Nichts wars mit der City-App

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Regelmäßige Vipraum-Leser dürften sich vielleicht noch erinnern. Letztes Jahr wollte die Stadt Nürnberg vom Schläfer zum „Leuchtturm“ aufsteigen. Gemeinsam mit SAP sollte eine City-App als weltweites Pilotprojekt entwickelt werden. Was daraus geworden ist?
Nichts!

Apps haben andere Städte schon längst. An Nürnberg ging die Anfangseuphorie ziemlich spurlos vorbei. Dafür wollte die Stadt dann gleich was Richtiges präsentieren. Über „Terminvereinbarungen, Stadtführungen, Bezahlung, Routing, Stadtführungen bis zu individuell abgestimmten Angeboten des Einzelhandels“ sollte auf die persönlichen Interessen des Users eingegangen werden, hieß es damals.
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City-App: Vom Schläfer zum Leuchtturm?

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Die Stadt Nürnberg will das Feld offensichtlich von hinten aufrollen. Nachdem die Nachbarstädte Erlangen und Fürth bereits seit mehr als drei Jahren eigene City-Apps haben, herrschte in Nürnberg Ruhe im (Reichs-)Wald. Völlig untätig war man aber nicht. Inzwischen bastelt die Stadt zusammen mit dem Softwarehersteller SAP an einer City-App, die vor allem auf Interaktion setzt. SAP entwickelt mittlerweile in Singapur Apps für Kommunen. Für Barcelona wurde bereits eine Smart-City-App vorgestellt. Nürnberg ist SAP-Partner in Deutschland. „Wir sind ein Leuchtturmprojekt“, freut sich Robert Hackner, Leiter des Online-Büros der Stadt Nürnberg.
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LSR: Wie der Staat den Lokalmedien schadet

Nein, das Leistungsschutzrecht (LSR) ist noch nicht weg vom Fenster. Gerade erst trat die EU dem Vorhaben näher. Jetzt hat unter anderem der Nürnberger Abgeordnete Michael Frieser (CSU) im Bundestag klar gestellt, dass die Mehrheit weiter hinter dem LSR stehe, zunächst müsse aber eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamt abgewartet werden. VG Media und Politik arbeiten sich weiter an Google ab. Um Sinn oder Unsinn geht es (wie Frieser explizit erläutert) längst nicht mehr. Trotzdem wäre es dienlich, wenn sich die Abgeordneten im Allgemeinen und Frieser im Speziellen mal in ihrem Wahlkreis umsehen würden, wo es die „alten“ Medien, denen sie angeblich einen Gefallen tun wollen, wirklich drückt.

Da zwickt nämlich mitnichten der ferne US-Konzern. Kollegen und Verlagsmitarbeiter (ich selber würde zwar eher sagen: Wettbewerb belebt das Geschäft) fühlen sich zunehmend von Leuten bedroht, mit denen sie jahrzehntelang gut und anstandslos zusammen gearbeitet haben. Die rütteln nun an den Grundfesten der Lokalzeitung, des Lokalradios oder der lokalen Fernsehsender. Und auch hier geht es um die Frage: Wem gehört eigentlich die Leistung und wer darf dafür den Lohn kassieren?

Da ist zum einen die Polizei. Seit Jahrzehnten war sie ein weitgehend exklusiver Nachrichtenlieferant für die Lokalmedien. Diese schlachteten den Polizeibericht aus, reicherten ihn mit der einen oder anderen Zusatzinformation an und brachten ihn unter die Leute.

Doch plötzlich fängt die Polizei an, das selber übernehmen zu wollen. weiter lesen

Zu viel Einsatz unerwünscht

Wer sich über den Öffentlichen Dienst aufregt, wenn beispielsweise ab Freitagmittag niemand mehr zu erreichen ist, wenn Mittagspausen oft etwas länger dauern und Freundlichkeit und Motivation mitunter Fremdworte sind, der sollte umdenken und wenigstens nicht den einzelnen Mitarbeiter verantwortlich machen.

An einem aktuellen Beispiel in Fürth wird jetzt nämlich sehr schön deutlich, wozu Liebe zur Arbeit, Begeisterung und großer persönlicher Einsatz führen können. Zur Strafversetzung und zu einem Hausverbot. Getroffen hat das den langjährigen Leiter des Museums Gerd Walther, der ohnehin in vier Monaten in den Ruhestand gehen sollte. Walther hatte nämlich die „Frechheit“ besessen, auf eine schleichende Zerschlagung seines Museums durch die Stadt Fürth hinzuweisen. Wie gesagt, der Mann setzt sich halt für seine Sache ein.

