Aus dem Reich der „Volkspädagogen“

In den Jahresrückblick hat das nicht mehr reingepasst. Deswegen erinnere ich aus aktuellem Anlass extra noch einmal an einen Blogbeitrag, den ich hier vor genau zwei Jahren verfasst habe. Es drehte sich damals um den Lügenpresse-Vorwurf anlässlich eines Werbeplakats des Kopp-Verlags für das Buch „Gekaufte Journalisten“ (Bild). Der gleiche Verlag bewirbt gerade ein Buch des gleichen Autors auf die gleiche Art: auf Plakatwänden dort, wo Land- und Speckgürtelbewohner billig einkaufen. Und da geht es wieder vor allem gegen uns Journalisten, wenn da groß drüber steht: „Lassen Sie sich von den Mainstream-Medien nicht vorschreiben, was Sie zu denken haben.“ Lidl hat allerdings explizit wegen des Buchtitels „Volkspädagogen“ reagiert und das Plakat nach einer Beschwerde umgehend entfernen lassen.

Reaktionen gab es in den vergangenen zwei Jahren allerdings auch bei uns, den angeblichen „Volkspädagogen“. Vielleicht nicht so stark, wie manche sich das gewünscht hätten. Vielleicht auch individuell unterschiedlich. Die Kritik von Rechts spielte dabei allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Zwar gibt es so etwas wie eine Zeitungskrise, die hat jedoch weniger damit zu tun, dass falsch oder einseitig berichtet würde. Hauptgründe sind Digitalisierung und geändertes Mediennutzungsverhalten. Im Vergleich zur Lautstärke der „Lügenpresse“-Sprechchöre waren die daraus resultierenden Abbestellungen auch eher gering. Vielmehr ist das Feedback, das der Journalist inzwischen durchs Netz direkter und massiver erhält, natürlich auch Anlass, sich und seine Arbeit in Frage zu stellen (wobei da ein freundlicher oder zumindest sachlicher Ton auf jeden Fall zielführender ist).
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Können Journalisten von der GEZ befreit werden?

RESSORT: HA Politik FOTO: HvD MOTIV: Im Zuge der stockenden Tarifverhandlungen sind Journalistinnen und Journalisten mehrerer süddeutscher Verlagshäuser nach Aufruf der beiden Gewerkschaften DJV und DJU/ver.di in den Warnstreik getreten. In Ulm wurde eine große Streikkundgebung veranstaltet, bei der unter anderem Redaktionsmitglieder der Süddeutschen Zeitung, der Nürnberger Nachrichten und ihrer Außenredaktionen und Heimatzeitungen vertreten waren, 28. Juni 2016 Es ist ein bisschen untergegangen, das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. Wahrscheinlich wollte keiner Öl ins Feuer gießen. Den Öffentlich-Rechtlichen bläst eh schon der Wind ins Gesicht (gerade erst hier). Wenn nun auch noch jeder, dem sie in irgendeiner Form Konkurrenz machen, auf die Idee käme, die Zahlung der Rundfunkgebühr einzustellen, dann würde es richtig eng.

Moment? Wenn ich in Konkurrenz zum Bayerischen Rundfunk stehe, dann muss ich nicht zahlen? Ja! So heißt es zumindest in der Urteilsbegründung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. In dem vorliegenden Fall wurde ein Zeitungsverlag (Münchner Merkur) von der Zahlung befreit, der Anteile an einem Privatradio (Charivari) besitzt.

