Sogar Google hält das Derby für relevant

Wer heute die Lokalblätter aufschlägt, erkennt recht schnell: Am Derby zwischen dem Club und diesem anderen Verein aus der Nachbarschaft besteht ein öffentliches Interesse. Das weiß sogar der wohl mächtigste Konzern der Welt: Google. Doch nicht nur das. Er erachtet es für die Welt sogar als relevant, ob jemand zu den einen oder zu den anderen hält.

Vor zwei Monaten reagierte Google auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes. Um das „Recht auf Vergessen“ umzusetzen, durften Löschanträge gestellt werden. Da ich damals mit meinem Verein mal wieder extrem haderte und sogar drauf und dran war, meine Fußballfankarriere an den Nagel zu hängen, betrieb ich Frustabbau per Löschantrag.

Körper- und Geisteshaltung in diesem Beitrag schienen mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz angebracht, weshalb ich diesen nicht bei meiner Namenssuche erwähnt wissen wollte.

Jetzt teilte mir Google rechtzeitig zum heute Abend stattfindenden Derby seine – von wem, nach welchen Kriterien? – getroffene Entscheidung mit. Obwohl der Mehrzahl der Anträge bislang stattgegeben wurde, wurde meiner abgelehnt. Mit folgender Begründung:

„Sehr geehrter Herr Viebig,

vielen Dank für Ihre Anfrage…

Nach einer Abwägung der uns bekannten Umstände sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Anzeige des/der von Ihnen beanstandeten Nachrichtenartikel(s) in den Suchergebnissen von Google derzeit relevant ist und daran nach wie vor ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht…

Ich nehme mal zu Googles Gunsten an, dass Journalisten-Verbindungen, die eine unabhängige Berichterstattung beeinträchtigen, eine Relevanz für die Öffentlichkeit besitzen. Insofern beuge ich mich dem Urteil und werde – anders als zwei Kollegen von der „Zeit“ – mich nicht noch mehr zum Affen machen.

YouTube Preview Image

Bing und die Franken

Es ist selten, dass Franken mal für irgendetwas Vorreiter ist. Und wenn doch, dann ist das verdächtig. Dass Microsoft Streetside jetzt mit seinen Fassadenaufnahmen in Nürnberg beginnt, ist daher seltsam. Vielleicht dachte man, die sind blöd genug und machen für uns ein bisschen Werbung. Schließlich kann Microsoft die brauchen: Computeruser kommen nämlich mittlerweile auch ohne deren Produkte aus und von Bing haben viele auch noch nichts gehört.

Die fränkischen Medienvertreter waren dann auch brav vor Ort um das Auto (angeblich sind derzeit nur zwei funktionstüchtig) abzulichten.

Von innen…

…und von außen.

Am nettesten finde ich, dass die Microsoft-Leute behauptet haben, die fränkischen Passanten würden ihnen immer zuwinken und ihre Software würde erkennen, wenn Menschen „in verfänglichen Situationen“ seien und sie dann verpixeln. Bei Google winkten die Leute noch anders und verpixelt wurde auch erst, als sich Bloßgestellte beschwert hatten. Wer das glaubt, ist wirklich blöd.

(Die Fotos sind übrigens von Hagen Gerullis)

Adventskalender: Fassade #24

In Nürnberg, man glaubt es nicht, gibt es auch landschaftlich schöne Bergstrecken. Die sind sogar mit StreetView recht reizvoll. Man beginnt am Tiergarten und kurvt durch den dunklen Wald den Schmausenbuck hoch. Immer wieder spitzt die Sonne durch das Laub…
schmausenb
…und wenn man am Ende der Straße (aber auch am Ende Nürnbergs und unserer weihnachtlichen StreetView-Tour) angelangt ist, wartet – nein, nicht das Christkind – sondern eine Gruppe von Bikern, die sich am Löwensaal von der anstrengenden Passfahrt erholt:
löwensaal

Adventskalender: Fassade #21

Im 14. Jahrhundert war hier noch kein Parkplatz, nicht mal Asphalt. Vielleicht hat es deswegen den Raubritter Eppelein bzw. dessen Pferd bei der Landung auch nicht derbröselt.
Bei Streetview schaut er aus dieser Perspektive gar nicht mal so unbezwingbar aus, der Burggraben. Den Eppelein zugewiesenen Spruch „Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn zuvor“ hat übrigens auch Hermann Göring verwendet, als er bei den Nürnberger Prozessen kurz vor seiner Hinrichtung Selbstmord verübte. via
eppelein

Adventskalender: Fassade #20

Der Halbmond, und das auch noch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundesamt für Migration (vormals: SS-Kaserne, hinten)! Was sagt uns das?

Ganz klar: Von Nürnberg gehen Signale des Friedens und der Verständigung aus – und zwar selbst in der eher abgelegenen Ingolstädter Straße!
circus

Adventskalender: Fassade #19

Als die StreetView-Cars durch Nürnberg fuhren, da hatte in Nürnberg das Elektromobilzeitalter noch nicht begonnen. Inzwischen wurden jedoch diese Parkplätze am Marientorgraben von der N-Ergie zu Ladestationen für Elektromobile umgewidmet. Darüber habe ich im September berichtet.
nergie
Doch auch das ist schon wieder Vergangenheit (Bild unten). Die Ladestationen können – nachdem sie mangels „Hardware“ keiner benutzt hat – wieder ganz normal von Benzinstinkern zum Parken verwendet werden. Auf Deutsch: Es ist alles wieder so wie damals, als das Google-Auto vorbeifuhr. Nur dass noch ein kryptischer Ladekasten und eine verblassende Bodenmarkierung darauf hinweisen: Hier könnte ich mein Elektroauto aufladen, sofern ich eins hätte und sofern der Parkplatz frei wäre.
nergieparken

Adventskalender: Fassade #18

Google verpixelt aber nicht nur Gesichter, Körper und Fassaden, auch die Zeitungsschlagzeilen an den stummen Verkäufern sollen nicht zu sehen, schließlich könnten sie ein Indiz dafür sein, wie alt die StreetView-Bilder schon sind.

Werbeplakate bleiben hingegen unbeanstandet. Vielleicht hält sie Google für zeitlos. Vielleicht betrachtet man die Werbetreibenden auch als (potenzielle) Kunden. Wie auch immer! Manches dürfte dennoch schon überholt sein. Wie dieser Eigentumswohnungsverkauf in Laufamholz. mit der anrührenden Infobox.

Der farbige Lichteinfall, den Google hier festgehalten hat, dürfte die Freunde und Freundinnen ästhetischer Bilder erfreuen und spricht bestimmt nicht gegen die Wohnumfeldsqualität.
laufam

Adventskalender: Fassade #17

Hier hat Google jedoch die Ganzkörperverpixelung verwendet. Im schon erwähnten Rotlichtbezirk an der Frauentormauer soll der unter dem Schild „Freudenhaus“ stehende Freier zunächst unverpixelt zu sehen gewesen sein.
freudenhaus
Genauso wie der Mann, der sich ein Häuschen weiter mit den am Fenster sitzenden Damen unterhielt.
freudenhaus2

Adventskalender: Fassade #16

StreetView durchleuchtet auch das Schaffen der hiesigen Journalisten. Am Pressehaus legt Google offen, dass sich die NN-Kollegen gerne mittags in der Kantine verköstigen und dann noch einen Nachtisch mit ins Büro nehmen:
nnkollegen
Während sich der NZ-Mitarbeiter (gottseidank schwer erkennbar) im Dunkeln zu den Futtertrögen in der Lorenzer Straße verdrückt.
vipgoogl