Self fulfilling Lückenpresse

MOTIV: St. Lorenz Nürnberg; Nachtaufnahme. "Dieses Foto der Lorenzkirche bei Sonnenuntergang löste auf dem Facebook-Account der Nürnberger Zeitung eine riesige Diskussion um angebliche Chemtrails aus." Foto: Tobias Lang; 2015 gesp. Chemtrails  = Kofferwort aus "Chemie/Chemikalien"  - Chemiestreifen / Chemikalienstreifen, gelegentlich auch Giftwolken; sie sind gemäß einer Verschwörungstheorie Kondensstreifen, die neben kondensierten Flugzeugabgasen noch weitere Chemikalien enthalten sollen, die den Abgasen zugesetzt oder zusätzlich versprüht würden. Chemtrails sollen sich von normalen Kondensstreifen durch ihre Langlebigkeit und flächige Ausbreitung unterscheiden.  Die Ausbringung der Chemikalien soll unter anderem dem Geoengineering, der Bevölkerungsreduktion oder militärischen Zwecken dienen.
Eigentlich sollte ich erstmal nichts mehr über die AfD schreiben. Man macht sie damit nur interessant und perpetuiert die große Koalition. Vor allem aber machen die einem journalistische Arbeit fast unmöglich. Es fehlt einfach eine gemeinsame rationale Grundlage (genauso wohl wie bei der Interpretation dieses schönen Bildes von Tobias Lang).

Gerade liefert die Nürnberger AfD wieder ein Beispiel dafür. Zunächst kündigte sie einen Aufruf via Facebook an, ihr doch die Nürnberger Standorte von Flüchtlingsunterkünften zu melden. Grund war ein Brief von OB Ulrich Maly, der sich weigerte den AfDlern eine Überblick darüber zu geben, wo in Nürnberg überall Unterkünfte stehen. Maly fühlte sich dabei – nicht zu Unrecht – an die Karten des rechtsextremistischen „III.Weg“ erinnert. weiter lesen

Hauptmarkt: Warten auf das Christkind

24.07.2015 --- Leichtathletik --- DLV - Deutsche Meisterschaft Meisterschaften 2015 --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / MaWi ---  Weitsprung Stephan Hartmann (138, LG Nord Berlin)Im Sommer wird die Nachrichtenlage dünner. Gleichzeitig halten wir uns öfter draußen auf. Beides befördert Themen in die Schlagzeilen, die dann auch schnell wieder verschwinden. Manchmal geraten sie so stark in Vergessenheit, dass die Regelmäßigkeiten dahinter nicht mehr erkennbar werden.

In diesem Jahr ist wieder der Hauptmarkt dran. Der verkomme zum „new urban eventplace“ klagt ein Bündnis aus besorgten Bürgern, zu denen auch Funktionsträger wie die Stadtheimatpflegerin oder die Baumeisterin von St.Sebald gehören. Leute also, mit denen es Oberbürgermeister Ulrich Maly nicht verscherzen will. Deswegen hat er schnell noch vor seinem Urlaub das – allerdings schon länger geplante – Aus für das Beach-Volleyball-Turnier am Hauptmarkt verkündet. Da das eher einer Werbeveranstaltung für den Smart glich, dürfte Sportsfreund Maly die Absage kaum schwer gefallen sein. Doch spätestens seit dem „District Ride“ weiß man, spektakuläre Events laufen halt ohne betuchte Werbepartner nicht. Die wiederum nehmen die historische Bauten gerne als geile Kulisse mit. Da könnten OB und Kämmerer ja auch mal die Hand aufhalten, anstatt mit Verboten zu reagieren. Doch wo waren sie als es um die Panoramafreiheit ging? Dabei habe ich hier noch einen Denkanstoss dazu geliefert. weiter lesen

Nürnbergs entspannte Schnarchzapfen

Lok Foto: Günter Distler Motiv: Söder stellt Ergebnisse für Zugangsprüfung für Fernmeldeturm vor; ehemaliges Quelle-Gelände
„Mutlos und ohne Vision“ werde hier eine Chance zur Stadtgestaltung vertan, sagt Simon Emmerich in seinem Beitrag über das Nürnberger Quelle-Gelände. Noch ist die Sendung, die im BR-Kulturmagazin Capriccio lief, in der Mediathek zu sehen.

Gut, das ist aktuelle Söder-Linie. Insofern versteht man, warum sich der BR hier mal kritisch geriert. Der Finanzminister lässt bekanntlich ungern eine Gelegenheit aus, den Nürnberger OB Maly und seine Genossen als mutlose Schnarchzapfen darzustellen. Da macht sein ehemalige Arbeitgeber, der BR, gerne mit. Die Schnarchzapfen stellen das in den ihnen etwas zugänglicheren Medien wiederum als Entspanntheit und Gelassenheit dar.

