Die AfD setzt auf ein neues Thema


Die Bundestagswahl ist zwar erst am 24. September. Trotzdem hängen in Nürnberg bereits die ersten Plakate. Von der AfD. Und natürlich kommt gleich der Reflex: Dürfen die das?

Ja, sie dürfen. Die zahlen nämlich dafür und dann ist das „normale“ Werbung und eine willkommene Einnahme für die jetzt nicht gerade finanzstarke Stadt Nürnberg.

Willkommen ist der AfD dann umgekehrt auch jener oben genannte Reflex. Mit dem geht sie gerade massiv hausieren. Nicht nur, dass sie sich damit als armes Opfer stilisieren kann, sie hat auch wieder was zu posten und kann Aufmerksamkeit generieren. Zum gerade aktuellen Thema Trump ist ihr nämlich bislang wenig eingefallen.

Dafür baggert sie am Türkei-Komplex. Das ist das eigentlich Interessante an der Nürnberger Plakataktion. Die örtliche AfD, die ja nicht nur aus der Hitlerbildchen-Ex-Kandidatin im Süden besteht, hat nämlich ganz offenbar – nach dem Euro und den Flüchtlingen – ein neues Thema entdeckt: die Türkei.

Die Plakate werben nämlich für eine Veranstaltung mit der „Menschenrechtlerin“ Leyla Bilge. Die früher als Flüchtlingshelferin lobend erwähnte Kurdin ist mittlerweile bei der AfD gelandet und soll dort offensichtlich jenen Bereich beackern, der der AfD wieder Aufwind bringen soll.

Man mag das als Populismus bezeichnen, wenn jemand dort herumholzt, wo die anderen Parteien herumeiern bzw. herumeiern müssen. Ungeschickt es nicht und für doof halten sollten wir die AfD gleich dreimal nicht. Zumal sich für diese Partei dabei noch ganz neue Perspektiven auftun. Dazu lohnt sich ein Blick auf die Facebookseite von Layla Bilge. Die greift dort nicht nur dankbar den Nürnberger Reflex auf ihre Plakate auf, sondern verbreitet auch jenen Beitrag des Kabarettisten Serdar Somuncu, in dem der den hiesigen Erdogan-Türken die Heimreise nahelegt. Somuncu wiederum ist Kanzlerkandidat der „Partei“ – und die ist nicht gerade verdächtig, rechtsextrem zu sein.

PETA und die tote Kuh

milch_plakat-560x397Heute ist Tag der Milch. Die Tierrechtsorganisation PETA wollte deshalb in Nürnberg an der Ecke Breslauer Straße/Dr.Linnert-Ring ein Plakat mit einer sterbenden Kuh und der Aufschrift „Milch tötet!“ (Bild) aufhängen lassen. Dazu kamn es aber nicht.

Laut PETA wurde an den Vermarkter Crossvertise der Auftrag vergeben, das Plakat in sechs Städten in der Nähe von Milch produzierenden Betrieben zu publizieren. Crossvertise habe laut PETA jedoch mitgeteilt, „dass alle Werbeflächenanbieter – inkl. Nürnberg – das Motiv abgelehnt haben und eine Plakatierung nicht möglich ist“.

Die besagte Plakatfläche gehört – wie die meisten Werbeflächen in der Stadt – der Stadtreklame Nürnberg. Dort weiß man von einer solchen Anfrage nichts. Stadtreklame-Sprecherin Denise Knorr verweisat darauf, das Motiv gar nicht zu Gesicht bekommen zu haben. Allerdings prüfe auch die Stadtreklame, ob Motive für die Allgemeinheit zu abstoßend oder Kindern zuzumuten seien.

Insofern hätte es zwar sein können, dass die Stadtreklame das Plakat ebenfalls abgeleht hätte. Dennoch ist sie unschuldig, wenn nun Privatsender oder Lokalpolitiker und natürlich PETA selber über Zensur und Bevormundung wettern.

Nachtrag 2.Juni 2015: Crossvertise hat jetzt zur Ablehnung noch einmal Stellung genommen.

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