Mein Feind, der Baum


Hier ist es die Nachverdichtung, dort die Sicherheit für die Autofahrer und woanders die ab einem bestimmten Stammumfang zuschlagende (in Nürnberg 80 cm) Baumschutzverordnung. Die Gründe, warum derzeit besonders exzessiv gefällt wird, sind vielfältig.

Dass im Winter manches Gehölz zufrückgeschnitten oder entfernt wird, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Im Augenblick wird allerdings in Nürnberg und Umgebung in einer Weise abgeholzt, die nicht nur mir unangenehm auffällt.
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Die Lizzy und der böse Bernd

Motiv:    Frühlingsfest  Umzug  und  Bierzelt   Bühnenprogramm                Datum:       30.03.2013                   Foto Roland Fengler
Ins Netz gedrängt haben sich meine Feuilleton-Kollegen weiß Gott nicht. Langsam dämmert uns auch warum. Im Internet haben es viele nämlich nicht so mit Kulturkritik. Kritik, des sammer mir, das machen wir selber. Das könnte ich jetzt auch an der Resonanz auf die Vorbesprechung eines eher drögen Krimis festmachen, den gestern auch das gemeine Volk zu Gesicht bekommen hat. Aber der hat eh schon viel zu viel Publicity.

Da wende ich mich lieber Lizzy Aumeier zu. Genau, das ist die fröhliche Füllige aus der Oberpfalz. Die hatte mit ihrem neuen Programm vor wenigen Tagen Premiere in Fürth. Mindestens zwei Kollegen durften/mussten der Vorstellung beiwohnen, um diese einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Lobhudeln und Klappentexte umschreiben, manche werden es nicht mehr wissen, ist nämlich etwas für Veranstaltungsblättchen, aber nichts für Feuilletons.

Der eine Kritiker feierte Lizzy Aumeier dennoch als „Meisterin der Improvisation“ (ihr war nämlich auf der Bühne unvorhergesehenerweise das Kleid geplatzt), Der andere würdigte diesen Vorfall zwar auch, beschäftigte sich aber mehr mit dem Davor. Das fand er nicht so besonders: „Ungeniert tappt sie in jede Zoten-Falle und motzt altbekannte Gassen-Witzchen mit dem Charme einer lebensklugen Puffmutter auf.“ weiter lesen

Freistaat kassiert für Freifunk-Spende

quelle
Über die Freifunker habe ich hier schon mehrfach berichtet. In letzter Zeit haben sie sich vor allem darum bemüht, den Flüchtlingen zu kostenlosem WLAN zu verhelfen. Das wird nun von der bayerischen Staatsregierung torpediert. Die beiden Freifunkanlagen in den Fürther Flüchtlingsunterkünften im alten Möbel-Höffner und in der Europaallee mussten bereits deaktiviert werden. Jetzt befürchtet Freifunk-Sprecher Peter Mühlenbrock, dass das Gleiche auch für Nürnberg droht. Dabei wurde am vergangenen Freitag gerade erst eine neue Anlage in der Unterkunft auf dem alten Quelleparkplatz in Betrieb genommen.

Völlig absurd dabei: diese Anlagen wurden gespendet und Freifunk richtet sie kostenlos ein. Deswegen werden auch keine Gebühren erhoben. Im Stadtgebiet kann an mehreren Standorten von jedem kostenlos via Freifunkknoten gesurft werden. Den Flüchtlingen sollen für dieses Angebot jedoch 36 Euro vom monatlichen Taschengeld von 145 Euro abgezogen werden. Letztlich kassiert der Freistaat also für eine Leistung, die Ehrenamtliche erbringen, deren Arbeit er sogar noch durch überholte gesetzliche Rahmenbedingungen behindert.

Mühlenbrock dazu:
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Vipmail 15

vipmailbaDie mittlerweile 15. Ausgabe der Vipmail wurde gerade verschickt. Ein bisschen sommerlocht es noch in Franken (siehe auch den letzten Blogbeitrag). Dennoch wurde der Newsletter auch diesmal wieder mit Anstand gefüllt.