In Konkurrenz zum Bayerischen Rundfunk stehen die Zeitungsverlage übrigens auch was die Verbreitung von News im Netz angeht. Und nicht nur die Verlage: Auch deren jeweiligen Mitarbeiter konkurrieren. Wer holt sich die Klicks und die damit verbundenen Einnahmen? Da wird mit nicht unharten Bandagen gekämpft und allem, was dazu gehört, schließlich schert sich das „Klickvieh“ herzlich wenig darum, wer eine Meldung aufgetan hat.
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Selbstjustiz gegen die „Lügenpresse“

Liverpool and AC Milan supporters fight between them in central Athens Syntagma square during the UEFA Champions League final Liverpool vs AC Milan at the Olympic stadium in Athens, Greece, 23 May 2007. EPA/ALEXANDROS BELTES +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bei uns wird die Pressefreiheit offiziell noch hoch gehalten. Dafür häufen sich inzwischen die Fälle von Selbstjustiz. In der letzten Woche wurde in Franken gleich über zwei Übergriffe auf Journalisten berichtet. Bei „Rock im Park“ ging ein Bauarbeiter auf eine Fotografin los:

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Der zweite Fall ereignete sich in Würzburg, wo ein Angeklagter den Gerichtsreporter bracchial attackierte.

Rumheulen muss man deswegen nicht. Schließlich wurde niemand ernsthaft verletzt. Dennoch: Diejenigen, die derzeit noch erfolglos neue Tarife für die Zeitungsjournalisten aushandeln, sollten vielleicht mal über Gefahrenzulagen und die Finanzierung von Selbstverteidigungskursen nachdenken. So richtig beschaulich ist das Journalistenleben offenbar nur noch in den Köpfen von ein paar Verlegern.

AfD-Flyer geklaut: Waren es Journalisten?

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Zum Tschernobyl-Jahrestag habe ich auch an den Verein „Bürger fragen Journalisten“ erinnert. Auf diese Weise versuchte die Atomlobby damals, ein „linksversifftes“ (ok, seinerzeit war die Wortwahl noch gepflegter) Medienkartell anzuprangern, das „uns“ die Kernkraft madig machen wollte. Inzwischen gibt es wieder solche Journalistenkontrolleure, die die „Meinungsdiktatur“ gerade an Vorgängen an einem Nürnberger AfD-Stand festzumachen versuchen.

Ein gewisser Marc Toller, der für den in Jena beheimateten Verein Journalistenwatch arbeitet, scheint da am Sonntag in „Nürnberg (Bundesland Bayern)“ zu Besuch gewesen zu sein. Dass der AfD-Stand in der „gut besuchten Einkaufsmeile“ nicht störungsfrei aufgebaut werden konnte und AfD-Mitglieder daran gehindert wurden, „die Bürger mit Informationsmaterial zu versorgen“, war ihm Anlass für eine Tirade über die grassierende „Meinungsdiktatur“. Am AfD-Stand wurden nämlich Flyer geklaut, bespuckt und in den Abfalleimer geworfen. Das Klima, so schloß Toller daraus, sei inzwischen so vergiftet, dass sich AfDler nicht mehr trauten öffentlich, die Kanzlerin zu kritisieren. Frauen gingen nur noch mit Pfefferspray außer Haus. Und die Polizei sieht sich der linken Gewalt wehrlos ausgeliefert.

Ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, dürften „gestörte“ Störer zudem die AfD mit linken Parolen zutexten und als „Arschlochpartei“ bezeichnen. Die AfD-Mitglieder würden als Nazis beschimpft und sogar als „Resultat von Inzest“.

Nun ja. Ähnliches darf man auch ungestraft dem bayerischen Innenminister zurufen. Heult der deswegen? Nein! Aber wahrscheinlich beweist das auch nur wieder die Wehrlosigkeit unserer Polizei und ihres obersten Dienstherrn.

Was das alles mit Journalisten zu tun hat? Man weiß es nicht so genau. Aber eins ist klar: Es wird böse enden.

Warum lieben meine Kollegen nur abgetakelte Altstars?

Simply Red, kennt die noch jemand? Dass nach dieser belanglosen, reichlich unsympathischen Mainstream-Combo kaum ein Hahn mehr kräht, scheint mir mehr als gerechtfertigt. Jetzt schleicht sie sich doch wieder in mein Blickfeld. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) regt sich nämlich über die „Knebelbedingungen“ auf, die diese Gruppe für Pressefotografen ausgegeben hat. Weiter rät der DJV den Kollegen, diese Bedingungen zu ignorieren. Wie bitte? Nicht die Bedingungen, Simply Red solltet ihr ignorieren! Was, verdammt noch mal, bringt euch dazu, über solch abgetakelte Altrocker zu berichten? Steht ihr etwa auf die? Dann wechselt doch bitte ins Politik- oder Wirtschaftsressort!

