Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Werbung: Neutral, das war einmal

Auch wir Journalisten blenden gerne aus, wo unser Geld für Gehalt und Honorare herkommt. Die Werbung in den Druckerzeugnissen (rückläufig) und auf den Webseiten (antsteigend) nehmen wir selten bewusst wahr. Werbung ist neutral. Die machen damit Geld und wir machen Aufklärung.

Die Wirklichkeit ist eine andere. Gerade wurde das an der Aktion „Kein Geld für Rechts“ deutlich. Wobei die Aktion eher durch die Reaktion bekannt wurde. Durch die Breitseiten, mit denen Henryk M. Broder, Roland Tichy und ihnen nahe stehende, etwas weniger bekannte Autoren seit Tagen dagegen anschrieben. Sie befürchten nämlich, dass ihnen eventuell der Geldhahn abgedreht wird. Und mit ihnen betroffen ist angeblich „die Hälfte der Gesellschaft“. Nun ja!
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Dresden ist gleich nebenan

kik
Da geht man arglos seinen Wochenendeinkäufen nach, denkt Dresden ist weit weg und dann das: Journalistenbashing auf dem Parkplatz, Lügenpresse-Vorwürfe per Großplakat, tiefe Risse im eigenen Berufsbild.

Um den Verkauf eines schlechten und an neuen Erkenntnissen kaum leidenden Buches geht es da offensichtlich gar nicht so sehr. Da schwappt mittlerweile ein amorphes Missbehagen aus dem Netz in die reale Welt. weiter lesen

LSR: Wie der Staat den Lokalmedien schadet

Nein, das Leistungsschutzrecht (LSR) ist noch nicht weg vom Fenster. Gerade erst trat die EU dem Vorhaben näher. Jetzt hat unter anderem der Nürnberger Abgeordnete Michael Frieser (CSU) im Bundestag klar gestellt, dass die Mehrheit weiter hinter dem LSR stehe, zunächst müsse aber eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamt abgewartet werden. VG Media und Politik arbeiten sich weiter an Google ab. Um Sinn oder Unsinn geht es (wie Frieser explizit erläutert) längst nicht mehr. Trotzdem wäre es dienlich, wenn sich die Abgeordneten im Allgemeinen und Frieser im Speziellen mal in ihrem Wahlkreis umsehen würden, wo es die „alten“ Medien, denen sie angeblich einen Gefallen tun wollen, wirklich drückt.

Da zwickt nämlich mitnichten der ferne US-Konzern. Kollegen und Verlagsmitarbeiter (ich selber würde zwar eher sagen: Wettbewerb belebt das Geschäft) fühlen sich zunehmend von Leuten bedroht, mit denen sie jahrzehntelang gut und anstandslos zusammen gearbeitet haben. Die rütteln nun an den Grundfesten der Lokalzeitung, des Lokalradios oder der lokalen Fernsehsender. Und auch hier geht es um die Frage: Wem gehört eigentlich die Leistung und wer darf dafür den Lohn kassieren?

Da ist zum einen die Polizei. Seit Jahrzehnten war sie ein weitgehend exklusiver Nachrichtenlieferant für die Lokalmedien. Diese schlachteten den Polizeibericht aus, reicherten ihn mit der einen oder anderen Zusatzinformation an und brachten ihn unter die Leute.

Doch plötzlich fängt die Polizei an, das selber übernehmen zu wollen. weiter lesen

Unsere Würste sind die besten

nas-nz-2004-05-00215Um den hier bereits öfter erwähnten Bratwurstjournalismus ist es etwas still geworden. Zeit also, ihn in die Mikrowelle zu legen. Aber keine Angst: Heute geht es nicht um Journalismus, nur um Bratwurst.

Die Stiftung Warentest hat nämlich diesmal Bratwürste verkostet und ist dabei zum gleichen Ergebnis gekommen wie die Wettkandidaten bei der letzten Sendung von „Wetten, dass…?„: Die Nürnberger Bratwürste sind die besten.

Wir Nürnberger wissen das natürlich schon lange. Trotzdem freuen wir uns, wenn auch andere auf den Trichter kommen. Und dass die Würste von Aldi Hirn enthalten, das stecken wir weg. Bei uns ist nämlich das Hirn dort, wo es hingehört.

Stillschweigen für Söder

Seit Tagen tobt in der Nürnberger CSU ein Streit der Alten gegen die Jungen im Allgemeinen und zwischen Renate Blank und den Leuten um Markus Söder im Besonderen. Die NZ hat darüber mehrfach berichtet, zuletzt hier oder hier. In den anderen Zeitungen und sonstigen Lokalmedien herrscht zu diesen Vorgängen hingegen weitgehend Funkstille.

Auf der Suche nach den Gründen findet man sehr schnell heraus, wie Journalismus heutzutage funktioniert. Dazu muss man wissen, dass Ministerpräsident Günther Beckstein sein Amt als Nürnberger CSU-Vorsitzender zur Verfügung stellt, in München brennt`s und dafür ist jetzt vollste Konzentration angesagt. In Nürnberg ist der in Europa „zwischengelagerte“ Markus Söder als Nachfolger Becksteins im Gespräch. Außer ihm wird zwar noch der Schwabacher CSU-Politiker und Ex-Staatssekretär Karl Freller gehandelt. Er, das wurde den Redaktionen aber in den letzten Tagen signalisiert, hat aber keine Chancen. Nürnberger lassen sich nicht von Schwabachern dominieren, was aber nicht die alleinige Erklärung sein dürfte. Zuvor hatte Söder wiederum die Parole ausgegeben: „kein Wort über die Blank“. Söder und Blank können nämlich schon seit Jahren nicht miteinander, wobei als Hauptargument immer das Alter gilt (Söder ist 41 und Blank 66). Über Blank kann man denken, was man will: Immerhin ist sie Bundestagsabgeordnete und Fachfrau für Verkehrsfragen.

Warum sie trotzdem totgeschwiegen wird, hat ganz einfach damit zu tun, dass Söder der kommende Mann ist. Mit dem will man es nicht verderben, sonst erfährt man nichts und muss mühsame Rechercheumwege gehen, die Zeit und Nerven kosten und die Gefahr bergen, auch einmal daneben zu liegen. Also tun die Kollegen Söder den Gefallen, schreiben nichts über die interne Kritikerin Blank und hoffen, künftig von Söder im Gegenzug mit Exklusivstories bedient zu werden.