Fachkundigkeit sind spätestens jetzt erlaubt. Chatzimarkakis, der ohnehin eher durch seine TV-Auftritte und weniger durch politisches Engagement aufgefallen ist, trifft bei Anne Will immerhin einen Mitbetroffenen. Dort talkt nämlich auch Edmund Stoiber mit. Seiner Tochter Veronica – Namensgeberin von Vroniplag – wurde letzte Woche von der Universität Konstanz der Doktortitel aberkannt.

Reichlich skurril mutet übrigens der Entschuldigungsversuch an, den Chatzimarkakis auf seiner Webseite unternimmt. Dort schreibt er:

weiter lesen

Warum blockt man nicht ARD und ZDF?

Ich gebe es zu, auch ich habe am Samstag „Wetten, dass…?“ geguckt. Aus familiären Gründen. Aber wenn diese Sendung eingestellt würde, dann wäre mir das keine einzige Träne wert. Dann würde meine Familie problemlos irgendeinen anderen Quatsch finden, auf den sie sich einigen kann.

Womit ich bei Nikolaus Brender wäre. Wegen der Nichtverlängerung des ZDF-Chefredakteurs hätte ich eigentlich „Wetten, dass…?“ gar nicht gucken sollen. Zur Wiedergutmachung daher erst einmal Georg Schramms Beitrag zu dieser Ich-will-meine-GEZ-nicht-mehr-zahlen-müssen-Aktion:
YouTube Preview Image

Derart wieder an meine unfreiwillige Unterstützung solcher Machenschaften/Sendungen erinnert, kommt plötzlich dieses Konglomerat aus Politik, Öffentlich-rechtlichen Sendern und Geldgeilheit ins Spiel und fängt an, am Gebührenmodell zu schrauben. Superzeitpunkt, möchte man sagen. Aber das ficht diese Nullchecker offenbar überhaupt nicht an. Die wähnen sich längst in einer Nachform der Demokratie oder haben – siehe Beck – irgendwelche Verwundungen abzuarbeiten. Geld brauchen sie sowieso immer. Also, was soll`s?

Trotzdem möchte ich einen Gedanken in die Diskussion werfen. Bei den Netzsperren, hier ging es um Stoppschilder vor Kinderpornografie-Seiten, schien die Bundesregierung (damals war auch die SPD voll mit dabei) technisch in der Lage zu sein, bestimmte Inhalte vom Volk fern zu halten. Warum, bitteschön, kann sie das jetzt nicht mehr? Soll sie doch ARD, ZDF und dei anderen öffentlich-rechtlichen Sender einfach blockieren und nur für diejenigen freischalten, die nachweislich ihren GEZ-Obolus entrichtet haben. Technisch sollte dies kein Problem sein.

Allerdings: Dann würde man wahrscheinlich merken, dass keine Sau 17,98 Euro im Monat zahlt, um diese teilweise völlig derangierten Sender schauen zu können. So werden sie wahrscheinlich wieder mit ihrem Volksbeglückungsargument ankommen und behaupten, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sender Bildungsaufträge wahrnehmen und der völligen Verblödung der deutschen Bevölkerung Einhalt gebieten. Dagegen sage ich nur eines: Wenn ich schon gezwungen werde, für irgendetwas mein Geld zu opfern, dann opfere ich dem nicht auch noch meine Lebenszeit.

Sollte diesen Beitrag also irgendjemand aus der Computer- oder Handy-Entwicklersparte lesen: Wenn einer ein Produkt anbietet, das die Öffentlich-Rechtlichen ausbremst und deswegen ohne GEZ-Gebühr verkauft wird, dann verspreche ich, hier einen Werbeartikel zu bringen.

