Nürnberg ist langweilig und das ist gut so

xDa kommt er wieder, der Langweiligkeits-Vorwurf. In Nürnberg kann man fast die Uhr danach stellen und wenn sich dann Meldungen wie das Ende des Opernballs paaren mit Bauerntheater-Vergleichen angesichts der FCN-Jahreshauptversammlung oder mit der Präsentation moderner Errungenschaften, die obwohl um Jahre zu spät auch nicht richtig funktionieren, dann ist es halt wieder soweit,

Das Prädikat „„langweiligste Großstadt Deutschlands“ verfolgt uns schon seint mehr als 20 Jahren. Inzwischen kam „das Duisburg Bayerns“ hinzu. Die Duisburger sind uns dabei immerhin insofern voraus, als es deren Traditionsverein bereits in die 3. Liga geschafft hat. Da will unserer mit seinen festzementierten Vorstand (institutionalisierte Langeweile, auf ewig Bader!) erst noch hin.

Freilich: Werden Gelsenkirchen oder Dortmund wegen ihrer Fußballvereine als Städte interessanter? Wird München liebenswerter durch den FC Bayern? Insofern kann man hier Entwarnung geben. Auch das Ende des Opernballs dürfte 99,9 Prozent der Weltbevölkerung am Sitzfleisch vorbei gehen. weiter lesen

Drittligist in spe will neues Stadion

nnBeim Nürnberger Zweitligisten läuft einiges schief. Das wird an anderer Stelle bereits ausführlich beschrieben. Dass man dort aber auch erstaunlich wenig Gefühl für den richtigen Moment entwickelt, das konnten die Leser der Nürnberger Nachrichten (Artikel leider nicht online) heute erleben. Dort wird auf mehr als einer halben Seite der Wunsch des 1.FCN nach einem neuen Stadion dargelegt. Finanzvorstand Ralf Woy schwärmt da von der Atmosphäre in Dortmund und träumt von einer rot-schwarzen Wand, die die Clubspieler nach vorne peitscht.

Dass der Club sich durch ein neues Stadion zusätzliche Einnahmen erhofft, ist bekannt. Dass er Pläne dafür ausbaldowert auch. Am kommenden Freitag tagt der Werkausschuss Frankenstadion und wird dort einen Verlust für das Stadion von einer Million Euro zur Kenntnis nehmen müssen, versehen mit der Prognose, dass aufgrund des Abstiegs die Einnahmen künftig nochmal geringer ausfallen werden. Dazu stehen einerseits bauliche Investitionen an, andererseits wünscht sich der Club-Vorstand, die Stadt solle sich finanziell am Neubau eines reinen Fußballstadions beteiligen. Eventuell könne sie dann 2024 bei der Europameisterschaft ein paar Spiele abgreifen. weiter lesen

Sogar Google hält das Derby für relevant

Wer heute die Lokalblätter aufschlägt, erkennt recht schnell: Am Derby zwischen dem Club und diesem anderen Verein aus der Nachbarschaft besteht ein öffentliches Interesse. Das weiß sogar der wohl mächtigste Konzern der Welt: Google. Doch nicht nur das. Er erachtet es für die Welt sogar als relevant, ob jemand zu den einen oder zu den anderen hält.

Vor zwei Monaten reagierte Google auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes. Um das „Recht auf Vergessen“ umzusetzen, durften Löschanträge gestellt werden. Da ich damals mit meinem Verein mal wieder extrem haderte und sogar drauf und dran war, meine Fußballfankarriere an den Nagel zu hängen, betrieb ich Frustabbau per Löschantrag.

Körper- und Geisteshaltung in diesem Beitrag schienen mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz angebracht, weshalb ich diesen nicht bei meiner Namenssuche erwähnt wissen wollte.

Jetzt teilte mir Google rechtzeitig zum heute Abend stattfindenden Derby seine – von wem, nach welchen Kriterien? – getroffene Entscheidung mit. Obwohl der Mehrzahl der Anträge bislang stattgegeben wurde, wurde meiner abgelehnt. Mit folgender Begründung:

„Sehr geehrter Herr Viebig,

vielen Dank für Ihre Anfrage…

Nach einer Abwägung der uns bekannten Umstände sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Anzeige des/der von Ihnen beanstandeten Nachrichtenartikel(s) in den Suchergebnissen von Google derzeit relevant ist und daran nach wie vor ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht…

Ich nehme mal zu Googles Gunsten an, dass Journalisten-Verbindungen, die eine unabhängige Berichterstattung beeinträchtigen, eine Relevanz für die Öffentlichkeit besitzen. Insofern beuge ich mich dem Urteil und werde – anders als zwei Kollegen von der „Zeit“ – mich nicht noch mehr zum Affen machen.

