Ein Hauch von autofreier Stadt

Falls euch in den nächsten Tagen die Erzeugnisse aus unserem Verlagshaus entschleunigter, lebensfroher und weniger stressgetrieben erscheinen sollten, hat das einen einfachen Grund: die Großbaustelle am Hauptbahnhof macht die Straßen im Redakteursumfeld nahezu autofrei.

Jetzt bekommen die Multiplikatoren mal mit, wie relaxt und ruhig es in der Stadt zugehen könnte, wenn das Blech weg wäre. Für die Blechbeseitigung gäbe es noch weitere gute Gründe.

Gottgegeben sind die Autos jedenfalls nicht. Man könnte sich durchaus mal drüber unterhalten.

Einmal, wenn in Nürnberg was los ist…

In der Woche vor Pfingsten fand die Hauptversammlung des deutschen Städtetages in Nürnberg statt. Eine gute Gelegenheit für eine Stadt zu zeigen, was in ihren Mauern so abgeht, vor allem wenn ihr der Ruch der Langeweile anhaftet. Da wird dann „fränkische Diätküche“ kredenzt, das Rathaus zur Eventlocation umfunktioniert und vor dem Büro des Oberbürgermeisters sogar eine Zapfanlage aufgebaut (Zapfen, wir wissen es, ist die wichtigste Tätigkeit der Stadtoberhäupter). weiter lesen

Mut wird wählbar

Vergangene Woche hatte ich hier verkündet, dass die unter „Zeit zu handeln“ firmierende Partei der Ex-Grünen Claudia Stamm einen Namen hat. Nennen kann ich ihn erst jetzt: mut.

mut steht neben der eigentlichen Wortbedeutung auch für mitbestimmen, umsteuern, teilen.

Das Programm ist hier zu finden

Darin heißt es unter anderem:

Angesichts eines krassen Missverhältnisses zwischen dem politisch Notwendigen und der real existierenden Politik ist klar: Es braucht etwas Neues, weil so viele Menschen aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr wissen, wen oder was sie wählen sollen – oder ob sie überhaupt noch zur Wahl gehen sollen. Es braucht eine politische Kraft, die nicht schönredet oder verdrängt, sondern mutig sagt, was ist. Und die endlich einen demokratischen Prozess des gesellschaftlichen Dialogs eröffnet zu der Frage, was werden soll.
Es braucht mut zur Veränderung, mut zur Zukunft, mut zum gemeinsamen Handeln.

Der Name wurde von den Gründungsmitgliedern gewählt, die sich gestern im Münchner Hofbräuhaus zur Gründungsversammlung getroffen haben. Ab sofort kann nun jeder Mitglied werden. Beim Nürnberger Treffen im Literaturhaus haben sich laut Mitgründer Ralph Hoffmann bereits 30 Personen gemeldet, die aktiv mitarbeiten wollen. „Da sind viele dabei, die bisher mit Politik und Parteiengehabe nichts am Hut haben.“

Noch im Juni soll es auf mittelfränkischer Ebene ein Treffen für Interessenten geben.

Meine Frage, ob der neue Name auch impliziert, dass die politische Konkurrenz feige ist, antwortete Hoffmann übrigens:

„Wir sagen, dass wir mutig sind. Was die andern von sich sagen, weiß ich nicht, jedenfalls nix gscheits, denn sonst hätten wir uns doch nicht gegründet.“

Das dpa-Bild zeigt die Staue von Kaiser Augustus, die vergangenes Jahr zusammen mit dem Schriftzug „MUT“ beim Augsburger Friedensfest aufgestellt wurde, das an den dort geschlossenen Religionsfrieden erinnern sollte.

Wenn Nürnberg mal ein Vorzeigeprojekt plant

In den meistens von Jammertönen durchfluteten Filterblasen bekommt man sowas nicht so mit: Die Konjunktur brummt – zumindest was den Bausektor angeht. Baufirmen haben es nicht mehr nötig, jeden Auftrag anzunehmen, schon gar nicht, wenn die Gewinne nicht stimmen. Im Augenblick geht in Nürnberg deswegen ein umweltpädagogisches Vorzeigeprojekt langsam die Pegnitz runter: die Energie- und Umweltstation am Wöhrder See. Noch in diesem Jahr sollte mit dem Bau des 3,4-Millionen-Euro-Projektes begonnen werden. Die Station sollte auf Stelzen im Wasser stehen und nicht nur der Umweltbildsung der Schüler dienen, sondern auch als Garage für das Mähboot. Zudem sollte dort die immer wieder beklagte Toilettensituation am Wöhrder See behoben werden.
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Stamm-Partei hat neuen Namen


