Privatradio: Einnahmen statt Talente


„Die Jugend nutzt Hörfunk gerade nicht im Internet, sondern hört Radio überwiegend über UKW“, das sagte der BR-Hörfunkdirektor als Begründung dafür, warum der BR-Klassik-Sender auf DAB+ verfrachtet wurde, um für den Jugendsender Puls Platz zu machen. So ganz hat sich die Einschätzung über technische Affinitäten von jungen und älteren Hörern offenbar nicht durchgesetzt. Auf den Privatradio-Frequenzen geht die BLM nämlich jetzt genau den umgekehrten Weg. Da wurde gerade beschlossen, neben dem Münchner Kanal des Ausbildungssenders AfK, auch dessen Erlanger Ableger ins irgendwie nicht richtig in die Gänge kommende Digitalradio abzuschieben. In Erlangen wird die UKW-Frequenz 106,2 MHz ab 1. September von egoFM bestritten.

„Neue Einnahmen statt neuer Talente“, so lautet das Fazit der afk-Leute. Im Privatradio regiert der Kommerz. Die letzten Feigenblätter scheinen auch noch zu fallen.

Die BLM scheitert auch beim Jugendschutz

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Bevor es untergeht: Die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) wird gerade wieder vorgeführt. Der durch die Erfindung des Internets weitgehend überholte Verein, ist jetzt auch in seinem Bemühen gescheitert, die „Grundsätze der Bayerischen Verfassung“ durchzusetzen. Seit fünf Jahren versucht die BLM gegen das Ultimate Fighting Championship (UFC) vorzugehen. Der frühere bayerische Kultusminister und jetzige BLM-Chef Siegfried Schneider hat sich dazu sogar noch amtierende Minister (Aigner, Herrmann) mit ins Boot geholt, um diese „Pervertierung der sportimmanenten Werte“ abzustellen.

Geschafft hatte es die BLM aber lediglich, die UFC-Käfigkämpfe aus dem Programm von DSF/Sport1 zu verbannen. Der Video-on-Demand-Anbieter Maxdome brachte die nach BLM-Ansicht „schwer jugendgefährdenden“ Kämpfe trotzdem auf die Bildschirme. Also sollte auch das unterbunden werden. So fit sind BLM und die sie unterstützenden Minister offenbar doch, dass sie erkannt haben, wo die Leute inzwischen Bewegtbilder ansehen. weiter lesen

Nürnberg geht „off air“

Inzwischen wird es nicht einmal mehr gemeldet, wenn sich im Großraum Nürnberg Sender verabschieden. Noch nicht einmal dann, wenn es sich dabei un das Franken Fernsehen handelt.

Dabei ist es doch um einiges bemerkenswerter, dass das fränkische Fernsehen nicht mehr im fränkischen Äther empfangbar ist, als wenn – ebenfalls zum 31.5. – Bibel TV, Channel 21/Euronews und QVC ebenfalls ihren Nürnberger Terrestrik-Laden dicht machen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich bei Franken Fernsehen um einen Müller-Medien-Sender handelt, also um ein Projekt von Gunther Oschmann, der in letzter Zeit schon andere Läden dicht machen musste: die AZ-Nürnberg oder den Frankenreport. weiter lesen

Es geht nicht ums Internet, es geht um Touristen

So ist das, wenn einem ein kleines Brötchen als Bauernlaib verkauft wird. Dann kommen die einen daher und mäkeln an der Größe, andere verlangen nach einer dicken Scheibe und allerorten schießt Konfusion ins Kraut.

Womit wir beim öffentlichen WLAN für Nürnberg wären. Genauer gesagt: bei dem, was in Nürnberg als öffentliches WLAN bezeichnet wird, was aber eigentlich keines ist. Grundgedanke bei den Verhandlungen, die dann letztlich der BLM ein neues, dringend benötigtes Beschäftigungsfeld eröffnen sollen, waren nämlich die auswärtigen Touristen. Die haben bisher – wenn sie in der Nürnberger Altstadt unterwegs waren – nicht bloß wichtige Erkenntnisse über Patrizier, Dürer oder den heiligen Sebald mit nach Hause genommen, sondern, sofern sie sich die Infos im Netz besorgt haben, auch hohe Roaminggebühren. Manch einer war angesichts der Rechnung später so sauer auf die Stadt, dass er seiner gesamten Sippschaft von einer Reise abriet.

Es musste also eine Möglichkeit her, Stadtinfos abzurufen ohne den Touristen größere Kosten zu verursachen. Weil man dazu aber mit einem der vier Netzbetreiber (Telekom, O2, Vodafone, M-Net) kooperieren und dazu eine Ausschreibung machen musste, nahm die Stadt gerne das BLM-Angebot an. Angeblich auch deswegen, weil die BLM da bessere Konditionen rausschlagen könne als die Stadt. Um ins Geschäft zu kommen, sagte die BLM natürlich alles zu, was die Stadt wollte. Insofern ist das für BLM und Stadt eine „Win-Win-Situation“.

Freies WLAN ist es trotzdem nicht. Denn das gibt es am Hauptmarkt bestenfalls für eine halbe Stunde (Nachtrag: die Telekom bietet dort übrigens sowieso schon einen kostenlosen Hotspot an). Danach bedient die BLM nur noch ihre Klientel, zu der jetzt eben auch die Stadt Nürnberg gehört. Schließlich sorgt die dafür, dass die BLM weiterhin ein Alibi zum Einstreichen von Rundfunkgebühren besitzt. weiter lesen

Obacht, die BLM sucht neue Aufgaben!

