LTW live aus dem Nürnberger Presseclub

Auch zur Landtagswahl 2013 gibt es im Vipraum wieder das allseits beliebte Livebloggen. In Nürnberg treffen sich zur gemeinschaftlichen Wahlbeobachtung und zum Auszählen Politpromis, Wahlamtsmitarbeiter und Medienvertreter wie immer im Presseclub. Ich bin auch dabei und werde hier über die Entwicklung, die Stimmung bei den Parteien und den Stand der Auszählung berichten. Dabei tausche ich mich einerseits mit den Kollegen aus, die auf nz.de den Liveticker betreuen, kann aber auch Fragen, die mir zum Beispiel via Kommentarfunktion im Blog gestellt werden, an die entsprechenden Experten weiterreichen. Um kurz von 18 Uhr geht´s los!
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Ein SPD-Kandidat holt den Hammer raus

Es ist schon blöd, wenn man eigentlich keine Inhalte hat, aber trotzdem irgendwie Wahlkampf machen muss. Nehmen wir beispielsweise den in Nürnberg-Nord antretenden SPD-Kandidaten Arif Tasdelen. Auf seinen Plakaten wirbt er mit dem Slogan „Wer Ude will, wählt Arif Tasdelen“. Die SPD verfährt da (wie bei anderen Kandidaten auch) nach dem Motto: Wir haben für unseren tollen Inhalt leider nur eine unscheinbare Verpackung parat. Aber egal. Lobenswert immerhin, wenn sich auch Tasdelen so selbstlos in den Dienst seines Obermuftis stellt. Da wollen wir mal nicht so sein.

Jetzt aber traut sich Tasdelen endlich aus der Reserve und holt den Hammer raus. Er mailte an alle der SPD-Nürnberg zur Verfügung stehenden Adressen folgenden Veranstaltungshinweis:
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Noch zwei Dinge zur Bayernwahl

Zur Landtagswahl noch ein paar Nachträge:

Robert Basic hält die bei der CSU und bei Bayern München fest verankerte Siegermentalität für ein Manko.

Joschka Fischer wiederum hält die Freien Wähler für eine rechtsextreme Partei. Wobei er Extremismus und Populismus einfach einmal zusammenwirft, umrührt und dann einen Eintopf aus Gabriele Pauli und Jörg Haider beinander hat.

Ich persönlich habe nicht nur mit dieser Art Mischanalyse meine Probleme, sondern auch mit der Populismus-Diskussion, wie sie in den letzten Jahren betrieben wird.  Natürlich bin ich gegen Leute, die nur das Brunzdumme im Wahlvolk ansprechen. Andererseits ärgere ich mich auch über das, was als Alternative zum Populismus eingebracht wird. Pseudofaktenhuberei, Geschwurbel,  Spezialsprech etc. pp. Womit oft nur der eine Zweck verfolgt wird, dass die Leute aus schierer Unkenntnis regierbar bleiben.

Ich erinnere mich noch gut an die Nürnberger Diskussion um die Cross-Border-Leasing-Verträge. Die füllen mehrere Aktenordner, nicht einmal die zuständigen Referenten hatten sie gelesen, versicherten aber dennoch immer wieder, dass das ein gutes, seriöses Geschäft sei. Jetzt tappen sie genauso im Dunkeln, wenn es um die Risikobewertung angesichts der Finanzkrise geht. Bei den Beschlüssen im Stadtrat ist seinerzeit niemand aufgestanden und hat gesagt: Ich verstehe das nicht und bin deshalb dagegen. Was eigentlich die richtige Reaktion gewesen wäre. Bei den Volksvertretern grassiert eben eine dumpfe Angst, Unwissenheit könnte mit Unwählbarkeit gleich gesetzt werden. Weil Populismus mittlerweile so negativ belegt ist, möchte ich solch „wissenden“ Politikern wie Joschka Fischer gerne den Begriff Demokratie-Usability entgegen halten.  Dann sieht er vielleicht auch die Freien Wähler in einem anderen Licht.

via

Bayern nimmer weiß-blau

Über Bayern hat die Sonne aufgehört zu scheinen. Ungewohnte Demut ist eingekehrt. Die Mythen platzen reihenweise. Die bayerische Landesbank schickt Spambriefe durch die Gegend („Schicken Sie uns bitte Ihre Kreditkarten zurück“). Nicht mal mit Klinsmann kann der FCB beim Abstiegsfavoriten Hannover punkten. Selbst die Franken, die sonst manchmal noch was herausgerissen haben, kacken ab: kläglicher FCN-Auftritt gegen Duisburg und Platz 14 in der 2. Liga (die Sechziger sind übrigens auf Platz 15, das sagt alles).