Warum schreibt denn keiner über junge, hoffnungsvolle Gruppen, die noch Support durch die Presse nötig haben? Warum lese ich etwa über das hervorragende Debütalbum der Gruppe „A Tale of Golden Keys“ zwar viel in den von mir bevorzugten Musikblogs, aber nichts in den regionalen Feuilletons? Die Gruppe kommt aus Nürnberg, Leute! Wann hatten wir hier schon mal Bands, die auch außerhalb der Stadtmauern Fans haben? Das war noch zu Zeiten von Ihre Kinder oder Throw That Beat! „Wunderbarer Indiepop“, „eine Band mit einem treffsicheren Gespür für große Pop-Melodien“ schreibt der von mir geschätzte Nico in seinem Nicorola-Blog.

Und wenn jemand die drei fränkischen Melancholiker fotografieren will, dann lassen die ihn sicher sogar in ihren Proberaum in Eckersmühlen und stellen mitnichten irgendwelche Knebelbedingungen. So, und jetzt hört sie euch wenigstens mal an, auch wenn sie nur fast so traurig sind, wie der journalistische Alltag:

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Welches Panorama wir sehen wollen

sonneborn
Nein, solche Bilder will doch niemand sehen. Beim Bundesparteitag 2008 der „Partei“ hatte sich deren Vorsitzernder Martin Sonneborn in Führer-Pose vor dem Reichsparteitagsgelände aufgebaut. Wenn Satire so billig zu haben ist… Aber jetzt scheint der Spuk vorbei zu sein. Am Donnerstag will das EU-Parlament über die Panoramafreiheit befinden und dann könnte es mit dem Veröffentlichen solcher Panoramen bald ein Ende haben. Beispielsweise könnten dann irgendwelche Abmahnanwälte versuchen, die Erben Albert Speers aufzutun und diejenigen, die mit der Naziarchitektur ihre Scherze treiben, zur Kasse zu bitten.

Panoramafreiheit? Den Lesern der regipnalen Printerzeugnisse muss dieser Begriff möglicherweise noch erklärt werden. Panoramefreiheit heißt, dass man Fotos von Gebäuden und öffentlichen Kunstwerken machen und sie frei verwenden darf. In Deutschland ist das bislang möglich. In manchem anderen EU-Land jedoch nicht. Letzteres könnte eventuell demnächst für alle gelten.
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Freut sich denn keiner über den Mindestlohn?

ARCHIV dpa - Bildfunk
Der Streit um den Mindestlohn geht weiter. Am 1.Mai wird er auch das Hauptthema auf den verschiedenen DGB-Veranstaltungen sein.

Blöderweise krankt es jedoch an der journalistischen Begleitung dieses SPD-Herzensanliegens. Seit Wochen versuchen Kollegen händeringend jemanden zu finden, der sich über den mittlerweile geltenden Mindestlohn freut. Auch die Gewerkschaften müssen passen. Niemand will sich von der Presse dazu interviewen lassen. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Bei den Spargelhelfern dürften es mangelnde Deutschkenntnisse sein. Bei anderen ist es vielleicht drohender Ärger mit dem Arbeitgeber. Andere wiederum freuen sich vielleicht gar nicht, weil bei ihnen beispielsweise zwar der Lohn höher, dafür aber die Stunde länger geworden ist.

Für die SPD und die Gewerkschaften ist das Ganze natürlich ärgerlich. Da hat man endlich einmal das Gefühl, Zukunft zu gestalten und seiner Klientel etwas Gutes zu tun, doch keiner zeigt sich dankbar und bricht in Jubel aus.

Aber, wie gesagt, es geht nicht nur um die SPD. Wer also jemand kennt, der ein gutes Wort über seinen Mindestlohn verlieren möchte, oder wer vielleicht selber dankbarer Nutznießer dieser Reform ist: Bitte bei mir melden (peter.viebigATpressenetz.de)!