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So wächst die lokale Twitterszene

Wenn man schon zunehmend mehr Kollegen und Bekannten Twittereinführungen gibt, kann man sowas gleich öffentlich machen. Allerdings will ich hier keinen weiteren Twitter-Einführungskurs liefern, solche haben andere schon zur Genüge ins Netz gestellt. Vielmehr möchte ich mich auf die lokale Twitterszene konzentrieren, um daran deutlich zu machen: Twittern ist nicht bloß sinnfreies Gezwitscher oder bedeutungsloses Gestammel, wie manche meinen.

Inzwischen tut sich im Nürnberger Twittergroßraum so einiges, so dass ich meine frühere Rinnsal-Behauptung teilweise revidieren muss.

Da sind zunächst die hiesigen Medien: Die NZ twittert vor allem aktuelle Nachrichten aus der Region. Auch die Nürnberger Nachrichten twittern. Nordbayern.de liefert Links zum Polizeibericht. Zudem haben etliche Mitarbeiter dieser Medien eigene Twitteraccounts. Etwa meine Mitbloggerinnen von Achtung, Wolf! und Marienstraße – oder der NZ-Chefredakteur.

Eine Übersicht über die lokalen „Twittereliten“ bietet Twittergrader (hier die Liste für Nürnberg). Dort findet sich unter anderem auch OB Maly, wobei ich Zweifel habe, ob er das wirklich selber macht. Mein Eindruck war bisher, dass er eher weniger in der digitalen Welt daheim ist und allenfalls weiß, was ein Browser ist. Auf jeden Fall ein Fake ist der Twitteraccount von Günther Beckstein.

Seit einigen Tagen bemüht sich übrigens auch der Nürnzwerg darum, lokale Twitterer aufzuspüren und zu seinen Followings hinzuzufügen. Gleichzeitig begutachtet er, was die lokalen Parteien tweetmäßig auf die Beine stellen.

Eher anderweitig schon vorhandene Informationen im 140-Zeichen-Format liefern die Tweets der Stadt Nürnberg, der Tourismuszentrale Nürnberg oder der Spielwarenmesse. Mit den Drei Linden gibt es in Nürnberg inzwischen das angeblich „erste Restaurant“, das twittert. Die Nürnberger SPD schließlich hat ihren letzten Parteitag für erste Twitterschritte genutzt.

Da die Fußballfans ein bisschen internetaffiner sind als Politiker oder Journalisten, twittern auch der FCN, die Fürther Spielvereinigung und diverse Clubfans, wie etwa die Clubfans-United und natürlich die 3 Clubfreunde, die etwa vom Clubsieg in Freiburg und vom Länderspiel gegen Liechtenstein live getwittert und das auch in ihrem Blog dokumentiert haben.

Selbstverständlich freue ich mich auch, wenn mir jemand folgt, in den Twitter-Vipraum.

So viel erstmal. Bestimmt habe ich ganz viele Twitterer aus der Region nicht erwähnt. Teilweise auch weil sie nicht so leicht einzuordnen sind, vor allem aber, weil ich sie einfach nicht kenne. Vielleicht hat sich das bis zum nächsten Posting über die lokale Twitterkultur aber geändert.

2009 wird ein Jahr der Ernüchterung

Den Jahresrückblick hatten wir ja schon. Herausragend: Das Geisterhaus, erst jahrelang verschlossen und Anlass für wüsteste Phantasien, wurde schließich fürs Verscherbeln des Interieurs, ein Haufen Nippes, nichts mit Geistern oder Beschwörungen, geöffnet. Dann der Club, diesmal als amtierender Pokalsieger abgestiegen. Dann der erste evangelische Franke als bayerischer Ministerpräsident, und was passiert? Er muss nach einem Jahr gehen, seine Partei ist auf Normalmaß geschrumpft. Ernüchterung, Entmythifizierung allerorten. Ernüchterung ist ohnehin das, was uns Franken am nächsten ist. Flausen, Abheben, das ist unser Ding bekanntlich nicht.