Während sich aber die einen streiten, ob die Haltung der Stadt relaxt oder feige ist, dürfen sich die derzeitigen Quelle-Nutzer fragen, wo sie künftig bleiben sollen. Leichter wird die Suche nach Alternativen nicht, wenn auch noch die derzeitigen AEG-Nutzer auf den Markt drängen. Im AEG-Fall ist übrigens der Finanzminister mit im Boot und vertreibt sie mit seinen Uni-Plänen.

StUB: Euer Volk mag euch nicht

StUB-Förderung
Erfolgsorientierte Menschen wie Ulrich Maly, Markus Söder oder Joachim Herrmann (im Bild: Söder und Herrmann beim Trommeln für die StUB) hüllen über Niederlagen gerne den Mantel des Schweigens. Deswegen werden sie jetzt wohl schnell wieder zum Tagesgeschäft übergehen (beispielsweise Gipsbüsten in alten Tempeln bei Donaustauf aufstellen) und das Votum zur Stadt-Umland-Bahn unter „verknöcherte Landbewohner“ ablegen. Genauso wie der eine oder andere Kommentator in der Zeitung oder wie hier auf Twitter: weiter lesen

Wo die Steine reden und wo nicht

Dokuzentrum
Wie geht es mit dem Reichsparteitagsgelände weiter? Diese Frage wird woanders erheblich intensiver diskutiert als in Nürnberg. Gestern nahm das Thema zum Beispiel breiten Raum im ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente ein.

Mit diesem Beitrag ist die Diskussion mittlerweile bei Wiederherstellung des Originalzustandes angelangt. Angefangen hat sie, ausgelöst durch einen Zeit-Artikel des Geschichts-Professors Norbert Frei, beim Abriss der maroden Gebäude.

Die Stadt Nürnberg und Oberbürgermeister Ulrich Maly sind hingegen gegen eine Abriss und wollen das Gelände „trittfest“ machen. Was Maly gern damit begründet, dass „Steine Geschichte erzählen“ oder – weil solche Sätze im Lateinischen noch eine andere Wirkmächtigkeit besitzen:
Saxa loquuntur.

Da wundert man sich allerdings, warum die Saxa am Dutzendteich sprechen und am Bahnhofsplatz nicht. Beim Hauptpostgebäude, das bereits in Nürnbergs Zentrum die nur äußerlich massive NS-Architektur repräsentiert, tut man sich mit dem Abriss nicht so schwer. Da stehen aber halt ökonomische Interessen dahinter.

Die Frage ist nur, tun sie das nicht auch, wenn wir über den Erhalt des Reichsparteitagsgeländes reden. Die NS-Bauten am Dutzendteich haben für den Städtetourismus in Nürnberg einen nicht unwesentlichen Stellenwert. Vielleicht wird das Thema bei uns deswegen so niedrig gehängt, weil man sonst irgendwann nicht über Saxa, sondern über Pecunia reden müsste.

Na sowas: Grüne sind auf ihren OB sauer

NZ-buergerreise
In Nürnberg wird weider mal über Verkehrspolitik gestritten. Leider werden aber nur die uralten Brötchen aufgewärmt. Der Ausbau des Frankenschnellwegs zum Beispiel (wobei ich hier die Vermutung habe, dass da die Befürworter langsam – aber berechtigterweise – Angst vor der eigenen Courage bekommen) oder die Öffnung des Hauptmarktes für Fahrradfahrer. Wer schon mal durch die Altstadt radeln wollte, weiß, was das für ein Quatsch ist, dass man mittendrin (übrigens nicht nur am Hauptmarkt) absteigen soll. Ich bleibe da immer sitzen und fahre halt etwas langsamer und rücksichtsvoller. Aber gut, wir leben in Deutschland und da muss dann wohl eine ordentliche Regelung her.

Womit wir bei den Nürnberger Grünen wären. Die fühlen sich jetzt ausgerechnet von ihrem Wunschpartner SPD und ihrem sonst so verehrten OB Ulrich Maly hinters Licht geführt.