In der aktuellen Vipmail geht es um einen Ort in Franken, der auf diese Schlagzeilen gern verzichtet hätte, um einen gefakten Wagner-Account, um die Sand-Kerwa, um den Niedergang des fränkischen Fußballs, um versaute Bücher und um Landwirte, die den nächtlichen Hunger stillen.

Den Newsletter kann man hier nachlesen. Abonnieren kann man ihn hier. Und natürlich kann man das Ganze auch problemlos wieder abbestellen, wenn einem die Informationsflut auf den Geist geht 😉

Ein großes Nichts wird 10

RESSORT: Lokales ..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Schild "metropolregion nürnberg" auf Frankenschnellweg zw. Fo Süd und Nord Richtung Bamberg

Jubiläen gehören normalerweise zum Langweiligsten im Journalistenleben. Manchmal erinnern sie einen aber auch daran: Ach, den/die gibts auch noch. Zum Beispiel jetzt, da die Metropolregion Nürnberg in Erlangen ihr Zehnjähriges feiert. Groß, mit EU-Geldern und Doppeldeckerbus.

Nicht, dass man in den letzten zehn Jahren gar nichts mitbekommen hätte von dem Konstrukt mit dem blutleeren Namen. Immerhin gibt es an den Autobahnen Zusatzschilder, die einen darauf verweisen, dass der Ort, den man erreichen könnte, falls man die nächste Ausfahrt runter fährt, Mitglied der Metropolregion Nürnberg ist (sogar die Titanic hat sich darüber lustig gemacht). Hin und wieder beglückte uns die Metropolregion auch mit Fingerübungen örtlicher Werbefuzzis. Da gab es anfangs mal den Spruch „Raum für starke Köpfe“. Der hat allerdings eher die Assoziation zu Beton- oder Sturköpfen ausgelöst und offen gelegt, dass hier nach Albrecht Dürer nicht mehr viel los war mit starken Köpfen. Später kam dann der Slogan „Kommen. Staunen. Bleiben“. Doch auch der verweist eigentlich eher auf Wahrnehmungsdefizite der Restwelt. Andere europäische Regionen haben solche Schaut-doch-mal-bei-uns-vorbei-da-gibt-es-auch-was-zu-entdecken-Slogans gar nicht nötig. Die kennt man ohnehin schon. weiter lesen

Die Alternative zur Frankenröhre ist bald fertig

hoefenerWer ein größeres Bauprojekt realisieren will, sollte die Medien meiden. Auf kleiner Flamme lässt sich besser betonieren.

Aktuell kann man das einerseits am Frankenschnellweg und andererseits an der Höfener Spange festmachen. Letztere galt lange Zeit als Alternative zum Ausbau des Frankenschnellwegs. Die gewiss nicht autofahrerfeindliche FDP hatte diese Verbindung zwischen A73 und Südwestangente (siehe Plan – zur Vergrößerung drauf klicken!) lange favorisiert, nicht zuletzt weil diese billiger zu bewerkstelligen war und das den Haushalt entlastete. Aber auch andere Kommunalpolitiker brachten immer wieder die Höfener Spange ins Gespräch.

Letztlich war es dann einer CSU-Basta-Politik geschuldet, dass die Alternative (scheinbar) beerdigt und nur noch der sündhaft teure Ausbau des Frankenschnellwegs verfolgt wurde.

Wer jedoch dachte, die Alternative sei damit vom Tisch, der irrte. Still und heimlich wurde die Höfener Spange weiter betrieben und soll noch in diesem Jahr fertig werden. weiter lesen

Lustig, lustig, Denkmalstadt!

