Ein Herz für Blogs

Wie angekündigt soll heute die Blogroll aufgerollt werden. Zum Blogrolltuesday habe ich natürlich auch ein paar Kandidaten. Schließlich kann man nicht erst etwas groß ankündigen und dann kneifen

Anfangen will ich im lokalen Bereich und zwei Blogs nennen, denen ich mit meinem „Vipraum“ nicht das Wasser reichen kann, weil sie schon weit vor mir im Netz waren: Lisa Neun aus Erlangen und Sugar Ray Banister aus Nürnberg. Wohl wegen dieses langen Erfahrungsvorsprungs fehlt diesen Blogs jegliche Aufgeregtheit und jeglicher Hang dazu, auf Klickzahlen zu schielen. Allein deswegen sind sie schon eine Empfehlung wert.

Ebenfalls lokal, aber nur für eine bestimmte Spezies interessant: Blogs zum Thema „Club“. Hier kommt man an der rührigen Clubfans_United nicht vorbei. Gleichzeitig will ich aber auch die 3 Clubfreunde, von denen ich einer bin, nicht unerwähnt lassen.

Wenn ich schon dabei bin bei der Eigenwerbung, dann feiere ich hier noch mein Alter-Ego-Blog „Depp im Web“ ab. Der Titel spricht für sich. Auch die Kollegenblogs bei NZ-Online will ich nicht vergessen.

Wer sich für Medien, Zeitungskrise und verzweifelte Reaktionen darauf interessiert, dem möchte ich das Blog von Christian Jakubetz ans Herz legen. Der beobachtet zwar speziell die Passauer Neue Presse, aber vieles davon ist ohne weiteres übertragbar.

Sehr gerne lese ich auch Twitkrit, eine Art literarische Quartett für Tweets. Hier werden lesenswerte 140-Zeichen-Texte dem schnellen Vertwittern entrissen und so der Nachwelt erhalten. Etwa: „Habe mir beim Füsse eincremen beide Hände gebrochen“ oder „Suche Zeitreiseexperten: Treffen letzten Donnerstag“ oder „Neun von zehn Stimmen in meinem Kopf sagen: Ich bin verrückt“ oder – ich kann  da gar nicht mehr aufhören – dieser hier, den man sich allerdings als Grafik anschauen muss.

So das waren jetzt schon sieben und ein paar Zerquetschte und eigentlich sollten bei der Aktion „ein Herz für Blogs“ nur fünf Blogs vorgestellt werden. Also ist es eh schon Wurst, daher verweise ich außer Konkurrenz, denn es sollen ja nur deutschsprachige Blogs empfohlen werden, halt noch auf das Blog „Fonse – ein Franke haust ab“  Das Ding ist in Hardcore-Fränkisch geschrieben und daher schon vom Sprachlichen her exotisch.

So wächst die lokale Twitterszene

Wenn man schon zunehmend mehr Kollegen und Bekannten Twittereinführungen gibt, kann man sowas gleich öffentlich machen. Allerdings will ich hier keinen weiteren Twitter-Einführungskurs liefern, solche haben andere schon zur Genüge ins Netz gestellt. Vielmehr möchte ich mich auf die lokale Twitterszene konzentrieren, um daran deutlich zu machen: Twittern ist nicht bloß sinnfreies Gezwitscher oder bedeutungsloses Gestammel, wie manche meinen.

Inzwischen tut sich im Nürnberger Twittergroßraum so einiges, so dass ich meine frühere Rinnsal-Behauptung teilweise revidieren muss.

Da sind zunächst die hiesigen Medien: Die NZ twittert vor allem aktuelle Nachrichten aus der Region. Auch die Nürnberger Nachrichten twittern. Nordbayern.de liefert Links zum Polizeibericht. Zudem haben etliche Mitarbeiter dieser Medien eigene Twitteraccounts. Etwa meine Mitbloggerinnen von Achtung, Wolf! und Marienstraße – oder der NZ-Chefredakteur.

Eine Übersicht über die lokalen „Twittereliten“ bietet Twittergrader (hier die Liste für Nürnberg). Dort findet sich unter anderem auch OB Maly, wobei ich Zweifel habe, ob er das wirklich selber macht. Mein Eindruck war bisher, dass er eher weniger in der digitalen Welt daheim ist und allenfalls weiß, was ein Browser ist. Auf jeden Fall ein Fake ist der Twitteraccount von Günther Beckstein.

Seit einigen Tagen bemüht sich übrigens auch der Nürnzwerg darum, lokale Twitterer aufzuspüren und zu seinen Followings hinzuzufügen. Gleichzeitig begutachtet er, was die lokalen Parteien tweetmäßig auf die Beine stellen.

