Werden wir Metropole für unmoderne Musik?

Gasteig_Philharmonie
Es ist bei Städten wie in großen Firmen: Wer global mitmischen will, der kann sich irgendwann nicht mehr mit der Bespaßung der Nachhut aufhalten. In München merken das gerade die Klassikfreunde, denen jetzt nur noch ein Umbau statt des versprochenen Neubaus kredenzt wird.

Auch im bayerischen Städteranking gibt es Vorhut und Nachhut. Bleiben wir bei der Musik. Da dauert es zwaroft auch bis zu 50 Jahre ehe der in München ansässige Bayerische Rundfunk amerikanische Schlager in sein erstes Programm aufnimmt. Seinem Nürnberger Ableger gönnt er jedoch Musiksparten erst, wenn sie noch ein bisschen abgetragener sind. Seit der vergangenen Woche werden Schlager und Oldies für den Digitalkanal „Bayern plus“ aus Nürnberg gesendet. Da halten es die BR-Leute offenbar wie mit dem Tatort: Wenn sich der erste Hype gelegt hat und ein paar Jahrzehnte ins Land gegangen sind, dann kann man auch mal die Franken berücksichtigen. weiter lesen

Ist der Stadtrat zu groß?

Nachdem heute Faschingsdienstag und gleich danach Stadtratswahl ist, packe ich einmal eine alte Kamelle aus. Braucht eine Stadt wie Nürnberg 70 Stadträte? München, mit 1,38 Millionen Einwohnern mehr als doppelt so groß, hat schließlich nur 80 Stadträte. Dass dort deswegen irgendwelche Defizite auftauchten, ist nicht bekannt. Andersrum hatte die Überrepräsentation im Nürnberger Rathaus jetzt auch nicht unbedingt eine bemerkenswerte Ideenflut zur Folge.

Das Thema wurde allerdings schon einmal vor knapp zehn Jahren von den Freien Wählern aufgegriffen und dann großkoalitionär abgebügelt. Die Freien Wähler wollten die Zahl der Stadtratssitze aus Kostengründen reduzieren. weiter lesen

Wie Microsoft unseren Stadtrat köderte

Ahnungslosigkeit gepaart mit Herdentrieb, das wird meistens teuer. In Nürnberg wurde beispielsweise unnötig Geld rausgehauen, weil sich der Stadtrat – ich erinnere mich noch gut an den offiziellen CSU-Beitrag in der damalige Sitzung: „Für mich is a Brauser immer noch a Limo“ – nicht für den Münchner Weg entscheiden konnte und ebenfalls Linux als Betriebssystem für die städtischen Computer auszuwählen . Dabei gab es dafür sogar richtig gute Argumente. Die in Nürnberg ansässige Firma Suse hätte die Betreuung übernehmen und etwas für ihr Standing tun können. Der damalige Wirtschaftsreferent und jetzige Messegeschäftsführer Roland Fleck wollte Nürnberg gar zum Linux-Valley machen. Da hätte es gut gepasst, wenn die Stadt ebenfalls mit Open Source arbeiten würde. Trotzdem erlagen unsere Stadträte der Lobbyarbeit von Microsoft. Blöd, denn nun können sie nicht – wie München in seiner Bilanz „10 Jahre LiMUx“ – ihren Bürgern freudig mitteilen, dass ihnen Millionenausgaben erspart wurden.

Um nachzuvollziehen, warum in Nürnberg trotz allem auf Microsoft gesetzt wurde und wie Lobbyarbeit auf lokaler Ebene läuft, ist es interessant noch einmal den Artikel zu lesen, den ich zur Microsoft-Entscheidung im April 2005 geschrieben habe und den ich auf diesem Weg für weitere Ursachenforschung ins Netz stelle: weiter lesen

Leider fehlt die Nürnberger Presse!

Acht der zehn NSU-Mordopfer waren türkischstämmig, weshalb sich die türkischen Medien mit Recht beklagt hatten, dass sie bei der Vergabe der begrenzten Presseplätze leer ausgingen. Daraufhin wurden die Plätze im Losverfahren vergeben. Bei den Tageszeitungen erhialten jetzt Bild, Allgäuer Zeitung, Passauer Neue Presse, Pforzheimer Zeitung. Sächsische Zeitung., Oberhessische Presse Marburg, Stuttgarter Zeitung und Lübecker Nachrichten den Zuschlag. Berichten werden auch Radio Lora und Radio Lotte, die Brigitte, Hallo München oder RTL2. Die gesamte Liste ist hier zu finden.

