Wer sendet, das bestimmen wir


Der Freiheit im Netz geht es gerade auf vielfältige Weise an den Kragen. Hier der mit rechten Hasskommentaren begründete Angriff auf die Meinungsfreiheit. Dort der Versuch, aktuelle Videoangebote mit Strukturen, die sich noch auf begrenzte Frequenzen im UKW-Netz gründen, in Einklang zu bringen.

Vor einigen Tagen machte die Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen den Vorreiter und kündigte an, den Betrieb von PietSmietTV zu untersagen. Gut, nicht auf YouTube, sondern nur auf twitch.tv, das vor allem auf solche Game-Übertragungen spezialisiert ist. Aber das ist in diesem Zusammenhang auch unerheblich. Offenbar geht es darum, den Medienanstalten wieder eine Daseinsberechtigung zu verschaffen: als Aufpasser für alles, was im weiteren Sinne unter den Rundfunk-Begriff fallen könnte und der ist halt weit, wenn man unter rundfunken jegliche Form von Liveübertragung versteht.
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Die BLM hebt ab

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) ist ein ziemlich komischer Verein. Das fängt schon beim Namen an. Neu ist für die Rundfunk und – man halte sich fest – Fernsehen. Aber nicht das öffentlich-rechtliche, sondern das Private. Die BLM soll sich darum kümmern, dass es zu keinen Auswüchsen kommt, dass niemand die katholische Kirche, die CSU oder andere im Medienrat vertretene öffentliche Einrichtungen beleidigt und dass keine unkorrekten Sender auf die Kabelliste oder in den Äther gelangen.

Viel wichtiger ist aber ein anderer Auftrag: Die BLM muss schauen, dass ihre Sender nicht abkacken. Gerade im Lokalfernsehbereich ist das ein schwieriges Unterfangen. Auf den in Nürnberg stattfindenden Lokalrundfunktagen wird jedes Jahr wieder deutlich, wie schwer es ist, das in der Produktion doch einigermaßen aufwändige Lokalfernsehen, das zudem unter dem Manko leidet, per Satellit nicht empfangbar zu sein, aus den roten Zahlen zu hieven. Dass nun auch im Internet zunehmend Bewegtbilder auftauchen, die häufig nicht mal schlechter sind als das, was diese Lokalsender anbieten, das bereitet der BLM natürlich Sorgen.

Und was macht nun die nicht gerade an Selbstzweifeln leidende Bayerische Landeszentrale? Sie sagt: Bewegtbild, das sind wir. Wenn also irgendwo mehrere Leute ein Filmchen gucken, dann muss das von der BLM genehmigt werden. Wie „streng“ die BLM dabei ist, und dass sie bei Zuschauerabzocke immer gerne alle Augen zudrückt, erkennt man hier oder hier. Welche Reichweiten das lokale Fernsehen hat, teilt uns die BLM mit ihren – nur scheinbar willkürlich gewählten – Zahlen in ihrer Presseveröffentlichung auch gleich mit: Wo 500 Leute gleichzeitig vor einer Sendung sitzen, da ist die BLM mitten unter Euch.

TV-Unternehmen, wie etwa dem Frankenfernsehen, kann man da nur raten: Bringt doch ein paar Zuschauer zum Abschalten. Bei 499 dürften die freischaffenden Contentlieferanten nämlich endlich einmal die Sau rauslassen, ohne dass ihnen die BLM reinredet.

Weil solches Saurauslassen allerdings leicht dazu führen könnte, dass die Einschaltquoten extrem nach oben gehen, ist ein anderer Rat vielleicht doch hilfreicher: Nicht mehr aus Bayern senden!

via

Nachtrag (Jahre später): Im Oktober 2010 hat übrigens die Isarrunde ihren Twitterkanal (mehr als 500 Follower) als Rundfunkangebot bei der BLM angemeldet.