Eher anderweitig schon vorhandene Informationen im 140-Zeichen-Format liefern die Tweets der Stadt Nürnberg, der Tourismuszentrale Nürnberg oder der Spielwarenmesse. Mit den Drei Linden gibt es in Nürnberg inzwischen das angeblich „erste Restaurant“, das twittert. Die Nürnberger SPD schließlich hat ihren letzten Parteitag für erste Twitterschritte genutzt.

Da die Fußballfans ein bisschen internetaffiner sind als Politiker oder Journalisten, twittern auch der FCN, die Fürther Spielvereinigung und diverse Clubfans, wie etwa die Clubfans-United und natürlich die 3 Clubfreunde, die etwa vom Clubsieg in Freiburg und vom Länderspiel gegen Liechtenstein live getwittert und das auch in ihrem Blog dokumentiert haben.

Selbstverständlich freue ich mich auch, wenn mir jemand folgt, in den Twitter-Vipraum.

So viel erstmal. Bestimmt habe ich ganz viele Twitterer aus der Region nicht erwähnt. Teilweise auch weil sie nicht so leicht einzuordnen sind, vor allem aber, weil ich sie einfach nicht kenne. Vielleicht hat sich das bis zum nächsten Posting über die lokale Twitterkultur aber geändert.

2009 wird ein Jahr der Ernüchterung

Den Jahresrückblick hatten wir ja schon. Herausragend: Das Geisterhaus, erst jahrelang verschlossen und Anlass für wüsteste Phantasien, wurde schließich fürs Verscherbeln des Interieurs, ein Haufen Nippes, nichts mit Geistern oder Beschwörungen, geöffnet. Dann der Club, diesmal als amtierender Pokalsieger abgestiegen. Dann der erste evangelische Franke als bayerischer Ministerpräsident, und was passiert? Er muss nach einem Jahr gehen, seine Partei ist auf Normalmaß geschrumpft. Ernüchterung, Entmythifizierung allerorten. Ernüchterung ist ohnehin das, was uns Franken am nächsten ist. Flausen, Abheben, das ist unser Ding bekanntlich nicht.

Doch das wird uns im neuen Jahr auch zugute kommen. Finanzblasen, Subprime-Geschäfte, Hedgefonds etc. kemmer nich, kriegmer nich rein! Reelles vor sich hinwerkeln, das wird auch 2009 weiter laufen. Während Ingolstadt boomt und München das Jammern lernen wird, bleibt in Nürnberg, alles wie es war. Da wurde immer schon gejammert.

Trotzdem, ein paar worst-case-Szenarien sollten als Ausblick schon sein. Fürth wird erstmals Dritter, aber nur um zu verhindern, dass der FCN aufsteigt, scheitert dann aber in der Relegation kläglich. Der Club wird Vierter und muss ansehen, wie die Greuther sich aus Daffke – sagen wir mal von Bielefeld – die Bude voll hauen lassen …

Die Arbeitswelt wird sich massiv ändern. Gehalt bekommt nur, wer daheim bleibt. Wir wollen dich nicht mehr sehen, du nimmst uns eh nur die Stellplätze weg. Die Leute kommen trotzdem. Es stellt sich heraus, dass sie nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Familienersatzes ins Büro gehen. Gewerkschaften werden nicht mit Lohnforderungen, sondern mit Recht auf Familie argumentieren. Die angedrohte Schließung der Pressekantine wird erstmals dazu führen, dass streikbedingt keine Zeitung erscheint. Die Journalisten werden auf Gehalt verzichten, im Gegenzug erhalten sie freie Kost und das Recht auf 90 Minuten Mittagspause (mit Nachspülzeit).

Alkohol und Kaffee werden verboten. Es entstehen zwar Bierclubs und Starbucks-Vereine. Die ersten werden jedoch anmahnen, dass Sex und Fitnessprogramme ebenfalls süchtig machen. 2009 wird ein Jahr der Ernüchterungen, also unser Jahr. In diesem Sinne: auf ein xundes, erfolgreiches, fränkisches 2009! Und womit stoßen wir an? Mit N-Ergie-Wasser aus der Leitung, womit sonst!

Adventskalender: #Türchen 12

Sterne__54_.gifIn schwereren Zeiten lebt man gerne von der Erinnerung an bessere. So verhält sich das auch mit dem Türchen heute. Wobei sich in dem Türchen sozusagen noch ein weiteres Türchen öffnet, was manche damals ziemlich geärgert hat.