Denkmal TouristFürth präsentiert sich – zumindest den oberflächlichen Autofahrern – gerne als Denkmalstadt. Angeblich soll es dort die größte Denkmaldichte geben. Wobei sich der Begriff Denkmal jetzt nicht auf reitende Fürsten oder in Bronze gegossene Berühmtheiten bezieht, sondern auf alte Gebäude. Allerdings jetzt nicht auf unter Denkmalschutz stehende. Da gibt es anderswo mehr…

Man sieht: Es ist kompliziert. Aber es ist eben auch Fürth. Und Fürth brauchte halt etwas, mit dem es auf den Autobahnen hausieren gehen konnte.

Auch als lokaler Aufreger taugte das Thema immer wieder. Wo sonst hätte es um die Position eines Heimatpflegers wohl so viel Bohei gegeben.

Der ausgebotete Heimatpfleger hatte sich in der „Fürther Freiheit“ Anfang des Monats das Fürther Denkmal-Gehabe ausführlich zur Brust genommen. Da war der Anlass noch die Abrissgenehmigung für den historischen Fetssaal des Parkhotels. weiter lesen

Rechte werben im Fürther Amtsblatt

Heute lasse ich meine Kollegin Ute Wolf hier mal zu Wort kommen. Ihr Thema passt besser in den Vipraum als in ihr Tierblog.

In Fürth kann die rechtsextreme Tarnorganisation „Bürgerinitiative Soziales Fürth“ (BiSF) nicht an den Kommunalwahlen am 16. März teilnehmen: Sie hat nicht die dafür nötigen Unterschriften zusammenbekommen. Fürths OB Thomas Jung jubelte, als das maue Ergebnis von nur 135 Unterschriften für die BiFS feststand. „Rechtes und rassistisches Gedankengut“ werde in Fürth eben „weder unterstützt noch geduldet“, meint der Fürther OB.

So erfreulich das Scheitern der BiFS auch ist, darf man allerdings eines nicht vergessen: Im Fürther Stadtrat sind die Republikaner bereits vertreten, denen rechtsextremes und rassistisches Gedankengut auch nicht fremd ist. Seit 1990 sitzt der 55-jährige Diplom-Betriebswirt Claus-Uwe Richter in dem Gremium und führt auch bei der Kommunalwahl 2014 als Oberbürgermeisterkandidat die Stadtratsliste seiner Partei an. weiter lesen

Zu viel Einsatz unerwünscht

Wer sich über den Öffentlichen Dienst aufregt, wenn beispielsweise ab Freitagmittag niemand mehr zu erreichen ist, wenn Mittagspausen oft etwas länger dauern und Freundlichkeit und Motivation mitunter Fremdworte sind, der sollte umdenken und wenigstens nicht den einzelnen Mitarbeiter verantwortlich machen.

An einem aktuellen Beispiel in Fürth wird jetzt nämlich sehr schön deutlich, wozu Liebe zur Arbeit, Begeisterung und großer persönlicher Einsatz führen können. Zur Strafversetzung und zu einem Hausverbot. Getroffen hat das den langjährigen Leiter des Museums Gerd Walther, der ohnehin in vier Monaten in den Ruhestand gehen sollte. Walther hatte nämlich die „Frechheit“ besessen, auf eine schleichende Zerschlagung seines Museums durch die Stadt Fürth hinzuweisen. Wie gesagt, der Mann setzt sich halt für seine Sache ein.

Nachdem der Vater des Rundfunkmuseums jetzt weg ist, dürfte es mit diesem wohl bald bergab gehen. Man sollte es sich also schnell noch ansehen. Besonders gut hat mir übrigens jene alte DDR-Musikbox gefallen, bei der man für seine Münzen nur ein Stromkontingent bekommt und sich die Platten selbst auflegen muss. Aber auch die Einblicke in die fränkische Rockgeschichte zeigen: Da war ein Fan zugange und kein abgehobener Museumswissenschaftler. Allerdings muss der Besucher des Rundfunkmuseums künftig damit rechnen, dass das Personal gerade Pause macht oder im Sinne des Arbeitgebers alle Fünfe gerade sein lässt.