Nachdem der Vater des Rundfunkmuseums jetzt weg ist, dürfte es mit diesem wohl bald bergab gehen. Man sollte es sich also schnell noch ansehen. Besonders gut hat mir übrigens jene alte DDR-Musikbox gefallen, bei der man für seine Münzen nur ein Stromkontingent bekommt und sich die Platten selbst auflegen muss. Aber auch die Einblicke in die fränkische Rockgeschichte zeigen: Da war ein Fan zugange und kein abgehobener Museumswissenschaftler. Allerdings muss der Besucher des Rundfunkmuseums künftig damit rechnen, dass das Personal gerade Pause macht oder im Sinne des Arbeitgebers alle Fünfe gerade sein lässt.

Wie Microsoft unseren Stadtrat köderte

Ahnungslosigkeit gepaart mit Herdentrieb, das wird meistens teuer. In Nürnberg wurde beispielsweise unnötig Geld rausgehauen, weil sich der Stadtrat – ich erinnere mich noch gut an den offiziellen CSU-Beitrag in der damalige Sitzung: „Für mich is a Brauser immer noch a Limo“ – nicht für den Münchner Weg entscheiden konnte und ebenfalls Linux als Betriebssystem für die städtischen Computer auszuwählen . Dabei gab es dafür sogar richtig gute Argumente. Die in Nürnberg ansässige Firma Suse hätte die Betreuung übernehmen und etwas für ihr Standing tun können. Der damalige Wirtschaftsreferent und jetzige Messegeschäftsführer Roland Fleck wollte Nürnberg gar zum Linux-Valley machen. Da hätte es gut gepasst, wenn die Stadt ebenfalls mit Open Source arbeiten würde. Trotzdem erlagen unsere Stadträte der Lobbyarbeit von Microsoft. Blöd, denn nun können sie nicht – wie München in seiner Bilanz „10 Jahre LiMUx“ – ihren Bürgern freudig mitteilen, dass ihnen Millionenausgaben erspart wurden.

Um nachzuvollziehen, warum in Nürnberg trotz allem auf Microsoft gesetzt wurde und wie Lobbyarbeit auf lokaler Ebene läuft, ist es interessant noch einmal den Artikel zu lesen, den ich zur Microsoft-Entscheidung im April 2005 geschrieben habe und den ich auf diesem Weg für weitere Ursachenforschung ins Netz stelle: weiter lesen

Die Stadt und ihre makabre Fehlerseite

Die Stadt Nürnberg und das Internet werden einfach keine Freunde. Es ist zwar beileibe nicht so, dass da lauter Vollpfosten sitzen und Däumchen drehen. Nein, man überlegt sich sogar durchaus mitunter etwas. Zum Beispiel bei der Gestaltung der Fehlerseite. Wenn ein Link nicht funktioniert oder eine Unteradresse falsch eingegeben wird, dann kommt bei vielen Webseiten nämlich einfach die Meldung „Error 404“ und das war´s dann.

Inzwischen wird jedoch zunehmend die Möglichkeit genutzt, locker und humorvoll mit dem Fehler umzugehen. Manche Fehlerseiten sind inzwischen sogar amüsanter und unterhaltsamer als die regulären Seiten. Ein Beispiel bietet die Fehlerseite des Spieleherstellers „Blizzard“:

Bei der Stadt Nürnberg geht der Witz (oder ist es eher die gute Absicht?) jedoch voll nach hinten los. weiter lesen

Die Griechen von der Theresienstraße

Angesichts von Griechenland oder Italien sind diese Schuldenbeträge vielleicht Peanuts, trotzdem sollte man auch mal nach Nürnberg schauen. Da kennt man die Finanzjongleure und Schuldenmacher nämlich zumindest.

Mehr als zwei Milliarden Euro hat die Stadt Nürnberg an Schulden. Wahrscheinlich sind es sogar drei. So genau weiß das keiner, denn durch Eigenbetriebe, Auslagerungen, verschleierte Kreditaufnahmen etwa durch Private-Partnership-Projekte oder obskure Leasing-Verträge blickt kaum noch einer durch. Auch im Netz entdeckt man keine Zahlen. Dafür findet sich dort eine schöne Aufstellung des Politischen Psychologen Rudolf Sponsel aus Erlangen, die allerdings (siehe oben) das Ausmaß der Schuldenkatastrophe nur teilweise belegt. Sponsel geht es allerdings gar nicht so sehr um ein paar Hunderttausend hin oder her, sondern um die Psychologie des Schuldenmachens und dabei spart er auch die „suggestive Schulden-Wachstums-Propaganda“ der Medien nicht aus.