GEZ zahle ich nur noch aus Mitleid

Zurzeit bin ich ja vermehrt auf dem Kurzblogging-Trip (Twittern hier und hier) und habe mich da schon ausgelassen über mein Missgeschick. Um auf Twitter (und zur Nutzungsoptimierung von Lebenszeit ist das in diesem Fall gar nicht verkehrt, gell, Herr Betablogger) denjenigen weiterzuhelfen, die sich das Dschungelcamp ersparen, aber dennoch mitreden wollen, habe ich halt die Siegerin zeitnah ins Netz stellen wollen. Beim Hinzappen bin ich am Samstagabend dann jedoch bei auf Silbertabletts kredenzten Scheißhaufen hängen geblieben.
Das muss es sein, dachte ich. Ekelfernsehen in Reinkultur! Dann tauchten auch noch zwei Menschen mit verbundenen Augen ihre Nasen in die Kothaufen. Was mich jedoch irritierte, war der Thomas Gottschalk. Ist das auch ein Star, den man hier raus holen sollte?
„Hier“, das merkte ich dann langsam, war aber nicht der australische Dschungel, sondern vielmehr das Mainzer ZDF.
Dass das – aus lauter Angst, gegen RTL im Quotenrennen zu verlieren – zu solchen Mitteln greift, ist allerdings wohl ein Zeichen dafür: Die sind echt angeschlagen! Ich habe daher beschlossen, meine GEZ-Gebühr (vorerst noch) aus Mitleid mit Not leidenden TV-Sendern zu zahlen. Bei der ARD ist der Notgrund übrigens Oliver Pocher, der nun wegen einer Stauffenberg-„Parodie“ Probleme hat. Wobei das Hauptproblem bei dem Mann eher darin besteht, dass er nicht lustig ist und seine paar Lacher nur auf Kosten einer Hand voll Promis zusammenkratzt.
Wer die Kotwette versäumt hat und sich innerlich gefestigt fühlt, der kann sich das hier ja noch einmal anschauen, dann sieht er auch gleich mal, was bei unseren goldigen Eisbären so hinten raus kommt:
YouTube Preview Image

ARD legt sich mit Türken an

Obwohl noch gar nicht entschieden ist, was die Öffentlich-Rechtlichen im Internet mit unseren Gebühren anstellen dürfen sollen und was nicht, machen sie sich dort schon längst breit. Zum Beispiel schreiben ARD-Sportreporter Blogbeiträge und wundern sich dann, dass ihnen im Internet nicht der gebührende Respekt gezollt wird. Wie Manni Breuckmann zum Beispiel. Der machte in einem Blogbeitrag mal soeben die türkische Nationalmannschaft fertig und schrieb dort unter anderem:

Soll diese limitierte Art des Fußballspielens mit der Finalteilnahme oder gar mit der Europameisterschaft belohnt werden? Falls es ein höheres Wesen gibt, das die Guten im Fußball segnet und die Schlechten in die ewige Verdammnis schickt: Diese Türken müssen das Halbfinale verlieren, schlicht deswegen, weil Fußballspiele länger als zwei Minuten zu dauern haben.

Da hat er natürlich jede Mange Kommentare darauf bekommen. Die schlimmeren sind wahrscheinlich von den ARD-Onlinern gleich entfernt worden. Trotzdem blieben noch welche drin, wie:

Manni Breuckmann, wer ist das??? Muss man den kennen – denke nicht! Und noch was: Ich bitte die ARD-Kommentatoren um ein bisschen Respekt vor den Türkischen Mitbürgern. Aussagen wie TÜRKEN SIND RAUSSSS finde ich unverschämt. Vor allem, dass wir die IDIOTEN auch noch mit unseren GEZ Gebühren füttern. Schämt EUCH.

Und wie reagiert Schalke-Fan Breuckmann: Er jammert wie eine beleidigte Diva herum. Dabei kann er doch zufrieden sein, er bekommt wenigsten haufenweise Kommentare.

Ich würde mich jedenfalls darüber freuen. Ich erhalte nämlich nie so viele Kommentare. Allerdings schreibe ich hier auch nichts über die EM (sondern hier) und nichts gegen die türkische Mannschaft.

via

Alte Medien nur noch für Alte?

tita.jpgDie ARD stellt das (Jugend-)Magazin Polylux aus Kostengründen ein. Nicht dass ich diesem Magazin mit seiner eher gedopt als adelig wirkenden Frontfrau Tita von Hardenberg (Bild) eine Träne nachweinen würde. Andererseits hätte ich aber etlichen anderen Sendungen vorher den Saft abgedreht (Beckmann, Silbereisen…). Seis drum: Mich fragt ja keiner, ich zahl ja nur.

