Müller und der "Doktor light"

Wenn einer schon nach dem „Bomber der Nation“ heißt, dann beschäftigt er sich auch lieber mit dem großen Fußball. Der von der CSU gestellte neue Entwicklungsminister Gerd Müller hat jetzt allerdings inzwischen allen Grund, sich mit sich selber zu beschäftigen. Er ist wegen „handwerklicher Fehler“ in seiner Doktorarbeit (andere würden sagen: abgeschrieben) ins Visier von Vroniplag-Gründer Martin Heidingsfelder (jetzt Politplag) geraten (Kursivtext ist Nachtrag).

Vroniplag Heidingsfelder hat bereits etliche Stellen veröffentlicht, wo Müller offensichtlich ohne Quellenangabe Texte anderer übernommen hat.

Dass es sich der Minister bei der Dissertation leicht machen wollte, belegt freilich schon das Thema: „Die Junge Union Bayern und ihr Beitrag zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung.“ Die Arbeit reichte der damalige Vorsitzende der Jungen Union im Jahr 1988 bei der Uni Regensburg ein. Als JU-Vorsitzender hatte er sich seinerzeit das Bekanntwerden ebenfalls ziemlich leicht gemacht und einfach mal die Todesstrafe für Rauschgifthändler gefordert. Zum kleinen Doktor (Andreas Scheuer) kommt nun auch noch der leichte Doktor. Die CSU steht also nicht für Einfalt, sondern für Vielfalt.

Nachtrag 9.4.2014: Die Uni Regensburg hat angekündigt, die Vorwürfe prüfen zu lassen.

In Nürnberg zählt der Doktor noch was

Nürnberg setzt mal wieder Zeichen. Während andernorts Doktortitel in Zweifel gezogen oder aberkannt werden, fügt man hier einen hinzu. Im September erst wurde die Erich-Mulzer-Straße am Egidienberg feierlich eingeweiht. Jetzt soll sie in Dr.-Erich-Mulzer-Straße umbenannt werden. Angeblich haben Angehörige Mulzers und Mitglieder der Altstadtfreunde, deren Vorsitzender Mulzer jahrelang war, einen entsprechenden Wunsch geäußert.

Der Stadtrat wird den Wunsch wohl im nächsten Verkehrsausschuss abnicken. Dort ist man noch empfänglich für Titel. Warum, das wissen selbst Eingeweihte nicht so genau. Bernhard Schmidpeter, Fachbereichsleiter beim Amt für Geoinformation und Bodenordnung, erinnert daran, dass 1977 bei der Benennung einer Straße nach dem früheren Bundeskanzler Ludwig Erhard beschlossen wurde, auf Straßenschildern keine Doktortitel mehr zu verwenden. Dran gehalten haben sich die Nürnberger Stadträte aber nur kurz. Inzwischen ist bei zehn der 80 promovierten Straßennamensgebern der Doktortitel auf Schilderblech verewigt. weiter lesen

Plagiatsucher filozofie

Plagiatsuchen und Promovieren scheint inzwischen jeder Depp zu können. Notfalls macht man es eben in Tschechien oder in Frankfurt bei der FAZ 😉

Die FAZ, die bei Schavan oder Steinmeier eher auf der Politikerseite stand, hat jetzt den neuen CSU-General Andreas Scheuer ins Visier genommen. Ganz eigenständig. Ohne ersichtliche Beteiligung der üblichen Plagiatskoryphäen.

Wobei das auch an denen liegen könnte.

Bei VroniPlag zum Beispiel wurde der Fall bereits im April 2011 aufgegriffen. Wegen der Streitigkeiten mit VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder sind die von ihm erstellten Seiten aber nicht mehr verfügbar. weiter lesen

Plagiatsvorwurf gegen Mollath-Gutachter

So, jetzt gibt es im Fall Mollath auch noch einen Plagiatsvorwurf und zwar gegen den Gutachter Dr. Klaus Leipziger. In einer gerade eingetroffenen Presseerklärung schreibt Plagiatssucher Martin Heidingsfelder:

Am heutigen Freitag, 02. August 2013, 10.00 Uhr, erstatteten wir bei der Universität Ulm Anzeige wegen eines konkreten Plagiatsverdachts.
Es handelt sich um die Dissertation von Klaus Leipziger, „Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Beschreibung und Untersuchung der Rahmenbedingungen, Konzepte und Behandlungsergebnisse bei nach § 63 Strafgesetzbuch im Maßregelvollzug untergebrachten Patienten im Bezirkskrankenhaus Bayreuth, unter besonderer Berücksichtigung der Gruppe Sexualstraftäter“, im Jahr 1999 von der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm akzeptiert wurde.
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Aus dem Weg, ich bin Gründer!

Die Plagiatsjagd hat im Augenblick nicht gerade Hochsaison. Annette Schavan ist immer noch im Amt. Unfähigkeit im eigenen Fachgebiet ist halt noch kein Entlassungsgrund. Auch die bekannten FDP-Europaparlamentarierer kämpfen weiter für das Vergessen. Hin und wieder liefern sie sogar Arbeitsnachweise. So hat Silvana Koch-Mehrin Thilo Sarrazin ins EU-Palament eingeladen. Nervpromis müssen zusammenhalten.

Die Plagiatsjäger wiederum zoffen sich derweil lieber darum, welchen Mitarbeitern welche Titel zustehen. Und weil es da selten was Schriftliches gibt, was man einscannen kann, sind Quatschdebatten nach dem Motto „Ich habs erfunden!“ „Nein, ich!“ „Tür und Tor geöffnet. Nun wollen plötzlich etliche Leute Großwesir anstelle des Großwesirs sein, genauer gesagt anstelle des Goalgetters.
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