Gott hat sich abgewendet vom Land der Bayern (oder auch nicht). Er findet jetzt offenbar den Ruhrpott schöner, hat auch nichts mehr dagegen, dass der CSU-Parteivorsitzende eine Freundin hat, dass jemand im Landtag sitzt, der eine Ehe auf Zeit fordert, und selbst vom Grimmepreis des Clubtrainers lässt er sich nicht blenden.

Und wer ist schuld: Beckstein? Pauli? Lafontaine? das Wetter? das schlecht eingeschenkte Bier?

Ich würde eher sagen: die Medien! Die sind erstens fast immer schuld und machen zweitens so komisches Zeug wie Internet bzw. Web 2.0. Dabei hatten wir doch einen so gut funktionierenden Staatsfunk, der sowas bisher immer gerichtet hat. Deswegen hier noch einmal für die Nachwelt: doppelt historische dreieinhalb BR-Minuten. Beim Bayerischen Rundfunk könnte es nämlich danach auch liberaler, demütiger, demokratischer zugehen. Mein besonderer Hinweis gilt übrigens dem Satz:

„…und jetzt wird es ganz still in Bayern“.

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P.S. Was ist eigentlich mit der missglückten Wahlwerbung an der Nürnberger Kaiserburg? Ich finde, die könnten sie ruhig wieder runtertun oder wenigstens auf Halbmast hängen.

Live von der zentralen Wahlparty

Schönen, guten Abend!

Ich melde mich hier aus dem Nürnberger Presseclub. Vorab noch: Um die aktuellen Beiträge lesen zu können, muss bei den meisten Browsern die Seite immer wieder aktualisiert werden. Sobald sich etwas Neues ergibt, versuche ich das umgehend mitzuteilen. Zudem werden die Kollegen aus der Redaktion via Kommentar über die neuesten Entwicklungen informieren. Selbstverständlich haben auch die werten Blogleser die Möglichkeit, über die Kommentarfunktion ihre Meinung kund zu tun.

17.38 Uhr: Langsam füllt sich der Marmorsaal. Die ersten Prognosen kursieren bereits. Demnach landet die CSU bei lediglich 45 Prozent, die FDP bei etwa 11 Prozent.

17.42 Uhr: Der CSU-Direktkandidat in Nürnberg-Ost, Hermann Imhof, ist bereits da. Er ist ziemlich gedeckt gewandet. Ob er wohl mit einer dramatischen Niederlage rechne, wird er gefragt. „Es wird knapp“, befürchtet Imhof. Die Hoffnung, über die Liste wieder in den Landtag einzuziehen, hat er aufgegeben. Jetzt zählt nur das Direktmandat.

17.50 Uhr: Ein gut gelaunter Utz Ulrich (Nürnbergs bekanntester FDP-Mann) nimmt bereits Glückwünsche entgegen.

17.55 Uhr: Jetzt drängt sich alles an den Fernsehern und wartet auf die für 18 Uhr angekündigte Prognose.

17.58 Uhr: Die Wahlbeteiligung scheint gestiegen zu sein 52,9 Prozent kurz vor Schließung der Wahllokale. Vor fünf Jahren waren es 51,7.

18.02 Uhr: Überrascht ist keiner über die 43 Prozent CSU bei der Prognose. Beifall gibt es für die Nachricht, dass die Linke mit 4,5 Prozent draußen bleibt.
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Wieder Liveblog vom Wahlabend

Am Sonntag wird im Vipraum wieder live gebloggt. Von der zentralen Wahlparty im Nürnberger Presseclub. Bei der Kommunalwahl im März hatte ich das bereits gemacht und den meisten Traffic in der Historie des Vipraums generiert. Das lag zwar nicht unbedingt nur an mir und am Thema, sondern auch an fehlenden Möglichkeiten, sich anderweitig zu informieren. Aber sei´s drum.

