Der Tatort passt nicht nach Franken

Wenn man Menschen jahrelang darben lässt und schmeisst ihnen dann ein paar Brosamen hin, dann machen sie alles für einen. Auch sich zum Affen.

Selbiges passiert gerade mit den Franken. Da bekommen sich manche plötzlich gar nicht mehr ein, weil eine wesentliche Forderung, die sich fränkische Politiker auf ihre rot-weißen Fahnen geschrieben haben, plötzlich erfüllt wurde. Nein, wir bekommen nicht mehr Geld, nein, wir werden nicht unabhängig von München, nein, wir bekommen nicht mehr Arbeitsplätze: weiter lesen

Wenn der BR mal selber recherchiert

Mag sein, dass auch der Bayerische Rundfunk sparen muss. Im Vergleich zu vielen anderen Medien geht es ihm finanziell aber nachgerade glänzend. Da kann er auf “die Herausfordeungen des Internets” schnell mal mit einem Neubau reagieren. Und wenn es trotzdem noch irgendwo zwackt, wird halt die Geheimwaffe Kurt Beck aktiviert und an der Gebührenschraube gedreht.

Neid liegt mir dennoch fern. Ich freue mich immer, wenn es Kollegen gut geht. Nur sollte vielleicht auch die Kundschaft etwas davon haben. Beim BR-Studio Franken habe ich da meine Zweifel. Dort begreift man sich als Nachrichtendienst für Franken und haut beispielsweise über Twitter täglich locker mal 20 Meldungen mit Links auf die eigene Webseite raus. Für die Follower ist das sicher nicht verkehrt, haben sie doch so immer einen guten Überblick, was in ihrer Heimat los ist. Dass sich der BR die Meldungen bei den Lokalzeitungen oder bei anderen privaten Anbietern zusammenschnorrtsucht, weiter lesen

BR, GEZ und der Wettbewerbsvorteil

Es gibt Medien, denen geht es richtig gut. Die nutzen die Krise, um sich noch besser aufzustellen und den einen oder anderen Mitbewerber vom Markt zu drängen. Nehmen wir mal den Bayerischen Rundfunk. Der kann nicht nur auf seinem ureigenen Terrain zulegen, der rüstet auch anderweitig auf: im Internet (und da nicht bloß mit Apps, sondern in der lokalen Berichterstattung).

Für vier Millionen Euro baut der Bayerische Rundfunk in Nürnberg derzeit ein neues Redaktionsgebäude, dessen Kernstück ein Newsromm für Fernsehen, Rundfunk und Online ist. Letzte Woche war Richtfest (im Bild feiern Studioleiter Martin Wagner und Architekt Hans Struhk, der bezeichnenderweise – wie die Nürnberg-Logo-Designer aus dem “Kreativzentrum” Braunschweig kommt). Im nächsten Frühjahr soll eröffnet werden. Im Neubau sollen 75 der 300 fränkischen BR-Mitarbeiter unterkommen.
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Wo BR drauf steht, ist GEZ drin

Das Problem an der analogen Welt ist: Sie ist nicht digital. Deswegen tun sich die Analog-Häuptlinge auch so schwer, das ihnen zur Machtausübung notwendige Datenmaterial zu beschaffen. Da müssen dann reale Menschen losgeschickt werden, für teures Geld und selten klimaneutral, um den Leuten ihre Daten aus der Nase zu ziehen. In der sind sie oft gerade am Popeln, wenn dann so ein Datensammler schellt, und der wird dann wegen der Störung auch nicht unbedingt freudig empfangen. Das war beim “Zensus 2011″ so und das geht jetzt ohne Pause so weiter.

Offenbar eher ohne Medienbegleitung will der Bayerische Rundfunk (wahrscheinlich ist es bei den anderen ARD-Sendern ähnlich) jetzt seine eigene Datenerhebung durchziehen. Im Grunde genommen führt er dabei einfach die “Datenerhebungen” der GEZ weiter, jetzt aber mit Hinweis auf die neue Rundfunkgebührenordnung.

Bei mir stand letzte Woche so ein “BR-Beauftragter” vor der Tür, wedelte mit einem Ausweis, auf dem “BR” stand, und versicherte bereits vor der Begrüßung: “Ich bin nicht von der GEZ.” Er wolle daher gar nicht in die Wohnung, sondern habe nur ein paar Fragen, sagte er, ließ aber dennoch seinen Blick schweifen, ob er nicht einen Fernseher oder eine Satelliten-Schüssel ausmachen könnte. Wer alles noch so im Haus wohne, wollte er wissen, ob ich noch eine selbstständige Tätigkeit ausübe… Nachdem ich mich nicht besonders auskunftsfreudig zeigte, wurde er unleidlich. “Dann muss ich das der GEZ melden”, meinte er. “Ich dachte Sie sind vom Bayerischen Rundfunk?”, wunderte ich mich über die rasante Wandlung vom guten zum bösen Cop. Wir einigten uns schließlich darauf, dass er meinen Briefkasten benutzen dürfe, um mir einen Fragebogen einzuwerfen. Das machte er dann auch, nicht ohne zuvor noch einmal das Anwesen in Augenschein zun nehmen.

