Die Polizei und der Twitter-Alltag

Bei den sozialen Netzwerken ist es mittlerweile fast wie bei den Zeitungen: Es muss auch publiziert werden, wenn nichts passiert ist. Dabei gäbe es durchaus Beispiele, es anders zu machen, wie etwa das Alarmsystem Katwarn.

Die Polizei Mittelfranken geht dennoch den anderen Weg. Seit zwei Wochen sind dort drei Mitarbeiter für die Veröffentlichungen auf Facebook und Twitter zuständig. Anders als unsereins bekam das Polizeipräsidium für seine Social-Media-Aktivitäten auch kostenlose Starthilfe. Funk und Fernsehen berichteten groß, die beiden örtlichen Zeitungen meldeten das Ereignis sogar auf ihren „Schürzen“ (das sind die mit mehr oder weniger gelungenen, täglich wechselnden Schlagzeilen bedruckten Plakate auf den stummen Verkäufern). Mehr Werbung geht kaum.
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Schwere Tabak-Kriminalität in Nordbayern

ARCHIV - Ein Mann dreht sich mit Zigarettenpapier und Tabak eine Zigarette, aufgenommen am 11.05.2011 in Berlin.   Foto: Robert Schlesinger/dpa (zu dpa: "Drehtabak wird teurer - etwa 30 Cent mehr pro Packung" vom 27.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Nicht schlecht staunte mein Kollege Stefan Hofer, als er neulich mal wieder die Polizeiberichte nach Meldenswertem durchforstete. Waren da doch die Ordnungshüter in Lichtenfels einem massiven Fall von Drogenkriminalität auf die Spur gekommen.

Am Bahnhofsplatz wurde ein Jugendlicher (15) aufgegriffen, der sich eine Zigarette drehte. Und, nein, es war kein Marihuana oder Crack. Es handelte sich (wahrscheinlich, die Laborergebnisse stehen nämlich noch aus) um etwas viel Schlimmeres: um den Schwarzen Krauser. Also um einen „hochmutagenen Stoff, der süchtig macht“.

Bekanntlich ist Bayern in Drogenangelegenheiten weniger lax als andere Bundesländer. Der Erfolg gibt uns jedoch Recht. Drogenkonsum führt nämlich zu Beschaffungskriminalität und nicht selten zu üblen Gangsterkarrieren.

Es ist von daher mitnichten nachzuvollziehen, wenn sich nun Nichtbayern über unsere inneren Angelegenheiten lustig machen, wie etwa der aus Vechta stammende Comedy-Blogger Schlecky Silberstein. und seine Kommentatoren.

Immerhin wurde die ursprüngliche Meldung dadurch hervorragend geklickt. Von Nordbayern kann man also in jeder Beziehung lernen.

LSR: Wie der Staat den Lokalmedien schadet

Nein, das Leistungsschutzrecht (LSR) ist noch nicht weg vom Fenster. Gerade erst trat die EU dem Vorhaben näher. Jetzt hat unter anderem der Nürnberger Abgeordnete Michael Frieser (CSU) im Bundestag klar gestellt, dass die Mehrheit weiter hinter dem LSR stehe, zunächst müsse aber eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamt abgewartet werden. VG Media und Politik arbeiten sich weiter an Google ab. Um Sinn oder Unsinn geht es (wie Frieser explizit erläutert) längst nicht mehr. Trotzdem wäre es dienlich, wenn sich die Abgeordneten im Allgemeinen und Frieser im Speziellen mal in ihrem Wahlkreis umsehen würden, wo es die „alten“ Medien, denen sie angeblich einen Gefallen tun wollen, wirklich drückt.

Da zwickt nämlich mitnichten der ferne US-Konzern. Kollegen und Verlagsmitarbeiter (ich selber würde zwar eher sagen: Wettbewerb belebt das Geschäft) fühlen sich zunehmend von Leuten bedroht, mit denen sie jahrzehntelang gut und anstandslos zusammen gearbeitet haben. Die rütteln nun an den Grundfesten der Lokalzeitung, des Lokalradios oder der lokalen Fernsehsender. Und auch hier geht es um die Frage: Wem gehört eigentlich die Leistung und wer darf dafür den Lohn kassieren?

Da ist zum einen die Polizei. Seit Jahrzehnten war sie ein weitgehend exklusiver Nachrichtenlieferant für die Lokalmedien. Diese schlachteten den Polizeibericht aus, reicherten ihn mit der einen oder anderen Zusatzinformation an und brachten ihn unter die Leute.

Doch plötzlich fängt die Polizei an, das selber übernehmen zu wollen. weiter lesen

Adventskalender: Türchen#14

Sterne__54_.gifHinter diesem Türchen gibt es etwas, das mit Gender Mainstreaming oder Poltical Correctness herzlich wenig zu tun hat. So etwas würde es heute also gar nicht mehr geben (dürfen). Wahrscheinlich tun sich deswegen in Nürnberg viele mit dem Andenken etwas schwer.

