Von Makumbi nach Franken

Eigentlich wollte ich hier keine Blogs von NZ-Kollegen vorstellen. Das schaut doch allzu sehr nach Vetternwirtschaft aus. Beim Makumbi-Blog von Isabel Lauer mache ich aber eine Ausnahme, weil ich finde, dass das mehr gelesen gehört. Inzwischen passt das Blog auch in die Kategorie „Bloggen in Franken“, denn Isabel ist nicht mehr in Simbabwe, sondern wieder „dahamm“.

Dass sie nicht, wie geplant, ein Jahr in Makumbi geblieben ist, wo sie einen Freiwilligendienst der Jesuitenmission mitgemacht hat, lag übrigens an Problemen mit der Aufenthaltsgenehmigung. Trotzdem war sie lange genug dort, um genügend lesenswerte Blogbeiträge produzieren zu können. Wer diese Beiträge jetzt nachträglich lesen will, der muss das Blog leider von hinten aufrollen. weiter lesen

Sie heißt Neun, war aber die Erste

Da soll noch einmal jemand sagen, bloggen sei eine Männerdomäne und Frauen kämen bei Innovationen erst mit Zeitverzögerung dazu. Lisa Neun ist da der lebende Gegenbeweis. Schon 1999 hat die aus Wien stammende Erlangerin mit Frontpage eine Art Webtagebuch geführt. 2002 sattelte sie dann auf Antville um. „Ab da war es dann um mich geschehen, da wurde ich dann richtige Bloggerin.“

Das war noch zu einer Zeit, da waren Blogs noch längst nicht im Mainstream angekommen, nicht einmal bei den üblichen interessierten Kreisen. „Eigentlich wollte ich Mitte der Neunziger ausprobieren – rein technisch – wie das mit dem Internet so funktioniert. Ich hab damals in so einer Innovationsabteilung gearbeitet, da musste man das.“ Doch was mit Internet machen wollen reicht halt nicht. Man braucht auch Content. „Comics lagen da nahe, ich kritzel nämlich schon seit Jugendzeiten rum.“ …und im Internet konnte man seinen gekritzelten Figuren auch schnell ein bisschen Leben einhauchen.

Blogs in FrankenSeit April 2003 führt Lisa Neun ihr jetziges Blog unter lisaneun.com . Nach einem kurzen Abkehr von den Zeichnungen („Ich fand die einfach zu grottig und peinlich, aber nach und nach bin ich dann wieder auf die Comics gekommen, und mittlerweile mach ich eigentlich kaum mehr was Textuelles.“) ist ihr Blog wieder voll mit sprechenden Männchen. Die stammen bei ihr allerdings nicht vom Affen, sondern vom Delfin ab. Deshalb besitzen sie zum Beispiel keine Oberlippe. Inzwischen malt sie ihre sprechenden Delfine übrigens kaum noch auf Papier, sondern vorzugsweise ohne Umweg über den Scanner mit dem Grafiktablett. weiter lesen

netz10: bloggen statt glotzen

Das Blog netz10 hieß ursprünglich Linuxnetz und war ein reines IT-Blog. Vor drei Jahren hat es Jochen Engelhardt, der in der Nürnberger Nordstadt wohnt, gestartet. Irgendwann war dem 44-Jährigen das Thema Linux nicht mehr genug (kann man verstehen). Vor einem Jahr begann er unter dem Namen netz10 sein Spektrum auszuweiten. Immerhin elf Menüpunkte finden sich im Kopf von netz10. Natürlich läuft das Blog auf einem eigenen Linus-Root-Server. Jochen Engelhardt hat die neue Themenvielfalt also technisch voll unter Kontrolle.

Blogs in Franken„Mit dem Blog habe ich mich mehr gesellschaftlichen Themen zugewandt. Dazu zählen Medien und deren kritische Betrachtung, lokale Artikel rund um Nürnberg, Kultur, Politik und Internet und manchmal eine Prise Humor und Satire“, sagt Engelhardt. Inzwischen ist als neues Format ein „medienkritischer Unterhaltungs-Polit-Podcast“ hinzugekommen, in dem aktuell der hier bereits vorgestellte Blogger Ralph Stenzel zu Wort kommt.