Doch das wird uns im neuen Jahr auch zugute kommen. Finanzblasen, Subprime-Geschäfte, Hedgefonds etc. kemmer nich, kriegmer nich rein! Reelles vor sich hinwerkeln, das wird auch 2009 weiter laufen. Während Ingolstadt boomt und München das Jammern lernen wird, bleibt in Nürnberg, alles wie es war. Da wurde immer schon gejammert.

Trotzdem, ein paar worst-case-Szenarien sollten als Ausblick schon sein. Fürth wird erstmals Dritter, aber nur um zu verhindern, dass der FCN aufsteigt, scheitert dann aber in der Relegation kläglich. Der Club wird Vierter und muss ansehen, wie die Greuther sich aus Daffke – sagen wir mal von Bielefeld – die Bude voll hauen lassen …

Die Arbeitswelt wird sich massiv ändern. Gehalt bekommt nur, wer daheim bleibt. Wir wollen dich nicht mehr sehen, du nimmst uns eh nur die Stellplätze weg. Die Leute kommen trotzdem. Es stellt sich heraus, dass sie nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Familienersatzes ins Büro gehen. Gewerkschaften werden nicht mit Lohnforderungen, sondern mit Recht auf Familie argumentieren. Die angedrohte Schließung der Pressekantine wird erstmals dazu führen, dass streikbedingt keine Zeitung erscheint. Die Journalisten werden auf Gehalt verzichten, im Gegenzug erhalten sie freie Kost und das Recht auf 90 Minuten Mittagspause (mit Nachspülzeit).

Alkohol und Kaffee werden verboten. Es entstehen zwar Bierclubs und Starbucks-Vereine. Die ersten werden jedoch anmahnen, dass Sex und Fitnessprogramme ebenfalls süchtig machen. 2009 wird ein Jahr der Ernüchterungen, also unser Jahr. In diesem Sinne: auf ein xundes, erfolgreiches, fränkisches 2009! Und womit stoßen wir an? Mit N-Ergie-Wasser aus der Leitung, womit sonst!

Der Club wandert ein Häuschen weiter

Bislang habe ich hier auch hin und wieder über unseren ruhmreichen FCN geschrieben. Das hat mir nicht unwesentlich Traffic auf meinem Blog beschert. Andererseits haben sich viele Vipraum-Leser auch mokiert, weil ihrer Meinung nach der Fußball im Allgemeinen und der Club im Besonderen  nicht so recht zu den anderen Postingthemen passen würde. Nun habe ich die Konsequenzen gezogen und verwirkliche mich fanmäßig an anderer Stelle, im neu eröffneten Blog „Die 3 Clubfreunde“. Dort schreibe ich zusammen mit Marco Puschner und Thomas Susemihl über den aktuellen Rekordabsteiger und früheren Rekordmeister 1.FC Nürnberg. Also, aufgemerkt: Der Club findet ab sofort drüben statt!

Söder stoppt den Bildschirmschlaf

soeder.jpgMarkus Söder zeigt jetzt auch im Netz, dass er der Mann der Zukunft ist. Genauer gesagt: Er will das zeigen und hat sich dafür eine aufwändige Webseite bauen und auch gleich bei Youtube ein paar Filmchen einstellen lassen.

Ich weiß, ich weiß. Das hier ist jetzt virales Marketing. Dem Söder ist es nämlich völlig egal, ob man ihn mag, Hauptsache, er wird erwähnt. Insofern bin ich hier so etwas wie ein Erfüllungsgehilfe. Aber ich helfe gerne. Und daher jetzt ein paar Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge zum Söderschen Internetauftritt.

Da ist zunächst der Umstand, dass Söder Europaminister ist. Bloß: Europa kommt auf seiner Seite gar nicht richtig vor. Nur irgendwo versteckt unter den Arbeitsnachweisen.

Statt mit seinem Arbeitsfeld gamst Söder dafür enorm mit Videospielereien auf. Unter anderem hat er so etwas wie eine Weckfunktion eingebaut. Wenn man eine Minute lang vor der Webseite sitzt, beginnt der smarte Markus von innen an den Bildschirm zu klopfen. Wolle mern roi losse?