Es handelt sich um die Pokalfeier am Nürnberger Hauptmarkt als der Bayerische Rundfunk mitten in der Rede von Hans Meyer abbrach und einen Tierfilm über einen kleinen Luchs zeigte.

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Hinterher musste sich der arme Markus Othmer, der nun wirklich überhaupt nichts dafür konnte, umständlich entschuldigen.

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Der Club wandert ein Häuschen weiter

Bislang habe ich hier auch hin und wieder über unseren ruhmreichen FCN geschrieben. Das hat mir nicht unwesentlich Traffic auf meinem Blog beschert. Andererseits haben sich viele Vipraum-Leser auch mokiert, weil ihrer Meinung nach der Fußball im Allgemeinen und der Club im Besonderen  nicht so recht zu den anderen Postingthemen passen würde. Nun habe ich die Konsequenzen gezogen und verwirkliche mich fanmäßig an anderer Stelle, im neu eröffneten Blog „Die 3 Clubfreunde“. Dort schreibe ich zusammen mit Marco Puschner und Thomas Susemihl über den aktuellen Rekordabsteiger und früheren Rekordmeister 1.FC Nürnberg. Also, aufgemerkt: Der Club findet ab sofort drüben statt!

Erschien in Allgemein | Kommentare deaktiviert für Der Club wandert ein Häuschen weiter

Bayern nimmer weiß-blau

Über Bayern hat die Sonne aufgehört zu scheinen. Ungewohnte Demut ist eingekehrt. Die Mythen platzen reihenweise. Die bayerische Landesbank schickt Spambriefe durch die Gegend („Schicken Sie uns bitte Ihre Kreditkarten zurück“). Nicht mal mit Klinsmann kann der FCB beim Abstiegsfavoriten Hannover punkten. Selbst die Franken, die sonst manchmal noch was herausgerissen haben, kacken ab: kläglicher FCN-Auftritt gegen Duisburg und Platz 14 in der 2. Liga (die Sechziger sind übrigens auf Platz 15, das sagt alles).

Gott hat sich abgewendet vom Land der Bayern (oder auch nicht). Er findet jetzt offenbar den Ruhrpott schöner, hat auch nichts mehr dagegen, dass der CSU-Parteivorsitzende eine Freundin hat, dass jemand im Landtag sitzt, der eine Ehe auf Zeit fordert, und selbst vom Grimmepreis des Clubtrainers lässt er sich nicht blenden.

Und wer ist schuld: Beckstein? Pauli? Lafontaine? das Wetter? das schlecht eingeschenkte Bier?

Ich würde eher sagen: die Medien! Die sind erstens fast immer schuld und machen zweitens so komisches Zeug wie Internet bzw. Web 2.0. Dabei hatten wir doch einen so gut funktionierenden Staatsfunk, der sowas bisher immer gerichtet hat. Deswegen hier noch einmal für die Nachwelt: doppelt historische dreieinhalb BR-Minuten. Beim Bayerischen Rundfunk könnte es nämlich danach auch liberaler, demütiger, demokratischer zugehen. Mein besonderer Hinweis gilt übrigens dem Satz:

„…und jetzt wird es ganz still in Bayern“.

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P.S. Was ist eigentlich mit der missglückten Wahlwerbung an der Nürnberger Kaiserburg? Ich finde, die könnten sie ruhig wieder runtertun oder wenigstens auf Halbmast hängen.

Söder stoppt den Bildschirmschlaf

soeder.jpgMarkus Söder zeigt jetzt auch im Netz, dass er der Mann der Zukunft ist. Genauer gesagt: Er will das zeigen und hat sich dafür eine aufwändige Webseite bauen und auch gleich bei Youtube ein paar Filmchen einstellen lassen.

Ich weiß, ich weiß. Das hier ist jetzt virales Marketing. Dem Söder ist es nämlich völlig egal, ob man ihn mag, Hauptsache, er wird erwähnt. Insofern bin ich hier so etwas wie ein Erfüllungsgehilfe. Aber ich helfe gerne. Und daher jetzt ein paar Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge zum Söderschen Internetauftritt.

Da ist zunächst der Umstand, dass Söder Europaminister ist. Bloß: Europa kommt auf seiner Seite gar nicht richtig vor. Nur irgendwo versteckt unter den Arbeitsnachweisen.

Statt mit seinem Arbeitsfeld gamst Söder dafür enorm mit Videospielereien auf. Unter anderem hat er so etwas wie eine Weckfunktion eingebaut. Wenn man eine Minute lang vor der Webseite sitzt, beginnt der smarte Markus von innen an den Bildschirm zu klopfen. Wolle mern roi losse?

