Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Die Polizei und der Twitter-Alltag

Bei den sozialen Netzwerken ist es mittlerweile fast wie bei den Zeitungen: Es muss auch publiziert werden, wenn nichts passiert ist. Dabei gäbe es durchaus Beispiele, es anders zu machen, wie etwa das Alarmsystem Katwarn.

Die Polizei Mittelfranken geht dennoch den anderen Weg. Seit zwei Wochen sind dort drei Mitarbeiter für die Veröffentlichungen auf Facebook und Twitter zuständig. Anders als unsereins bekam das Polizeipräsidium für seine Social-Media-Aktivitäten auch kostenlose Starthilfe. Funk und Fernsehen berichteten groß, die beiden örtlichen Zeitungen meldeten das Ereignis sogar auf ihren „Schürzen“ (das sind die mit mehr oder weniger gelungenen, täglich wechselnden Schlagzeilen bedruckten Plakate auf den stummen Verkäufern). Mehr Werbung geht kaum.
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Nord-Süd-Konflikt in der Nürnberger AfD

Im rechten Lager scheint es kein Limit für Abstrusitäten zu geben. „Sophie Scholl würde AfD wählen“, hieß es da am vergangenen Wochenende. Der Beitrag mit dem Scholl-Zitat (siehe nebenstehendes Bild) und der genannten Folgerung wurde freilich nicht von einem durchgeknallten Hasskommentator gepostet, sondern von der AfD-Nürnberg-Süd/Schwabach.

Der AfD-Account (mittlerweile ist die nach eigenem Impressum „offizielle Seite des AfD-Kreisverbandes Nürnberg Süd/Schwabach“ offline wieder online) hatte zwar nur ca. 300 Likes. Das Bild verbreitete sich dennoch rasend schnell. Mehr als 1000 Mal wurde es bei Facebook geteilt. Die Zahl der Kommentare ist mittlerweile drei Mal so hoch. Unter diesen sind allerdings viele, die den Beitrag als „bodenlos“ und als „Frechheit“ bezeichnen. Manche, wie etwa der Comedian Kurt Krömer, gaben sich sogar etwas mehr Mühe, der AfD zu erklären, warum der Beitrag unmöglich ist:
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So tarnen sich rechte „Nachrichtenseiten“

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Die „Lügenpresse“ bekommt Konkurrenz. Rechte Aktivisten versuchen mittlerweile in die Lücke zu stoßen, die die – nicht nur von ihnen betriebene Propaganda – gegen die „Systempresse“ gerissen hat. Inzwischen auch auf lokaler Ebene. Zum Beispiel bei der Neonazidemo am Samstag in Zirndorf. Die auf Facebook als „Nachrichtenseite“ agierende „Franken-Presse“ rief nicht bloß seit Tagen zur Teilnahme an der Rechten-Demo unter dem Motto „Zirndorf sagt Nein zum Heim“ auf, sie versorgte ihre Leserschaft auch mit „objektiven“ Meldungen vom Demogeschehen. So wurde da zum Beispiel eine – von der „Lügenpresse“ natürlich verschwiegene – politisch unkorrekte Äußerung gebrandmarkt. Nein, nicht durch irgendwelche Redner, sondern durch eine Angestellte der Beck-Filiale.

Genauso wie sich die rechten Demoteilnmehmer als harmlose „Spaziergänger“ tarnen, versuchen es auch die rechten „Nachrichtenseiten“-Macher mit Camouflage. Da wird hier ein Filmchen zur Gärtla-Schließung geteilt, da zur Erbauung ein Bikinimädchen abgebildet… Auch ein paar überregionale Nachrichten werden gepostet, gerne von ostdeutschen AfD-Verbänden. Und natürlich gibt es ein Impressum mit Geschäftsführer, Chefredakteur, Redakteur und einer Postadresse für den (na, was klingt noch seriöser als „Franken“?) „Nordbayern-Verlag“.
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Mausrutschen gibt´s auch beim DFB

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (M) erklärt am 09.11.2015 im Anschluss an die Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main (Hessen) neben den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch (l) und Reinhard Rauball seinen Rücktritt. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Am Sonntag ist die DFB-Mannschaft im Augsburger Gewitterregen ausgerutscht. Doch auch DFB-Funktionären können Ausrutscher passieren. Mit einem solchen hat der DFB-Vizepräsident Rainer Koch (links im Bild) jetzt seine liebe Not.

Auf Kochs Facebookseite erschien plötzlich folgender Post:

koch

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Facebook: Löschen für Angela?