Mit großer Irritation hat die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Presseberichterstattung über die Bürgerversammlung in der Altstadt am vergangenen Donnerstag zur Kenntnis genommen. Bei der Diskussion über die Öffnung des Hauptmarktes für den Radverkehr wird der Oberbürgermeister dahingehend zitiert, dass mit ihm keine Öffnung des Hauptmarktes für den Radverkehr vorgenommen würde.
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Maly, die Merkel Nürnbergs

Wenn sich der Jubel um Ulrich Malys „historischen Sieg“ gelegt hat, dann ist vielleicht Zeit, sich mit Fakten zu beschäftigen. Da wären zum Beispiel die absoluten Stimmen: Vor sechs Jahren haben 117.500 Nürnberger für Maly votiert, diesmal 113.800. Also fast 4000 weniger. Was ist an diesem Stimmenverlust historisch? Eher trifft dieser Begriff auf die niedrige Wahlbeteiligung zu. 44,3 Prozent ist historisch schlecht. Auch im bayernweiten Vergleich liegt Nürnberg hinten. Da muss also mehr als allgemeine Politikverdrossenheit oder die Unübersichtlichkeit der Wahlzettel eine Rolle gespielt haben. Und dass diese historisch niedrige Wahlbeteiligung auch noch trotz einer solchen Gemeinschaftsaktion der OB-Kandidaten zustande kam, ist fast schon ein bisschen peinlich:

Jedoch: Für mangelnde Wählermobilisierung werden halt nur die Verlierer bestraft. Die Wahlgewinner haben alles richtig gemacht. weiter lesen

Die Trockenschwimmer

Im Wahlkampf müssen Volksparteien Themen finden, die irgendwie alle tangieren. Da tun sie sich, was Land- und Bundestagswahl angeht, im Augenblick hart. In Nürnberg war und ist das schon immer anders. Nürnberg wurde nämlich auf trockenem Sandboden erbaut und da ist Wasser immer ein Thema.

Nehmen wir unsere beiden Protgonisten des Volksparteienwesens. Markus Söder zum Beispiel. Der beglückt Nürnberg mit einem Sandstrand und verheißt somit sommerliche Badefreuden und Urlaubsfeeling.

Oder nehmen wir Ulrich Maly. weiter lesen

Mollath schrieb auch an Maly

Menschenrechte werden längst nicht nur in exotischen Diktaturen verletzt. Aktuell beispielsweise auch in den USA (Prism) oder in Bayern (Gustl Mollath). Vor diesem Hintergrund fragt sich der Nürnberger Lokaljournalist dann schon mal: Was treibt eigentlich unser städtisches Menschenrechtsbüro?

„Die Einschläge kommen immer näher“, konstatiert die Leiterin der Menschenrechtsbüros Martina Mittenhuber. Mit dem Fall Mollath wurde sie mehrfach konfrontiert. Gustl Mollath habe sich kurz nach seiner Einweisung in die Psychiatrie vor sieben Jahren in einem Brief an den Nürnberger Oberbürgermeister und ans Menschenrechtsbüro gewandt und um Hilfe gebeten. „Das war vor meiner Zeit“, sagt Mittenhuber. Leider habe seinerzeit niemand reagiert, bedauert Mittenhuber. „Alle haben damals den Stab über ihn gebrochen.“ Für sie und das Menschenrechtsbüro sei das „ziemlich peinvoll“.

Inzwischen kommen auch permanent Nachfragen von Mollath-Unterstützern. Mittenhuber sieht im Augenblick jedoch wenig Möglichkeiten, aktiv zu werden. weiter lesen

Mit Nichtstun zum Städtetagschef

Noch klopft sie sehr zaghaft an, die Kritik an Oberbürgermeister Ulrich Maly. Gerade mal eine Woche fristeten ein paar Plakate der Nürnberger Jungen Union ihr unauffälliges Dasein im Nürnberger Stadtgebiet. „Nürnbergs rote Politik: einMALYg schlecht“ und „Genug von miniMALYstischer Politik“ stand drauf. Malys Wahl zum Präsidenten des Deutschen Städtetags wird man so wohl nicht verhindern.

Der Nürnberger JU-Vorsitzende Matthias Bauer hat das wohl auch gar nicht im Sinn, er erläutert die Plakatslogans wie folgt:

„Die knappen elf Jahre Amtszeit von Maly stehen für viele ungenutzte Chancen. In allen kritischen Punkten weicht unser Oberbürgermeister aus, anstatt klar Stellung zu beziehen.“ Als Beispiele hierfür nennt Bauer etwa die Nordanbindung des Flughafens, das Hinauszögern des Ausbaus des Frankenschnellwegs oder die mangelnde Positionierung bei einer geplanten Stadt-Umland-Bahn. Die Plakatmotive … sollen den Nürnbergern vor Augen halten, dass ihr Oberbürgermeister bei wichtigen Fragen lieber davonläuft, als sich um die Probleme der Stadt zu kümmern.“

Wahrscheinlich hält sich der Unionsnachwuchs trotzdem für extrem mutig, weil er das Denkmal Maly anpinkelt und es so seinen lieber mit der SPD kungelnden Alt-CSUlern zeigt. Aber knapp zu spät ist auch zu spät und minimalistische Politik ist längst kein Alleinstellungsmerkmal der SPD. weiter lesen