Die Politik und der Gratis-Journalismus

Als Regierungsmitglied hat sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier für die Einführung des Leistungsschutzrechts eingesetzt. Damit soll vor allem Google schon für das Zitieren kurzer Zeitungsbeiträge zur Kasse gebeten werden. Auf Twitter, wo er immerhin 138.000 Follower hat, zitiert Altmaier allerdings auch selbst gern; ohne irgendwas zu zahlen. Dass Journalismus Geld kosten soll, stößt dem nicht gerade darbenden Vertrauten der Kanzlerin sogar sauer auf. Bei der Washington Post, aus der er wg. Trump aktuell gerne zitiert, beschwerte sich der Minister jetzt auf Twitter:
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Höcke steht nicht allein

Gerade poppt die Meldung auf, dass die AfD Bernd/Björn Höcke aus der Partei ausschließen will. Ob es soweit kommt, sei dahingestellt. Ähnliche Probleme mit dem ganz rechten Rand gibt es jedenfalls auch in Nürnberg. Hier befeuert die AfD-Direktkandidation Elena Roon gerade den ohnehin schwelenden Nord-Süd-Konflikt.

Gegenwärtig kursieren im Netz Hitlerbilder, die Roon in einem WhatsApp-Chat verbreitet hat. Die Überschrift lautet: „Vermisst seit 1945.“ Darunter steht: „Adolf, bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich! Das Deutsche Volk!“ Außerdem ist ein weiteres Bild zu sehen, wo Hitler sich die Haare rauft und erklärt: „Islamisten…, die habe ich vergessen!“
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Wenn Schüler in Uralttechnik investieren

Sollte man Schülern die Sütterlinschrift beibringen? Den Umgang mit Faxgeräten? Das Kleben von Tonbändern? Keine Frage: Das bringt nichts. Das braucht niemand. Jetzt nicht und in Zukunft schon gleich gar nicht.

Allerdings, auch Taschenrechner sind mittlerweile überflüssig. Entsprechende Apps sind auf den Handys teilweise schon vorinstalliert, teilweise kann man sie sich kostenlos herunterladen. Trotzdem müssen sich die Schüler (zahlen dürften aber wohl meistens die Eltern) die technisch überalterten Kleingeräte kaufen. Inzwischen sind die Schüler wohl auch der einzige Grund, warum die mehr als 100 Euro teuren Dinger von den beiden verbliebenen Anbietern Texas Instruments und Casio überhaupt noch vertrieben werden.
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Wenn schon „miserabel“ draufsteht…

Am 1. März kommt das Musical „Les Miserables“ auf seiner Tournee auch in die Nürnberger Meistersingerhalle. Genauer gesagt handelt es sich allerdings nur um ein Musical, das irgendwie an „Les Miserables“ angelehnt ist. Das brachte viele Zuschauer früherer Tourneestationen einigermaßen auf die Palme. Beispielsweise in Bochum oder Wuppertal. Dort verließen viele Besucher vorzeitig den Saal und wollten ihr Geld wieder haben. Schnell wurde ihnen nämlich klar, dass es sich nicht um das Erfolgsmusical von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil handelte (wie etwa bei der oben abgebildeten Aufführung des Theaters Hof), sondern um eine Neuinszenierung der Deutschen Musical Company Köln, die sich zwar auch an Victor Hugos Romanvorlage anlehnt, aber nicht nur die Musik änderte, sondern den Stoff auch noch entpolitisierte. Wobei das Ensemble selber unschuldig ist und die Bewerbung „mit Sorge“ betrachtete.
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Nord-Süd-Konflikt in der Nürnberger AfD

Im rechten Lager scheint es kein Limit für Abstrusitäten zu geben. „Sophie Scholl würde AfD wählen“, hieß es da am vergangenen Wochenende. Der Beitrag mit dem Scholl-Zitat (siehe nebenstehendes Bild) und der genannten Folgerung wurde freilich nicht von einem durchgeknallten Hasskommentator gepostet, sondern von der AfD-Nürnberg-Süd/Schwabach.

Der AfD-Account (mittlerweile ist die nach eigenem Impressum „offizielle Seite des AfD-Kreisverbandes Nürnberg Süd/Schwabach“ offline wieder online) hatte zwar nur ca. 300 Likes. Das Bild verbreitete sich dennoch rasend schnell. Mehr als 1000 Mal wurde es bei Facebook geteilt. Die Zahl der Kommentare ist mittlerweile drei Mal so hoch. Unter diesen sind allerdings viele, die den Beitrag als „bodenlos“ und als „Frechheit“ bezeichnen. Manche, wie etwa der Comedian Kurt Krömer, gaben sich sogar etwas mehr Mühe, der AfD zu erklären, warum der Beitrag unmöglich ist:
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Frankenschnellweg: Gestriges für übermorgen

RESSORT:  Anzeiger / Lokales DATUM:      05.11.15 FOTO:         Michael Matejka  MOTIV:  Stau am Frankenschnellweg / Blick von den Jansenbrücke nach Osten ANZAHL:    1 von 8 "Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung" Seit rund 30 Jahren bosseln sie jetzt schon am kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs. Sogar CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz hat damit schon Wahlkampf gemacht. Das lange Bosseln schadete insofern nichts, als sich Autoindustrie und Verkehrspolitik bei uns der Innovation weitgehend verweigerten. Doch selbst hier hält dann doch mitunter die Moderne Einzug und sofort wird deutlich, dass beim Frankenschnellweg das Gestern für übermorgen plant.
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NürnbergApp: Blöd, wenn der Content fehlt

nbgapp
Zu einer richtigen CityApp hat es in Nürnberg bekanntlich nicht gereicht. Die Argumentation der Stadtverwaltung, man könne inzwischen auch via Browser an die Infos kommen, habe ich damals sogar nachvollziehen können. Trotzdem wurde jetzt von „Erlebnis Nürnberg“, IHK Mittelfarnken und dem Nürnberger Wirtschaftsreferat doch noch eine Nürnberg-App präsentiert. Die soll vor allem dem Einzelhandel zugute kommen.