HANDOUT Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am 26.09.2015 zu Beginn des Arbeitsmittagessen des UN Private Sector Forums 2015 "Implementing the Sustainable Development Goals". Staats- und Regierungschefs treffen sich beim Gipfel der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

ralphMittlerweile empfiehlt es sich, seine Facebookbeiträge öfter mal per Screenshot zu dokumentieren. Seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Facebook-Chef intervenierte und der daraufhin zu einer Charmeoffensive nach Berlin gekommen ist, wird nämlich verstärkt gelöscht. Aber nicht nur die einschlägigen Hasskommentare aus dem rechten Spektrum.
Gerade war beispielsweise der frühere Kreisvorsitzende der Nürnberger Grünen Ralph Hoffmann unter den Opfern. Drei Tage wurde er von Facebook gesperrt, nachdem er „In der CDU gibt es eine Nazi-Frau“ gepostet hatte. Da im Netz gerade die Aufregung um Erika Steinbach (wieder mal) hochkochte, konnte sich jeder unschwer zusammenreimen, wer da gemeint war (es ging um das getwitterte Bild rechts unten).

Natürlich könnte man anmerken, das sei trotzdem eine Beleidigung und verstoße damit gegen die Facebook-Regeln. Demgegenüber verweist Hoffmann allerdings darauf, dass es in der CDU zuvor schon Nazis gegeben habe, etwa Martin Hohmann oder Hans Filbinger. Nach dem Facebook-Terms hätte man solche Fälle letztlich nicht aufklären oder benennen dürfen.
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Schickt mir ein Fax, ich bin Journalist!

Telefax.JPG    Zum Themendienst-Bericht"Telekommunikation/Verbraucher/Ratgeber/KORR" von Karlhorst Klotz vom 14. Mai: Wenn das Faxgerät zur Nervensäge wird - viele Verbraucher ärgern sich über Werbefaxe, die ihnen unaufgefordert zugeschickt werden. (Honorarfreie Veröffentlichung nur für dpa/gms-Themendienst-Bezieher mit dem Quellenhinweis "Elke Wentker/dpa/gms")Von Rechten und Pegidioten werden wir der Lüge bezichtigt. Doch auch Leute, die auf der Seite des Fortschritt stehen, trampeln auf uns Journalisten herum. Als Beleg für die Verschnarchtheit unseres Berufstandes dient ihnen in letzter Zeit gerne der Deutsche Journalistenverband.

Dessen Musikgeschmack habe ich hier bereits gegeißelt. Inzwischen fiel unser Verband zunächst durch brüderleartiges Machogehabe unangenehm auf. Und jetzt kommt er auch noch daher und beklagt sich, den Medien würden von der Bundesregierung Informationen verwehrt, indem sie nur auf Facebook veröffentlicht werden.
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Gurkenverkostung: Lidl versteht keinen Spaß

In Eschenau befinden sch die Baeckeria vom Wiehgaertner und der Discounter Lidl mit einer Backstation darin Tuer an Tuer. Zehn Prozent Einbuvüen muessen die Baecker durch die Billigkonkurrenz hinnehmen. Foto: Klaus-Dieter SchreiterLidl mag zwar billig sein, Spaß verstehen sie dort aber nicht. Kaum hatte die Facebook-Seite „Lidl Nürnberger Hauptbahnhof“ ein bisschen Aufmerksamkeit und Reichweite generiert, schon war sie wieder weg.

Möglicherweise bin sogar ich mitschuldig. Denn als ich die Anfrage an Lidl stellte, war die Seite noch online. Nicht einmal eine Stunde später kam die Antwort: weiter lesen

Was passierte in der Notaufnahme?

klinikEs war nur ein kleiner Facebookeintrag auf der Seite „Mein Höchstadt, dein Höchstadt, unser Höchstadt“. Aber die Folgen waren groß. Nicht nur beim Höchstädter Kreiskrankenhaus wurden intensive Recherchen durchgeführt, inzwischen sind auch der Landrat und die politischen Gremien eingeschaltet.

Beim Altstadtfest in Höchstadt ging es diesmal höher her als sonst. Wegen der Hitze wurde wohl auch das eine oder andere Bier mehr getrunken. In der Nacht zum Sonntag kam es dann zu jenen Vorkommnissen, die auf besagter Facebookseite folgendermaßen beschrieben wurden (Nachtrag: Die Seite „Mein Höchstadt…“ hat den Post mittlerweile gelöscht):

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