Herbert Hisel

Für das 1982 verstorbene Nürnberger Original wurde erst vor wenigen Tagen, nach langem Hin und Her, auf Privatinitiative ein Gedenkstein auf dem Westfriedhof errichtet. Mehr über Hisel gibt es im Franken-Wiki. Ausgewählt habe ich „Der Bundestagsabgeordnete“, wo Hisel auch auf  Neonazis eingeht und zeigt, dass die regelmäßig in Nürnberg stattfindenden Polizeiaufmärsche mit Nazi- und Antifa-Beteiligung auch noch eine historisch bedingte Metaebene besitzen. Leider gibt es nur Ton- und keine echten Videobeiträge im Internet.

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Beamte im Knüppelrausch?

Camcorder werden immer günstiger, daher kann sich nicht nur die Polizei welche leisten. So wird dann aber auch nicht nur Fehlverhalten der Nichtuniformierten dokumentiert, sondern auch umgekehrt. Dies beweist dieser inzwischen bei YouTube veröffentlichte Film von den Geschehnissen am Rande der Nazi-Demo am 1. Mai in Nürnberg. Interessant wird es ab Minute 2.30, wo Beamte auf bereits am Boden liegende Gegendemonstranten einknüppeln:

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Falsches Rot: Strafanzeige!

Das SPD-Haus, das die Bahnreisenden kurz vor Nürnberg immer mit seinem altertümlichen Charme darauf hinweist, dass man gleich in einer ehemals roten Arbeiterstadt aussteigt, heißt im Volksmund auch: das rote Haus, weil es – wie sollte es anders sein – rot gestrichen ist. Offiziell heißt es nach dem Arbeiterdichter Karl-Bröger „Karl-Bröger-Haus“.

Dies wurde nun von Unbekannten mit roter Farbe „verschmutzt“. Muss wohl das falsche Rot gewesen sein und auf falsche Rottöne reagiert die SPD bekanntlich allergischer als auf Grün, Schwarz oder Gelb.

Hier der vollständige Polizeibericht:

In der Nacht von Montag auf Dienstag beschädigten Unbekannte die Fassade des Karl-Bröger-Hauses. Passanten hatten am Dienstagmorgen gegen 05.30 Uhr die Polizei davon verständigt, dass die Fassade des Karl-Bröger-Hauses mit Farbe beschmiert worden sei. Die aufnehmenden Beamten stellten fest, dass Unbekannte in der Nacht fünf mit roter Farbe gefüllte Glasflaschen gegen die Hauswand und Fenster des Gebäudes geworfen hatten. Da die Flaschen beim Aufprall barsten, wurde die Fassade mit roter Farbe verschmutzt. Außerdem gingen die Scheiben der Glaseingangstüre dabei zu Bruch. Der entstandene Sachschaden liegt bei 2.000 Euro. Hinweise auf die Täter liegen nicht vor. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Polizei simst

Wie erfährt ein Journalist von einem Unfall oder von einem Großfeuer?

Mancher denkt vielleicht: Der hört halt den Polizeifunk ab.

Doch das war einmal.

Inzwischen benutzt die Polizei modernere Technik, um Presse, Rundfunk und TV zu informieren. Bis vor Kurzem mussten die Medienvertreter einen so genannten „Piepser“ erwerben, auf dem dann eine kurze Meldung auf dem Display erschien. „In Unterasbach brennt einen Scheune. Polizei und Feuerwehr vorort!“ stand dann da drauf, und irgend eine arme Sau von Journalist, der zwar für Oberasbach, nicht aber für Unterasbach zuständig war, rumpelte wegen des lauten Piepstons aus der Tiefschlafphase, tastete nach dem Gerät, las die Meldung, legte sich wieder hin und konnte stundenlang nicht mehr einschlafen, weil er dauernd an arme, brennende Schweine denken musste.

Die Zeiten sind inzwischen auch vorbei. Vor rund zwei Jahren hat die Polizei nämlich entdeckt, dass es auch SMS gibt. Seitdem werden die Meldungen aufs Handy geschickt. Da man davon ausgeht, dass die Journalisten ohnehin ein Handy besitzen, steht die Polizei nun auch nicht mehr so unter Druck, die Ausgabe für die Hardware zu rechtfertigen. Die Meldungen wurden seitdem seltener.

Das könnte aber auch andere Gründe haben. In den letzten Tagen ratterten SMSen manchmal im Minutentakt. Doch weder brannte es in Unter- noch in Oberasbach. Es waren Test-Sendungen zur Überprüfung des Systems.

Seit etlichen Tagen geht das nun schon so.

Es ist nicht so einfach, das simsen. Auch für Polizisten nicht.

Aber andererseits hat dieses, offenbar bislang erfolglose, Dauertesten auch etwas Beruhigendes: Wenn die Polizei genauso Vorratsdaten speichert, wie sie SMS verschickt, dann braucht man sich keine allzu großen Sorgen machen.