Ungeachtet dessen, ob jetzt die Brigitte für die Prozessberichterstattung gegen Neonazis prädestinierter ist als etwa die TAZ oder die FAZ, will ich aber auf Folgendes hinweisen: Drei der neun Morde fanden in Nürnberg statt. Wenn es also um Betroffenheit geht, dann sollte zumindest eine Nürnberger Zeitung oder ein anderes lokales Medium beim Prozess in München vertreten sein.

Klar, im Nachhinein muss man angesichts der Doppelbewerbungen mancher Medien vielleicht selbstkritisch anmerken, dass sich unser Verlag sicherheitshalber noch mit Unterwasser oder dem Kicker hätte bewerben sollen, um seine Chancen zu verbessern. Aber soll man Unfug mit Unfug beantworten?

Nachtrag, 3.5.2013 Dank der Stuttgarter Nachrichten bekommt die NZ jetzt im Rahmen einer Poollösung doch noch Zugang zum NSU-Prozess. Mit bei der Kooperation dabei ist auch die Heilbronner Stimme und die AZ München. Es soll auch ein Blog zum NSU-Prozess eingerichtet werden (inzwischen gibts das hier).

Kann mal einer die Nordspange für tot erklären!

München hat seinen Franz-Josef-Strauß-Flughafen. Den Nürnberger Airport könnte man da doch nach dem gleichnamigen Vogel (dann wäre wenigstens der SPD-Bezug vorhanden) benennen. Der Strauß steckt nämlich auch bei Gefahr oder wenn einem Entwicklungen nicht passen, den Kopf in den Sand und verkauft das dann als Krisenstrategie…oder als Denkpause.

Wer nämlich gedacht hat, die Schließung des Air-Berlin-Drehkreuzes würde irgendwelche politische Konsequenzen nach sich ziehen, wundert sich inzwischen nur noch. Nichts dergleichen passiert. Bestenfalls werden allenthalben bekannte Lamenti und die übliche Zahlenjongliererei angeboten. Da ist einmal von einem Verlust von 200.000 Passagieren pro Jahr, ein anderes Mal von 600.000 die Rede. Sei´s drum! Die ehrgeizigen Ziele der Flughafenleitung, auf fünf Millionen Passagiere zu kommen, sind auf jeden Fall erst einmal zerplatzt. Wenn es drei Millionen werden, dann dürfen Krüger & Co noch froh sein.

Die trösten sich damit, dass sie immerhin jetzt Billigfliegerlandeplatz sind und dass sie das alles schon kommen haben sehen. weiter lesen

Es grüßen die Neidhammel vom Lande

Vorab: Ich habe nichts gegen München. Auf Dauer möchte ich da aber nicht leben: Zu kalt (menschlich), zu teuer, zu viel seltsame Reaktionen auslösender Restalkohol…. Ich habe übrigens auch nichts gegen Fürth, oder Nürnberg….

Aber bleiben wir bei München. Dort sind sie angepisst was uns nichtmünchner Bayern angeht. Aber so richtig. Und weshalb? Wegen eines Schaumschlägers. Wegen Markus Söder. Eigentlich möchte man sich amüsieren und sich an Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge erinnert fühlen, wie sie schauen, wenn der FCB gerade von einem unterklassigen Verein zerlegt wurde. Aber einer dieser – anderweitig unterklassigen – Beteiligten schickt sich gerade an, die Macht in ganz Bayern zu übernehmen und da betrifft uns das doch.

Uns? weiter lesen

Die dummen Kälber von der SPD

Wenn es finanziell enger wird, dann sollte man sparen. Am besten überall ein bisschen. Das heißt aber: den Lebenswandel ändern. Wenn man das nicht tun und weiter mit dem Ferrari durch die Gegend düsen will, muss man halt den Kindern die Fahrräder wegnehmen.