Fehlende Kritikfähigkeit resultiert häufig aus fehlender Kenntnis des Sachverhalts. Ich reihe mich da gerne mit ein. Zuzugeben, dass ich auch nicht mehr durchblicke, fällt mir allerdings leichter, wenn ich lese, dass es anderen genauso geht. Die nennen das nur anders. weiter lesen

Neues Jahrhundertprojekt: eine App

Nun ist sogar der Nürnberger CSU aufgefallen, dass Hinz und Kunz, ja selbst Fürth und Erlangen ihre eigenen Apps haben, nur Nürnberg nicht. „Die Kommunikation zwischen Kommune und Bürgern kann durch mobile Apps noch weiter unterstützt werden“, schreibt jetzt CSU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Brehm und teilt der Stadtverwaltung zudem mit: Mobile Kommunikation sei aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, die Nutzung der Smartphones entwickle sich rasant und die Tendenz sei steigend. Brehm möchte daher, dass auch Nürnberg eine eigene App anbietet, mit Veranstaltungskalender, Müllabfuhrterminen, der Möglichkeit defekte Straßenlaternen zu melden usw.

Was Brehm offenbar nicht weiß: Die Stadt Nürnberg plant schon seit längerem eine App, kommt aber nicht so richtig weiter. weiter lesen

Nürnberg, hier können Sie faxen!

Bevor mich hier wieder Leute einmachen, ich sei ein willfähriger Vertreter irgendwelcher Provider oder Telefongesellschaften und wolle alle nur ins Netz holen, damit diese noch mehr Reibach machen, schicke ich mal folgende Botschaft vorneweg:
Werdet glücklich im Analogen, meinen Segen habt ihr!

nbg.deSo, nun aber zum Nürnberger Wirtschaftsreferat, das sich bekanntlich das Reibach-Machen als General-Zielvorgabe auf die Fahnen geschrieben hat. Das war ja anscheinend schon einmal weit vorne, als es den braunen Sehenswürdigkeitenschildern auf den Autobahnen ein, damals für viele Autofahrer noch gänzlich unverständliches, „Nuernberg.de“ hinzufügte. Gelockt von diesen Schildern sollen hin und wieder auch gutgläubige Touristen in der Altstadt gesichtet worden sein, die Einheimische gefragt haben, wo es denn dieses berühmte „nuernberg.de“ zu sehen gebe und ob man da Eintritt zahlen müsse (nein, muss man nicht, das gibt es nur im Internet und dort sind solche Sachen – bislang noch – umsonst zu haben).

Dieser Tage ist besagtes Wirtschaftsreferat wieder einmal aktiv geworden und überprüft nun seine „Datensätze“. Dazu schreibt es Journalisten und Multiplikatoren an, ihm doch Änderungen bei Adresse, Rufnummer, Mail etc. mitzuteilen. Schließlich (das ist jetzt aber meine Schlussfolgerung) könnte es sein, dass nach all den Jahren, wieder ein solcher Burner wie das „Nuernberg.de“ aus der Pipeline des Wirtschaftsreferates entfleucht und mit medialer Begleitmusik in die Öffentlichkeit getrommelt werden muss.

Ich habe vom Wirtschaftsreferat auch meinen Datensatz zur Überprüfung geschickt bekommen. Das meiste stimmt, diie dort aufgeführte Mailadresse ist allerdings völlig falsch, und war auch noch nie richtig. Aber korrigieren will ich das eigentlich trrotzdem nicht. Denn die Rücksendung kann nur per Fax erfolgen. Eine eigene Mailadresse gibt das Referat vorsorglich gar nicht an. Muss die nächste Kampagne halt ohne mich ablaufen.

Auf diesem Weg möchte ich aber gerne noch einen Vorschlag machen für eine etwaige Neugestaltung der Nuernberg-Schilder. Schreibt doch drauf: Nürnberg – hier können Sie faxen!
Das macht sicher Eindruck und lockt junge, aufstrebende Unternehmer.