Bei der Wahlparty soll sich diesmal, wie man hört, die CSU eher rar machen. Das dürfte mit dem zu erwartenden Stimmeneinbruch zusammenhängen, den die CSU über ihre eigenen Kanäle schon vor Schließung der Wahllokale relativ zuverlässig vorhersagen kann. Also: 28. September, so gegen 17.30 Uhr, wird an diesem Ort live gebloggt, bitte rechtzeitig einschalten!

Hier noch ein paar zusätzliche Adressen zur Landtagswahl:

Wahlergebnisse Nürnberg

Wahllokalfinder der Stadt Nürnberg

Wahlergebnisse Fürth

Wahlergebnisse Erlangen

Sämtliche bayerischen Wahlergebnisse und Hochrechnunungen, alle Wahlbezirke

Wer vorab noch Unterstützung bei der Wahlentscheidung braucht, dem hilft vielleicht der Wahl-o-mat weiter, den es hier zum Download gibt. Wem das bayerische Wahlrecht nicht so ganz geheuer ist und wer bei der Berechnung von Erst- und Zweitstimme nicht durchblickt, den verweise ich ausnahmsweise auf Gregor Gysi, der das in einem kurzen YouTube-Video erklärt.

Der Wähler ist verweichlicht

Das Zitat mit den zwei Maß kam schlecht an. Die Landhausjacke seiner Frau Marga ebenfalls.  „Zum Wohl, im Bier ist kein Alkohol“ wird zum Wiesn-Hit, und schließlich bekommt der FC Bayern eine Klatsche, an der eigentlich auch nur der arme Günther Beckstein schuld sein kann. Dabei sind es doch nur die verweichlichten Wähler, die schon nach einem Bier platt machen. Das Wahlvolk ist einfach nicht reif für unseren Günther (interessant wird es übrigens ab Minute 5.10):

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Pauli verändert sich (eventuell auch Bayern)

Bild_5.pngAls sie noch bei der CSU war, haben sich ihre Parteifreunde gerne mit ihr geschmückt. Selbst als sie anfing, böse am Stuhl von Edmund Stoiber zu sägen, sah man den männlichen Parteioberen trotz aller Kritik noch den Stolz darüber an, dass sich da mal „etwas gut Aussehendes“ in die Union verirrt hat. Jetzt ist Gabriele Pauli bei den Freien Wählern. Aber die sind überhaupt nicht stolz. Auf ihrer Webseite taucht die schöne Ex-Landrätin anscheinend nur auf, weil man sie von manchen Gruppenfotos nicht wegschneiden konnte. Auf der Startseite der Freien Wähler liest man nur den Namen Aiwanger und bei den Kandidaten wird zwar ein adressenloser Herr Hähnlein, der nicht einmal Telefon und Mailadresse besitzt, abgebildet, nicht jedoch die schöne Ex-Landrätin. weiter lesen

CSU fällt beim Wahl-o-mat durch

Bild 3_2.pngDas Internet lässt sich offensichtlich weder von Politikern, noch von irgendwelchen Verwaltungsgerichten domestizieren. Das mussten gerade eben Andrea Ypsilanti und die SPD einsehen. Jetzt wird der CSU und der ÖDP eine ähnliche Lektion erteilt. Der Wahl-o-mat für die bayerische Landtagswahl ist nämlich inzwischen doch verfügbar. Wenn auch nur als Download. Das macht es für den User ein bisschen umständlicher. Aber dafür kann er auch offline mit dem Tool arbeiten.