Deswegen wurde sie wohl auch schnell noch vor Weihnachten veröffentlicht. Da grapscht, so die Hoffnung, der ratlos nach Geschenkideen Suchende gerne nach jedem Strohhalm, den er finden kann.
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Ein Etikettenschwindel aus Nürnberg?

werbestHin und wieder nöle ich über fehlende Innovationsbereitschaft in Nürnberg. So pauschal lässt sich das freilich nicht sagen. Mitunter wird auch durchaus wacker Neuland betreten. Hurra schreien muss man deswegen, wie der folgende Fall zeigt, trotzdem nicht.

Neben dem Schuhhaus Salamander ist der Eingang ein bisschen versteckt. Im 4. Stock des Hauses in der Karolinenstraße befindet sich die Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucher-Interessen GmbH (GDVI). Die GDVI, das entnehmen wir dem Klingelschild, gehört mit der GKI Flugrecht und der GGI-Kreditgebühr zur CAG-Vermögensverwaltung. Außerdem sind noch zwei Anwaltskanzleien auf dem gleichen Stockwerk. Die GDVI steckt hinter dem Projekt Werbestopper, für das der ehemalige Nationaltorhüter Oliver Kahn seit Wochen massiv Werbung betreibt. Mit im Boot ist auch die Umweltorganisation WWF, die mit Hilfe von Werbestopper Aufforstungsprojekte in Bolivien und in der Republik Kongo unterstützen will. Man könne also „vom Sofa aus“ (Oliver Kahn) etwas für die Umwelt tun, und gleichzeitig, wie er früher, „seinen Kasten sauber halten“.
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Self fulfilling Lückenpresse

MOTIV: St. Lorenz Nürnberg; Nachtaufnahme. "Dieses Foto der Lorenzkirche bei Sonnenuntergang löste auf dem Facebook-Account der Nürnberger Zeitung eine riesige Diskussion um angebliche Chemtrails aus." Foto: Tobias Lang; 2015 gesp. Chemtrails  = Kofferwort aus "Chemie/Chemikalien"  - Chemiestreifen / Chemikalienstreifen, gelegentlich auch Giftwolken; sie sind gemäß einer Verschwörungstheorie Kondensstreifen, die neben kondensierten Flugzeugabgasen noch weitere Chemikalien enthalten sollen, die den Abgasen zugesetzt oder zusätzlich versprüht würden. Chemtrails sollen sich von normalen Kondensstreifen durch ihre Langlebigkeit und flächige Ausbreitung unterscheiden.  Die Ausbringung der Chemikalien soll unter anderem dem Geoengineering, der Bevölkerungsreduktion oder militärischen Zwecken dienen.
Eigentlich sollte ich erstmal nichts mehr über die AfD schreiben. Man macht sie damit nur interessant und perpetuiert die große Koalition. Vor allem aber machen die einem journalistische Arbeit fast unmöglich. Es fehlt einfach eine gemeinsame rationale Grundlage (genauso wohl wie bei der Interpretation dieses schönen Bildes von Tobias Lang).

Gerade liefert die Nürnberger AfD wieder ein Beispiel dafür. Zunächst kündigte sie einen Aufruf via Facebook an, ihr doch die Nürnberger Standorte von Flüchtlingsunterkünften zu melden. Grund war ein Brief von OB Ulrich Maly, der sich weigerte den AfDlern eine Überblick darüber zu geben, wo in Nürnberg überall Unterkünfte stehen. Maly fühlte sich dabei – nicht zu Unrecht – an die Karten des rechtsextremistischen „III.Weg“ erinnert. weiter lesen

Weihnachtliches Totholz-Geprotze

baumsoe
Wer hat den längsten? In Nürnberg mit Sicherheit der Markus. Inzwischen verschattet nämlich ein gut zehn Meter hoher Christbaum den Platz vor dem Söderschen Heimatministerium. Wer für „unsere Werte“ eintritt, der muss klotzen, mag sich der Minister gedacht haben. Vielleicht hat ihm aber auch die US-Wahl gezeigt, dass man groß auftrump(f)en muss, um zu gewinnen.

Dabei ist es unökologisch hoch drei, was Söder da macht: Einfach einen riesigen Baum abholzen, kilometerweit nach Nürnberg transportieren und nach wenigen Wochen entsorgen zu lassen. Sogar bei den sonst so machtbewusst zurückhaltenden Grünen gibt es noch Versprengte, die dem Einhalt zu gebieten versuchen. Natürlich nicht in Nürnberg, die machen lieber eine Pressekonferenz zur Gestaltung der Sandrartstraße. Aber in Düsseldorf. Dort haben sie von der Stadt gefordert, die Tannen doch fest einzupflanzen, dann habe man das ganze Jahr etwas davon. Zudem sei es doch schöner, Weihnachten „mit lebenden Bäumen“ zu feiern.
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