„Viele Menschen empfinden die Berichte der herkömmlichen Medien als sehr ähnlich und greifen deshalb als Ergänzung gerne auf alternative Medien zurück.“ Engelhardt hat sich deshalb vorgenommen, seinen Lesern vorwiegend Informationen zu liefern, die sie so nirgendwo lesen können. Klar hat er Freude am Schreiben, sonst klappe das mit dem Bloggen ohnehin nicht. Aus ökonomischen oder vernünftigen Gründen brauche man das nicht zu machen. weiter lesen

Fürther Freiheit: lieber eine Nummer kleiner

Ausgerechnet Fürth, werden manche sagen. Aber so ist es nun mal: Fürth – Nürnberg oder Erlangen besitzen da nichts Vergleichbares – hat seit fast zwei Jahren ein digitales Stadtmagazin namens Fürther Freiheit. Hier kann im Prinzip jeder mitmachen. Es gibt sogar eine Anleitungsseite für Blogger-Neulinge. Wie bei einem Stadtmagazin üblich, liegt ein Schwerpunkt auf Kultur und Veranstaltungshinweisen. Stadthistorie nimmt ebenfalls einen großen Raum ein. Auch zur Lokalpolitik äußerst sich die Fürther Freiheit, etwa zu den Plänen für ein Einkaufszentrum in der Fürther Innenstadt. Schließlich kommt man auch an der Spielvereinigung nicht vorbei – denn auch in Fürth gilt: Fußball bringt Klicks.

Etwa 100 Leute schauen täglich bei der Fürther Freiheit vorbei. Für ein Hobbyprojekt nicht schlecht, findet Ralph Stenzel. Für ihn ist die Fürther Freiheit bereits das dritte Blog, das er betreibt. Zuvor hat er sein eigenes Blog „Zonebattler“ gestartet, dann eines für den Verein Medienpraxis. Die Fürther Freiheit betreut er gemeinsam mit dem als Herausgeber fungierenden Architekten Dr. med. (!) Christofer Hornstein.

Blogs in FrankenAls Konkurrenz zur Lokalpresse versteht sich die Fürther Freiheit nicht. Nichtsdestotrotz sieht Stenzel einen Bedarf „an einem engagierten Bürger-Journalismus, der weder auf Anzeigenkundschaft noch politische Sachzwänge Rücksicht nehmen muß“. Immerhin war es die Fürther Freiheit die sich als einziges Blog ausführlich mit dem Relaunch des Internetportals Nordbayern.de beschäftigt hat. weiter lesen

Sugar Ray und die Hassliebe zu Nürnberg

Eigentlich heißt er Dirk Murschall. Mittlerweile bloggt er unter seinem Künstlernamen Sugar Ray Banister. Er ist freilich auch anderweitig im Netz unterwegs, mehr dazu auf dirkmurschall.de . Mit dem Bloggen hat er bereits 2004 angefangen, da wussten viele noch gar nicht, was Blogs überhaupt sind.

Mir ist Dirk Murschall aufgefallen, weil er sich ziemlich konsequent auf die hässlichen Seiten Nürnbergs konzentrierte. Das war mal ein anderer Ansatz, wo doch die Lokalmedien nicht müde werden, schöne Fachwerkfassaden und Altstadt-Romantik in den Blick zu rücken, und so eher urfränkisches Beleidigtsein anstatt Engagement und Veränderungswillen fördern.

Blogs in FrankenDer in Hannover geborene Murschall macht keinen Hehl daraus, dass ihn der vom Arbeitgeber verordnete Umzug nach Nürnberg hart getroffen hat. Er differenziert jedoch und ist mittlerweile auch etwas gnädiger geworden. Deswegen heißt eine Rubrik im Blog auch: „Nürnberg ist hässlich, das kann aber ganz schön sein“. Sugar Ray Banister erkundet für sein Blog alte Industrieruinen, unzugängliche Räumlichkeiten oder ungenutzter Einrichtungen. „Ich mag den Charme und die Ästhetik solche Orte. Dass nun mal halb Nürnberg so aussieht, als wäre es aus der Zeit gefallen, dafür kann ich ja nichts.“

Inzwischen hat sich so etwas wie eine Hassliebe zu Nürnberg entwickelt:
weiter lesen