Also gut, die Videos. Dort erzählt er, dass er ein Fan von Franz-Josef Strauß ist, dass er Startrek mag, die Linken dagegen nicht, weil sie dem Volk nicht aufs Maul schauen. Die CSU und er seien einfach „näher am Menschen“. Jedoch: Wenn das Webvolk sein Maul an Söders Ohr halten will, dann hat es (im Gegensatz zu seinem, natürlich schwarzen, Hündchen) Pech gehabt. Lediglich ein E-Mail-Formular bietet er an, bei dem man auch noch gefälligst vollständigen Namen und Adresse angeben soll, damit man – falls man gemeinerweise den Newsletter nicht abonniert – per Post mit den Söderschen Ansichten bombardiert werden kann. Bei Youtube gäbe es zumindest die Kommentarmöglichkeit.  Ich fürchte aber, dass da kritischere Beiträge nicht lange drin stehen bleiben. Vielleicht kann es ja jemand mal ausprobieren und seine Erfahrungen hier bei den Kommentaren einstellen.

Und noch etwas muss natürlich erwähnt werden (Nichtfußballfans, die sich aufregen, dass im Vipraum zu viel vom Club die Rede ist, können das Lesen einstellen!): Söder sitzt bekanntlich im Aufsichtsrat des 1.FCN. Manche behaupten: als undichte Stelle. Wie dem auch sei! Auf seiner Website präsentiert er sich jedenfalls mit Clubkäppi und mit Pokal. Blöd nur, dass dann gleichzeitig in der Navigation unter „1.FCN“ steht „Für Bayern“. Ja, was denn nun? Club- und Bayernfan, das geht ja nun mal gar nicht!

Sagt Nein zur Metropolregion!

Zugegeben, ich bin hier auch schon manchmal in Versuchung geraten, einfach mal irgendeinen Scheiß abzusondern, über den sich die Leute massiv aufregen, um dann Klicks und Kommentare ohne Ende zu bekommen.

Wie man gar nicht mal absichtlich produzierten Mist nachträglich zu Gold  machen kann, das führt dezeit der FDP-Landtagskandidat Jörg Hahn vor. In seiner Zweitidentität als Geschäftsführer des Marketingvereins Metropolregion Nürnberg jubelt er seinen kryptischen und unausgegorenen FCN-Kinospot nun in einer „Presseerklärung“ zum grandiosen Erfolg hoch. Der Spot sei nicht, wie manche behaupten, peinlich und daneben, sondern etwas ganz anderes, auf das wir Werbelaien nie gekommen wären: „Virales Marketing nennen das die Fachleute.“

Hier noch einmal der Originalwerbespot:

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Und hier die Folgen des grandiosen Viralmarketings: das Gegenvideo eines Greuther Fans mit der Botschaft „Fürther, sagt Nein zur Metropolregion Nürnberg“:

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Einer dieser Fachleute (der Leiter des Marketingforums der Metropolregion Dirk von Vopelius) entgegnet übrigens auf die in YouTube geäußerte Kritik der „Jungs“ an der Qualität des Spots, auf der Metropolregion-Seite gebe es den Film in „high-quality“. Der Film ist dort aber der gleiche, nur die Bildauflösung ist höher.

„Hauptsache scharf, der Inhalt ist (brat-)wurst!“ Diese Werbebotschaft überlasse ich Euch Jungs vom Marketing der Metropolregion gerne kostenlos. Ich glaube, Ihr könnt Almosen brauchen!

Hier folgt dann noch die gesamte Pressemitteilung des Marketingvereins: weiter lesen

SPD: Ist da noch jemand?

Bussi Beck ist weg. Eine Träne weine ich ihm nicht nach. Aber Münte und Steinmeier? Gibts denn in dieser angeblich so großen Volkspartei niemand anderen? Das ist ja wie beim Club, nur dass die dort statt Meyer, Wolf oder Entenmann schließlich doch mit Michael Oenning ein neues Gesicht genommen haben.

Abgesehen davon hätte die SPD bei der Unternehmensfreundlichkeit der beiden „Neuen“ auch gleich den Westerwelle vom Konkurrenzverein aus dem laufenden Vertrag rauskaufen können. Dass man als SPD-Spitzenkandidaten nämlich nicht einmal mehr „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“ singen können muss, hat schon der Hamburger SPD-Chef Michael Naumann unter Beweis gestellt:

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Nachtrag: Heute, wo es wirklich interessant wäre, twittert SPD-Generalsekretär Hubertus Heil natürlich nicht.  Wer nur bei schönem Wetter zwitschert, kann es eigentlich auch bleiben lassen.