Wie Christian Ude. Er hat zwar keinen Ferrari. Er fährt BMW. Zuletzt einen 750i mit 465 PS. Als Münchner OB weiß er, was er sich und seiner Stadt schuldig ist. Ude ist nämlich ein Siegertyp. Deswegen holen ihn notorische Verlierer gerne, um endlich auch einmal nach oben zu kommen. So wurde er beispielsweise Aufsichtsrat bei 1860 München. Und jetzt soll er den Losern von der bayerischen SPD den Weg zur Sonne weisen.

Doch Ude weiß, wie man mit Verlierern umgehen muss. weiter lesen

Macht heiße Luft den Flughafen wieder flott?

Dafür, dass der Stadtkämmerer noch vor ein paar Tagen beim Nürnberger Flughafen keinerlei Probleme gesehen hatte, sind ist jetzt aber die Aufregung ziemlich groß. Ich unterstelle mal Harald Riedel ist nicht völlig abgehängt vom Informationsfluss und bekommt auch sonst einigermaßen mit, was in der Welt so läuft, zum Beispiel, dass in Berlin der Flughafen Berlin-Brandenburg gebaut wird und die mit Verlusten kämpfende „Air Berlin“ möglicherweise ihr Drehkreuz von Nürnberg in die Stadt, von der sie ihren Namen hat, verlegen könnte. Dann legt das nur einen Schluss nahe: Der Kämmerer wollte nicht, dass solche Dinge in die Öffentlichkeit kommen.

Dies hat nun nicht geklappt. Da muss man freilich nicht bloß vorlauten Medien die Schuld geben. Auch politische Gründe dürften da eine Rolle gespielt haben. Wenn der Freistaat Bayern einerseits einen durch keinerlei Bedarf begründeten Flughafen wie den in Hof massiv bezuschusst und andererseits in München eine dritte Startbahn plant, dann kann man wieder mal die alte Nürnberg-wird-benachteiligt-Platte auflegen und die CSU-Politiker daran erinnern, dass sie auch fränkische Stimmen zur Wiederwahl brauchen. weiter lesen

Sorgt sich der Stadtrat um unseren Stil?

Manche Sachen mag man vielleicht gar nicht so genau wissen. Man könnte ernüchtert werden oder Schaden an der Seele nehmen. Wer zum Beispiel – da spreche ich aus langjähriger Erfahrung als Lokalredakteur – zu viel mit der Stadtverwaltung zu tun hat, der entwickelt sich stilistisch eher Richtung Beck-Verlag als Richtung Martin Walser. Insofern kann man unsere Stadträte ja verstehen, dass sie uns verschonen wollen mit all dem Verwaltungsdeutsch, mit Begriffen wie Flächennutzungsplan, Investitionshaushalt oder Service Öffentlicher Raum.

Andererseits können wir auch gut auf uns selber aufpassen. Das haben inzwischen die Räte in Würzburg und jetzt auch in München begriffen und eine so genannte Informationsfreiheitssatzung (auch so ein Begriff, den man sich liebetr ersparen möchte) erlassen. In Bayern ist es notwendig, dass die Kommunen den Bürgern auf diese Weise Zugang zu amtlichen Vorgängen verschaffen, denn der Freistaat ermöglicht die Informationsfreiheit im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht.

Im vergangenen Oktober hatten Grüne und ÖDP im Nürnberger Stadtrat mit einem ähnlichen Vorstoß für mehr Transparenz im Rathaus sorgen wollen. Ohne Erfolg. Nachdem jetzt München sogar den Bürgern das Recht einräumt, Auskünfte über Verwaltungsvorgänge zu erhalten, will ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger den Antrag nochmal auf die Tagesordnung bringen. Könnte ja sein, dass den Nürnberger CSU- und SPD-Stadträten einfach nur die geeigneten Vorbilder gefehlt haben.

Ich wüßte übrigens schon, was ich mit dem verbrieften Recht machen würde: Mal nachfragen, welche der 70 Nürnberger Stadträte als angeblich Selbständige Sitzungsgelder aus dem Stadtsäckel bekommen. Auskünfte darüber habe ich leider nicht einmal als „privilegierter“ Zeitungsschreiber erhalten.