Kein Raum für den Baum


Auf der einen Seite wird Nürnberg regelmäßig von Umweltverbänden getadelt, weil es zu wenig Straßenbäume hat. Auf der anderen Seite demonstriert SÖR seit Wochen an prominenter Stelle, warum die Baumhaltung in Nürnberg zumindest problematisch ist.

An der Südseite der Lorenzkirche hat einer der beiden Bäume, die sogar mit einer eigenen Rundbank versehen wurden, im vergangenen Jahr schlapp gemacht. Lange Zeit stand die Bank einsam um den abgesägten Baumstumpf (Bild oben). Für manchen symbolisierte sie das Kreisen um unsere Werte, für andere korrespondierte sie mit den Sitzbänken, die die Gemeinde St.Lorenz zeitweise vor die Kirche gestellt hatte. Irgendwer hat dann wohl ein Machtwort gesprochen und veranlasst, dass da wieder ein Baum zur Bank muss.
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Weihnachtliches Totholz-Geprotze

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Wer hat den längsten? In Nürnberg mit Sicherheit der Markus. Inzwischen verschattet nämlich ein gut zehn Meter hoher Christbaum den Platz vor dem Söderschen Heimatministerium. Wer für „unsere Werte“ eintritt, der muss klotzen, mag sich der Minister gedacht haben. Vielleicht hat ihm aber auch die US-Wahl gezeigt, dass man groß auftrump(f)en muss, um zu gewinnen.

Dabei ist es unökologisch hoch drei, was Söder da macht: Einfach einen riesigen Baum abholzen, kilometerweit nach Nürnberg transportieren und nach wenigen Wochen entsorgen zu lassen. Sogar bei den sonst so machtbewusst zurückhaltenden Grünen gibt es noch Versprengte, die dem Einhalt zu gebieten versuchen. Natürlich nicht in Nürnberg, die machen lieber eine Pressekonferenz zur Gestaltung der Sandrartstraße. Aber in Düsseldorf. Dort haben sie von der Stadt gefordert, die Tannen doch fest einzupflanzen, dann habe man das ganze Jahr etwas davon. Zudem sei es doch schöner, Weihnachten „mit lebenden Bäumen“ zu feiern.
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Eine Topmeldung für die Tonne

Es wird ja immer gerne behauptet, im Internet bekäme man auch lokale Meldungen schneller und wesentlich breiter gefächert als an seinem Kiosk.

Mag sein, wenn einer die richtigen Web-Adressen kennt. Wer allerdings meint, er könne bei Google-News einfach „Nürnberg“ angeben und erhalte dann die wesentlichen Meldungen aus Nürnberg, der ist schief gewickelt. Bei Google-News war neben dem Lokalzeitungslesern längst bekannten Club-Gemunkel (bleibt Pinola? geht Koller, und wenn ja, wohin?) in den letzten Tagen folgende Topmeldung zu finden: Arbeitskreis „Stadtbäume“ tagt in Nürnberg.

Dieser Arbeitskreis, so heißt es in der Meldung, besteht aus gerade einmal zwölf Gartenbauamtsmitarbeitern aus Deutschland. Und diese zwölf Leute werden zwei Tage lang „intensive Gespräche“ führen und „eine Stadtbesichtigung durchführen“. Wow, was für eine Spitzenmeldung!

Interessant wird diese vom Presseamt der Stadt Nürnberg lancierte Meldung allenfalls durch das, was nicht drin steht. Nürnberg war nämlich jahrelang Schlusslicht bei den Straßenbäumen. Beim Gartenbauamt wurde so massiv gespart, dass es kaum noch die nötige Baumpflege gewährleisten konnte. Also wurde abgeholzt was das Zeug hält. Vor fünf Jahren kam ein Baum auf 22,7 Einwohner. In dem auch nicht gerade supergrünen Hamburg war es zur gleichen Zeit immerhin ein Baum für 7,6 Einwohner. Zwar wurde in Nürnberg in den letzten Jahren wieder mehr gepflanzt. Aber von einem Mekka der Straßenbäume, wie diese Google-Topmeldung suggerieren soll, ist die Stadt noch meilenweit entfernt. Nürnberg braucht also dringend ein bisschen Ruf-Aufpäppelung in Bezug auf so genanntes Straßenbegleitgrün. Und wenn Google derart billig mithilft, kann man sich teure Anpflanzungen sparen.