Interessant ist der Vorgang dennoch, denn Polylux macht nicht ganz dicht, sondern als Polylog weiter. Was wohl so viel heißt wie: Fernsehen machen wir nur noch für die Alten, die Jungen bekommen das Ihrige als Blog im Internet (dass die ARD-Leute hier eine annähernd vergleichbare Reichweite erzielen, wage ich aber zu bezweifeln). Die „alten Medien“ schärfen also ihr Altersprofil. Das ist legitim, sollte sich aber schnell auch in den Zahlungsmodalitäten niederschlagen.

Zu den „alten Medien“ (eigentlich zu den noch älteren) gehören auch die Zeitungen. Ich wage mal die Prognose: Schauen Sie sich die Jugendseiten in Ihrer Lokalzeitung genau an, die wird es wahrscheinlich nicht mehr lange geben.

Fernsehen mit der Maus

Fernsehen nervt mich mehr und mehr. Vielleicht auch, weil ich schon so viel Zeit untätig damit verplempert habe. Schön finde ich daher die von Clay Shirky referierte Geschichte einer Vierjährigen, die mitten in einem Film aufsprang, hinter den Bildschirm kroch, an den Kabeln zerrte und auf die Frage, was sie da mache, sagte: Ich suche nach der Maus!

Nach der Maus hätte ich auch gerne gesucht, als ein gewisser Thomas Leif (hier ein Interview mit ihm auf tagesschau.de, das nach dem Willen der ARD noch weiter ausgebaut werden soll) am vergangenen Mittwoch inm Ersten das Machwerk „Quoten, Klicks und Kohle“ ausgestrahlen durfte. Darin griff er in die Auseinandersetzung um das Internetangebot von ARD und ZDF ein, und zwar nach dem Motto: Die öffentlich-rechtlichen Sender sind „Inseln der Qualität“, die anderen Sender und die Zeitungsverlage sind hingegen nur aufs Geld aus.

So kann man das sehen, wenn man sein Geld zwangsweise per GEZ eingetrieben bekommt. Begründet werden die Rundfunkgebühren jedoch immer mit objektiver Berichterstattung. Davon war in Leifs Beitrag nichts zu erkennen. das war ein 45-minütiger Werbefilm in eigener Sache, über den die FAZ zu Recht schreibt: „nach einem solch peinlichen Stück der Selbstbeweihräucherung und einem solchen Ausmaß manipulativer Techniken muss man lange suchen.“

Da auch ich (noch) gezwungenermaßen meine Rundfunkgebühren abdrücke, habe ich der ARD kurz nach der Sendung eine Mail geschrieben, um mich zu beschweren. Schließlich zahle ich nicht auch noch dafür, dass sich die ARD mit meinen Kröten einen billigen Vorteil verschafft, und dabei sogar noch en passant Wahlhilfe für Kurt Beck betreibt, als Dank dafür, dass der in dieser Auseinandersetzung voll die ARD-Interessen vertritt (Und außerdem: Wenn ein Herr Leif 45 Minuten in den Hintern seines Arbeitgebers kriechen darf, dann kann ich das auch – und zwar ohne „öffentlich-rechtlichen Auftrag“).

Eine Antwort auf meine Mail habe ich bislang nicht bekommen.

Aber es naht Abhilfe. Bei Telewebber wird es demnächst gemeinsames Interaktiv-Fernsehen geben, mit der Möglichkeit, das Programm aktuell zu kommentieren. Fernsehen mit Maus also. Sehr nett ist die Vorregistrierung gelöst: Man schlägt ein virtuelles Zelt auf und wird dann, wenn es los geht, per E-Mail benachrichtigt. Mein Zelt hat übrigens die Nummer 268.

Sozialisiert die ARD!

Na, da wurde es zum Schluss doch noch mal spannend auf der re:publica. Anders als die anderen Vertreter aus dem „Feindeslager“ hatte sich ARD-Sprecherin Verena Wiedemann auf das Social-Media-Treffen getraut. Als Gegenleistung kann sie jetzt eine Perspektive für die Auseinandersetzung um die Online-Auftritte der Öffentlich-Rechtlichen mitnehmen.

