Niemand hat die Absicht, die Mauer abzureißen

Manchmal versteht der Nürnberger keinen Spaß. Zum Beispiel wenn es um seine Stadtmauer geht. Bei der handelt es sich immerhin um ein von Historikern hochgelobtes Exemplar mittelalterlicher Befestigungstechnik. Nun hat eine Gruppe von Kulturschaffenden in Nürnberg, die sich zwar regelmäßig, von der Öffentlichkeit aber relativ unbemerkt, unter den Namen „Salon der unerfüllten Wünsche“ bzw. „Freunde der Feinde der Altstadtfreunde“ treffen, ein Bündnis „Noris ohne Mauer“ gegründet und zum Abriss der Mauer aufgerufen.

Zu dem Projekt wird Tobias Lindemann, der unter anderem auch beim Casablanca mitarbeitet, am morgigen Donnerstag im Heizhaus, Wandererstraße 89, 20 Uhr, einen Vortrag halten. Begleitend dazu gibt es mittlerweile eine Webseite. Die wiederum wurde heute in einem Zeitungsartikel (online hier) vorgestellt, was jede Menge empörter Reaktionen hervorrief. Sogar Bürgermeister Christian Vogel sah sich bemüßigt, den verunsicherten Nürnbergern zu versichern, dass seine Stadtverwaltung alles zum Erhalt der Mauer unternehmen werde und zwar für die nächsten 900 Jahre:
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Kulturhauptstadt: Nürnberg entdeckt neue Technik

LOKALES                                 Foto: Eduard Weigert     Datum:  8.4.16 Meistersingerhalle  Luitpoldhain PG zum weiteren Vorgehen in Sachen Konzertsaal mit Söder Maly Lehner
Dass man sich nicht einfach als Kulturhauptstadt bewerben und gleichzeitig wie bisher weiterwursteln kann, habe ich letzte Woche schon bei der Wiedereinführung der Bibliotheksgebühr thematisiert. Ein weiteres Beispiel liefert ein bislang in der Öffentlichkeit untergegangener Bericht (die Printkollegen sind mit ihrer Distanz zum Digitalen halt mit im Boot) über die technische Ausstattungen der städtischen Kultureinrichtungen. Vor wenigen Tagen ist der Bericht zumindest den Stadträten zugegangen. Die SPD-Fraktion hatte ihn angefordert und dabei besonders auf die Ausstattung mit WLAN abgezielt. weiter lesen

AZ: Das ist Kunst, das kann weg!

Seit Mai kommt die Nürnberger Abendzeitung in neuem Gewand daher. Fränkisch rot, noch reichhaltiger bebildert und thematisch deutlicher vom allgemeinen Newsmainstream abgesetzt. Medienunternehmer Gunther Oschmann, der sich bisher auf Privatradios und Telefonbücher spezialisiert hatte und der gerne als „der kleine Kirch“ (nach dem am Donnerstag verstorbenen Unternehmer Leo Kirch) bezeichnet wird , übernahm die Nürnberger AZ im vergangenen Jahr und gestaltete sie nach seinen Vorstellungen um. So etwas geht nicht ohne Opfer ab. Eines dieser Opfer war der Kulturteil. Dabei hatte die AZ, als ihr noch Dieter Stoll und Andreas Radlmaier angehörten, nach Ansicht vieler den besten Kulturteil der Region. Die alte Komödianten-Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ hat der neue AZ-Chef aber mit „kann weg“ beantwortet. weiter lesen

Ich plädiere für eine Blaue Pause

Blaue_NaDiesmal habe ich die Blaue Nacht nur im Internet begleitet. Davor war ich aber dort sowohl als Akteur als auch als Flaneur dabei und weiß daher, wovon ich spreche, wenn ich behaupte: Die Blaue Nacht hat sich überlebt und zumindest eine Denkpause verdient.

Der Versuch, Kultur durch quantitative Aufblähung massentauglich zu machen, kann nicht funktionieren. Zumindest nicht so, wie sich das die Organisatoren vorstellen. Die meinen ja häufig noch, den drögen Nürnberger auf diese Tour kultivieren zu können. Stattdessen bringt er sein Bier mit und feiert Junggesellenabschiede.
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