Nun hat es doch nicht geklappt mit Nürnberg. Der Auftakt der Stamm-Partei musste nach Würzburg verlegt werden, weil hier auf die Schnelle keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden werden konnten. Dafür wird am kommenden Mittwoch in Nürnberg der Name der bisher als „Stamm-Parte“ oder als „Zeit zu handeln“ firmierenden Gruppierung bekannt gegeben. Auch ein achtseitiges Rumpfprogramm gibt es bereits, mit den vier Eckpunkten: Soziales, Flüchtlinge, Ökologie und Menschenrechte. Aber wenn es um die Konkretisierung geht, wird deutlich, dass da viel Raum für die Ideen potenzieller Neumitglieder vorhanden ist.
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Niemand hat die Absicht, die Mauer abzureißen

Manchmal versteht der Nürnberger keinen Spaß. Zum Beispiel wenn es um seine Stadtmauer geht. Bei der handelt es sich immerhin um ein von Historikern hochgelobtes Exemplar mittelalterlicher Befestigungstechnik. Nun hat eine Gruppe von Kulturschaffenden in Nürnberg, die sich zwar regelmäßig, von der Öffentlichkeit aber relativ unbemerkt, unter den Namen „Salon der unerfüllten Wünsche“ bzw. „Freunde der Feinde der Altstadtfreunde“ treffen, ein Bündnis „Noris ohne Mauer“ gegründet und zum Abriss der Mauer aufgerufen.

Zu dem Projekt wird Tobias Lindemann, der unter anderem auch beim Casablanca mitarbeitet, am morgigen Donnerstag im Heizhaus, Wandererstraße 89, 20 Uhr, einen Vortrag halten. Begleitend dazu gibt es mittlerweile eine Webseite. Die wiederum wurde heute in einem Zeitungsartikel (online hier) vorgestellt, was jede Menge empörter Reaktionen hervorrief. Sogar Bürgermeister Christian Vogel sah sich bemüßigt, den verunsicherten Nürnbergern zu versichern, dass seine Stadtverwaltung alles zum Erhalt der Mauer unternehmen werde und zwar für die nächsten 900 Jahre:
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Consors-Arena statt Morlock-Stadion?

Hach, waren das noch Zeiten als der Club Meisterfeiern veranstalten durfte und einen Weltmeister in seinen Reihen hatte. Der hielt zudem auch noch seinem Verein die Treue und versorgte nach seiner Karriere Nürnberg mit Tabakwaren und Lottozetteln. Damals war nicht nur unser Club noch wer, sondern auch Geld nicht alles.

Das hat sich mittlerweile geändert. Selbst Versuche, alte Fußballromantik wenigstens im Stadionnamen aufblitzen zu lassen, werden von der Finanzwelt gesteuert. In dem Fall von der Consorsbank. Dabei war es ebenfalls eine Bank, die bei den Fans den Wunsch reifen ließ, das Stadion nach Max Morlock und nicht nach deren Produkt (easyCredit) benennen zu wollen. weiter lesen

Kein Raum für den Baum


Auf der einen Seite wird Nürnberg regelmäßig von Umweltverbänden getadelt, weil es zu wenig Straßenbäume hat. Auf der anderen Seite demonstriert SÖR seit Wochen an prominenter Stelle, warum die Baumhaltung in Nürnberg zumindest problematisch ist.

An der Südseite der Lorenzkirche hat einer der beiden Bäume, die sogar mit einer eigenen Rundbank versehen wurden, im vergangenen Jahr schlapp gemacht. Lange Zeit stand die Bank einsam um den abgesägten Baumstumpf (Bild oben). Für manchen symbolisierte sie das Kreisen um unsere Werte, für andere korrespondierte sie mit den Sitzbänken, die die Gemeinde St.Lorenz zeitweise vor die Kirche gestellt hatte. Irgendwer hat dann wohl ein Machtwort gesprochen und veranlasst, dass da wieder ein Baum zur Bank muss.
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Wird die VAG musikalisch?

Nach Johann Gottfried Seume ist am Dutzendteich eine Straße benannt. Jetzt gelangt möglicherweise auch ein, auf ihn zurückzuführendes Sicherheitskonzept in Nürnberg zu späten Ehren: in der U-Bahn.

In Seumes 1804 veröffentlichten Gedicht „Die Gesänge“ heißt es:

„Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.“

Später wurde im Volksmund daraus:

„Wo man singt, da laß’ dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.“
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