Die Blogger als Vertreter der „kritische Masse“ können sich nämlich durchaus mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag an sich identifizieren. Während sie sich (im Idealfall) der Kritik des aktiven Publikums stellen, tun das die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ihrer Meinung nach jedoch nicht. „Das sind öffentlich-rechtlich finanzierte Privatsender“, konstatierte Thomas Knüwer vom Handelsblatt. Und an der Twitter-Wand, wo die Zuschauer via SMS Kommentare abgeben konnten, wurde bemängelt, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Zwangsgebühren in die Kasse des Frisörs von Florian Silbereisen fließt.

Dabei wären die Möglichkeiten, die das Netz mittlerweile bietet, doch ideal für die Umsetzung eines an den Zuschauerinteressen orientierten TV-Programms. Den re:publica-Teilnehmern schwebt beispielsweise ein offener Kanal vor. Foren sollten die Diskussion um Programminhalte ermöglichen. Die Sendungen, die ja eigentlich dem Gebührenzahler gehörten, müssten allgemein zugänglich und unter Creative-Commons-Lizenz auch frei verwertbar gemacht werden. So könnte der Konsument zum Programmgestalter werden und, wie es ein Blogger formulierte, sogar „mit Stolz“ von sich behaupten, dass er der GEZ Gebühren bezahle.

Wiedemann hörte sich das alles mit Interesse an. In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um das, was die Öffentlich-Rechtlichen im Netz anbieten dürfen, ist ihr jeder Bündnispartner und jedes Argument recht. Ob aber irgendwann die „kritische Masse“ einen Bruce Darnell oder den Musikantenstadl aus dem Programm kippen wird, daran habe ich aber doch erhebliche Zweifel. Da müsste dann nicht nur, wie von Wiedemann verlangt, „die Politik“ umdenken, auch bei den Rundfunkanstalten müssten sich einige um 180 Grad drehen.

Boykottiert die ARD!

Nun haben es die Sportfunktionäre auch noch schriftlich, dass die Mehrheit der Bevölkerung für einen Olympia-Boykott ist. Gleiches haben die NZ-online-Leser eh schon gewusst, denn die Leserfrage in dieser Woche kommt sogar noch zu einem weitaus deutlicherem Ergebnis:Bild 3_1.png

Doch besagte Funktionäre dürften sich weder vom einen noch vom anderen beindrucken lassen. Zuviel Geld steht auf dem Spiel. Die Sportler werden da lediglich als billiges Argument vorgeschoben, schließlich hätten sie ihre (Doping?-)pläne eigens auf die Spiele in Peking ausgerichtet und das könne man ihnen doch nicht zunichte machen, Trainingsarbeit von Jahren sei dann für die Katz und blah, blah…

Dass die Olympischen Spiele in China die Vermittlung von „westlichen Werten“ (sind ja nicht nur Menschenrechte, sondern so etliches andere, was da noch dran hängt) vorantreiben, wäre das einzige Argument, das man gelten lassen könnte. Doch das taucht eher selten auf.

Aus den millionenschweren Verträgen mit Sponsoren und Medienunternehmen kommt nun aber anscheinend keiner der Beteiligten mehr raus. Nehmen wir nur einmal die ARD, die ist jetzt zusätzlich unter Druck, weil die Öffentlich-Rechtlichen in Frankreich aus der Olympiaberichterstattung aussteigen wollen. Die ARD wird aber sicher, wie bei der Tour de France, ihren gern propagierten kritischen Journalismus schnell an den Kleiderhaken hängen und mit ein paar Alibi-Tibet-Beiträgen zusätzliche Sendeplätze zuschustern und somit versuchen, niemand zu verprellen.

Die, die jetzt den Olympiaboykott fordern, sollten also wenigstens die ARD boykottieren. Dabei dürften sie allerdings schnell ein Gefühl für die Probleme der Olympiaverantwortlichen entwickeln. Als Gebührenzahler unterliegen sie nämlich auch Zwängen. Aus der GEZ-Nummer kommt man kaum heraus, will man nicht gänzlich auf Fernsehen verzichten. Andererseits: „Nur zahlen, aber nicht gucken“, das wäre halt auch kein echter Boykott.