Vor lauter Freude, dass es in Nürnberg demnächst endlich öffentliches W-Lan geben soll, sollten wir uns trotzdem mal mit dem potenziellen Betreiber beschäftigen: der BLM. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien wurde 1985 nämlich eigentlich gegründet um die Ausstrahlung von Privatfunk und Privatfernsehen für Bayern zu organisieren. Inzwischen sind das freilich keine neuen Medien mehr. Deswegen drängt die BLM jetzt in den Bereich offene Netze, auch in Nürnberg.

BLM-Sprecher Wolfgang Flieger verweist daher darauf, dass sich die Welt geändert habe, die BLM jedoch ihren Namen behalte. Also sei es legitim, die Geschäftsfelder in neue Medienbereiche auszuweiten. Andererseits: Die BLM ist mittlerweile auch ein relativ großer Verwaltungsapparat, dem langsam die Geschäftsgrundlage abhanden kommt. Zeitgleich mit der Ankündigung, kostenloses Surfen im Stadtgebiet zu ermöglichen, kam nämlich auch die Meldung, dass RTL und die dazu gehörigen Sender deutschlandweit aus dem terrestrischen TV-Angebot verschwinden und dass in Nürnberg, wo RTL schon seit 2010 nicht mehr ausgestrahlt wird, weitere Sender wegfallen. Gut, auf Bibel TV, Euronews oder den Verkaufssender QVC können die meisten von uns sicher verzichten. Dass dafür Sixx kommt, führt also insgesamt nicht unbedingt zu einer Verschlechterung. Dennoch: weiter lesen

Erste Web-Konferenz in Nürnberg

Dass ich das noch mal erleben darf: Ein Webkonferenz in Nürnberg! Nicht extra nach Paris, Berlin oder München fahren müssen, um sich mit Internetexperten über neueste Entwicklungen austauschen zu können, sondern das quasi fußläufig im Sheraton-Hotel erledigen zu können, das ist schon nicht schlecht.

Die LocalWebConference (LWC) fand am Donnerstag erstmalig statt und wird von den Lokalrundfunktagen, also von der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) bzw, deren Tochter, der Bayerischen Medien-Service-Gesellschaft (BayMS) veranstaltet. Gedacht ist die LWC als Pendant zu den alljährlich in Nürnberg stattfindenden Lokalrundfunktagen. Während diese den privaten Sendern und deren Mitarbeitern Tipps geben sollen, wie man seine Inhalte besser monetarisiert und die Reichweite erhöht, sollte die neue WebConference Ähnliches fürs Internet liefern.

Um es vorweg zu nehmen: Auch die Referenten bei der LWC hatten da nicht wirklich das lange gesuchte Geschäftsmodell etwa für Printverlage und Medienvertreter zu bieten. Im Augenblick werden halt eher damit Geschäfte gemacht, dass diese nach solchen Modellen suchen, um weggefallene Werbeerlöse auffangen zu können. Die LWC verschafft aber erst einmal etlichen Referenten (vorwiegend aus München) zusätzliche Honorare und – mitunter – ein Plattform um für ihre Produkte zu werben.
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Die BLM hebt ab

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) ist ein ziemlich komischer Verein. Das fängt schon beim Namen an. Neu ist für die Rundfunk und – man halte sich fest – Fernsehen. Aber nicht das öffentlich-rechtliche, sondern das Private. Die BLM soll sich darum kümmern, dass es zu keinen Auswüchsen kommt, dass niemand die katholische Kirche, die CSU oder andere im Medienrat vertretene öffentliche Einrichtungen beleidigt und dass keine unkorrekten Sender auf die Kabelliste oder in den Äther gelangen.

Viel wichtiger ist aber ein anderer Auftrag: Die BLM muss schauen, dass ihre Sender nicht abkacken. Gerade im Lokalfernsehbereich ist das ein schwieriges Unterfangen. Auf den in Nürnberg stattfindenden Lokalrundfunktagen wird jedes Jahr wieder deutlich, wie schwer es ist, das in der Produktion doch einigermaßen aufwändige Lokalfernsehen, das zudem unter dem Manko leidet, per Satellit nicht empfangbar zu sein, aus den roten Zahlen zu hieven. Dass nun auch im Internet zunehmend Bewegtbilder auftauchen, die häufig nicht mal schlechter sind als das, was diese Lokalsender anbieten, das bereitet der BLM natürlich Sorgen.

Und was macht nun die nicht gerade an Selbstzweifeln leidende Bayerische Landeszentrale? Sie sagt: Bewegtbild, das sind wir. Wenn also irgendwo mehrere Leute ein Filmchen gucken, dann muss das von der BLM genehmigt werden. Wie „streng“ die BLM dabei ist, und dass sie bei Zuschauerabzocke immer gerne alle Augen zudrückt, erkennt man hier oder hier. Welche Reichweiten das lokale Fernsehen hat, teilt uns die BLM mit ihren – nur scheinbar willkürlich gewählten – Zahlen in ihrer Presseveröffentlichung auch gleich mit: Wo 500 Leute gleichzeitig vor einer Sendung sitzen, da ist die BLM mitten unter Euch.

TV-Unternehmen, wie etwa dem Frankenfernsehen, kann man da nur raten: Bringt doch ein paar Zuschauer zum Abschalten. Bei 499 dürften die freischaffenden Contentlieferanten nämlich endlich einmal die Sau rauslassen, ohne dass ihnen die BLM reinredet.

Weil solches Saurauslassen allerdings leicht dazu führen könnte, dass die Einschaltquoten extrem nach oben gehen, ist ein anderer Rat vielleicht doch hilfreicher: Nicht mehr aus Bayern senden!

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Nachtrag (Jahre später): Im Oktober 2010 hat übrigens die Isarrunde ihren Twitterkanal (mehr als 500 Follower) als Rundfunkangebot bei der BLM angemeldet.