Unter anderem wird die persönliche Meinung zu folgenden Themen abgefragt: Rauchverbot, Ladenöffnungszeiten, Verbot von Computerspielen, Studiengebühren, Videoüberwachung, Gewerbesteuer, Mindestlohn, Vorsorgeuntersuchungen, Laufzeiten für Atomkraftwerke, homosexuelle Lebenspartnerschaften, Tempolomit auf Autobahnen, Ausbau der Wintersportorte, Onlinedurchsuchungen oder Werbeverbot für Alkohol. Man kann jeweils mit Zustimmung, Ablehnung oder neutral votieren. Zudem kann man hinterher bestimmte Fragen gewichten.

Trotz dieser Wahlmöglichkeiten ist meine Einstellung manchmal doch etwas differenzierter, weshalb ich mehrfach verschiedene Möglichkeiten ausprobiert habe. Zum Beispiel bin ich schon für die Abschaffung der Gewerbesteuer. Nur müssen die Kommunen dann halt eine brauchbare Alternative bekommen. Doch wie ich  es auch drehe: Jedesmal liegen SPD, Grüne, FDP, Linke und Freie Wähler fast gleichauf vorne. Nur die CSU fällt bei mir regelmäßig durch. Vielleicht liegt das an mir. Vielleicht auch am Wahl-o-mat. Ich befürchte aber, es liegt an der CSU. Womit mir auch klar wird, warum die den Wahl-o-mat unterbinden wollte.

Söder stoppt den Bildschirmschlaf

soeder.jpgMarkus Söder zeigt jetzt auch im Netz, dass er der Mann der Zukunft ist. Genauer gesagt: Er will das zeigen und hat sich dafür eine aufwändige Webseite bauen und auch gleich bei Youtube ein paar Filmchen einstellen lassen.

Ich weiß, ich weiß. Das hier ist jetzt virales Marketing. Dem Söder ist es nämlich völlig egal, ob man ihn mag, Hauptsache, er wird erwähnt. Insofern bin ich hier so etwas wie ein Erfüllungsgehilfe. Aber ich helfe gerne. Und daher jetzt ein paar Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge zum Söderschen Internetauftritt.

Da ist zunächst der Umstand, dass Söder Europaminister ist. Bloß: Europa kommt auf seiner Seite gar nicht richtig vor. Nur irgendwo versteckt unter den Arbeitsnachweisen.

Statt mit seinem Arbeitsfeld gamst Söder dafür enorm mit Videospielereien auf. Unter anderem hat er so etwas wie eine Weckfunktion eingebaut. Wenn man eine Minute lang vor der Webseite sitzt, beginnt der smarte Markus von innen an den Bildschirm zu klopfen. Wolle mern roi losse?

Also gut, die Videos. Dort erzählt er, dass er ein Fan von Franz-Josef Strauß ist, dass er Startrek mag, die Linken dagegen nicht, weil sie dem Volk nicht aufs Maul schauen. Die CSU und er seien einfach „näher am Menschen“. Jedoch: Wenn das Webvolk sein Maul an Söders Ohr halten will, dann hat es (im Gegensatz zu seinem, natürlich schwarzen, Hündchen) Pech gehabt. Lediglich ein E-Mail-Formular bietet er an, bei dem man auch noch gefälligst vollständigen Namen und Adresse angeben soll, damit man – falls man gemeinerweise den Newsletter nicht abonniert – per Post mit den Söderschen Ansichten bombardiert werden kann. Bei Youtube gäbe es zumindest die Kommentarmöglichkeit.  Ich fürchte aber, dass da kritischere Beiträge nicht lange drin stehen bleiben. Vielleicht kann es ja jemand mal ausprobieren und seine Erfahrungen hier bei den Kommentaren einstellen.

Und noch etwas muss natürlich erwähnt werden (Nichtfußballfans, die sich aufregen, dass im Vipraum zu viel vom Club die Rede ist, können das Lesen einstellen!): Söder sitzt bekanntlich im Aufsichtsrat des 1.FCN. Manche behaupten: als undichte Stelle. Wie dem auch sei! Auf seiner Website präsentiert er sich jedenfalls mit Clubkäppi und mit Pokal. Blöd nur, dass dann gleichzeitig in der Navigation unter „1.FCN“ steht „Für Bayern“. Ja, was denn nun? Club- und Bayernfan, das geht ja nun mal gar nicht!