Der Co-Pilot und die Lügenpresse

dschihaEigentlich wollte ich ja meinen Mund halten. Aber eine kleine Anmerkung zu dem laufenden Journalisten-Bashing (millionenfach auf Twitter oder Facebook, zusammengefasst beispielsweise hier) muss ich jetzt doch loswerden.

Von wem wollt ihr denn Infos, wenn ihr „die Medien“ und „die Journalisten“ samt und sonders in die Tonne tretet? Vielleicht von Michael Mannheimer, einem der ganz vorne dabei ist, wenn es gegen die Lügenpresse geht?

Mannheimer, der unter anderem von der Wügida als Redner engagiert wurde, hat jetzt „die Wahrheit“ über den Co-Piloten der verunglückten Germanwings-Maschine ans Licht gebracht. Der 27-Jährige, so schreibt Mannheimer auf Facebook, sei Dschihadist und kurz vor dem Unglücksflug zum Islam konvertiert. Beweise? Muss man nicht haben. Blöderweise hat der Lügenpresse-Kritiker seine Behauptung aber mit dem Bild eines völlig Unbeteiligten untermauert und behauptet, das sei der Co-Pilot Wahrscheinlich hat er deswegen seinen Beitrag inzwischen gelöscht. Aber es gibt einen Screenshot davon. Im Netz geht schließlich nichts verloren.

Dass auch angeblich seriöse Medien das falsche Bild veröffentlicht haben (das ZDF hat sich danach wenigstens entschuldigt) unterstützt vielleicht das negative Bild, das manche Medien derzeit bieten, macht Mannheimers Gegenöffentlichkeit aber nur unwesentlich besser.

…aber wahrscheinlich kommt jetzt irgendjemand daher und behauptet, dass es sich bei ihm um einen V-Mann des Verlegerverbandes handelt.

Trommler in Existenznöten

Trommelwirbel   Waschsalon  Neueröffnung  mit  Nele Gilch & Petra SchinzUnter den 111 Orten, die man in Nürnberg gesehen haben muss, findet sich auch der Waschsalon Trommelwirbel. Der wäre jetzt beinahe verstummt, nachdem ihn die Stadt mit Dauerbaustellen und der Einstellung der Straßenbahn von der Kundschaft abgekoppelt hat. Inzwischen hat der Waschsalon wieder eine Zukunft, nachdem vor allem die Lokalpresse vehement für ihn getrommelt hat. Das sehen auch die beiden Inhaberinnen so und bedankten sich mit den Worten:

Eure Artikel in der NZ und Online waren einfach großartig und haben sehr geholfen – wir werden heute noch oft darauf angesprochen – von ganzem Herzen sagen wir DANKE!

So weit, so gut. Eigentlich hätte das auch ein Exempel für die Notwendigkeit von Lokaljournalismus und die Existenzberechtigung von Tageszeitungen sein können.

Eigentlich! weiter lesen

Das Ende des Presserabatts

Man kippt nicht ungestraft einen Bundespräsidenten. Nun geht es an die Journalisten-Privilegien. Eine Journalistenvergünstigung nach der anderen wird abgeschafft. Möglicherweise wird der Presserabatt bald generell kein Thema mehr sein.

Die Bahn kündigte bereits kurz nach dem Wulff-Rücktritt an, ihre Bahncard nicht mehr zu vergünstigten Bedingungen an die Presse abzugeben. Jetzt zieht Air Berlin nach. Auf den Rabattportalen (hier oder hier) wird es bald ziemlich mau aussehen. Viele der dort angebotenen Presserabatte sind ohnehin nur Mogelpackungen. Die 15 Prozent beispielsweise, die die Autofirmen gegen Vorlage des Presseausweises gewähren, dürfte auch ein Privatmann erhalten, wenn er ein bisschen verhandelt.

Andererseits taucht auf diesen Portalen vieles gar nicht auf, was (manche!) Journalisten an Vergünstigungen erhalten. weiter lesen