Auf dem Fragebogen stand (offenbar kennen sie Leute wie mich schon):
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Stoiber und Neid auf den BR

Deutsche.JPGEs gab wohl kaum einen mit der Landespolitik befassten bayerischen Journalisten, der die Geschichte vom Schürzenjäger und CSU-Sargnagel Edmund Stoiber nicht kannte. Doch keiner traute sich, sie zu schreiben. Dabei hätte sie einiges erklärt. Zum Beispiel die rätselhafte Absage Stoibers, nach Berlin zu gehen. Doch was macht man mit einer Story, für die man keine Belege hat, außer die unter dem Zusatz “Von mir haben Sie das nicht” geäußerten Berichte von Partei-”Freunden” aus der CSU.  Da steht man dann möglicherweise ziemlich allein da als Verleumder und jemand der die Privatsphäre nicht achtet.

Dass jetzt ausgerechnet der Landtagsberichterstatter des Bayerischen Rundfunks vorprescht, zeigt dass Stoiber dort und auch bei den jetzt verantwortlichen CSU-Politikern kaum noch Bedeutung hat.  Da der BR da näher dran ist,  hat er wohl am ersten erkannt, dass die Signale für diese Geschichte mittlerweile auf Grün stehen. Nur der Name der Dame, die ja noch aktiv ist, wird weiter geheim gehalten. Wer aber unter den dafür in Frage kommenden Kandidatinnen schaut, welche am ehesten wie Stoibers Karin (Spitzname “Muschi”) aussieht, der dürfte wohl  schnell fündig werden.

Bayern nimmer weiß-blau

Über Bayern hat die Sonne aufgehört zu scheinen. Ungewohnte Demut ist eingekehrt. Die Mythen platzen reihenweise. Die bayerische Landesbank schickt Spambriefe durch die Gegend (“Schicken Sie uns bitte Ihre Kreditkarten zurück”). Nicht mal mit Klinsmann kann der FCB beim Abstiegsfavoriten Hannover punkten. Selbst die Franken, die sonst manchmal noch was herausgerissen haben, kacken ab: kläglicher FCN-Auftritt gegen Duisburg und Platz 14 in der 2. Liga (die Sechziger sind übrigens auf Platz 15, das sagt alles).

Gott hat sich abgewendet vom Land der Bayern (oder auch nicht). Er findet jetzt offenbar den Ruhrpott schöner, hat auch nichts mehr dagegen, dass der CSU-Parteivorsitzende eine Freundin hat, dass jemand im Landtag sitzt, der eine Ehe auf Zeit fordert, und selbst vom Grimmepreis des Clubtrainers lässt er sich nicht blenden.

Und wer ist schuld: Beckstein? Pauli? Lafontaine? das Wetter? das schlecht eingeschenkte Bier?

Ich würde eher sagen: die Medien! Die sind erstens fast immer schuld und machen zweitens so komisches Zeug wie Internet bzw. Web 2.0. Dabei hatten wir doch einen so gut funktionierenden Staatsfunk, der sowas bisher immer gerichtet hat. Deswegen hier noch einmal für die Nachwelt: doppelt historische dreieinhalb BR-Minuten. Beim Bayerischen Rundfunk könnte es nämlich danach auch liberaler, demütiger, demokratischer zugehen. Mein besonderer Hinweis gilt übrigens dem Satz:

“…und jetzt wird es ganz still in Bayern”.

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P.S. Was ist eigentlich mit der missglückten Wahlwerbung an der Nürnberger Kaiserburg? Ich finde, die könnten sie ruhig wieder runtertun oder wenigstens auf Halbmast hängen.

Spielt Beckstein mit Köpfen Fußball?

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein lässt nichts unversucht, sich als Mann des Sports zu profilieren. Ohne Rücksicht auf zwangseingetriebene Rundfunkgebühren ließ er sich (offensichtlich mit Unterstützung eines Stuntmans) gerade erst in der Staatskanzlei abseilen. Nun bemühte er in seiner Aussage zu den Münchner U-Bahn-Tätern wieder den Sport, wo er nun wirklich überhaupt nicht passt:

“Wer ohne einen vernünftigen Anlass und ohne Anstand mit dem Kopf eines anderen Menschen Fußball spielt, so jemand hat in Deutschland nichts zu suchen.”

Gibt es denn einen vernünftigen Anlass, um mit anderer Menschen Köpfe Fußball zu spielen?