Also gut, die Videos. Dort erzählt er, dass er ein Fan von Franz-Josef Strauß ist, dass er Startrek mag, die Linken dagegen nicht, weil sie dem Volk nicht aufs Maul schauen. Die CSU und er seien einfach „näher am Menschen“. Jedoch: Wenn das Webvolk sein Maul an Söders Ohr halten will, dann hat es (im Gegensatz zu seinem, natürlich schwarzen, Hündchen) Pech gehabt. Lediglich ein E-Mail-Formular bietet er an, bei dem man auch noch gefälligst vollständigen Namen und Adresse angeben soll, damit man – falls man gemeinerweise den Newsletter nicht abonniert – per Post mit den Söderschen Ansichten bombardiert werden kann. Bei Youtube gäbe es zumindest die Kommentarmöglichkeit.  Ich fürchte aber, dass da kritischere Beiträge nicht lange drin stehen bleiben. Vielleicht kann es ja jemand mal ausprobieren und seine Erfahrungen hier bei den Kommentaren einstellen.

Und noch etwas muss natürlich erwähnt werden (Nichtfußballfans, die sich aufregen, dass im Vipraum zu viel vom Club die Rede ist, können das Lesen einstellen!): Söder sitzt bekanntlich im Aufsichtsrat des 1.FCN. Manche behaupten: als undichte Stelle. Wie dem auch sei! Auf seiner Website präsentiert er sich jedenfalls mit Clubkäppi und mit Pokal. Blöd nur, dass dann gleichzeitig in der Navigation unter „1.FCN“ steht „Für Bayern“. Ja, was denn nun? Club- und Bayernfan, das geht ja nun mal gar nicht!

Sagt Nein zur Metropolregion!

Zugegeben, ich bin hier auch schon manchmal in Versuchung geraten, einfach mal irgendeinen Scheiß abzusondern, über den sich die Leute massiv aufregen, um dann Klicks und Kommentare ohne Ende zu bekommen.

Wie man gar nicht mal absichtlich produzierten Mist nachträglich zu Gold  machen kann, das führt dezeit der FDP-Landtagskandidat Jörg Hahn vor. In seiner Zweitidentität als Geschäftsführer des Marketingvereins Metropolregion Nürnberg jubelt er seinen kryptischen und unausgegorenen FCN-Kinospot nun in einer „Presseerklärung“ zum grandiosen Erfolg hoch. Der Spot sei nicht, wie manche behaupten, peinlich und daneben, sondern etwas ganz anderes, auf das wir Werbelaien nie gekommen wären: „Virales Marketing nennen das die Fachleute.“

Hier noch einmal der Originalwerbespot:

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Und hier die Folgen des grandiosen Viralmarketings: das Gegenvideo eines Greuther Fans mit der Botschaft „Fürther, sagt Nein zur Metropolregion Nürnberg“:

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Einer dieser Fachleute (der Leiter des Marketingforums der Metropolregion Dirk von Vopelius) entgegnet übrigens auf die in YouTube geäußerte Kritik der „Jungs“ an der Qualität des Spots, auf der Metropolregion-Seite gebe es den Film in „high-quality“. Der Film ist dort aber der gleiche, nur die Bildauflösung ist höher.

„Hauptsache scharf, der Inhalt ist (brat-)wurst!“ Diese Werbebotschaft überlasse ich Euch Jungs vom Marketing der Metropolregion gerne kostenlos. Ich glaube, Ihr könnt Almosen brauchen!

Hier folgt dann noch die gesamte Pressemitteilung des Marketingvereins: weiter lesen

SPD: Ist da noch jemand?

Bussi Beck ist weg. Eine Träne weine ich ihm nicht nach. Aber Münte und Steinmeier? Gibts denn in dieser angeblich so großen Volkspartei niemand anderen? Das ist ja wie beim Club, nur dass die dort statt Meyer, Wolf oder Entenmann schließlich doch mit Michael Oenning ein neues Gesicht genommen haben.

Abgesehen davon hätte die SPD bei der Unternehmensfreundlichkeit der beiden „Neuen“ auch gleich den Westerwelle vom Konkurrenzverein aus dem laufenden Vertrag rauskaufen können. Dass man als SPD-Spitzenkandidaten nämlich nicht einmal mehr „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!“ singen können muss, hat schon der Hamburger SPD-Chef Michael Naumann unter Beweis gestellt:

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Nachtrag: Heute, wo es wirklich interessant wäre, twittert SPD-Generalsekretär Hubertus Heil natürlich nicht.  Wer nur bei schönem Wetter zwitschert, kann es eigentlich auch bleiben lassen.